Newsartikel 7. Mai 2010 - 19. Dezember 2011

19.12.2011

Aller Anfang ist schwer

Nur zwei der sechs Kandidatinnen und Kandidaten schlossen die Prüfungen für den neuen eidgenössischen Fachausweis Texterin und Texter erfolgreich ab. Das ist ein Beweis dafür, dass die mündlichen und vor allem die schriftlichen Prüfungen anspruchsvoller sind, als viele gedacht haben – und sich die nächsten Kandidatinnen und Kandidaten wohl noch gründlicher vorbereiten müssen, wenn sie besser abschneiden wollen.

Daniela Dambach aus Münsingen und Christian Bärtschi aus Bern sind die ersten, die sich Texterin beziehungsweise Texter mit eidgenössischem Fachausweis nennen dürfen. Sie erreichten in den sieben Prüfungen einen Durchschnitt von 4,4 und hatten in keinem der vier Hauptfächer – «Idee, Konzept, Text», «Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion», «Redigieren» sowie «AV- und elektronische Medien» – eine Note unter 4. Anders als ihre Kolleginnen und Kollegen, die an Schwächen in den Kernkompetenzen «Idee, Konzept, Text» und «Rechtschreibung, Grammatik, Interpunktion» scheiterten, obwohl ihr Notendurchschnitt sogar gereicht hätte.

Die nächsten Prüfungen sind für Ende Oktober (schriftlich) und Ende November (mündlich) 2012 terminiert. Anmeldeschluss ist der 30. Juni. Alle Informationen über den eidgenössischen Fachausweis Texterin und Texter finden Sie auf www.texterin-texter.ch, inklusive aller Ausbildungsinstitute, die Kandidatinnen und Kandidaten auf die Prüfungen vorbereiten.

Kontakte für die Medien:
Heinz Egli, Prüfungsleiter, 044 350 10 50
Roger Hausmann, Präsident der Prüfungskommission, 044 586 28 50

 


12.12.2011

Fälle vor der Lauterkeitskommission

Wettbewerbsteilnahme derogiert Sterneintrag

Wer bei Wettbewerben mitmacht, erteilt in der Regel eine Einwilligung zur Kontaktaufnahme und kann sich nicht auf einen Sterneintrag berufen.

Telefonanrufe zwecks Abschluss eines Geschäftes haben Hochkonjunktur. Was für Unternehmen eine effiziente Methode zur Kontaktierung potentieller Kunden darstellt, ist für die Angerufenen in vielen Fällen lästig. Wer nicht kontaktiert werden will, kann sich deshalb mit einem Sterneintrag vor kommerziellen Anrufen schützen. Dieser Schutz entfällt allerdings, wenn ein Konsument eine Einwilligung zur Kontaktaufnahme gegeben hat. Dies gilt vor allem bei Kundenbeziehungen. Und, was viele nicht wissen: Mit der Teilnahme an Wettbewerben unterstellt man sich in der Regel den Teilnahmebedingungen, in welchen ein Einverständnis für Telefonwerbung oder andere Marketingmassnahmen vorgesehen ist. Die Erste Kammer der Schweizerischen Lauterkeitskommission, SLK, hatte sich mit einer solchen Beschwerde zu befassen, weil sich ein Konsument durch Anrufe gestört fühlte. Die Beschwerdegegnerin konnte allerdings nachweisen, dass der Konsument bei mehr als 30 Wettbewerben teilgenommen und auf diese Weise seine Einwilligung zur Kontaktaufnahme erteilt hatte. Damit verlor der Sterneintrag seine schützende Wirkung, und die Beschwerde wurde abgewiesen.

Jede Person ist befugt und legitimiert, kommerzielle Kommunikation, die ihrer Meinung nach unlauter ist, bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission zu beanstanden. Die SLK ist ein Organ der Stiftung der Schweizer Werbung für die Lauterkeit in der kommerziellen Kommunikation.
Tel. +41 44 211 79 22, www.lauterkeit.ch

Dr. Piero Schäfer, Kommunikationsbeauftragter der SLK

 


09.12.2011

Medienbericht zum SW-Workshop vom 1. Dezember 2011

Neue Vorschriften für Autowerber – die Schweizer Werbung SW sorgt für mehr Durchblick

Per 1. Januar 2012 gelten neue Vorschriften für die Energieeffizienz-Angaben in der Autowerbung. Zu diesem Thema hat der Dachverband Schweizer Werbung SW zu einem Informations-Workshop geladen, der grosse Resonanz fand.

((Bild))

Rolf Jeger, der bei Draftfcb/Lowe für das BMW-Budget verantwortlich ist, diskutiert beim Apéro angeregt mit Susan Baumgartner, die für EXXTRA Kommunikation das Audi-Budget betreut.

Unter dem Titel «Neue Leitplanken für Autowerber» konnten sich die betroffenen Werbeauftraggeber, Werbeagenturen und Werbemittler ein Bild machen, was auf sie zukommt mit der Revision der Energieverordnung.
 
Offensichtlich hat der Verband damit einem grossen Informationsbedürfnis entsprochen, konnte doch die ungewöhnlich hohe Teilnehmerzahl von 78 Interessierten verzeichnet werden.
 
Als Hauptreferent konnte der zuständige Experte und Verantwortliche des Bundesamts für Energie (BfE), Hermann Scherrer, gewonnen werden. Er konnte aus erster Hand über die für Werber relevanten Änderungen Auskunft geben. Diese betreffen einerseits eine Ausweitung der Energieetikette, insbesondere aber auch die Verschärfung der Angaben in diversen Werbemitteln. In Zukunft müssen bei sämtlichen Druckerzeugnissen, worunter auch Anzeigen und Plakate fallen, Angaben zu Energieeffizienz eines bestimmten Fahrzeugtyps aufgelistet sein. Bisher galt diese Regelung nur bei bestimmten Argumentationsschwerpunkten. Die folgenschwerere Neuerung besteht aber darin, dass neu auch «visuell-elektronische» Medien betroffen sind. Sprich: in Zukunft müssen alle TV- und Kinospots, die einen bestimmten Fahrzeugtyp bewerben, die entsprechenden Angaben enthalten. Eine Neuerung, die in ihren Konsequenzen noch nicht genau abschätzbar ist, was auch der Vertreter des Bundesamts für Energie zugeben musste.
 
In den lebhaften Diskussionen zeigte sich, dass auch sonst einige Bestimmungen Interpretationsspielraum offen lassen, was für die Werbetreibenden nicht nur von Nachteil sein muss. Von Amtes wegen wurde auch signalisiert, dass der gesunde Menschenverstand in der Beurteilung nicht zu kurz kommen werde. So oder so sind die Werbetreibenden gefordert, Lösungen zu finden, die auch ökonomisch und ästhetisch vertretbar sind. Wie diese aussehen, wird erst die Praxis zeigen.
 
Die Schweizer Werbung SW konnte an dieser Veranstaltung, unter der Leitung ihres Rechtskonsulenten Dr. Marc Schwenninger, im Vorfeld mehr Transparenz zur Theorie schaffen und einen Ausblick in die Umsetzung und Kontrolle vermitteln.

Patrick Lienert, SW Kommunikationsbeauftragter ad interim

 

11.11.2011

Die Zeit war reif für einen Wandel

Der Trend zur Absolvierung der Prüfung am PC nimmt stetig zu. Wo früher die Kommunikationsleiter-Prüfung in einem Saal im beschaulichen Lenzburg stattfinden konnte, brauchte es für dieses Jahr nebst der handschriftlichen Möglichkeit auch zehn geeignete Computerplätze. Bei der PC-Abwicklung legten wir Wert auf grösstmögliche Kompetenz und den entsprechenden Support. Und um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde die schriftliche Prüfung an geeignete Standorte, sowohl für die Abwicklung am Computer wie auch für die handschriftliche, nach Zürich verlegt.
 
Nachdem das KV-Schulhaus in Lenzburg wegen Umbau ebenfalls nicht zur Verfügung stand, verlegten wir auch die mündliche Prüfung in ein geschichtsträchtiges Schulhaus namens „Hirschengraben“ mitten in Zürich. Dieses im englischen Stil 1894 erbaute Schulhaus bot eine imposante, architektonische Kulisse. Nebst dem Eingang und den Gängen ist besonders die Aula spektakulär, die ohne weiteres die Kulisse für einen Harry Potter-Film abgeben könnte. Zum Glück wurde es aber für die meisten Absolventen nicht „ein Ort des Grauens“.

An der Prüfung nahmen 24 Kandidatinnen und Kandidaten teil. Wie jedes Jahr bot sich vom Ergebnis her ein unterschiedliches Bild. Immerhin werden 20 von ihnen im Januar ihr Diplom entgegen nehmen können, was einen positiven Abschluss von 83.3 % bedeutet. Wie so oft in den letzten Jahren dominieren dabei in den vorderen Rängen die weiblichen Absolventinnen.

Zur erstmaligen Durchführung in Zürich fielen die ersten Reaktionen durchwegs positiv aus. Die schriftliche Prüfung jedenfalls findet nächstes Jahr sicher wiederum in Zürich statt.
 
Erfolgreiche Kandidaten undKandidatinnen 2011 ((Link))

Heinz Egli, Prüfungsleiter

 


28.09.2011

Werbeverbot für Konsumkredite – «Initiative Aubert»

Werbeverbote sind Augenwischerei

Mit Befremden hat die Schweizer Werbung SW zur Kenntnis genommen, dass die «Initiative Aubert» gestern entgegen der Empfehlung der Kommission vom Nationalrat an den Ständerat überwiesen wurde. Die parlamentarische Initiative will mit einem Werbeverbot bei Konsumkrediten das Problem der Verschuldung von Jugendlichen lösen. Das ist reine Augenwischerei und wird von der Schweizer Werbung entschieden abgelehnt. Die von Nationalrätin Josiane Aubert (SP VD) eingereichte Initiative ist keine Lösung gegen Verschuldung von Jugendlichen, sondern lastet das Problem unter dem Motto «aus den Augen aus dem Sinn» der Werbewirtschaft an.

Würde sich Frau Aubert tatsächlich um die Jugendlichen sorgen, welche sie vom Abgleiten in die Verschuldung bewahren will, müsste sie an die Eigenverantwortung der Erziehungsberechtigten und der Gesellschaft appellieren. Mit dem Verbieten von Werbung jedoch wird das «Übel nicht an der Wurzel angepackt», wie die Initiative uns weis machen will, sondern einmal mehr der Sack geschlagen, aber der Esel gemeint (siehe auch Kommentar «Teufelskreis Politik»). ((Link zu KomKom))

Die Schweizer Werbung SW zählt auf einen korrigierenden Eingriff der kleinen Kammer, welche das Geschäft nun zu beraten hat. Denn wie bereits die Mehrheit der nationalrätlichen Kommission, welche das Geschäft zur Ablehnung empfohlen hatte, weil damit das Problem der Verschuldung von Jugendlichen «nicht gelöst werden könne», spricht sich auch die Schweizer Werbung SW gegen ein solches Werbeverbot aus. Die Kommissionsmehrheit befürchtet zudem vor allem Abgrenzungsprobleme. So ist nicht klar, ob beispielsweise Werbung für Leasing-Angebote noch gestattet wäre.
Des Weiteren würde das geforderte Werbeverbot für Konsumkredite jegliche Werbung beinhalten, auch solche, die sich nicht an Jugendliche richtet. Ein solches Verbot ist auch deshalb untauglich, weil bei fehlender Kommunikationsmöglichkeit ein intransparenter Markt entstünde, in welchem die Anbieter keinerlei Anlass hätten, Zinsen für Kredite tief zu halten. Faktisch würde es wohl dazu führen, dass sich ein hoher Marktzins einpegeln würde – die behauptete Verschuldung nähme dadurch nicht ab. Ginge es tatsächlich um das Thema Jugendverschuldung, müssten beispielsweise die Kreditvergabevoraussetzungen für Jugendliche angepasst werden.
 
Missbräuche in der Werbung für Konsumkredite werden jedoch bereits heute durch strenge Vorschriften im Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ausgeschlossen. Und mit dem Konsumkreditgesetz wurde ausserdem eine strenge Kreditfähigkeitsprüfung institutionalisiert: Es erhalten nur Personen Konsumkredite, die die strengen Anforderung erfüllen – das gilt auch für die Kreditvergabe an junge Erwachsene. Die Regeln des Konsumkreditgesetzes und des UWG sind in der Schweiz schärfer als jene in unseren Nachbarstaaten oder jene oder der entsprechenden EU-Richtlinie.

Urs Schnider

 


24.08.2011

MarKom Zulassungsprüfung

Erster Prüfstein

Die zum neunten Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung, deren Zertifikat für die Teilnahme an den Berufsprüfungen der Marketing-, Verkaufs- und PR-Fachleute sowie der Kommunikationsplaner/-innen und Texter/-innen Bedingung ist, hat mit einer wiederum erfreulichen Erfolgsquote von 83.2 Prozent ihren Abschluss gefunden.

An der anfangs August an verschiedenen Standorten in der Schweiz gleichzeitig durchgeführten, internetbasierten MarKom Zulassungsprüfung haben insgesamt 1'056 Kandidatinnen und Kandidaten teilgenommen, davon 561 Frauen (53.1 %) sowie 495 Männer (46.9 %). Die Prüfungskommission erteilte an ihrer Sitzung vom 17. August 879 Absolventinnen und Absolventen (775 aus der deutschsprachigen Schweiz, 92 Romands und 12 Tessiner/-innen) das MZP-Zertifikat. Im Vergleich zu der an den beiden vorherigen Prüfungen rückläufigen Erfolgsquote konnte diese wieder auf 83.2 % (Januar 2011: 77.6 %) gesteigert werden.

Der erzielte Notendurchschnitt beträgt wie an der Januar-Prüfung 4.3 Punkte. 4.3 entfallen auf das Fach Wirtschaft & Recht, 4.6 auf Marketing, 4.5 auf Verkauf & Distribution, 4.6 auf Marketingkommunikation und 4.1 auf Public Relations. Seit Einführung der Zulassungsprüfung vor fünf Jahren haben 7'648 Kandidat/-innen diese erfolgreich abgeschlossen.
 
Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste MZP wird vom 23.-27. Januar 2012 durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 17. Oktober 2011 offen, Anmeldeschluss ist der 9. Dezember 2011.

Der 2002 gegründete Verein MarKom, welchem die Branchenverbände pr suisse Schweiz. Public Relations Verband (SPRV), Schweizer Werbung (SW), Swiss Marketing (smc), KV Schweiz, Verkauf Schweiz, FAIR (Fédération des Agents Indépendants et Représantants), Schweizerische Gesellschaft für Marketing GfM sowie Schweizer Direkt Marketing Verband (SDV) angehören, führt für ihre fünf Berufsprüfungen (mit eidg. Fachausweis) eine gemeinsame, vorgängig zu absolvierende Zulassungsprüfung durch, an welcher die Basisfächer Wirtschaft & Recht, Marketing, Verkauf & Distribution, Marketingkommunikation und Public Relations gemeinsam geprüft werden.

www.markom.org

mes. Mireille E. Saucy / snu. Urs Schnider

 

 

14.07.2011

Diplomfeier für 89 frischgebackene Kommunikationsplaner/innen

Die Werbung braucht die Besten – Sie!

In diesem Frühling haben sich 117 Kandidaten und Kandidatinnen den Eidgenössischen Prüfungen für Kommunikationsplaner und Kommunikationsplanerinnen gestellt. Am 8. Juli nun erhielten sie anlässlich der Diplomfeier im Grand Casino Baden vom Präsidenten der Prüfungskommission, Urs Schneider, die begehrten Diplome überreicht.

((Bild))
Urs Schneider, Präsident der Prüfungskommission (links) und Prüfungsleiter Roland Ehrler (rechts) umrahmen die Besten des «Jahrgangs 2011»: Jenny Rentsch, Fabian Schildknecht und Belinda Pfister (v.l.).

Während die Absolventen aus der Westschweiz ihre Diplomfeier bereits abgehalten hatten; strahlten am 8. Juli im Grand Casino Baden die 89 erfolgreichen Deutschschweizer Absolventinnen und Absolventen der Eidgenössischen Prüfungen für Kommunikationsplaner und Kommunikationsplanerinnen um die Wette. Am meisten freuen durfte sich Jenny Rentsch aus Münchenstein, welche mit einem Notendurchschnitt von 5,2 das beste Ergebnis hinlegte. Mit der Schlussnote 5,1 erreichten gleich drei Absolventen den «zweiten Rang»: Belinda Pfister, Malix; Fabian Schildknecht, Birmensdorf sowie Angela Rieker aus Gossau. Insgesamt haben 76 Prozent der Kandidaten und Kandidatinnen aus der Deutschschweiz die Prüfung bestanden und damit bewiesen, dass sie die Hauptfächer Kommunikationsplanung, Media und Produktion beherrschen.

Wirtschaftsfaktor Werbung
Urs Schneider, Vizepräsident der Schweizer Werbung SW und Präsident der Prüfungskommission wies in seiner Begrüssungsrede auf die wirtschaftliche Bedeutung der Werbung hin: Diese generiere ca. sechs Milliarden Franken Umsatz und beschäftige rund 85 000 Mitarbeitende. «Die Werbung braucht die Besten, Sie», wandte sich Schneider an die Absolventen. Es erfordere stete Weiterbildung, beispielsweise zum Kommunikationsleiter, welcher wie die Eidgenössischen Prüfungen für Kommunikationsplaner und Kommunikationsplanerinnen von der Schweizer Werbung SW im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) durchgeführt werden. Und um die Wichtigkeit der Weiterbildung zu unterstreichen sagte Schneider: «Wer immer nur das tut, was er bereits kann, wird immer bleiben, was er schon ist.»

Eine schöne Bescherung …
Eine spezielle Überraschung bot an der Diplomfeier die Künstlerin Margrit Bornet, welche sich in ihrer Rolle als Teilzeitmutter und Coiffeuse Sandra zunächst mehr oder weniger unauffällig unter die Gäste mischte und sich ganz aufgeregt gab, da ihre Tochter «Susi» die Prüfung ebenfalls bestanden habe, aber jetzt noch nicht hier sei. Bornet stellte sich vor der Diplomübergabe «frech» auf die auf die Bühne, um «die Zeit zu überbrücken», bis ihre «Susi» hier sei. Zu guter Letzt stand sie am Ende der Veranstaltung auch gleich ihre Tochter «Susi» auf die Bühne. Neben diesem «Geschenk» erhielten die besten Absolventen der KP-Prüfung weitere wertvolle Geschenke von den Sponsoren der Diplomfeier, so etwa eine «edle Feder» aus dem Hause Faber Castell; die Blumensträusse wurden von der Fachzeitschrift Marketing & Kommunikation gesponsert, die gleich noch ein Jahresabonnement beilegte. Von der Mediaschneider AG erhielten die Besten grosszügige Bargeldpreise für «ein schönes Essen». Die weiteren Sponsoren der Diplomfeier sind: die publisuisse SA; Ricola; Edition Renteria; APG Affichage; SAWI; Touring; Zurich; «Der Sonntag»; «Aargauer Zeitung» Gesamtausgabe; IAA young chapter. Für die grosszügige Unterstützung danken wir an dieser Stelle herzlich.


Urs Schnider

 

 

20.05.2011

Eidgenössische Prüfung für Kommunikationsplaner/innen 2011:

89 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen

In diesem Frühling haben sich 117 Kandidaten und Kandidatinnen aus der ganzen Schweiz den Eidgenössischen Prüfungen für Kommunikationsplaner und Kommunikationsplanerinnen gestellt. In Zürich und Biel wurde an den schriftlichen und mündlichen Prüfungen während mehrerer Tage das Fachwissen geprüft. Nun liegen die Ergebnisse vor: 76 Prozent der Kandidaten und Kandidatinnen haben die Prüfung bestanden und damit bewiesen, dass sie die drei Hauptfächer Kommunikationsplanung, Media und Produktion beherrschen.

Das beste Ergebnis erreichte dieses Jahr Jenny Rentsch aus der Deutschschweiz mit der Schlussnote 5,2.

Bereits zum dritten Mal hat die Prüfungskommission der Schweizer Werbung SW und Publicité Romande diese Berufsprüfung nach neuem Reglement durchgeführt. Die begehrten eidg. Fachausweise der erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten der deutschen Schweiz werden dieses Jahr am 8. Juli im Casino Baden überreicht und die frischgebackenen Kommunikationsplanerinnen und -planer der Romandie erhalten die eidg. Fachausweise bereits am 28. Juni 2011 im Schweizer Spielmuseum in La Tour-de-Peilz.

Bereits jetzt gratulieren wir allen herzlich, welche die anspruchsvolle Prüfung erfolgreich absolviert haben.

Alle Namen der erfolgreichen Nachwuchsleute und Informationen über die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Kommunikation finden sich unter: Liste erfolgreicher Kandidatinnen und Kandidaten als PDF ((Link))

Urs Schnider

 


09.05.2011

Schweizer Werbung SW gründet eigene Sektion in der italienischen Schweiz

Wirtschaftsmotor Werbung
In Lugano konnte Ständerat Filippo Lombardi, Präsident der Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation, am Freitag 130 Mitglieder und Gäste zur 86. Mitgliederversammlung begrüssen. Zum Thema «Eine Welt ohne Werbung?» fand anschliessend ein Kurzkongress statt. Der Anlass war überschattet vom Terror-Anschlag in Marrakesch vom 1. Mai.

((Bild))
 SW-Präsident Filippo Lombardi bedankte sich bei Werber-Koryphäe Jacques Séguéla für sein Referat zur Zukunft der Werbung.
 
Ständerat Filippo Lombardi wollte und konnte am vergangen Freitag die Erschütterung nicht verbergen, welche die gesamte italienische Schweiz erfasst hatte, nachdem beim Terror-Anschlag in Marrakesch vor einer Woche drei Tessiner ums Leben kamen. Lombardi überbrachte die traurige Nachricht in seiner Begrüssungsansprache anlässlich der 86. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW, welcher Lombardi seit einem Jahr als Präsident vorsteht und sagte bezüglich der Opfer: «Die Sonne, die draussen scheint, soll uns nicht täuschen, dass heute kein schöner Tag ist für das Tessin.» Heute sei das Tessin geschlagen, verwundet und traurig. Er rief die Mitglieder und Gäste der MV in Lugano auf, sich für eine Schweigeminute zu erheben.

Eigene Tessiner Sektion gegründet
Dass Lombardi danach aus «seinem» Dachverband durchs Band nur Positives berichten konnte, hellte die Stimmung wieder etwas auf. So erwähnte der Tessiner CVP-Ständerat in seinem Jahresrückblick unter anderem den Anstieg der Mitgliederzahlen, was in der heutigen Verbandswelt völlig atypisch sei. Weiter hätten verschiedene negative Auswirkungen für die Werbebranche, welche durch politische Vorstösse drohten, abgewendet können. «Wir setzen uns aber nicht nur in der Schweiz für liberale Bedingungen für unsere Branche ein, sondern haben die Stimme der Schweizer Kommunikationsbranche auch in der EU eingebracht, etwa bei der Konsultation (Vernehmlassung) zur Revision der Tabakrichtlinien.

Zufrieden zeigte sich der SW-Präsident dann, dass im Tessin eine eigene Sektion der Schweizer Werbung SW gegründet wurde. «So wird es ab heute unter unserem Dach eine Sektion Pubblicità Svizzera geben.» Dies sei keine selbständige neue Organisation, sondern sie vereine die SW-Mitglieder, die ihren Sitz in der italienischen Schweiz haben, so Lombardi. Sie werde mit Initiativen und Veranstaltungen für die Anliegen der Branche auch südlich der Alpen kämpfen und, so hoffe er, neue Mitglieder für die SW gewinnen. «Denn die Werbung ist auch hier in der Südschweiz ein Wirtschaftsmotor. Die Leitung der Tessiner Sektion wurde dem Direktor der Publicitas Ticino, Fabio Balmelli, übertragen.

Mit grossem Applaus haben die SW-Mitglieder auch den Vorstandsentscheid gestützt, dass die SW dem SAWI (Schweizer Ausbildungsinstitut für Marketing, Werbung und Kommunikation) wieder beitreten wird. Die SW war Ende September 2008 mit klaren Begründungen aus dem Schulvorstand des SAWI ausgetreten. Zwischenzeitlich habe sich das SAWI unter neuer Führung in eine Richtung entwickelt, welche die SW, als Gründerin des SAWI, wieder mittragen könne, so Filippo Lombardi. Die rechtlichen Abklärungen beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie seien erfolgt. «Und wir haben grünes Licht erhalten.» Er erachte diesen Schritt als wichtiges Zeichen einer neuen Ära der Zusammenarbeit in der Branche, so Lombardi.

«Eine Welt ohne Werbung?»
Anschliessend an die Mitgliederversammlung im Grand Hotel Eden in Lugano überbrachte Regierungsratspräsidentin Laura Sadis, Vorsteherin des Tessiner Finanz- und Volkswirtschaftsdepartements, eine Grussbotschaft der Regierung. Die FDP-Politikerin stützte in ihrer Rede die Verbandsziele, sich für eine liberale Regelung der Werberichtlinien einzusetzen. Solange ein Produkt im freien Markt erhältlich sei, müsse es beworben werden dürfen, so Sadis.
 
Dies war auch der Grundtenor der Referenten, welche beim folgenden Kongress zum Thema «Eine Welt ohne Werbung?» auftraten. Neben Nationalrätin Natalie Rickli (SVP, ZH), welche die Wichtigkeit der Werbung für die Politik bezüglich Meinungsfindungsprozess und somit der Demokratie herausstrich, sprachen Hanspeter Lebrument, Präsident der Schweizer Medien; der Generaldirektor der SRG, Roger de Weck: Michael Gibbert, der an der Universität Lugano eine Professur für Marketing inne hat; sowie Roger Brennwald, Präsident der Swiss Indoors Basel. Brennwald hat die Folgen von Werbe-Einschränkungen auch bei «seinem» Turnier erfahren müssen. Das weltweit bekannte Tennisturnier verlor die Partnerschaft mit dem langjährigen Turniersponsor Davidoff, in Folge des Aufstiegs des Turniers in die zweithöchste Kategorie. Denn die Promotion in die «Champions League» der Tennisturniere habe zur Folge, dass die internationalen Fernsehrechte neu von der ATP unter erhöhten Werberestriktionen vertrieben werden. Darauf ging Brennwald zwar nicht ein, auch machte er durchsaus kritische Bemerkungen bezüglich der Entwicklung bei Preisgeldern und Werbeverträgen von Spitzensportlern etc. Aber Brennwald zeigte auch die Folgen von Werberestriktionen auf: Jede werbliche Beschränkung, in welcher Form auch immer, bedeute eine Neuausrichtung des Systems. Dies sei gleichbedeutend mit der Vernichtung von unzähligen Arbeitsplätzen. Und weiter sagte der Präsident der grössten Sportveranstaltung der Schweiz: «Davon betroffen wären nicht nur Athleten, Veranstalter, Verbände, Vereine und Funktionäre, sondern auch Wirtschaftszweige wie der Tourismus, die Sportartikel- und Werbeindustrie, aber auch Juristen, Mediziner und Psychologen.»

Wirtschaftliche Bedeutung der Werbung wird unterschätzt
In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Filippo Leutenegger, Verleger und Nationalrat (FDP, ZH), wurde die Thematik dann von den Referenten und der Referentin weiter vertieft. Diese waren zwar längst nicht immer einer Meinung, ob und was Werbeverbote bewirken – oder eben anrichten. Aber eine Botschaft schien in allen Voten immer wieder durch: Die wirtschaftliche Bedeutung der Werbung wird sowohl von der Gesellschaft wie auch von der Politik massiv unterschätzt. Forderungen nach Verboten seien zwar schnell erhoben oder würden oft unbedacht unterstützt; aber Verantwortung für die wirtschaftlichen Folgen, sei es im Sport, der Wirtschaft, der Kultur etc., wolle keiner tragen. Die kommerzielle Kommunikation gehöre in den Prozess der Meinungsfindung, wie mehrfach zu hören war. Und zwar nicht nur bezüglich Produkten und Dienstleistungen, sondern eben auch in politischen und gesellschaftlichen Fragen. Es geht um weit mehr, als um einen vielleicht unerwünschten Prospekt im Briefkasten. Denn die Werbung finanziert viele Bereiche der Gesellschaft: Neben Sport- und Kultur-Veranstaltungen zu einem grossen Teil auch die Medien, welche wiederum eine tragende Rolle spielen für das Funktionieren einer Demokratie.
 
Werber-Koryphäe mit Weltruf in Lugano
Ein unbestrittener Höhepunkt der Mitgliederversammlung (MV) der Schweizer Werbung SW war der Auftritt des französischen Topwerbers Jacques Séguéla, Executive Vice-President und Chief Creative Officer von Havas. Séguéla wurde von SW-Vorstandsmitglied Frank Bodin, Chairman und CEO von Euro RSCG Switzerland, als das «S» von RSCG vorgestellt. Séguéla eröffnete dann die MV mit einem Referat zur Zukunft der Werbung. Er schilderte darin geistreich, charmant und mit Witz die Herausforderungen der kommerziellen Kommunikation. Jacques Séguéla, geboren 1934 in Paris, studierte zunächst Pharmazie, bevor er im Jahr 1970 den Weg in die Werbebranche eingeschlagen hat. Nachdem er während zehn Jahren erfolgreich Gebrauchsgegenstände und Nahrungsmittel bewarb, wurde ab 1981 die Politik der Grande Nation sein Marketingobjekt. Er unterstützte mit Wahlkampfkampagnen zunächst zweimal François Mitterrand, später Lionel Jospin.
 
Child Guardian 2011: Kinderjury gab den Ausschlag
Die SBB und die Gasverbund Mittelland AG erhielten in Lugano den Preis «Child Guardian», der 2011 bereits zum fünften Mal verliehen wurde. Die Auszeichnung für vorbildliche Werbung mit Kindern wird von Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), zusammen mit den Verbänden Schweizer Werbung SW und Publicité Romande vergeben. Prämiert wurden ein TV-Spot und ein Plakat-/Anzeigensujet, die zeigen, dass Respekt für Kinder und erfolgreiche Werbung mit Kindern durchaus auf einen Nenner zu bringen sind; Kinder werden für voll genommen und nicht als reine Objekte instrumentalisiert. Die SBB erhielten den «Child Guardian 2011» als symbolische Auszeichnung für den von der Agentur Contexta realisierten TV-Spot mit dem Titel «Sergio, Benoît und Beat im Museum»: Die drei Männer stehen steif und starr da, ein kleiner Junge stellt sich auf einen Hocker und dreht am Schnauz eines der Männer, um zu schauen, ob die Drei echt sind. Ein ebenso einfacher wie erfrischend frecher Spot, der von der Fachjury denn auch einstimmig zum Gewinner erkoren wurde.

Weniger einfach gestaltete sich die Preisverleihung in der Kategorie Print: Die Erwachsenenjury mit Kommunikations- und Kinderschutzfachleuten konnte sich in der Endauswahl nicht entscheiden zwischen drei ebenbürtigen Sujets, unter diesen das von der Gasverbund Mittelland AG mit der Agentur Startbahnwest realisierte Erdgas-Motiv mit fröhlich sackhüpfenden Kindern. Anders die Kinderjury, gestellt von 22 Schulkindern aus dem waadtländischen Saint-Prex, die am Ende den Ausschlag gaben. Die Kinder hätten mit ihrer Spontaneität und Intuition sofort und klar erkannt, wer aus ihrer Sicht den Preis verdient, so fällte «Child-Guardian»-Jurypräsidentin Evelyne Hug mit Überzeugung den Stichentscheid zu Gunsten von Erdgas.

Urs Schnider

 


07.04.2011

Kommunikationsplaner-Prüfung 2011 zum letzten Mal in Biel?

Stadt Biel kann keine geeigneten Räume mehr anbieten

Am 7./8. April finden die eidg. Prüfungen für Kommunikationsplaner/innen voraussichtlich letztmals in Biel statt. Die Stadt Biel kann keine geeigneten Räume mehr anbieten. Während die schriftlichen Prüfungen bereits vor ein paar Jahren auf Grund von Platzproblemen und den besseren Mietkonditionen nach Zürich verlegt wurden, ist es nun absehbar, dass ab 2012 auch die mündlichen Prüfungen an einem neuen Ort durchgeführt werden müssen.

Über 100 Kandidaten aus der ganzen Schweiz reisen für die eidg. Prüfungen für Kommunikationsplaner/innen seit vielen Jahren ins Seeland. Jetzt sieht es schlecht aus: Zuerst stand das Gymnasium am See wegen bevorstehenden Renovationen nicht mehr zur Verfügung, und nun gibt es auch mit den Lokalitäten des BFB (»Bildung Formation Biel») Probleme. Dabei heisst es seitens der Stadt Biel, Abteilung Schule & Sport, dass man keine anderen Räumlichkeiten anbieten könne. So bleibt den Verantwortlichen nur die Suche nach neuen Prüfungslokalitäten in anderen Städten ab 2012.

Urs Schnider

 


04.04.2011

Diskussion zum Thema «Qualität in den Medien – kontrollier- und finanzierbar?»

«Das Problem ist nicht die Qualität, sondern die Definition derselben»

Ein stark besetztes Podium diskutierte Mitte März in Bern mit markigen Voten die Frage der Qualität in den Medien. Dabei musste ein provozierender Prof. Dr. Kurt Imhof Kritik aus den Besucherreihen einstecken. Nun, es war auch nicht leicht für Imhof, den mitunter anwesenden Verlegern zu erklären, dass die Qualität verschiedener Medien oftmals miserabel sei…

Die vom Präsidenten der Schweizer Werbung SW und Präsidiumsmitglied der Schweizer Medien, Ständerat Filippo Lombardi (CVP, TI), mitinitiierte neue parlamentarische Gruppe Medien und Kommunikation (GMK) traf sich Mitte März erstmals zu einem Anlass in Bern, bei welchem mit hochkarätigen Teilnehmern ein Podiumsgespräch durchgeführt wurde. Lombardi machte in seiner Begrüssung klar, dass es sich bei der GMK nicht um eine Gruppe für oder gegen die SRG handle. Vielmehr werde in der Politik zu wenig über Medien oder auch die kommerzielle Kommunikation diskutiert, und das wolle man ändern.

«Die Speerspitze des Trash»
Unter der Leitung von Filippo Leutenegger, Verleger und Nationalrat (FDP, ZH) diskutierten danach Prof. Dr. Kurt Imhof, Universität Zürich; Matthias Ramsauer, Vizedirektor Bundesamt für Kommunikation; Jürg Bachmann, Präsident Verband Schweizer Privatradios; und Marc Friedli, Geschäftsführer Tele M1; über die Qualität der Medien sowie deren Finanzierbarkeit. Grundlage der Diskussion waren zwei Studien, einerseits eine «Imhof-Studie» (siehe Box), welche mit den Schweizer Medien hart ins Gericht geht, andererseits die Bewertung der konzessionierten elektronischen Medien der Schweiz durch das BAKOM. Und sie schenkten sich nichts, die Gesprächsteilnehmer. Marc Friedli stellte in seinem Einstiegsvotum enerviert die Qualität der Studie in Frage: Mit dieser Studienanlage, so Friedli, hätte ein x-belibieger Privat-TV-Sender, der ganz ohne Eigenleistungen auskommt, der Primus dieser Studie werden können, das könne ja wohl nicht sein. «Die Studie hat unser Produkt geschädigt», so der Geschäftsführer von Tele M1. Und bei den Quoten, welche Tele M1 ausweise, könne man ja nicht ganz falsch liegen mit dem Programm. Worauf Imhof, der während des ganzen Abends zwar unterhaltsam, aber für einen Wissenschaftler erstaunlich polemisch argumentierte, den «Ratingfetischismus» anprangerte: Es sei falsch, ausschliesslich die Quote als Kriterium für Qualität heranzuziehen, so Imhof. Und genüsslich schob er nach: TeleZueri und Tele M1 seien die Speerspitze des Trash – und deren News-Sendungen «sind reiner Trash», so Imhof ungnädig. Immerhin gestand der Professor während der Diskussion mit Verweis aufs Bakom ein, dass die Tatsache, dass der Staat die Medien kontrolliere, «aus der Not geboren» worden sei.

Trotzig – zuweilen naiv
Vor rund 35 Gästen, Parlamentarierinnen verschiedener Parteien sowie einigen Verlegern, wurde ein offener Schlagabtausch zelebriert. Ob es der Sache, nämlich der Qualität der Medien zuträglich war, sei dahin gestellt. Man wurde aber den Eindruck nicht los, dass sich die Kritisierten, die Medien, viel zu spät bewusst wurden, was sie sich mit dem Gebührensplitting (RTVG) eingebrockt hatten. Nämlich Vorgaben und Kontrollen des Staates, der das Geld verteilt. Das wirkte trotzig – zuweilen naiv. Denn es war nun wirklich bereits in der Vernehmlassung zum neuen RTVG absolut klar und absehbar, dass auch hier gilt: Wer zahlt, befiehlt. Aber diese Erkenntnis hilft nicht aus dem Dilemma. Einen möglichen Ansatz, wie diese (Schuldzuweisungs-)Diskussion beendet werden könnte, bot Jürg Bachmann in seiner diplomatischen Art: «Das Problem ist nicht die Qualität, sondern die Definition der Qualität.» Hier müssten sich die Kontrollierten und die Kontrollierenden zusammensetzen und Kriterien ausarbeiten – die mit einer hieb- und stichfesten Methodik überprüft werden. Es braucht von beiden Seiten ein Entgegenkommen, und die Bereitschaft dazu wurde mehrfach signalisiert. Egal, ob man das Gebührensplitting befürwortet oder nicht. Die eigenartige Situation, die daraus entsteht, nämlich dass der Staat jene kontrolliert, die ihn selber «kontrollieren» sollten, ist gegeben – und wird sich kaum wieder rückgängig machen lassen. Nicht zuletzt deshalb hat das erste Zusammentreffen der parlamentarischen Gruppe Medien und Kommunikation gezeigt, dass Diskussions- und auch Handlungsbedarf besteht.

Parlamentarische Gruppe Medien und Kommunikation (GMK)
Die GMK wurde gegründet, um eine freie, ausgewogene, vielfältige und qualitativ hochstehende Medienlandschaft der Schweiz auch in den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu fördern. Ziel ist der Informationsaustausch und die Diskussion über laufende und künftige politische, rechtliche, strukturelle oder wirtschaftliche Entwicklungen, welche sich auf die Medienfreiheit, die Medienvielfalt und die freie kommerzielle Kommunikation auswirken. Die Gruppe befasst sich mit dem Medien- und Kommunikationsverhalten der Gesellschaft, mit der technischen Entwicklung und den möglichen und tatsächlichen Auswirkungen parlamentarischer Entscheide auf Medienfreiheit, Medienkonsum, Medienvielfalt und die kommerzielle Kommunikation. Die konstituierenden Ko-Präsidenten der GMK sind: SR Filippo Lombardi; NR Filippo Leutenegger; SR Didier Berberat; NR Natalie Rickli; NR Alec von Graffenried
Link zur Bakom-Bewertung ((Link))
Link zur «Imhof-Studie» ((Link))

Urs Schnider

 

 

14.03.2011

Medienmitteilung

Tätigkeitsbericht 2010 der Schweizerischen Lauterkeitskommission

Im vergangenen Jahr hatte die Schweizerische Lauterkeitskommission 382 Verfahren zu behandeln. Noch nie waren es so viele. Über die Hälfte aller Fälle betraf den Tatbestand «aggressive Verkaufsmethoden».

Den drei Kammern der Schweizerischen Lauterkeitskommission geht die Arbeit nicht aus. Im Gegenteil: Erneut mussten die Mitglieder der Kommission und die Fachexperten mehr Fälle behandeln als im Vorjahr. Der stete Anstieg lässt sich nunmehr seit 2005 verfolgen. Seit jenem Jahr hat die Anzahl Verfahren regelmässig und kontinuierlich von 234 auf 382 zugenommen.

Parallel zur Zunahme der Verfahren ist der Tatbestand «aggressive Verkaufsmethoden» erneut stark angestiegen. Bereits im Vorjahr betrafen 34% aller Eingaben dieses Vorgehen. Und im Jahr 2010 musste eine erneute Zunahme auf 52,8% registriert werden. Mit anderen Worten: Über die Hälfte der Fälle, die 2010 bei der Lauterkeitskommission zu behandeln waren, betrafen den Tatbestand «aggressive Verkaufsmethoden». Interessant ist ein Vergleich mit früheren Jahren: Noch 2004 betrafen lediglich 10,5% der Verfahren «aggressive Verkaufsmethoden».

Nicht weiter verwunderlich ist der Umstand, dass das Medium Telefon/Fax den grössten Verfahrensanteilnteil (53.9%) unter den Kummunikationsmedien aufweist. Seit 2008 markant abgenommen haben beim Prozentanteil Medien dagegen Verfahren gegen Plakate (5.3%) und Direkt Marketing (12.6%).

Weniger sexistische Kampagnen Möglich, dass die von den Medien stark beachtete Diskussion über Sexismus in der Werbung die Werbebranche sensibilisiert hat, die Anzahl Fälle beim Tatbestand «sexistische Werbung» ist nämlich seit 2006 deutlich zurückgegangen. Der Anteil reduzierte sich von 12.9% auf 4.1% im Jahr 2010.

Der Tätigkeitsbericht (deutsch und französisch) kann hier heruntergeladen ((Link)) oder in gedruckter Form beim Stiftungssekretariat unter +41 44 211 40 11 bestellt werden.

Piero Schäfer

 

 

11.02.2011

Der Eidgenössische Fachausweis Texterin und Texter ist lanciert

Texten ist Handwerk

Am 10. Februar stellte der Trägerverein im Detail vor, wie man den Eidgenössischen Fachausweis Texterin Texter erlangen kann. Im Zürcher «Metropol» wurde neben den Pflicht-Details zur Prüfung auch eine Texter-Kür geboten – mit dem Slam Poetry-Auftritt von JaNaKlar, Jana Heinicke.

((Bild))  Drei der Macher des Trägervereins: Roger Hausmann, Präsident script; Ursula Gamper, Geschäftsführerin Schweizer Werbung SW, und Heinz Egli, Ausbildungsbeauftragter Schweizer Werbung SW.

Die professionelle Präsentation des Trägervereins im Restaurant Metropol in Zürich wirkte leichtfüssig. Es war aber ein langer Weg bis hierhin. Seit rund drei Jahren arbeiten Exponenten des Trägervereins, bestehend aus Schweizer Werbung SW, script, EB Zürich und Publicité Romande daran, diesen Fachausweis zu konzipieren. Es mussten Dokumente wie Prüfungsrichtlinien, Wegleitungen etc. erarbeitet werden, welche vom zuständigen Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) bewilligt werden mussten. Es fanden Sitzungen statt, es wurde um Formulierungen gerungen, Fachleute wurden befragt, deren Input aufgenommen. Und nun, am 10. Februar, konnten die ersten Früchte der Arbeit präsentiert werden.

Roger Hausmann, Präsident der Prüfungskommission für den Fachausweis Texterin Texter; Heinz Egli, Weiterbildungsbeauftragter der SW und Ursula Gamper, Geschäftsführerin der Schweizer Werbung SW, zeigten den langen Weg auf und präsentierten den rund 30 Interessierten Zuhörerinnen die Details zur Prüfung. Diese können auf der taufrischen Website http://www.texterin-texter.ch/ abgerufen werden. Dort finden sich alle Informationen wie Prüfungsfächer, Zulassungsbestimmungen, Anmeldemöglichkeit etc.

Von der Pflicht zur Kür Neben der ganzen Pflicht wurde den Anwesenden auch eine (Texter-)Kür geboten. «JaNaKlar», Slam Poet, bot einen fulminanten Auftritt, bei dem sie zeigte, was mit dem Wort alles möglich ist. Präzise durchdachte Texte, elegant vorgetragen und wundervoll komponiert. Natürlich sei das Texten, so Roger Hausmann, in den allermeisten Fällen eine Pflichtübung oder eben Handwerk. Der Texteralltag bringe eben das Texten von Coupons mit sich, und selten könnten Headlines kreiert werden. Aber genau deshalb müsse das Handwerk gelernt und auch geprüft werde (lesen Sie auch das Interview unten).

So ist er denn für die erste Durchführung der Prüfung zuversichtlich, rund 30 Anmeldungen zu erhalten. Und in etwa zehn Jahren, so das Ziel, gehöre dieser Fachausweis in jede Bewerbung.


«Den Kundennutzen auf den Punkt bringen»

Roger Hausmann, Präsident der Prüfungskommission für den Fachausweis Texterin Texter rechnet für die erste Prüfung diesen Herbst mit rund 30 Anmeldungen.

Herr Hausmann, am 10. Februar war die Präsentation einer neuen Berufsprüfung, deren erfolgreiches Bestehen zum Titel «Texter/Texterin mit Eidgenössischem Fachausweis berechtigt. Sie haben sehr viel Zeit und Engagement in die Vorbereitung investiert. Wie geht es Ihnen nun, da das Kind auf der Welt ist?

Roger Hausmann: Alle, die seit drei Jahren an diesem Projekt arbeiten, sind natürlich erleichtert. Wir wissen aber auch, dass wir nur einen weiteren Schritt gemacht haben. Der Weg, bis wir die ersten Kandidaten prüfen werden, ist noch weit.

Sie sind ein erfahrener Texter, werden Sie sich der Prüfung (trotzdem) stellen?

Roger Hausmann: Ausbildung und Prüfung richten sich in erster Linie an Texter, die ihr Handwerk lernen wollen. Nach der Ausbildung sind sie noch keine fertigen Texter und stehen auf einer Skala von 1 bis 100 etwa bei 80 Punkten. Ich sehe mich bei 90 bis 92 Punkten – ich bin also weiter, aber noch nicht am Ziel. Aber für Texter am Anfang ihrer Karriere ist der Fachausweis ein erster und wichtiger Schritt.

Welche Ausbildung haben Sie gemacht? Ist die nun wertlos?

Roger Hausmann: Die Ausbildung ist das eine, die Prüfung das andere. Keine Ausbildung ist wertlos, nur weil es einen Fachausweis gibt. Ich selber bin, wie viele meiner angestellten oder selbstständigen Kollegen, Quereinsteiger. Früher habe ich das Geld anderer Leute verwaltet, dann habe ich mich für meine Leidenschaft entschieden, schreiben und texten. Ich habe Kurse, Workshops und Seminare besucht, viel gelesen – und vor allem bei der täglichen Arbeit gelernt. Heute bilde ich mich gezielt weiter, beispielsweise in Social Media- und Online-Marketing.

Schopenhauer sagt, Schreiben ist Denken. Sie sagen: Texten ist…

Roger Hausmann: Handwerk. Ein guter Texter hört zu, versteht den Kunden, kennt die Kunden seines Kunden, erkennt Stärken und Schwächen von Produkten, denkt mit, überrascht mit ungewöhnlichen, aber realisierbaren Ideen und bringt den Kundennutzen auf den Punkt.

Neben den prüfbaren Vorgaben wie Grammatik, Interpunktion etc. finde ich es sehr schwer, bei der Beurteilung eines Textes objektiv zu sein. Wie wollen Sie dieser Gefahr begegnen, oder besteht diese Ihrer Meinung nach nicht?

Roger Hausmann: Über Geschmack lässt sich immer trefflich streiten. Doch Texten ist Handwerk – und es gibt Kriterien, ob ein Texter sein Handwerk beherrscht: Erreicht der Text, ob Headline oder Coupon, die Zielgruppe? Löst der Text eine Handlung aus? Ist der Text leicht verständlich geschrieben? Das sind objektive Kriterien, und diese sind sehr wohl prüfbar.

Als Zielpublikum sehen Sie Praktikanten und Juniortexterinnen. Warum sollen keine erfahrenen Texter die Prüfung absolvieren?

Roger Hausmann: Die Primärzielgruppe sind Texter am Anfang ihrer Karriere, vor allem Juniortexter. Natürlich werden sich auch erfahrene Kollegen prüfen lassen, die sich – und ihren Kunden oder Arbeitgebern – beweisen wollen, wie gut sie ihr Handwerk beherrschen. Diese Texter sind für mich die zweite Zielgruppe. In zehn Jahren, wenn eine neue Textergeneration übernimmt, gehört der Fachausweis in jede Bewerbung. Das ist zumindest unser Ziel.

Können Sie uns ein Beispiel für einen gelungenen Werbeslogan geben?

Roger Hausmann: Slogans sind nicht der Texteralltag. Ein Texter muss genauso gut Coupons wie Slogans texten. Ein Slogan, der mich überzeugt, ist deutschsprachig, leicht verständlich und bringt den Kundennutzen auf den Punkt. Wie «Heute ein König» von Scholz & Friends – wenn ich ein König-Pilsener trinke, fühle ich mich wie ein König.

Haben Sie diesen Slogan getextet?

Roger Hausmann: Leider nein. Mein liebster Slogan, den ich selber getextet habe, ist auch nach sechs Jahren immer noch «Von 0 auf 100 in einem Herzschlag» für den SEAT Leon.

Und welchen hätten Sie gerne kreiert?

Roger Hausmann: Jedes Mal, wenn ich einen gelungenen Slogan sehe, frage ich mich, warum ich ihn nicht getextet habe. Das ist wohl die Stärke überzeugender Slogans. «Freude am Fahren» ist für BMW so naheliegend, da hätte jeder darauf kommen müssen. Ich leider nicht…

Mit wie vielen Anmeldungen rechnen Sie bei der ersten Durchführung der Prüfung?

Dieses Jahr werden zwei bis drei Schulen Kandidaten vorbereiten, nächstes Jahr vier oder mehr. Dann kommen hoffentlich auch französisch- und italienischsprachige Kandidaten dazu. Wir haben kein Ziel definiert, ehrlich gesagt. Ich rechne mit 20 bis 30 Kandidaten.

Urs Schnider

 

08.02.2011

MarKom Zulassungsprüfung

Einstieg in die Markt- und Kommunikationsbranche

Die Ende Januar zum achten Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung, an welcher das Grundwissen in den Bereichen Wirtschaft & Recht, Marketing, Verkauf/Distribution, Werbung und PR geprüft werden, hat mit einer Erfolgsquote von 77.4 % ihren Abschluss gefunden.

An der Ende Januar an verschiedenen Standorten in der Schweiz gleichzeitig durchgeführten, internetbasierten MarKom Zulassungsprüfung haben insgesamt 1'124 Kandidatinnen und Kandidaten teilgenommen, davon 657 Frauen (58.5%) sowie 467 Männer (41.5 %). 870 Absolventinnen und Absolventen (748 Deutschschweizer, 120 Romands und 2 Tessiner) haben das MZP Zertifikat erworben und dabei im Vergleich zu den bisherigen Prüfungen eine weniger hohe Erfolgsquote von 77.4 % (August 2010: 82.5 %) erzielt. Gemäss Heinz Egli, Präsident der Prüfungskommission, ist der kontinuierliche Rückgang erfolgreicher Absolvent/-innen nicht auf einen erhöhten Schwierigkeitsgrad sondern eher auf eine weniger gute und sorgfältige Prüfungsvorbereitung zurückzuführen. "Mit dem Absolvieren der MarKom Zulassungsprüfung wird der Grundstein für die Teilnahme an den Berufsprüfungen der Marketing-, Verkaufs- und PR-Fachleute, der Kommunikationsplaner/-innen sowie neu der Texter/-innen gelegt und ist daher ernst zu nehmen."

Der erzielte Notendurchschnitt beträgt 4.3 (August-Prüfung 4.4), 4.3 entfallen auf das Fach Wirtschaft & Recht, 4.5 auf Marketing, 4.6 auf Verkauf/Distribution, 4.1 auf Marketingkommunikation und 4.2 auf Public Relations.

Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste Prüfung wird vom 8. bis 12. August 2011 durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 2. Mai 2011 offen, Anmeldeschluss ist der 24. Juni 2011.
 
Für weitere Informationen: Mireille E. Saucy, Präsidentin MarKom, Postfach 2221, 3601 Thun Tel. 033 221 54 56, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
MarKom-Website

mes. Mireille Saucy

 

13.01.2011

Schweizer Werbung SW: Diplomübergabe auf der Herzbaracke in Zürich

«Gute Werbung trifft ins Herz»

Am 7. Januar erhielten 22 Frauen und Männer ihre Eidgenössischen Diplome als Kommunikationsleiterinnen und Kommunikationsleiter. Die Diplomübergabe fand auf der «Herzbaracke» in Zürich statt.

Die Diplomfeier wurde mit einem Apéro eröffnet, welcher vom Pianisten Immanuel Witschi musikalisch umrahmt wurde. Danach begrüsste Prüfungsleiter Heinz Egli die rund 40 Anwesenden, bevor er das Wort Urs Schneider, Inhaber der Mediaschneider AG, übergab. Dieser hielt in seiner Funktion als Präsident der Prüfungskommission, eine launige Rede, in welcher er unter anderem die «teilweise hervorragenden Arbeiten» lobte: «Sie gehören nun zweifelsohne zu den Besten der Branche, und Ihnen wird manche Türe offen stehen mit diesem Abschluss.» Und Schneider weiter: «Ich möchte Ihnen aber auch ans Herz legen, im Verlaufe Ihrer weiteren beruflichen Karriere immer wieder an den Nachwuchs und dessen Aus- und Weiterbildung zu denken.» Denn die Branche – und dies sei seit Jahren eine Kerntätigkeit der Schweizer Werbung SW, welche verschiedene Prüfungen im Auftrag des zuständigen Bundesamtes ausrichtet – sei angewiesen auf bestausgebildete Berufsleute. Schliesslich beweise nicht nur die «Herzbaracke», das schwimmende Theater, auf welchem die Diplomfeier stattfand, dass Herz wichtig sei – «Auch gute Werbung trifft ins Herz», so Schneider.

Spitzennote von 5,6
Speziell geehrt wurde Claudia Lucia Burtscher aus St. Gallen, welche die Prüfung mit einem Notendurchschnitt von 5,6 absolviert hat. Urs Schneider sagte, dass es seit Jahren kein so herausragendes Ergebnis mehr gegeben habe. An zweiter Stelle des Jahrgangs 2010 steht ebenfalls eine Frau: Manuela Schnell aus Staufen. Sie erreichte einen Notendurchschnitt von 5,0 und verwies damit den Luzerner Matthias Moser auf den dritten Rang. Moser erzielte einen Notendurchschnitt von 4,9. Gesamthaft erreichten die 22 Absolventen einen Notendurchschnitt von 4,47, die Erfolgsquote liegt bei 88 Prozent.

Alle drei erhielten verschiedene Geschenke der Sponsoren der Diplomfeier. Neben je einem Jahresabonnement der Fachzeitschrift Marketing & Kommunikation erhielt Claudia Lucia Burtscher einen Reisegutschein von Touring im Wert von 3000 Franken, und Urs Schneider übergab den drei Besten im Namen seiner Agentur Mediaschneider AG je 500 Franken. Zudem verloste die Publisuisse unter den 22 erfolgreichen Absolventen je drei Mal die Jahresgebühren für Radio und Fernsehen. Und schliesslich erhielten alle Diplomierten gratis Zugang zu den Informationen von Edition Renteria sowie eine Jahresmitgliedschaft der Schweizer Werbung SW geschenkt. Weitere Sponsoren des Abends, die wir an dieser Stelle gerne verdanken, sind die APG Affichage; die Zurich Financial Services Group sowie das SAWI. Alle Absolventinnen und Absolventen namentlich aufgeführt:

Die erfolgreichen Absolventen ((Link))
 
Urs Schnider

 

12.01.2011

Hervorragende Wirz-Kampagne

Dieser Tage stellte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die neue Tabakpräventionskampagne vor. Die von Wirz Werbung verantwortete Arbeit darf als herausragend bezeichnet werden. Weniger herausragend sind Aussagen, die BAG-Chef Pascal Strupler gegenüber Radio DRS machte.

Die neue Tabakpräventionskampagne, die von Wirz Werbung zusammen mit dem BAG ausgearbeitet wurde, will nicht die Nachteile des Rauchens, sondern die Vorteile des Nichtrauchens ins Zentrum stellen. Das ist klug, und die Idee ist hervorragend umgesetzt. Und offenbar ist man auch beim BAG von der Wirkung der Werbung überzeugt. Denn immerhin sollen für die Kampagne in den nächsten Monaten rund zehn Millionen Franken ausgegeben werden. Das freut natürlich auch die Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation, die Schweizer Werbung SW.

Was indes weniger erfreulich ist, ist, dass Werbung für das Rauchen gemäss Strupler bald ganz verboten werden soll. Beim BAG scheint man also weniger tolerant zu sein. So sagte Strupler gegenüber Radio DRS anlässlich der Lancierung der Kampagne: «Konkret steuern wir auf eine Einschränkung schweizweit und auf ein Werbeverbot hin.» Der Prozess sei zwar erst am Anfang, und er könne nicht sagen, was am Ende dabei herauskommen werde. Aber offenbar werden Mittel, die man für sich selber in Anspruch nimmt – nämlich gute Werbung –, anderen nicht zugestanden. Das ist schade und unserer Meinung nach nicht wirklich zu Ende gedacht. Denn: Produkte, die auf dem Markt erhältlich sind, sollen auch beworben werden dürfen. Ansonsten soll man ehrlicherweise die Produkte verbieten, anstatt den Überbringern der Botschaft – den Werbern – den Kopf abzuschlagen.

Die Schweizer Werbung SW wird sich jedenfalls weiterhin für liberale Werbemöglichkeiten einsetzen.

Kampagne: www.smokefree.ch

Urs Schnider

 


09.11.2010

Höhere Fachprüfung für Kommunikationsleiter mit eidg. Diplom

22 neue Kommunikationsprofis

Dieser Tage gab die Prüfungskommission der Schweizer Werbung SW die Ergebnisse der Fachprüfungen Kommunikationsleiter/in mit eidg. Diplom bekannt. Von den 25 Absolventen der Prüfung haben 22 bestanden, elf Frauen und elf Männer. Als herausragend darf das Ergebnis von Claudia Burtscher aus St. Gallen bezeichnet werden: Sie schloss die Prüfung mit einem Notendurchschnitt von 5, 6 ab, womit sie eines der besten Ergebnisse seit Bestehen dieser Fachprüfung erzielte. An zweiter Stelle des Jahrgangs 2010 steht ebenfalls eine Frau, Manuela Schnell aus Staufen. Sie erreichte einen Notendurchschnitt von 5,0 und verwies damit den Luzerner Matthias Moser auf den dritten Rang. Moser erzielte einen Notendurchschnitt von 4,9. Gesamthaft erreichten die 22 Absolventen einen Notendurchschnitt von 4,47, die Erfolgsquote liegt bei 88 Prozent.

Erstmals mit Computer
Während letztes Jahr mit der Einführung einer Kurz-Diplomarbeit sowie deren Präsentation an der mündlichen Prüfung eine Neuerung eingeführt wurde; konnten die Teilnehmenden dieses Jahr entscheiden, ob sie die schriftliche Prüfung wie bisher handschriftlich oder neu eben am Computer abwickeln wollten. Und was im Jahr 2010 auf den ersten Blick vielleicht ein wenig befremdend wirken mag, wird durch die Tatsache wieder abgeschwächt, dass lediglich vier der 25 Absolventinnen und Absolventen diese Möglichkeit nutzten. Diese Neuerung ging gemäss Claudia Facchinetti, Leiterin des Prüfungssekretariats bestens über die Bühne. Generell konnten sowohl die schriftliche wie auch die mündliche Prüfung trotz der «grossen Nervosität der zu Prüfenden» problemlos abgewickelt werden, so Prüfungsleiter Heinz Egli.

Die schriftliche Prüfung fand Anfang September; die mündliche Prüfung einen Monat später in Lenzburg im KV-Schulhaus statt. Die Diplomfeier für die 22 frischgebackenen Kommunikationsprofis wird am 7. Januar 2011 durchgeführt. Die nächsten Prüfungen für die Fachprüfung Kommunikationsleiter/in mit eidg. Diplom finden im Herbst 2011 statt, die Termine werden auf www.sw-ps.ch/ publiziert. Informationen erhalten Interessierte von Claudia Facchinetti, der Leiterin des Prüfungssekretariats: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten der Eidg. Höheren Fachprüfung für Kommunikationsleiterin, Kommunikationsleiter 2010 finden Sie hier: ((Link)) Die erfolgreichen Absolventen

Urs Schnider

 


14.10.2010

Fragen zum Urheberrecht

SW-Workshop: «Wer hat’s erfunden?»

Das Urheberrecht kann auf sämtlichen Stufen der Wertschöpfungskette, Kreation-Agentur-Auftraggeber, Auslöser von intensiven Auseinandersetzungen sein. Schlimmstenfalls resultieren daraus langjährige und zähe Gerichtsverfahren um Geldforderungen, Unterlassungsaufforderungen oder Strafandrohungen. Die Praxis zeigt: Grund vieler solcher Konflikte ist die Unkenntnis aller Beteiligten. Die Kreativen sind der Meinung: Alle meine Ideen sind geschützt. Die Agenturen wähnen sich automatisch als Urheberrechtsinhaber. Die Auftraggeber wiederum glauben: Ich habe für die Kreation bezahlt, also gehört sie mir.

Die SW bietet am 28. Oktober 2010 die Möglichkeit, mit diesen Irrtümern und Fehlvorstellungen aufzuräumen. Zusammen mit dem Eidg. Institut für Geistiges Eigentum, der SUISA und der Agentur HESSKISSSULZERSUTER werden wir uns dem Thema Urheberrecht annehmen. Bringen Sie Ihre eigenen Beispiele und Erfahrungen in die abschliessende Diskussion mit ein. Die Referenten: Dr. Marc Schwenninger, Rechtskonsulent Schweizer Werbung SW; Tamás Kiss, Mitinhaber und Executive Creative Director der Agentur HESSKISSSULZERSUTTER; Dr. Emanuel Meyer, Leiter Rechtsdienst der Abteilung Urheberrecht des Eidg. Instituts für Geistiges Eigentum; Dr. Poto Wegener, Leiter der Mitgliederabteilung der SUISA.

 

13.10.2010

«Die Entwicklungen der Marketingkommunikation»

Die SW bietet ihren Mitgliedern die Studie «Kommunikation 2015 – zu den Entwicklungen der Marketingkommunikation» zu einem vergünstigen Preis an. Mitglieder können die Studie, die unter der Leitung von Martial Pasquier, Professor am Institut de hautes études en administration publique (IDHEAP) in Lausanne, publiziert wird, für 20, anstatt 25 Franken beziehen.
 
Die Studie, die 1986 im Auftrag der Schweizer Werbung SW erstmals durchgeführt wurde, sucht Antworten auf eine Vielzahl von Fragen über die im Kommunikationsbereich zu erwartenden, neuen Tendenzen. Die Autoren, Martial Pasquier, André Briw und Nadine Stutz, erforschen mit der (Delphi-)Studie die mittel- bis langfristigen Entwicklungstendenzen der Marketingkommunikation. Die Hauptthemen der Studie sind unter anderen: die Bedeutung der Unternehmenskommunikation; Marken und Markenführung; Strategische Kommunikationsentscheide, Mediaplanung; und «die Auswirkungen der Wirtschaftskrise».
 
Bestellt werden kann die Studie via Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (Vermerk Mitglied SW).

 

13.10.2010

SDV-Kreativ-Workshop

Der Schweizer Direktmarketing Verband (SDV) lädt junge Talente aus Agenturen und Marketing-Schulen zu einem Kreativ-Workshop ein. Das Motto der eintägigen Veranstaltung heisst «Der Mond im Dialogmarketing». Die Teilnehmer erhalten einen Einblick in die vielfältige Welt des Dialogmarketings. Mechanismen in der Strategie, dem Texten und der Grafik werden vermittelt und im Teamwork angewendet.

Wer sich für den SDV-Kreativ-Workshop bewerben möchte (Lebenslauf mit kurzem Motivationsschreiben), sollte zu den Nachwuchstalenten seiner Agentur gehören oder in einer Kreativschule in Ausbildung sein sowie sich nicht länger als max. 3 Jahre in einem festen Angestelltenverhältnis befinden und max. 28 Jahre alt sein.

 

13.10.2010

SMC wird Mitglied bei der Schweizer Werbung SW

Swiss Marketing (SMC) und die Schweizer Werbung SW haben eine gegenseitige Mitgliedschaft vereinbart. Damit soll der Informationsaustausch, aber auch die Synergiefindung – etwa im politischen Prozess, bei welchem sich die SW seit Jahren im Sinne von freiheitlichen Werberegelungen für ihre Mitglieder einbringt, weiter verbessert werden.

 

15.09.2010

Ein Zeichen für die Qualität setzen

Anlässlich seiner letzten Sitzung hat der Vorstand der Schweizer Werbung SW beschlossen, der Mitgliederversammlung vom Mai 2011 den Wiedereintritt beim SAWI nahe zu legen.

Das schweizerische Ausbildungszentrum für Marketing, Werbung und Kommunikation (SAWI) ist ein Kind der Schweizer Werbung SW. Als massgebliches Gründungsmitglied darf die SW durchaus als «Mutter des SAWI» bezeichnet werden. Umso höheres Gewicht hatte der Entscheid der SW, aus dem Schulvorstand auszutreten, nachdem verschiedene SW-Dozenten, unter anderen Urs Schneider, SW-Vorstandsmitglied und Inhaber der mediaschneider AG, ihre weitere Dozententätigkeit von der Person der damaligen Direktorin abhängig machten…

Die Geschichte soll hier nicht noch einmal aufgerollt werden, denn zwischenzeitlich ist das SAWI unterwegs in die Zukunft. Bereits mit der Wahl des ehemaligen Publicitas Generaldirektors Otto Meier im Frühjahr 2009 zum neuen SAWI-Präsidenten wurde ein Zeichen gesetzt. Zwischenzeitlich hat der neue SAWI-Direktor Beat Mühlemann seine Stelle angetreten. Letzte Woche hat Mühlemann nun beim Vorstand der Schweizer Werbung SW erläutert, wie das SAWI unter der neuen Führung in die Zukunft gehen will. Mühlemanns Präsentation war überzeugend, er beschönigte nichts, zeigte auf, welches die Herausforderungen sind und wie diese gemeistert werden sollen.

Der Vorstand der SW unter ihrem Präsidenten Ständerat Filippo Lombardi liess sich überzeugen. Die kurze Diskussion darüber, ob ein Wiedereintritt der SW ins SAWI der Mitgliederversammlung vorgelegt werden soll, war schnell geführt. So sagte etwa Hans-Peter Hess, SW-Vorstand und Geschäftsführer der Ricola AG: «Setzen wir ein Zeichen für die Qualität in der Ausbildung.» Und das langjährige Vorstandsmitglied der SW und heutige Ehrenmitglied, Jost Wirz, Wirz Werbung, Zürich, der die SW über seine Tätigkeit als Vorstandsmitglied beim Wirtschaftsverband economiesuisse informierte, wo er für die SW Einsitz hat –, wies zudem auf die «emotionale Bindung» hin, die man eben als Gründerin des SAWI habe.

So hat der Vorstand der Schweizer Werbung beschlossen, den Wiedereintritt beim SAWI der Mitgliederversammlung vom 6. Mai 2011 im Tessin vorzulegen. Vorbehältlich der (Wieder-)Aufnahme – das SAWI ist ein Verein und muss dies bewilligen.

Urs Schnider

 


17.08.2010

Markom Zulassungsprüfung

Erste Prüfung als Grundstein

Die bereits zum siebten Mal anfangs August durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung, an welcher die Basisfächer im Bereich Wirtschaft & Recht, Marketing, Verkauf/Distribution, Werbung und PR gemeinsam geprüft werden, hat mit einer Erfolgsquote von 82.5 % ihren Abschluss gefunden. Insgesamt haben seit Einführung im Sommer 2006 5'897 Absolvent/-innen das MZP-Zertifikat erlangt.

An der an sieben Standorten in der Schweiz gleichzeitig durchgeführten, internetbasierten MarKom-Zulassungsprüfung haben insgesamt 1'031 Kandidatinnen und Kandidaten teilgenommenen, davon 586 Frauen (56.8.%) sowie 445 Männer (43.2 %).
851 Absolventinnen und Absolventen (742 Deutschschweizer, 91 Romands und 18 Tessiner) haben dabei ihr MZP-Zertifikat erworben und eine im Vergleich zu den bisherigen Prüfungen etwas weniger hohe Erfolgsquote von 82.5 % erreicht. Sie erzielten einen Notendurchschnitt von 4.4 (Januar-Prüfung 4.5), 4.4 entfallen auf das Fach Wirtschaft und Recht, 4.6 auf Marketing, 4.7 auf Verkauf und Distribution, 4.1 auf Marketingkommunikation und 4.2 auf Public Relations.
 
Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die Zertifikatsübergaben finden am 24. August an der SuisseEMEX in Zürich sowie am 25. August in der Maison de la Communication in Lausanne statt. Die nächste Prüfung wird vom 24. bis 28. Januar 2011 durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 18. Oktober 2010 offen, Anmeldeschluss ist der 10. Dezember 2010.
 
Der 2002 gegründete Verein MarKom, welchem die Branchenverbände pr suisse Schweiz. Public Relations Verband (SPRV), Schweizer Werbung (SW), Swiss Marketing (SMC), Verkauf Schweiz (VS), KV Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Marketing GfM angehören, führt für ihre vier Berufsprüfungen (mit eidg. Fachausweis) eine gemeinsame, vorgängig zu absolvierende Zulassungsprüfung, an welcher die Basisfächer geprüft werden, durch. Neu dem Verein gehört die fair Fédération des Agents Indépendants et Représantants an.
 
Für weitere Informationen: MarKom Zulassungsprüfung MZP, Prüfungssekretariat, Baslerstrasse 32, Postfach 1016, 4603 Olten
Tel. +41 62 207 02 80, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.markom.org


mes/Mireille E. Saucy

 


29.06.2010

Diplomfeier für die neuen Kommuniktionsplanerinnen und Kommunikationsplaner

«Zukunft der Kommunikation ist weiblich»

Am 25. Juni wurden im Casino Baden 87 Diplome an die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen der eidgenössischen Berufsprüfung für Kommunikationsplaner/Innen überreicht. Über 80 Prozent der Absolventen sind Frauen.

((Bild))

Die besten Absolventinnen
Nicole Meier, Patricia Fabbri, Stefanie Gloor, Corinne Jermann, Sabrina Aeby, Norina Schwendener

Bei wundervollem Sommerwetter und im festlichen Rahmen des Casinos Baden wurden am 25.Juni die deutschschweizer Absolventinnen und Absolventen der eidgenössischen Berufsprüfungen für Kommunikationsplaner/innen geehrt und die Diplome überreicht. Die frischgebackenen Kommunikationsplaner/innen aus der Westschweiz erhalten ihre Fachausweise anlässlich der Diplomfeier vom 29. Juni in Montreux.

Der Jahrgang 2010 der Kommunikationsplanerinnen darf als hervorragend bezeichnet werden: 104 erfolgreiche Absolventen und Absolventinnen erreichten eine Erfolgsquote bei der Berufsprüfung von 75 Prozent. Höher lag die Quote bis anhin nur noch im Jahre 1997.

«Die Branche braucht Fachleute wie Sie»
Im Festsaal «Au Premier» des Casinos Baden konnten die überglücklichen Absolventinnen, viele begleitet von Familienangehörigen und Freunden, ihren «Lohn» für viele Stunden des Lernens entgegennehmen. Der Präsident der Prüfungskommission, Urs Schneider, Inhaber der mediaschneider AG, sagte angesichts des hohen Frauenanteils bei den frisch Diplomierten, dass «die Zukunft der Kommunikation weiblich sei». Schneider gratulierte den Absolventinnen und wies darauf hin, dass die Branche Berufsleute benötige, welche diese praxisbezogene Prüfung absolviert hätten. «Die Branche braucht Fachleute wie Sie.» Er bedankte sich auch bei Prüfungsleiter Roland Ehrler, bei den Expertinnen und Experten, welche sich für die Prüfungsabnahmen und die Bewertung der Arbeiten zur Verfügung stellten sowie bei der Leiterin des Prüfungssekretariats Claudia Facchinetti.

Der hohe Frauenanteil zeigt sich auch auf der «Bestenliste». In der Deutschschweiz legte Nicole Meier aus Villnachern mit einem Durchschnitt von 5,2 die beste Prüfung hin – gefolgt von fünf Absolventinnen mit einem Notenschnitt von 5,0. Die sechs Damen, die am besten abgeschlossen haben, erhielten je einen Blumenstrauss, gesponsert von der Fachzeitschrift Marketing & Kommunikation. Weitere Preise und Geschenke ermöglichten folgende Sponsoren: APG; ParTime – die Uhr als Bild; Ricola; BAT; publisuisse: Swiss Marketing Academy; Tac Tic Top und Edipresse. Gutscheine von der swimac Outlet + Fashion GmbH für die Erst- und Zweitplazierte überreichte die ehemalige Skirennfahrerin Brigitte Oertli in ihrer heutigen Funktion als Schulleiterin der Swiss Marketing Academy.

Musikalische Überraschung: Iglesias sang…
Für eine Überraschung an der Diplomfeier sorgte Ricardo Iglesias, ebenfalls erfolgreicher Absolvent und nun Kommunikationsplaner mit eidg. Fachausweis. Der leidenschaftliche Hobbymusiker gab zwei seiner Songs zum Besten. Womit er alle völlig überraschte. Er erhielt von seinen Mit-Absolventinnen eine lange anhaltenden Applaus und ein grosses Dankeschön von Urs Schneider zusammen mit einer Magnumflasche Wein.

Im Anschluss an die Feier wurde auf der Terrasse des «Au Premier» ein Apéritif kredenzt. So gegen 20 Uhr lichteten sich dann die Reihen, da das WM-Fussballspiel Schweiz – Honduras auf dem Programm stand. Das wollte sich niemand entgehen lassen. Und einige der Absolventen werden danach vielleicht gedacht haben: «Ein WM-Fussballspiel mag kurzfristig die höhere Beachtung finden als mein Diplom; was jedoch nachhaltiger ist, ist ja auch keine Frage. Und auch wenn die Schweizer Fussballer eine Runde weiter gekommen wären, bald wäre auch dies vergessen; die Fachausweise jedoch haben immer noch Gültigkeit und stellen eine wichtige Basis dar für den Einstieg in die kommerzielle Kommunikation.

Die Bildergalerie bei M & K: Bildergalerie Feier 25.6.2010, Grand Casino Baden
 
Urs Schnider

 

02.06.2010


Werbeumsätze gingen um 11, 4 Prozent zurück

Im vergangenen Jahr betrugen die Netto-Werbeumsätze insgesamt CHF 5.134 Milliarden und lagen damit um 11, 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die negative wirtschaftliche Entwicklung hat damit auch Auswirkungen auf den Werbemarkt.


Die Stiftung Werbestatistik Schweiz präsentierte an ihrer Pressekonferenz die Ergebnisse der Erhebung der Werbeausgaben für das vergangene Jahr. Seit dem Jahre 1982 werden die Umsätze mittels schriftlicher Umfragen direkt bei den Medien erfragt. Einzig die Zahlen der Direktwerbung basieren auf einer Hochrechnung. Nachdem die Werbeumsätze in den Jahren 2006 bis 2008 praktisch stagnierten, hat nun im vergangenen Jahr ein markanter Rückgang stattgefunden. Insgesamt wurden CHF 5’134 Mio. Werbeumsätze erzielt, was im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von CHF 662 Mio. oder 11, 4 Prozent entspricht. Seit Beginn der Erhebungen im Jahre 1982 wurde bei den Werbeumsätzen noch nie ein so starker Rückgang gemessen.

Wirtschaftsentwicklung verläuft nicht ganz parallel zum Werbemarkt
Der Vergleich zwischen der Entwicklung des BIP und den Werbeinnahmen zeigt, dass sich negative Wirtschaftsentwicklungen auch auf den Werbemarkt auswirken. Gemäss den aktuellsten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO bezüglich des Bruttoinlandproduktes real zu Preisen des Vorjahres ergab sich für das Jahr 2009 ein Rückgang um 1.5%, während bei den Werbeumsätzen ein Minus von 11.4% gemessen wurde.

Betrachtet man die längerfristige Entwicklung, stellt man fest, dass die Veränderungsraten bei den Werbeeinnahmen in der Regel grösser sind als diejenigen des BIP’s. Deshalb ist es schwierig, aufgrund der wirtschaftlichen Lage Rückschlüsse auf den Werbemarkt zu ziehen. Ein Vergleich zwischen dem vom SECO mehrmals jährlich erhobenen Konsumentenstimmungsindex und den Werbeumsätzen von 2002 bis 2009 zeigt, dass die Entwicklung der Konsumentenstimmung und der Werbeumsätze praktisch parallel verläuft. Man darf deshalb gespannt sein, wie sich die sich seit anfangs 2010 abzeichnende positive Konsumentenstimmung auf den Werbemarkt auswirkt.

Print von der negativen Entwicklung am stärksten betroffen
Nachdem sich die Netto-Werbeumsätze der Printmedien in den Jahren 2003 bis 2008 zwischen CHF 2.3 Mia. und 2.5 Mia. eingependelt haben, ist das Jahr 2009 von einem Einbruch im Anzeigengeschäft geprägt. Gesamthaft wurden noch CHF 1'915 Mio. Werbeumsätze generiert, was einem Rückgang von 20.4% gegenüber dem vorangegangenen Jahr entspricht.

Die grössten Verlierer sind die Finanz- und Wirtschaftspresse (-35.1%), die Sonntagspresse (-28.7%) sowie die Tagespresse (-22.7%). Bei der Tagespresse sind es vor allem die auflagestarken Titel (über 50'000 Ex.), welche grosse Einbussen in Kauf nehmen mussten (-25.0%). Die Einstellung von „.ch“, „Le Matin Bleu“ und Splitausgaben von „News“ im Verlaufe des Jahres 2009 hatte negative Auswirkungen auf den Umsatz der Gratiszeitungen. Der Rückgang fiel aber mit -13.3% weniger deutlich aus als bei den abonnierten Zeitungen (-24.0%). Auch in den übrigen Bereichen des Sektors Print gab es deutlich rückläufige Enwicklungen. Bei der Publikumspresse beträgt das Minus 17.9%, während die Fachpresse (-16.7%) und die Spezialpresse (-11.7%) vom Anzeigenrückgang etwas weniger stark betroffen sind.

Nachdem im Stellenmarkt bereits im Jahre 2008 ein leichter Rückgang stattfand, hat sich die negative wirtschaftliche Entwicklung nun deutlich auf die Erlöse aus Stellenanzeigen ausgewirkt. Die Einnahmen sanken gegenüber dem Vorjahr um 45.2% auf CHF 192 Mio. Damit liegen die Umsätze noch unter denjenigen der schwachen Jahren 2003 (CHF 208 Mio.) und 2004 (CHF 213 Mio.).

Auch das Fernsehen unter den Vorjahreszahlen
Für Fernsehwerbung und Sponsoring von Sendungen wurden im vergangenen Jahr insgesamt CHF 595 Mio. eingenommen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies ein Minus von 5.1%. Den rückläufigen Einnahmen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern (CHF 354 Mio., -9.9%) steht die Stagnation bei de privaten ausländischen Werbefenstern CHF 179 Mio.) sowie die positive Entwicklung bei den privaten Schweizer Sendern (CHF 63 Mio., +12.4%) gegenüber. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass neu Werbung im Rahmen von Schweizer Programmfenstern den privaten Schweizer Sendern zugeordnet wird.

Keine Netto-Umsatzzahlen für Online-Werbung
Die Komplexität der Internet-Branche sowie der Grad der Bereitschaft zur Datenlieferung lassen es leider nicht zu, mit den anderen Gattungen vergleichbare Zahlen zu veröffentlichen. Im Online-Werbestatistik Report von Media Focus sind nebst den Brutto-Umsätzen für klassische Online-Werbung zusätzlich Experten-Schätzungen für Suchmaschinen-Werbung, Affiliate-Marketing und den Online-Rubrikenmarkt enthalten. Insgesamt ergab sich dabei für den gesamten Online-Markt für das Jahr 2009 eine Schätzung von CHF 358 Mio. gegenüber CHF 300 Mio. im Vorjahr.

Unterschiedliche Tendenzen bei den übrigen elektronischen Medien
Das Ergebnis der Radiosender liegt mit CHF 135 Mio. um 2.9% über dem Vorjahresniveau. Bei der Kinowerbung ergab sich zum dritten Mal in Folge ein markanter Rückgang. Mit einem Minus von 13.3% gegenüber 2008 wurden Einnahmen von CHF 26 Mio. generiert. Der Bereich Teletext lag mit CHF 7 Mio. um 20.7% unter dem Vorjahresniveau. Mit den audiovisuellen digitalen Werbeträgern unter dem Namen Adscreen wurden Werbeeinnahmen von CHF 4 Mio. erzielt.

Rückläufige Entwicklung bei der Aussenwerbung
Die Umsätze der Aussenwerbung lagen im Jahre 2009 mit CHF 602 Mio. um 12.1% tiefer als im Vorjahr. Die Plakatwerbung bleibt weiterhin der bedeutendste Bereich und erzielte CHF 298 Mio. Einnahmen (-17.0%).

Kaum Veränderungen bei der Direktwerbung
Die Einnahmen der Post und der privaten Verteilorganisationen aus der Verteilung adressierter und unadressierter Werbung betrugen im Jahr 2009 CHF 1'251 Mio. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem leichten Minus von 1.4%. Im Jahre 2009 wurden insgesamt knapp 4 Milliarden adressierte und nicht adressierte Mailings verteilt.

 


26.05.2010

Eidgenössische Prüfung für Kommunikationsplaner/innen 2010:


Höhere Kandidatenzahl – höhere Erfolgsquote
Diesen Frühling stellten sich 140 Kandidatinnen und Kandidaten aus der ganzen Schweiz den Berufsprüfungen zum Kommunikationsplaner/-Planerin in Zürich und Biel. 75 Prozent der Kandidaten haben die Prüfung bestanden und damit bewiesen, dass sie die drei Hauptfächer Kommunikationsplanung, Media und Produktion beherrschen. Das beste Ergebnis erreichte dieses Jahr Nicole Meier mit einer Schlussnote von 5,2. Platz 2 teilen sich mit der Note 5,0 nicht weniger als fünf Kandidatinnen: Sabrina Aeby, Patricia Fabbri, Stefanie Gloor, Corinne Jermann und Norina Schwendener. Keiner der 25 Kandidaten aus der Westschweiz schaffte es dieses Jahr auf einen Podestplatz.

Zum zweiten Mal hat die Prüfungskommission der Schweizer Werbung SW und der Fédération romande de publicité et de communication (FRP) diese Berufsprüfung nach der neuen Prüfungsordnung durchgeführt. Die früheren Bezeichnungen «Werbeassistent» und «Planerin Marketingkommunikation» heissen seit 2009 «Kommunikationsplaner/Kommunikationsplanerin». Diese Titel passen somit auch zur Höheren Fachprüfung zum «Eidg. dipl. Kommunikationsleiter».

Die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten (Publikation mit freundlicher Genehmigung der Prüfungsabsolventinnen und –absolventen): Liste erfolgreicher Kommunikationsplanerinnen und Kommunikationsplaner
 
Urs Schnider

 

08.05.2010

Medienmitteilung Schweizer Werbung SW, Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation

Ständerat Filippo Lombardi ist neuer Präsident der Schweizer Werbung SW

Im Zeichen des Wechsels
An der 85. Mitgliederversammlung (MV) der Schweizer Werbung SW, dem Dachverband der kommerziellen Kommunikation wurde der Tessiner CVP-Ständerat Filippo Lombardi zum neuen Präsidenten gewählt. Er tritt die Nachfolge von alt Ständerat Carlo Schmid-Sutter an, welcher der SW während der letzten 12 Jahre vorstand. Carlo Schmid-Sutter wurde für seine grossen Verdienste für die SW von den Mitgliedern zum Ehrenpräsidenten ernannt. Peter Wanner, Verleger AZ-Medien, und Ivan Schultheiss, CEO APG, neu im SW-Vorstand.

((Bild)) Begrüssung durch den abtretenden Präsidenten Carlo Schmid-Sutter


Zürich, 7. Mai, 2010

Rund 250 Mitglieder und Gäste wohnten der 85. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW im Zürcher Kaufleuten bei. Die Zürcher Regierungsrätin Frau Dr. Ursula Gut-Winterberger überbrachte die Grussbotschaft der Zürcher Regierung.

Neben der Wahl des neuen Präsidenten, stellte SW-Vorstandsmitglied Frank Bodin, Chairman und CEO der Euro RSCG Gruppe Schweiz, die Kampagne «Werbung für Werbung» vor. Die Kampagne steht unter dem Patronat der Schweizer Werbung SW und wurde von bsw leading swiss agencies, dem Verband der führenden Werbe- und Kommunikationsagenturen der Schweiz zu seinem 75-Jahr-Jubiläum initiiert und umgesetzt. Zudem wurden die Sieger des «Child Guardian» bekannt gegeben, einem Preis für vorbildliche Werbung mit Kindern. Dieser wird von Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), von der Schweizer Werbung SW und von der Fédération romande de publicité et de communication (FRP) verliehen. Neu im Patronatskomitee des «Child Guardian» sitzt Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse.

Lombardi: SW politisch und strategisch sehr gut aufgestellt
Der Tessiner Ständerat und Medienunternehmer Filippo Lombardi sagte in seiner ersten Rede als SW-Präsident, dass es keinen Anlass gebe, die Strategie der Schweizer Werbung SW gross zu ändern, da diese «politisch und strategisch sehr gut aufgestellt» sei. Er sei sich der Wichtigkeit und Verantwortung dieses Amtes bewusst. «Die Wichtigkeit der Aufgaben der SW, die sich in der Politik stellen, wo wir den Kampf gegen Werbeverbote und für einen freien Werbemarkt konsequent weiterführen werden. Bezüglich der Aus- und Weiterbildung, wo sich die SW seit Jahren engagiert mit den Eidgenössischen Berufsprüfungen. Aber auch gesellschaftlich, da wir als Dachverband die wichtigen Stimmen der kommerziellen Kommunikation unter einem Dach vereinen.» Er sei sich aber der Wichtigkeit dieses Amtes auch bewusst als Politiker mit einer liberalen Grundhaltung, als Medienunternehmer, der in der freien Marktwirtschaft zu bestehen hat, und als Bürger, der Bevormundung durch den Staat grundsätzlich ablehne. «Und», so Lombardi weiter, «letztlich brauchen auch die Konsumentinnen, die Bürger Werbung. Ja, die ganze Gesellschaft braucht für ihr Funktionieren Werbung. Lautere Werbung.» Man könne als Konsument und als Bürger nur dann entscheiden, sich nur dann eine Meinung zu einer Partei, einem Produkt oder über eine Dienstleistung bilden, wenn man informiert sei. «Und dazu gehören eben nicht nur die Medien – sondern dazu gehört zwingend auch die Werbung. Die kommerzielle Kommunikation. Freiheit ist unteilbar. Medienfreiheit und die Freiheit der kommerziellen Kommunikation gehören zusammen», rief der topvernetzte Politiker in den Kaufleutensaal.
Für Filippo Lombardi, der seit einem Jahr im SW-Vorstand war, wurde AZ-Verleger Peter Wanner als Vertreter der Schweizer Presse neu in den SW-Vorstand gewählt. Und auf den abtretenden Christian Kauter, CEO Affichage Holding, folgt Ivan Schultheiss, Geschäftsführer APG. Schliesslich wird Claude Miffon als neuer Vertreter der FRP, anstelle des abtretenden Michel Repond im Vorstand der SW Einsitz nehmen.

«Werbung für die Werbung»
SW-Vorstandsmitglied Frank Bodin, stellte anlässlich der MV die breit gefächerte Kampagne zum 75-Jahr-Jubiläum des BSW vor. Der Verband feiert dieses Jahr sein 75-Jahr-Jubiläum. Die Kampagne soll die Schweizer Bevölkerung auf den individuellen und gesellschaftlichen Nutzen der Werbung hinweisen. Die Kampagne thematisiert die Kraft der Werbung, die weitaus mehr als «nur die Umsatzsteigerung von Unternehmen» bewirke, wie Bodin sagte. «Werbung treibt die gesamte Wirtschaft an, sichert Arbeitsplätze, bietet Produktinformationen, hält den Preis von Presseerzeugnissen oder Sport- und Kulturanlässen niedrig und fördert mit Benefiz-Kampagnen positive Entwicklungen in der Gesellschaft.» Die Kampagne «Werbung für Werbung» startet am heutigen «Tag der Werbung» und ist in Zusammenarbeit mit allen bedeutenden Branchenverbänden (Schweizer Werbung SW, Schweizer Presse, Schweizer Werbeauftraggeber, IAA usw.) entstanden. Die Öffentlichkeit wird der «Werbung für Werbung» beim Lesen der Zeitung, vor dem Fernseher und Computer, im Kino, am Radio und beim Leeren des Briefkastens begegnen.
Bilder der Kampagne «Werbung für Werbung» stehen unter www.bsw.ch/aktuell zur Verfügung.

Hanspeter Lebrument neu im Patronatskomitee des «Child Guardian»
Zum heutigen Tag der Werbung wurden der Versicherungsgruppe Sympany und einem Spielzeughändler der «Child Guardian 2010» zuerkannt – wobei der Preis an letzteren leider nicht vergeben werden konnte. Der Preis für vorbildliche Werbung mit Kindern wird von Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), von der Schweizer Werbung SW und von der Fédération romande de publicité et de communication (FRP) verliehen. Neu im Patronatskomitee Child Guardian sitzt Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Presse. Was für Child Guardian einen wichtigen Durchbruch darstelle, was die Verankerung des Werbepreises im weiteren Medienumfeld anbelange, wie Rocco Maglio, Jurypräsident und Projektleiter bei Terre des hommes erklärte. «Mit SRG SSR idée suisse hatten wir bereits die audiovisuellen Medien im Komitee dabei, mit der Schweizer Werbung SW und FRP die Werbe- und mit apg Affichage die Plakatwirtschaft – und jetzt stossen mit publisuisse SA und dem Verband Schweizer Presse zwei weitere Schwergewichte dazu.» Das von Christian Kauter (apg Affichage) geführte Patronatskomitee fördert auf ideeller Basis den Kinderschutz in der Werbung.

Prämiert wurde heuer ein TV-Spot und ein Plakat-/Anzeigensujet, die alle zeigen, dass Respekt vor den Kindern und erfolgreiche Werbung durchaus auf einen Nenner zu bringen sind. Im TV-Spot der Versicherungsgruppe Sympany sind Erwachsene zu sehen, die gestelzt einen Knaben beim Kindergarten-Eintritt befragen. Das Kind reagiert mit einem fragenden, ja gelungen karikierenden Blick, der mehr sagt als Worte. Das Kind werde für voll genommen und stehe im Zentrum der Geschichte, erläutert Maglio die Prämierung. Das zweite Sujet, ein Plakat für Spielzeug, zeigt einen Jungen, der übergross dargestellt im Grünen auf einer echten Brücke mit einer Holzspieleisenbahn spielt. Allerdings konnte dieser Preis letztlich nicht vergeben werden, da die Vergaberichtlinien nicht eingehalten werden konnten. Diese verlangen, dass nur Unternehmen ausgezeichnet werden, die in ihrer Geschäftspraxis explizit die Kinderrechte respektieren, also etwa keine Kinderarbeit unterstützen; die Spielzeugfirma hat darauf verzichtet, die Einhaltung der Richtlinien zu bestätigen. Die Jury betont, dass ungeachtet dessen die werberische Leistung Child-Guardian-preiswürdig ist. Das prämierte Unternehmen erhält den Preis als symbolische Auszeichnung – während die mit 5000 Schweizer Franken dotierte Preissumme an das interaktive Online-Spiel netcity.org geht. Das Online-Spiel, das Kindern zeigen soll, wie sie sich vor Gefahren im Internet schützen können, wurde von Action Innocence und der Stiftung Kinderschutz Schweiz Anfang 2010 lanciert.

Überraschende Abschiedsgeschenke für die abtretende SW-Crew
Anschliessend an die diesjährige Mitgliederversammlung fand eine Abschiedsfeier für die abtretende SW-Crew statt, welche von TV-Frau Cécile Bähler souverän und charmant moderiert wurde. Neben SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter, wurde auch Vizepräsident Christian Kauter, CEO Affichage Holding, Monika Luck, ehemalige Geschäftsleiterin sowie Piero Schäfer, ehemals Kommunikationsbeauftragter der SW geehrt. Sie alle standen je 12 Jahre in Diensten der SW und erhielten ein musikalisches Abschiedsgeschenk. Verschiedene Sänger – teilweise aktive und ehemalige Werber – performten den Lieblingssong der Abtretenden unterstützt von einer hochkarätigen Band, deren Mitglieder unter anderem bei Marc Sway, Lunik, Marco Rimas neuem Musical «Die Patienten» oder auch Mothers Pride auf der Bühne stehen. So sang etwa Rafel Müller, Mitinhaber der Werbeagentur Werbehaus, «New York, New York» von Frank Sinatra für Christian Kauter. Für Piero Schäfer wurde ein ehemaliger Schulkamerad von ihm aufgeboten. Kein geringerer als Dominique Grandjean, Komponist und Sänger des Songs «Campari Soda», welcher von seiner Band Taxi bekannt gemacht wurde und welcher zwischenzeitlich auch einem Werbespot der Swiss zur Vertonung diente. Die ehemalige Geschäftsleiterin Monika Luck bekam als grosser Bon Jovi-Fan den Song «Bed of Roses» zu hören, welcher von einem ihrer ehemaligen Praktikanten, Daniele Merico auf die Kaufleutenbühne geschmettert wurde. Und für den zwischenzeitlichen Ehrenpräsidenten Carlo Schmid sang Mathias Rusch, früher Inhaber einer Werbeagentur und heute Musiker «My Way» ebenfalls von Frank Sinatra.
 
Fotogalerie Foto-Shootings.ch - Tag der Werbung 2010
Fotogalerie M & K - Tag der Werbung

Urs Schnider

weiterlesen ...

Stiftung und SLK mit neuen Präsidenten

16.03.2012
Die Stiftungsratsmitglieder der Schweizerischen Lauterkeitskommission haben Filippo Lombardi und Christine Bulliard-Marbach als Vorsitzende der Stiftung sowie der Kommission gewählt.

Die Schweizerische Lauterkeitskommission besteht seit 1966. Als privates Selbstkontrollorgan der kommerziellen Kommunikation hat sie die Aufgabe, unlautere Sachverhalte in der Werbung festzustellen und mit Hilfe der Medien zu unterbinden. 1981 ist sie in einer Stiftung verselbständig worden. Sowohl Stiftung als auch Kommission werden von einem Präsidenten respektive einer Präsidentin geführt. Anlässlich ihrer Jahressitzung haben die Stiftungsratsmitglieder diese Posten neu besetzt. Den Vorsitz der Stiftung hat Alt-Ständerat Carlo Schmid an den Tessiner Ständerat Filippo Lombardi übergeben, und als Präsidentin der Kommission wurde die Nationalrätin Christine Bulliard-Marbach (CVP Freiburg) gewählt. Sie löst die Aargauer Ständerätin Pascal Bruderer ab, welche das Amt 2007 übernommen hatte. 

Dr. Piero Schäfer, Kommunikationsbeauftragter der SLK
 

weiterlesen ...

Werbeverbote für Kleinkredite (Initiative Aubert)

09.02.2012
Die Wirtschaftskommission des Nationalrats setzt Subkommission ein

Eine Subkommission der nationalrätlichen Wirtschaftskommission (WAK-NR) soll einen Gesetzesvorentwurf für die Initiative Aubert ausarbeiten. Schweizer Werbung SW hofft, ihren Standpunkt zum darin postulierten Werbeverbot für Kleinkredite in einer Anhörung vor dieser Subkommission erläutern zu können. Dabei unterstützt der Dachverband der kommerziellen Kommunikation den Vorschlag des Verbandes Schweizer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute (VSKF), die Konsumkreditwerbung auf freiwilliger Basis selbst zu regulieren.

An ihrer Sitzung vom 30./31. Januar 2012 hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-NR) die parlamentarische Initiative Aubert, die ein vollständiges Werbeverbot für Kleinkredite verlangt, materiell nicht behandelt. Sie hat lediglich beschlossen, eine Subkommission einzusetzen, die in den kommenden Monaten einen entsprechenden Gesetzesvorentwurf ausarbeiten soll.


 
Eingabe und Anhörung

Schweizer Werbung SW begrüsst die Subkommission. Die vertiefte Prüfung erlaubt es dem Dachverband von Werbeauftraggebern, Werbeauftragnehmern/ Medienunternehmen sowie der Kommunikationsbranche, seine Sichtweise in den parlamentarischen Meinungsbildungsprozess einzubringen. Schweizer Werbung SW beabsichtigt, zu diesem Zweck eine Eingabe machen, und strebt zudem eine Anhörung vor der Subkommission an. Sie unterstützt dabei denVerband Schweizer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute (VSKF) in seinem Vorschlag, die Konsumkreditwerbung auf freiwilliger Basis selbst zu regulieren und gewisse Werbeaussagen als unzulässig zu erklären.

 

Werbeverbote sind Scheinlösungen

Die Verschuldung junger Erwachsener ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht der Werbung angelastet werden kann. Ein Werbeverbot ist eine Scheinlösung, mit der Eltern, Behörden und Politiker bequem von den eigenen Schwächen ablenken können. Der Verdacht liegt nahe, dass hier eine latent negative Stimmung gegenüber den Banken ausgenutzt wird, um einen ideologisch gefärbten Angriff gegen die Werbung zu reiten. Dabei wird leicht vergessen, dass die Kommunikationsbranche mit einem Jahresumsatz von mehr als fünf Milliarden Franken einen namhaften volkswirtschaftlichen Nutzen generiert. Damit stützt sie nicht zuletzt die Medienvielfalt und -unabhängigkeit in der Schweiz. Als Informationsplattform leistet sie darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag im demokratischen Meinungsbildungsprozess.

Link zum Text der Initiative

Thomas Meier, SW Kommunikationsbeauftragter

weiterlesen ...

Diplomfeier an Krücken

67 Deutschschweizer Diplomandinnen und Diplomanden erhielten am 6. Juli im wohl schönsten Schulhaus der Stadt Zürich ihren eidgenössischen Fachausweis als Kommunikationsplanerin oder -planer. Trotz Krücken allen voran die Jahrgangsbeste Anja Speer.

weiterlesen ...

Erfolgreicher Jahrgang 2012

120 Kandidatinnen und Kandidaten aus der ganzen Schweiz – drei mehr als im Vorjahr – haben sich in diesem Frühjahr an die anspruchsvolle eidgenössische Prüfung zur Kommunikationsplanerin bzw. zum Kommunikationsplaner gewagt.

In Biel und Zürich stellten sie sich während insgesamt 13 Stunden und 45 Minuten sowohl mündlich als auch schriftlich den vielfältigen Aufgaben in den Fächern Kommunikationsplanung/integrierte Kommunikation, Media, Produktion sowie Werberecht/Werbewirtschaft. Mehrheitlich mit gutem Erfolg. Knapp 70 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten übersprangen die hohe Hürde. Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen die Quote zwischen 70 und 75 Prozent lag, liegt dieses Ergebnis allerdings leicht unter dem Durchschnitt. Das beste Resultat mit der Schlussnote 5,2 erreichte die Zürcherin Anja Speer, gefolgt von Andrea Schmid aus Schüpfheim mit der Note 5,1. Den dritten Platz mit der Schlussnote 5,0 teilen sich gleich fünf Absolventinnen. Unter ihnen Florie Maugeon aus Genf, die das beste Resultat der Romandie erzielt hat.

SW Schweizer Werbung und ihr Schwesterverband Publicité Suisse PS, die die Prüfung im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT durchführen, gratulieren allen, die es geschafft haben. Die spannende und äusserst vielseitige Welt der kommerziellen Kommunikation steht ihnen mit diesem eidgenössischen Leistungsausweis weit offen.

Die Diplomfeiern der frisch gekürten Kommunikationsplanerinnen und -planer findet am 5. Juli 2012 in der Romandie und am 6. Juli 2012 in Zürich statt. Eine Liste mit allen Namen finden Sie hier

weiterlesen ...

Tätigkeitsbericht 2011 der Lauterkeitskommission

09.03.2012
Markante Zunahme von Verfahren und Individual-Beschwerden

Das Jahr 2011 wird als Rekordjahr in die Geschichte der Schweizerischen Lauterkeitskommission eingehen. Erstmals hatte das Gremium über 400 Verfahren zu behandeln. Volle drei Viertel betrafen dabei Beschwerden gegen kommerzielle Kommunikation an eine individuelle Adresse.

Seit 2005 nehmen die Verfahren vor der Schweizerischen Lauterkeitskommission, SLK, stetig zu. Damals zählte die Statistik 234 Beschwerden, im letzten Jahr waren es nicht weniger als 441.

Ob die Konsumentinnen und Konsumenten sensibler geworden sind, oder ob die Steigerung mit der grösseren Bekanntheit der Kommission zusammenhängt, lässt sich kaum eruieren. Tatsache ist, dass vor allem ein spezifischer Bereich zur Explosion der Beschwerden geführt hat: der Tatbestand der «aggressiven Verkaufsmethode».

Bereits im Vorjahr betrafen 52,8% aller Eingaben dieses Vorgehen. Im Jahr 2011 musste eine erneute Zunahme auf 62,1% registriert werden. Mit anderen Worten: Fast zwei Drittel der Fälle, die 2011 bei der Lauterkeitskommission zu behandeln waren, betrafen den Tatbestand «aggressive Verkaufsmethoden».

Nicht weiter verwunderlich ist der Umstand, dass das Medium Telefon/Fax den grössten Verfahrensanteil (58.7%) unter den Kummunikationsmedien aufweist (Vorjahr: 53.9%). Markant abgenommen haben beim Prozentanteil Medien dagegen Verfahren gegen Direkt Marketing (8.4%). Die Massnahmen des DM-Verbandes scheinen Früchte zu tragen.

Alle Verfahren betreffend kommerzielle Kommunikation an eine individuelle Adresse (Telefon/Fax, Direct Mail, «Stopp-Werbung-Kleber» und Spammail) machen insgesamt 74.9%, also praktisch drei Viertel aller Beschwerden aus.

Diese Entwicklung sowie die quantitative Zunahme der Beschwerden haben die SLK veranlasst, Anfang 2012 eine auf ein Jahr befristete Gebühr von CHF 50.- für diese Art Beschwerden zu erheben, wo sich die Frage der Zulässigkeit der Zustellung stellt.

Tätigkeitsbericht 2011 der SLK (PDF 9.64 MB)

Der Tätigkeitsbericht (deutsch/französisch kombiniert) kann auch in gedruckter Form beim Stiftungssekretariat unter +41 44 211 40 11 bestellt werden.

Dr. Piero Schäfer, Kommunikationsbeauftragter

weiterlesen ...

MarKom Zulassungsprüfung - Weiter auf Kurs

07.02.2012

mes. Die seit August 2007 zum zehnten Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung (MZP) hat Ende Januar mit einer Erfolgsquote von 77.5 % (August 2011: 83.2 %) ihren Abschluss gefunden. Insgesamt haben 1'165 Kandidat/-innen daran teilgenommen, davon 665 Frauen (57.1 %) sowie 500 Männer (42.9 %). Die Prüfungskommission erteilte an ihrer Sitzung vom 31. Januar 903 Absolventinnen und Absolventen (783 aus der deutschsprachigen Schweiz, 119 Romands und 1 Kandidatin aus dem Tessin) das MZP-Zertifikat. Der erzielte Notendurchschnitt beträgt wiederum 4.3. Im Fach Wirtschaft & Recht wurde ein Notendurchschnitt von 4.3, in Marketing 4.6, in Verkauf & Distribution 4.5, in Marketingkommunikation 4.0 und in Public Relations 4.2 erreicht. Seit Einführung der MZP haben 8'551 Kandidat/-innen diese erfolgreich abgeschlossen.

Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste internetbasierte MZP wird vom 6. bis 10. August an verschiedenen Standort der Schweiz durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 2. Mai offen, Anmeldeschluss ist der 22. Juni 2012.

Der 2002 gegründete Verein MarKom, welchem die Branchenverbände pr suisse Schweiz. Public Relations Verband (SPRV), Schweizer Werbung (SW), Swiss Marketing (SMC), Verkauf Schweiz (VS), FAIR Fédération des Agents Indépendants et Représentants, KV Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Marketing GfM sowie Schweizer Direkt Marketing Verband (SDV) angehören, führt für ihre fünf Berufsprüfungen (mit eidg. Fachausweis) eine gemeinsame, vorgängig zu absolvierende Zulassungsprüfung durch, an welcher die Basisfächer Wirtschaft & Recht, Marketing, Verkauf & Distribution, Marketingkommunikation und Public Relations gemeinsam geprüft werden.

Mireille E. Saucy, Präsidentin MarKom

weiterlesen ...

Tomaten 1999 - 2006

Von Kommunikatoren und Tomaten

24.01.2006

Am Anfang war das Internet. Als SW Schweizer Werbung im Jahre 1998 mit einer eigenen Homepage online ging, startete sie mit zwei Rubriken. Einer informativ-positiven und einer satirisch-kritischen. Die beiden Gefässe «KommunikatorIn des Monats» und «Tomate des Monats» waren geboren. Und seit jenem Juni 1998 wurden die Kolumnen regelmässig publiziert.

Je 80 solcher Texte sind seither auf der Homepage der SW erschienen. Grund genug, zum 80-jährigen Bestehen des Dachverbandes Ende 2005 einen publizistischen Rückblick zu wagen. Wahlweise 52 KommunikatorInnen, die heute teilweise längst andere Jobs haben, sowie 28 Tomaten wurden in einem kleinen Büchlein zusammengetragen, welches Sie bei der SW beziehen können (+41 44 211 40 11).

Die von Piero Schäfer verfassten Artikel vermitteln einen kleinen Überblick über die Aktivitäten und kleinen Sünden der Branche.

Ab Februar 2006 wird die «Tomate des Monats» durch die neue Rubrik «KomKom», Kommentar zur Kommunikation, ersetzt.

 

01.11.2005

Falsche Destination


Sport ist, wie kaum etwas anderes, in der Lage, Emotionen auszulösen. Siege führen zu epidemieartigen, euphorischen Zuständen, Niederlagen zu lähmenden Depressionen. Als Simon Ammann seine ebenso wundersame wie kurze Flugphase erlebte, hob das ganze Land gefühlsmässig vom Schanzentisch ab und schwebte tagelang auf Glückes Flügeln. Solche Momente sind rar im Schweizer Sport. Und deshalb unvergesslich. Beim Alpin-Ski muss man weit zurückblättern, um in den Genuss einer erhebenden Erinnerung zu kommen. Seit geraumer Zeit herrscht hier die reine Trübsal. Und die Schwermut scheint uns auch heuer wieder zu begleiten, haben die Schweizer Skifahrer doch beim Auftakt in Sölden erneut schwer enttäuscht. Und jetzt kommt ein Inserent und gräbt noch in der Wunde: Man kann eine Reise an die Olympischen Spiele in Turin gewinnen. Mit Thomas Pfyl ist ein junger und erfolgreicher Behindertensportler abgebildet, und dies obschon man bei Olympischen Spielen wohl eher an Cuche und Co. denkt. Doch so wie die Saison begonnen hat, reist man mit Vorteil nicht nach Turin, sondern an die Paralympics nach Sestrière. Dort gibt es sicher mehr zu jubeln.

Maurice Motz

 

03.10.2005

Sonnenuntergang


In meinem Leibblatt habe ich kürzlich dieses Inserat entdeckt. Und mich echt hinein vertieft: Da sitzt ein intellektuell dreinschauender Fielmanntyp barfuss auf einer Treppe und blickt angestrengt und höchst konzentriert in die Ferne. Zuerst dachte ich, es handle sich um einen Judoka, und die Oberzeile mit dem Hinweis auf den japanischen Finanzmarkt löst auch entsprechende Assoziationen aus. Doch der Mann ist kein Sportler, sondern ein Mensch wie Du und ich und ausserdem wie jeder Durchschnittsbürger im Besitz eines Miros. Und weil der Mann seine finanziellen Anliegen durch eine gewisse Bank ausführen lässt, kann er selbigen ungestört geniessen. Er muss nur um die Ecke seiner architektonisch ziemlich verwinkelten Nobelbleibe gucken und schon kann er den glühenden Sonnenuntergang des katalanischen Künstlers bewundern. Irgendwie haben es die Choreographen der Szene nicht geschafft, den Blickkontakt zwischen dem Bildbesitzer und dem Kunstwerk herzustellen, sodass es dem Betrachter der Anzeige überlassen bleibt zu spekulieren, womit sich die Hauptperson tatsächlich beschäftigt. Den Miro jedenfalls lässt sie links liegen. Respektive hängen. Möglicherweise denkt der Mann trotz roter Sonne unentwegt an den japanischen Finanzmarkt. Auch das tun Durchschnittsbürger schliesslich jeden Tag. PS: Ich habe auch ein Konto bei dieser Bank und bin wirklich dankbar, dass ich meinen Miro nunmehr ungestört geniessen kann.

Maurice Motz

 


02.08.2005

Zweideutiges Sinnbild

Man weiss, dass der Konsument mit der Aufnahme von Informationen ausgesprochen am Anschlag ist. Das Auge des geneigten Lesers und der geneigten Leserin huscht in Windeseile über eine Inserateseite und erfasst, wenn denn überhaupt, nur Bruchstücke des Inhaltes. Keinesfalls tut das Auge und das damit verbündete Hirn dem Inserenten den Gefallen, sich intensiver mit der Aussage zu beschäftigen. Derweil der Anzeigeninhalt reichweitenweit immer noch auf Beachtung wartet, beschäftigt sich der Augapfel bereits mit der nächsten, redaktionell relevanten Information: Es liest einen Artikel. Eventuell hat es aber das auffallende, werbliche Sinnbild wahrgenommen, das da eben noch an ihm vorbeiflog. Und dieses zeigt einen Mann, der sich anschickt, ins Wasser zu tauchen. Durchaus sportlich zwar, aber eben doch eindeutig abwärtsgerichtet. Und was assoziiert das Hirn mit diesem Sinnbild? «Tauchen», oder einen «Sprung ins kalte Wasser», jedenfalls nicht unbedingt das, was die Werbung wollte, nämlich einen Bezug zu «startklar machen». Als gewissermassen professioneller Beobachter des Angebotes habe ich die Message zwar entdeckt, der durchschnittliche Konsument dürfte aber bei dem Tempo, mit welchem er oder sie Infos konsumiert, einen bildhaften Eindruck mit nehmen, der konträr zum Ansinnen des Inserenten sein dürfte.

Maurice Motz

 


01.07.2005

Verräterischer Blickkontakt
 

Es gibt ja immer wieder werbekritische Geister, die den Reklamefachleuten unterstellen, sie würden das Unterbewusstsein der und des Konsumierenden mit psychologischen Tricks und verführerischem Ansinnen ansprechen. Bewiesen hat das zwar noch nie jemand, diese Anzeige wäre aber zweifellos eine echte Spielwiese zur Analyse obiger Behauptung. Was sehen wir auf dem Inserat? Auf den ersten Blick einen Mann mit Zeitung und im Hintergrund ein sehr rotes Auto. Bei näherer Betrachtung erkennt man aber, dass das Fachblatt einen völlig unbenutzten, da gefalteten Status aufweist, was belegt, dass unser Nadelstreifenträger rein interessemässig durch etwas anderes als Lektüre in Beschlag genommen wird: Sein leicht verträumter Blick haftet offensichtlich an einer durch das Bild schwebenden und blickkontaktierenden, weiblichen Person. Und das, obschon das GT Modell auch recht attraktiv ist. Was sagt uns das? Erstens, dass Männer keine Maschinen, sondern Wesen mit einer natürlichen Vorliebe für Geschöpfe weiblichen Geschlechtes sind, und zweitens, dass es immer noch Werber gibt, die Autos (und sogar Autozeitungen) werbemässig offenbar nicht ohne Frauen darstellen können. Sexistisch ist das zwar kaum, aber doch irgendwie überflüssig.

Maurice Motz

 

01.06.2005

Kasperlitheater

 Die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes hat viel Gutes gebracht: Tiefere Preise, eine eigentliche Innovationsflut und eine dadurch angeregte Werbetätigkeit, die sich vor allem zugunsten der in letzter Zeit doch erheblich gebeutelten Medien ausgewirkt hat. Leider hält die quantitative Zunahme des Werbevolumens nicht Schritt mit der Qualität der Inhalte. Ein leuchtendes Beispiel für diese Feststellung ist der TV-Spot, den ich in den letzten Wochen mehrfach habe über mich ergehen lassen müssen, und dessen Aussage mir nach wie vor schleierhaft ist. Da verbreitet ein von einem «menschlichen Kasperli» bewegter böser Holzkasperli Phrasen über den Bildschirm, um gleich anschliessend von einem zweiten, guten Holzkasperli zurecht gewiesen und geprügelt zu werden. Vermutlich geht es um Preise, denn die scheinen inzwischen die einzigen Argumente im Krieg der Telekommunikation zu sein. Vielleicht gehts auch um etwas anderes, verstanden habe ich das unsinnige und aggressive Geschwafel nicht. Hab auch gar nicht zugehört, weil ich als längst den Kinderschuhen Entwachsener nicht mehr zur Zielgruppe der Kasperlikonsumenten gehöre. Wer bitte wird hier angesprochen? Die Kids? Die haben doch im Zeitalter von Star Wars längst andere Idole als Kasperlis. SVP-Parteigänger? Die hacken zwar gerne auf anderen herum, haben aber im Moment kaum Zeit für TV, weil sie anti-Schengen-Plakate entwerfen müssen. So oder so: Der Spot bewirkt bei mir eine Sehverweigerung und die Entscheidung, beim bisherigen Anbieter zu bleiben. Ich mag solches Kasperlitheater nicht.

Maurice Motz

 

01.03.2005

Bissig wie Piranhas


Das muss man ihnen lassen: Sie haben fundamentalistische Ausdauer. Es ist über 25 Jahre her, da erkundigte sich eine frühlingshafte, junge Dame leicht indiskret aber charmant, ob ich zufrieden sei mit meinem Leben. Wer ist das schon zu 100% und könnte zudem einem derart vielversprechenden Geschöpf widerstehen? Kurz: Ich liess mich in ein Gespräch ein und merkte zu spät, dass es sich zwar um eine zauberhafte Vertreterin ihres Geschlechtes aber leider auch eine Botschafterin der Scientologen handelte. Das fahrlässigerweise bestellte Buch «Dianetik» entsorgte ich flugs im Abfall und hoffte damit auch, den klebrigen Fängen der Sekte zu entrinnen. Mitnichten. Während Jahren drangsalierte man mich mit bittersüssen Briefen, die mich immer wieder daran erinnerten, dass ich es so viel besser haben könnte, wenn ich bloss auf sie hören würde. Dann gabs eine lange Pause, und ich war überzeugt, die unseligen Geister hätten sich endlich ins Pfefferland verkrochen, doch ein Schreiben belehrte mich dieser Tage eines Besseren. «Was haben wir Ihnen angetan, dass Sie nicht daran glauben, dass wir Ihnen helfen können, die Zustände im Leben zu verbessern?» sülzte dieser Tage eines dieser verlorenen Wesen. Und ein Prospekt gaukelte für Fr. 532.– Glückseligkeit, Energie, Lebenskraft und andere erfreuliche Zustände vor. Und das nach mehr als einem Vierteljahrhundert schnöder Absagen. Wahrlich, die sind bissig wie Piranhas. Für einmal müssen die flotten Zubeisserchen aber mit einer Tomate vorlieb nehmen.

Maurice Motz

 

01.02.2005

Zweifelhafter Rückschluss


Irgend jemand hat damit angefangen: Um die besonderen Vorzüge einer Dienstleistung oder eines Produktes zu unterstreichen, wird in der Werbung immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich bloss richtig entscheiden müsse und schon sei man alle Sorgen los. Das gilt für Versicherungen ebenso wie für Bankgeschäfte oder Festnetzanschlüsse. Zugegeben, die Argumentation ist naheliegend. Leider ist sie aber so naheliegend, dass sie eigentlich jedem in den Sinn kommt, der mehr als drei graue Zellen sein Eigen nennt. Hat man sich dann einmal für diese Argumentation entschieden, bleibt den Konzeptern nur noch die Freiheit, mehr oder weniger kreativ Beschäftigungen zu orten, welche man sich infolge zeitlicher Entlastung durch die Buchung des «richtigen Angebotes» leisten kann. Die meisten entscheiden sich für mehr Freizeit. In diesem Fall ist man einen Schritt weiter gegangen und hat eine qualifizierte Tätigkeit zu Zweit gewählt, während welcher man freilich in aller Regel nicht besonders intensiv über den Abschluss einer Versicherung nachdenkt. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass diese beiden jungen Leute ohne Versicherungsschutz die kosende Betätigung unterlassen würden, scheint mir deshalb wenig überzeugend. Umgekehrt kann ich mir auch nicht recht vorstellen, dass alle, die in inniger Umarmung sich sinnlichen Freuden hingeben, bei der Winterthur versichert sind. Zwischengeschlechtliche Aktivitäten gab es bekanntlich bereits ein paar Jahre vor der ersten Versicherung.

Maurice Motz

 

02.01.2005

Erste Warnung

Audi Erste Warnung

Genau so eine Anzeige war es, welche in Belgien die Verfechter von Werbeverboten auf den Plan gerufen hat: Ein schnittiger Offroader holperte durch ein kleines Bächlein, die Headline hiess: «Wir bremsen auch für Fische». Zauberhafte Idee für ein überzeugendes Inserat. Doch die belgischen Werbemuffel intervenierten und die Anzeige wurde vom Hersteller zurückgezogen. Begründung: Das Inserat könnte Leute dazu animieren, mit ihrem Geländegänger die Natur zu verschandeln! Soweit sind wir also schon. Werbung wird von gewissen Kreisen für Alles und Jedes verantwortlich gemacht. Werber als machtvolle, bösartige Verführer. Bei uns ist es Gottseidank noch nicht so weit, Anzeigen wie diese könnten aber früher oder später auch bei uns Werbenihilisten auf den Plan rufen, bereits wird in der Romandie nach einer Ethikkommission gerufen, welche Auto- und andere Werbung auf deren Inhalt überprüfen soll. Natürlich könnte man auch in dieser an sich feinen Audi-Werbung solche Ansätze zu umweltzerstörerischem Tun entdecken. Und es wird wohl nicht mehr lange gehen, bis solche Inserate auch bei uns in Frage gestellt werden. Darum: Seid auf der Hut, werte Werber, vielleicht findet ihr ja noch bessere Ideen, um Offroader in ihrem Element darzustellen. Insofern ist dies ja auch keine richtige Tomate, sondern lediglich ein kleines (warnendes) Tomätchen. Und ein Hinweis darauf, was da noch auf uns zukommt.

Maurice Motz

 

02.12.2004

Falscher Vogel

Liquid Falscher Vogel

Draussen sind es genau zwei Grad und ich hab beim Warten aufs Tram jämmerlich ans Gerüst gefroren. Infolge winterlicher Verhältnisse war mir alles andere als ums Schwitzen und durstmässig sehnte ich mich nach einem heissen Kaffe oder einem dampfenden Tee oder gar Punsch. Und just vis-a-vis der Tramhaltestelle hält sich auf einem Plakat eine sichtlich erhitzte junge Frau einen Pinguin an die Stirn. Sie tut dies, wie man dem erhellenden Text entnehmen kann, um sich zu erfrischen. Welch tierische Idee. Man weiss zwar, dass diese Art Vogel in noch kälteren Gegenden als den unseren herum zu watscheln pflegen, wer in Zoologie aber keinen Säulenplatz hatte, weiss auch, dass die gefiederten Freunde extrem stark isoliert sind, um sich gegen die klirrende Umgebung zu schützen. Ein Pinguin mag zwar arktische Assoziationen erwecken, kühlen, wie im Inserat vorgegaukelt, tut er keinesfalls. Das hat uns auch der Zürcher Zoodirektor auf Anfrage bestätigt. Alex Rübel hat gar mit der Aussage verblüfft, dass Pinguine früher von Forschern in der Arktis als Brennstoff verwendet worden sind. Da stark fetthaltig und dick gepolstert, schob man die Biester wie Briketts in den Ofen! Die Idee mit der Kühlung mag also nett gedacht aber leider wärme- respektive kältetechnisch total missglückt sein. Und für einmal sind die Pinguine falsche Vögel.

Maurice Motz

 

02.11.2004

Ein Fisch für Fleischwerbung

Schweizer Fleisch - Fisch

In irgend einer Werbeagentur dürfte im Moment dicke Luft herrschen. Da hat vermutlich jemand einen dicken Fisch gefasst. Vielleicht hat sich der oder die GrafikerIn als Vegetarier geoutet, denn dieses Inserat wirkt auf mich wie der Protest eines Fleischverächters. Oder verstehen Sie, worum es hier geht? Eine Gruppe von Jugendlichen lümmelt in einem Hof herum. Die einen essen, andere trinken oder sitzen einfach so rum und sind jung. Ein Schnappschuss aus einer Schulpause vielleicht. Und darunter wird für Schweizer Fleisch geworben, welches ehrlich und natürlich sei. Ich habs kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen und versuchte, eine Erklärung für das kommunikative Rätsel zu finden. Im schlimmsten Fall hat da jemand einen Bezug zwischen jungem Fleisch und Fleisch als Nahrungsmittel herstellen wollen. Oder verfügt da jemand gar über eine kannibalische Ader? Das wäre dann keine Tomate, sondern schon eher eine ganze Tomatenladung, die hier kredenzt würde. Respektive eine Klage ans Amt für Menschenrechte. Mangels Vorstellungskraft für weitere Erklärungen lässt sich die Sache allenfalls noch mit dem trivialen Umstand erklären, dass da ein Desktopper oder dessen weibliche Version fahrlässigerweise oder vorsätzlich den erklärenden Text vergessen hat. Und wenn dem so ist: Sie oben.

Maurice Motz

 

30.09.2004

Rätselhaftes Nichts

Strenesse - rätselhaftes Nichts

Die Marketingfritzen wissen ja einiges. Oder tun wenigstens so. Ständig liegen sie uns in den Ohren mit der Festlegung, dass eines der Probleme der heutigen Zeit, Letztere selbst ist. Will heissen: Niemand hat mehr Zeit, den gigantischen Informationsfluss zu verarbeiten, der auf uns einstürzt. Nun hat sich selbiger im Bereich der Inserate nicht eben als bedrohlich erwiesen, wenn man den entsprechenden Statistiken glauben will. Dennoch dürfte die Zeitknappheit generell als erwiesen betrachtet werden. Und dann kommt so eine rätselhafte Anzeige daher. Mit dem traurig dreinblickenden Boris Becker im Vordergrund und weit hinten, wie ein verschupftes Hascheli die ja nicht eben unbekannte Claudia Schiffer. Gut, vielleicht ist sie es auch gar nicht, aber da man auch sonst nicht so genau weiss, worum es hier geht, spielt das auch keine Rolle. Da prangt zwar ein Firmenname, aber der sagt mir jetzt gerade nichts. Vermutlich hat das Ex-Tennis-As eine Modelinie lanciert. Vielleicht ist «Bobbele» aber bloss Model für die Linie mit den zu langen Hosen. Schuhe gibt es in der Kollektion offenbar keine, und auch bei näherer Betrachtung, ja eingehendem Studium der Anzeige lässt sich ausser einer URL kein Indiz über den Verursacher des Produktes finden. Geschweige denn eine ganz normale Adresse, wo man das Ding käuflich erwerben könnte. Angesichts der oben erwähnten Zeitknappheit muss man also schon ein ausgesprochener Mode-Tifoso sein, wenn man sich da informationsmässig tiefer reinknien will. Alle anderen blättern die rätselhafte Anzeige schlicht um. Das zumindest behaupten die Marketingfritzen. Und die wissen ja einiges.

Maurice Motz

 

31.08.2004

Fliegende Handys

Ich gebe zu, ich hab mich schwer getan diesen Monat mit der Evaluation einer Tomate. Nicht weil es qualitativ keine gegeben hätte, das Problem war vielmehr quantitativer Art: Es gab ausser Aktions-Inseraten aller Grossverteiler eigentlich kaum kommerzielle Anzeigen. Der Monat August respektive dessen Inserate dürften als «Aktionitis-Monat» in die Annalen eingehen. Ein paar wenige Kommerz-Inserate gab es gleichwohl, auch wenn die von der Aussage her ziemlich das Gegenteil der Preis-Rabatt-Sujets darstellten: Viel Image, wenig Handgreifliches. Das beigefügte hat mich jedenfalls ziemlich ratlos gelassen. «Siemens ist on» lautet der Titel der Anzeige, und man sieht vier handliche Geräte wie UFO‘s durch die Luft schweben, die sich bei näherer Betrachtung als Handys identifizieren lassen. Aha, eine neue Generation dieser Apparate, die heute bereits im Kindergarten unentbehrlich sind. Kein Wort aber über neue Services oder innovative Errungenschaften, es geht vielmehr darum, dass Siemens dank Kooperation mit IBM die Logistik verbessert hat. Das ist ja lobenswert, aber was nützt das dem Konsumenten? «Die neuesten Handys landen schneller beim Kunden» heisst die Antwort, welche eigentlich gar keine ist, denn warum soll ich so ein Ding käuflich erstehen, wenn man mir als einzigen Vorteil eine optimierte Logistik unter die Nase reibt? Vielleicht wüsste ich noch gerne, was das Ding kann. Und was es kostet. Fast bin ich geneigt, Aktionsinserate lobend zu erwähnen. Aber nur fast.

Maurice Motz

 

02.08.2004

Falsches Timing

Peugeot - Falsches Timing

Heute sind alle Autos gut. Sie sind technisch ausgefeilt, sehen gut aus und leisten, was sie zu leisten haben. Es müsste also eigentlich einfach sein, sie zu verkaufen, denn das Produkt stimmt. Doch gerade weil sie alle gut sind, müssen sich die Werber immer wieder neue Ideen einfallen lassen, wie sie im Markt auffallen und wie sie sich von der Konkurrenz abheben können. Das gelingt manchmal besser, manchmal weniger gut. Und manchmal erwischen die Kreativen einen ungünstigen Zeitpunkt für ihre Kampagne. Das ist natürlich Pech und hat nicht wirklich etwas mit Unsensibilität oder Unvermögen zu tun. Dennoch ist unsere heutige Kampagne tomatenwürdig. Denn sie fällt just in eine Zeit, in der in allen Medien über das bedrohliche Thema «Werbung an Minderjährige» diskutiert wird. Die gleichen Kreise, die Werbeverbote für sinnvolle Strategien im Kampf gegen den Missbrauch von Sucht- und anderen Mitteln halten, wollen bekanntlich auch Jugendliche vor dem ach so bösen Einfluss der Werbung verschonen. Und ausgerechnet jetzt kommt dieses Inserat, in welchem Teddybären und Kinder dominieren. Im Kanton Genf, wo ja demnächst eine Ethik-Kommission über den Inhalt von Kampagnen befinden soll, würde die Anzeige jedenfalls tomatenrote Köpfe auslösen. Selbst wenn mir die Idee an sich gut gefällt, halte ich den Zeitpunkt der Publikation für wenig glücklich.

Maurice Motz

 

30.06.2004

Weissheit nicht Weisheit

Omo - Weissheit

Man muss nicht besonders kritisch sein, wenn man Waschmittelwerbung satirisch aufs Korn nehmen will. Im Prinzip ist diese Art der Reklame an sich schon Realsatire. Man weiss, was man hat, wenn man weisse Riesen, porentiefe Aktivkügelchen und anderen Marketing-Stuss genauer analysiert: Der Markterfolg gibt den Erfindern Recht. Leider. Mitunter sind sich die Werber freilich zu schön, um einfach Platituden wie «wäscht weisser» in die bunte Werbewelt zu setzen und versuchen anspruchsvoll zu sein. Im Moment läuft ein TV-Spot, der eine ganz andere, nämlich eine geisteswissenschaftliche Botschaft aufweist. Die Kommunikatoren haben ganz tief in die Trickkiste der Philosophie gegriffen und gewissermassen anthropologische Erkenntnisse als Grundlage ihrer Kampagne gewählt. «Flecken machen Menschen» heisst ihre ebenso unergründliche wie gewagte These. Ob es sich dabei um eine legasthenische Satzkonfusion handelt (sollte es nicht eher heissen: «Menschen machen Flecken?») oder ob die den Unsinn wirklich glauben, den sie da in die Stuben flimmern lassen, bleibe dahin gestellt. Ich meine bloss, man sollte Werbung tonalitätsmässig dem nachempfinden was ihre Aufgabe ist: informieren und verkaufen. Intellektuelle Auseinandersetzung mit Geisteswissenschaften gehört definitiv nicht dazu. Schon gar nicht, wenn es um Waschmittel geht. Da geht es bekanntlich um Weissheit, nicht um Weisheit.

Maurice Motz

 

02.06.2004

Verachtung pur

Verachtung pur

Es gibt Werbeideen, die durch ebenso aktuelle wie unglückliche Umstände plötzlich ihre Unschuld verlieren. So ist es einem TV-Spot für ein elegantes Auto der Marke Opel ergangen, welcher in einem Gefängnis spielt. Abgesehen davon, dass es nicht besonders sensibel ist, Insassen eines solchen Etablissementes zu Werbe-Protagonisten zu pervertieren, verrät die Handlung wenig Fingerspitzengefühl der Kreativen. Wenn ich die leicht konfuse Geschichte richtig interpretiere, dann zeigt ein Gefängnisangestellter einer höheren Charge einem langjährig Einsitzenden das neue Modell von Opel und hält ihm triumphierend einen Zündungsschlüssel hin. Als sich der Gefangene hoffnungsfroh nähert, wirft er den Schlüssel weg und demonstriert so, dass es sich bloss um eine Finte handelt. Und erst noch keine besonders amüsante. Körpersprachlich geknickt, realisiert der Gefangene, dass er das feine Gefährt nie wird fahren können. Abgesehen davon, dass diese Handlung erhebliche Verachtung ausdrückt, ist sie durch die grässlichen Ereignisse in Iraks Gefängnissen noch fragwürdiger geworden. Dafür können die Werber zwar nichts, eine Tomate hätte der Spot aber auch ohne die Enthüllungen im Abu Ghraib verdient.

Maurice Motz

 

03.05.2004

Symbolhaft daneben

Symbohaft

Das Steuerpaket ist eine echte Bescherung. Leute, die sich engagiert und tiefgründig mit dem netzartigen Gebilde dieses siebensiegligen Werkes auseinander setzen, erleben ein echtes Wechselbad der Empfindungen und Überzeugungen. Kaum hat man geglaubt, irgend etwas verstanden zu haben, kommt wieder ein neuer Gesichtspunkt, und man beginnt erneut zu schwanken. Eines der Argumente, welches den Bürgerinnen und Bürgern die Vorlage beliebt machen soll, ist dasjenige des Eigenheimes. Wer möchte nicht irgendwann in seinem Leben in einem Häuschen mit Gärtchen und Autoabstellplatz wohnen? Kein Wunder also, haben die Befürworter der Vorlage diesen Traum aller Träume in ihrer Kampagne bildhaft und symbolträchtig dargestellt. Zwecks Umsetzung des Anliegens haben sie deshalb Leute ins Bild gesetzt, die sich masslos über ein solches Eigenheim freuen. Besonders auffallend ist ein adretter Herr mit Wohlstandsbäuchlein, den es vor lauter Genugtuung über die (nach der Abstimmung vielleicht erwerbbaren) vier Wände fast vom Stuhl haut. Mit seiner nicht gerade geschmacksneutralen Fliege und dem leicht aufdringlichen Outfit erinnert der Putzmuntere allerdings eher an einen erfolgreichen Auto- oder Inserateverkäufer. Der Betrachter jedenfalls kann sich nicht so recht vorstellen, dass das nun ein typischer Vertreter jener Volksschicht ist, welchem die Vorlage den Haustraum erfüllen soll. Ich wette jedenfalls, dass der Typ längst eine tolle Bleibe besitzt und sich höchstens noch darüber ergötzt, dass er vielleicht bald weniger Steuern zahlen muss.

Maurice Motz


 

05.04.2004

Verschlüsselte Botschaft

Schluesselbotschaft

Vielleicht bin ich begriffstutzig, aber das breitgewachsene Plakat, das ich kürzlich auf dem Heimweg entdeckte, hinterliess bei mir lauter Fragezeichen. Da grinst ein junger Mann sorglos in die Linse, freut sich zähnefletschend und daumenerigierend über ... ja worüber denn? Der Absender fordert den Betrachter auf, das Traumhobby zu gewinnen und bietet dafür 30\'000 Franken an. Alles auf englisch, wie das heute üblich ist. Das klingt internationaler, ist cooler und verströmt den Duft der grossen weiten Welt. Auch wenn es eine andere Zigarette ist. Habe dann auf dem Plakat herum geforscht, was denn das jetzt soll, fand aber keinen Hinweis auf ein Rätsel oder einen Wettbewerb und nicht einmal auf eine Homepage, die mir hätte weiterhelfen können. Und das im Jahre 2004, wo doch die Internet-Adresse schon fast wichtiger ist als die Message. Ich stand also ratlos vor dem Plakat, schüttelte innerlich den Kopf und konstatierte, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, moderne Botschaften zu entschlüsseln. So ging ich denn weiter, so schlau als wie zuvor, und beschloss, mich mit einer Tomate für die sinnlos verschwendete Zeit zu rächen. PS: Die nehm ich natürlich zurück, wenn mir jemand den hintergründigen Sinn der Affiche erklären kann.

Maurice Motz


01.03.2004

Fersengeld

Fersengeld

Hand aufs Herz, liebe Tomaten-Leserinnen und -Leser, was sehen Sie auf diesem seltsam fotografierten Inserat? Einen Fliegenpilz? Ein exotische Frucht? Einen winterfesten Mokassin der Sioux-Indianer? Oder einen noppenbewachsenen Kinderfinken? Ich habs mir lange überlegt, was das sein könnte. Und dank der aufklärenden Textzeile «Sicher im Leben», glaubte ich der Sache auf die Spur gekommen zu sein. Früchte fallen in diesem Zusammenhang wohl weg und vermutlich auch die Indianer, es bleiben also die Noppen. Diese Dinger haben ja die Eigenschaft, den Träger derselben in der Fortbewegung zu stabilisieren, gewissermassen Gleitschutz zu gewähren und Standfestigkeit. OK, das macht Sinn, und auch die merkwürdige optische Umsetzung mit dem geknickten Kinderfuss mag dann zumindest teilweise zu überzeugen, immerhin neigen Kinder in den ersten Jahren ihres Daseins dazu, das motorische Gleichgewicht zu verlieren. Aha, hier geht es also um Versicherungswerbung. Eine Assekuranz verspricht Sicherheit im Leben. Dachte ich. Aber weit gefehlt: Die Anzeige wirbt für ein Automobil, und erst noch für ein sehr populäres, volkstümliches. Es mag ja sein, dass es unterschiedliche Sicherheitsquotienten gibt bei den Autos, nur, warum jetzt eine benoppte Fusssohle dieses neue Fahrzeug sicherer machen soll, bleibt mir schleierhaft. Es geht ja nicht um Pneus, sondern um den Träger derselben. Sinnbilder in der Werbung sind zwar beliebt und auch hilfreich, in diesem Fall klafft aber zwischen Illustration und Aussage eine dunkle Lücke. Oder hab ich da etwas völlig falsch verstanden?

Maurice Motz

 

02.02.2004

Krass einfältig

Krass einfaeltig

Da ist mir kürzlich diese Karte in den Briefkasten geflattert. Was sie eigentlich gar nicht dürfte, da an der Haustüre ein entsprechender Kleber mich vor unadressierter Flatterpost schützen sollte. Ich war also bereits sauer. Da das Mail aber schon da war, schaute ich mir es einmal etwas genauer an, was angesichts der reizvollen Schönheiten, die es zieren, nicht einmal so viel Überwindung brauchte. Ausserdem handelt es sich um einen Wettbewerb, bei dem man etwas gewinnen kann. 24 Flaschen Champagner etwa oder einen freien Eintritt zu einer Veranstaltung, an welcher abgelichtete Damen als Models auftreten. Um in den Genuss eines der Preise zu kommen, hatte man allerdings die knifflige Frage zu beantworten, aus welcher Weinanbauregion Frankreichs der Champagner stammt. Nun muss man ja kein ausgeprägter Weinkenner zu sein, um dieser Antwort relativ schnell auf die Spur zu kommen. Aber selbst von diesem bescheidenen Wissen gehen die Versender der Karte nicht aus: Sie haben eine Buchstabenreihe abgebildet, in die man wie in einem Kreuzworträtsel die fehlenden Vokale und Konsonanten ergänzen muss. Damit es nicht zu schwierig wird, sind die gesuchten Buchstaben aufgeführt und die Zahlenreihe beginnt exemplarisch mit einem C und der fünfte Buchstabe ist ein P. Die intellektuelle Herausforderung darf also ohne Übertreibung als reichlich beschränkt bezeichnet werden, und sie wäre selbst für den Polizisten in der Radiokrimiserie Maloney eine Zumutung. Da ich meinen IQ als mit dem Vertreter der Hermandat mindestens ebenbürtig einschätze, fühle ich mich als Empfänger beleidigt und erteile der einfältigen Werbung eine Tomate.

Maurice Motz


02.01.2004

Das Huhn-Schwein

Huhn-Schweiz Frifag

Im Bereich der Werbung kann man ja nicht à priori gegen kreative Einfälle sein. Auch Wortspielereien sind durchaus erlaubt sowie muntere Ideen. Das gilt natürlich auch für Sponsoren. In diesem konkreten Fall allerdings scheint mir die Fantasie der KommunikatorInnen doch etwas gar stark ausgeufert zu sein. Die beste OL-Läuferin der Welt, Simone Niggli-Luder, musste sich da auf einen doch etwas gar abstrusen Einfall einlassen: Soeben zur Schweizer Sportlerin des Jahres erkoren, gratuliert ihr ein gezeichnetes Huhn zum Gewinn der Auszeichnung mit der an den Haaren herbeigezogenen Beglückwünschungsformel «Huhn gehabt - Simone». Soweit mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, stammt der Spruch ja aus einer anderen Ecke eines landwirtschaftlichen Betriebes und wird im Allgemeinen mit den rosaroten Vertretern der Rasse Schwein in Verbindung gebracht. Der Umstand, dass Simone die begehrte Trophäe gewonnen hat, ist aber eindeutig auf ihr ausserordentliches Können und kaum auf den Umstand zurück zu führen, dass sie bei der Weltmeisterschaft Schwein gehabt hat. Und schon gar nicht Huhn. Mit anderen Worten: Die gut gemeinte Gratulations-Anzeige von Sponsor Frifrag (offenbar ein Hersteller überaus glücklicher Schweizer Poulets) muss unter «Pech gehabt» abgebucht werden und erhält die Tomate des Monats.

Maurice Motz


01.12.2003

Etwas voreilig

Lufthansa - voreilig

Ich denke, es ist legitim, als einer der wenigen noch vorhandenen Anhänger unserer nationalen Luftfahrtgesellschaft die Konkurrenz mit Argusaugen zu beobachten. Zumindest deren Werbung. Und da bin ich auf dieses Inserat gestossen, das nun wirklich am Rande der Lauterkeit sich zu bewegen scheint. Man sieht einen Mann, der friedlich schläft. Und zwar in einem veritablen Fünfsternehotel-Bett. Es sei das längste seiner Klasse wird behauptet. Kann ja sein. Und ich mag es ja auch allen gönnen, welche in luftiger Höhe statt eingeklemmt mit angezogenen Knien bequem und ausgestreckt fliegen können, aber das überaus düstere Inserat, auf welchem man kaum etwas erkennen kann, wirbt etwas vollmundig und vor allem voreilig, meine ich, denn im Kleingedruckten steht, dass erst ab Dezember 2003 solche Prachtseinrichtungen instaliiert werden sollen. Und es wird voraussichtlich bis Frühjahr 2006 gehen, bis dannzumal die gesamte Flotte damit ausgestattet ist. Es kann also durchaus passieren, dass man angesichts des Inserates sich spontan für einen Flug mit Lufthansa entschliesst, um langgestreckt träumen zu können, und an Bord erfährt man dann, dass dieser Apparat erst in einem oder zwei Jahren mit den bequemen Liegegeräten ausgestattet sein wird. Und die Rechtsabteilung muss dann ausbügeln, was ihnen die Werbeabteilung eingebrockt hat. Deshalb: Tomate.

Maurice Motz

 

03.11.2003

Läppische Aufforderung

Lancia - Laeppische Aufforderung

Es gibt offenbar Dinge, die sind nicht tot zu kriegen. Dazu gehört das Ablagern von Müll vor benachbarten Häusern oder das Aufschliessen auf Kreuzungen im Stossverkehr. Obschon eigentlich bekannt ist, dass weder das eine noch das andere erlaubt und erwünscht ist, wird es von gewissen Leuten regelmässig zum Ärger anderer praktiziert. In dasselbe Kapitel gehört sexistische Werbung. Es dürfte inzwischen allen, die sich mit Kommunikation im Allgemeinen und Werbung im Speziellen befassen, bekannt sein, dass es nicht statthaft ist, besonders attraktive Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes als Blickfang für ein Konsumprodukt einzusetzen.

Seit Jahren versucht die Lauterkeitskommission solchen Unsinn zu stoppen. Offensichtlich ohne Erfolg: Unsere Anzeige manifestiert dieses einfältige Vorgehen in krasser Weise. Und hier wird es gar textlich untermalt: «Du siehst etwas, das dir gefällt» heisst der erste Schritt «Du nimmst es dir» lautet der zweite. Und natürlich assoziiert «mann» mit dieser Aufforderung nicht das klein abgebildete Auto, sondern die sinnlich dreinblickende Schönheit. Man sagt ja, Männer hätten nur das eine im Kopf – offensichtlich gibt es solche, denen ist dadurch die Eigenschaft zu denken schlicht abhanden gekommen.

Maurice Motz


06.10.2003

Zum Weinen

Bernhard Theater - Zum Weinen

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Selten hat das Sprichwort so auf eine Kampagne zugetroffen, wie bei der Werbung für das Bernhardtheater in Zürich, welches als Humor-Tempel eine lange Tradition hat. Seit Jahrzehnten werden hier Lustspiele, Komödien und Schwanks, Musical sowie andere Darbietungen der leichten Muse aufgeführt, und tatsächlich haben die Mauern dieses Etablissements an einem Abend mehr Lacher vernommen als diejenigen des benachbarten Opernhauses Zeit seines Bestehens. Doch angesichts der neuen Werbekampagne für das Komiktheater kann einem das Lachen vergehen. Dabei wollten die Kreateure genau das Gegenteil: «Tun Sie mehr für Ihre Lachmuskeln» fordern die Werber die irritierten Passanten auf, und sie illustrieren das mit zwei abscheulich hängenden Truthahnwangen, welche eher zum Weinen, als zum Lachen animieren. An der Idee ist zwar durchaus etwas dran, aber die Umsetzung ist mehr als unappetitlich und möglicherweise gar kontraproduktiv: Bereits haben sich Leute dahingehend geäussert, auf Grund der Werbung einen grossen Bogen um das Theater zu machen. So weit wollen wir freilich nicht gehen. Wir empfehlen höchstens, einen Bogen um die Erfinder der Anzeige zu schlagen.

Maurice Motz

 


01.09.2003

Allzu bissig

Peugeot - Allzu bissig

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie von «Mähne», «Reisszähnen» und «Tatzen» lesen? Richtig, ein löwenartiges Raubtier. Ein kraftstrotzendes, gefährliches Biest, das nur darauf wartet, sich auf seine Beute zu stürzen. Und auch wenn ein Dompteur im Spiel ist, klingt die Beschreibung wenig vertrauenerweckend. Kommt dazu, dass die Aufnahme aus der Froschperspektive tatsächlich recht beängstigend wirkt. Wer in der Automobil-Werbung den Vergleich mit rassigen Raubkatzen wagt, hat wohl noch nichts davon gehört, dass gewisse Beamte in Brüssel Anzeigen für schnelle Autos längst auf die Fahndungsliste gesetzt haben. «Autos», so argumentieren sie, «sind gefährliche Geräte, die mit dem Tod von tausenden von Menschen im Zusammenhang stehen.» Aus diesem Grund wollen sie die Werbung inhaltlich überprüfen und allzu forsche Aussagen moderieren oder gar verbieten. Alles, was irgendwie das Matcho-Gehabe anspricht oder sonstwie über sachliche Information hinaus geht, soll in Zukunft nicht mehr erlaubt sein. Und vor allem soll die Sicherheit und nicht die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs im Vordergrund stehen. Inserate wie dieses fordern den Übereifer der Beamten förmlich heraus. Auch wenn die Idee kreativ sein mag, im Moment ist solche Werbung nicht eben opportun. Man kann nur hoffen, dass sie nicht auch in Brüssel zu sehen ist.

Maurice Motz

 


04.08.2003

Verpackung ist nichts

Verpackung ist nichts

Abgesehen davon, dass das fotografisch inszenierte Bild reichlich aufdringlich ist, kann ich auch sonst nicht viel Überzeugendes an der Anzeige feststellen. «Verpackung ist alles», schreiben die munteren Werber auf den sündroten Slip, der die Männlichkeit eines jungen Zeitgenossen mehr schamlos als schamvoll verhüllt. Und dann erklären sie, ohne rot zu werden: «Packungsdesign soll nichts anderes als das Werbeversprechen einlösen.» Mit Verlaub, ich dachte immer, die Werbung betreffe den Inhalt einer Verpackung und nicht diese selbst. Insofern habe ich Mühe, den Slogan nachzuvollziehen, denn gerade Verpackungen werden häufig zweckentfremdet, um einen Inhalt wesentlicher, wertvoller (oder grösser) erscheinen zu lassen als er wirklich ist. Nicht umsonst spricht der Volksmund ja von Mogelpackungen. Mit anderen Worten, die Verpackung gibt etwas vor, was in Tat und Wahrheit gar nicht existiert. Oder zumindest nicht in der vorgegaukelten Form. Insofern ist das gewählte Objekt, welches die Werber in schon fast unzüchtiger Weise gewählt haben, eigentlich relativ heikel. Denn auch wenn die Frage nach der Bedeutung der Dimension des Inhaltes eines Slips noch nie schlüssig beantwortet worden und häufig widersprüchlich ist: Mit der Verpackung allein ist es hier nicht getan. Im Gegenteil: Die Sache wird erst spannend, wenn die Verpackung fällt.

Maurice Motz

 

30.06.2003

BAG-Kampagne gegen das Rauchen

BAG Nichtrauchen

Sie ist durchaus ästhetisch fotografiert, die Kampagne des BAG, welche Raucher von ihrem Laster abbringen soll. Und die Aussage «Ich inhaliere jeden Tag Blei» hat etwas Beängstigendes. Bloss: Blei inhalieren tun Nichtraucher auch, immerhin enthält unsere Luft immer noch ordentliche Mengen des Schwermetalls. Und eine ganze Menge anderer Schadstoffe dazu. Dass Rauchen ungesund ist, weiss inzwischen jedes Kind. Dennoch will es, kaum kann es richtig gehen, bereits einen Glimmstengel zwischen die Lippen schieben. Motiviert durch Gleichaltrige, durch die Familie und durch anderen sozialen Druck. Die Angstmacherei ist demnach ziemlich verfehlt. Kommt dazu, dass moralisierende Kampagnen häufig das Gegenteil von dem auslösen, was sie tun sollten. Und im Prinzip tut das Plakat nichts anderes, als das kommunizieren, was auch auf der Werbung für Tabakprodukte steht:«Rauchen schadet ihrer Gesundheit.» Nur sind die Bildchen, die für Zigaretten werben, etwas gefälliger, lebensfroher und nicht so düster wie die BAG-Sujets, die dergestalt instinktiv zum Wegschauen animieren, sodass der Raucher und die Raucherin die Botschaft glatt verpasst. Gott sei Dank steht der Spruch auch noch auf dem Zigaretten-Päckli. Dort verpassen ihn die Paffer bestimmt nicht.

Maurice Motz

 

02.06.2003

Blonde Mähne

HP - Blonde Maehne

Den Werbern muss man es nicht klar machen denn sie wissen es, nehmen es gewissermassen mit der Agenturmilch auf: Der Konsument ist gehetzt, hat keine Zeit, sich mit einer Anzeige lange auseinanderzusetzen. Der erste Eindruck muss also haften, muss fesseln und vor allem in die richtige Richtung konditionieren. Die optische Anmutung einer kreativen Arbeit muss mich umgehend in die Welt des Produktes versetzen, und wenn ich an einem solchen interessiert bin, verharre ich auf der Seite. Ich lese vielleicht weiter und finde gar den USP des Produktes. Und was ist die Anmutung unserer Anzeige? Ich sehe blonde Locken mit ein paar rötlichen Mèches vorbeiflitzen und eine Kaffeemaschine. Oder so etwas Ähnliches. Erst das Logo der durchaus bekannten Firma zwingt mich zurückzublättern. Und siehe da, es geht weder um Blondinen noch um Kaffeemaschinen sondern um Farbdrucker. Schnell sollen die sein und unglaublich farbecht. Mag sein, bloss für mich als Laien besteht die Farbskala nicht bloss aus gelb und rot, da fehlen mir vor allem blau, grün und deren Derivate. Okay, vielleicht ist es trivial, einen Regenbogen als Symbol für Farbenvielfalt zu strapazieren, blonde Locken mit roten Mèches tuns aber sicher auch nicht. Oder bin ich vielleicht farbenblind?

Maurice Motz


09.05.2003

Originell aber unfunktionell

Hülsta - Unfunktionell

Ich muss zugeben, ich fühle mich nicht aktivlegitimiert für die Beurteilung dieser Anzeige. Als kinderloser Endfünfziger fehlt mir das nötige Verständnis für die real existierende Situation auf diesem idyllischen Familienbild. Das heisst freilich nicht, dass ich die Mängel der Werbung nicht verstehen würde, wenn mich jemand darauf aufmerksam macht, der oder die genau in selbiger Lebenslage steckt wie der junge Mann am Familientisch. Und die Informantin weiss, wovon sie spricht: Jeder und jede, der oder die ein kleines Kind sein eigen nennt und dieses zwecks gesunder Entwicklung mit dazu geeignetem Gerät ernährt, wird bestätigen können, dass dieser Fütterungsvorgang von etlichen kollateralen Immissionen begleitet wird, indem der Grossteil der für die Aufnahme geplanten Nahrung physikalischem Gesetz gehorchend auf dem Boden landet und sich daselbst innig mit dem Teppich-Gewebe vereint. Wer im Besitz derartiger Erfahrungen ist, wird – so behauptet meine Informantin – niemals einen derart flauschigen Teppich unter die neuralgische Stelle legen. Mit anderen Worten: Die Werber haben das Esszimmer zwar innenarchitektonisch geschmackvoll, aber total funktionsuntauglich eingerichtet. Offenbar haben die keine Kinder. Und damit keine Ahnung.

Maurice Motz


09.04.2003

Die fliegende Kuh

Mercedes - Fliegende Kuh

Weil ich kein eigentlicher Autofan bin und das vierrädrige Gerät eher als Fortbewegungsmittel denn als Imageträger einsetze, bin ich vielleicht nicht die adäquate Zielperson für die Anzeige der neuen Mercedes-C-Klasse. Da ich aber gleichzeitig Zeitungsleser bin und deshalb von der Werbung ebenfalls kontaktiert werde, mache ich mir halt so meine Gedanken zur werbemässigen Kommunikation. Und was seh ich im Inserat? Ein schnittiges Fahrzeug, flach wie eine Wasserschildkröte, mit dynamischer Ausstrahlung. Der dazu gehörende Text informiert mich folgendermassen: «Ein neues Bild von der C-Klasse. Jetzt mit Sportpaket, auch von AMG.» Na ja, viel sagt das nicht gerade aus, aber vielleicht reicht es für Autofans. Für die anderen gibt es im Inserat einen oberen Teil, auf dem man einen Strich erkennt, der mit «Kuh» angeschrieben ist. Offensichtlich handelt es sich um ein sehr schnelles Vieh, denn es ist als solches nicht zu erkennen. Auch ich kann natürlich die Assoziation zwischen «sportlich» und der rasenden Kuh nachvollziehen, bloss frag ich mich, wie lange man in der Autowerbung noch mit Tempo als USP wirbt. Denn eines scheint klar: Ob ich jetzt mit einem Sportflitzer 120 (oder, na ja, 130 Km/h) fahre oder mit einem älteren Familiengöppel – die Kuh fliegt genau gleich schnell vorbei. Oder hab ich da im Physikunterricht vielleicht schlecht aufgepasst?

Maurice Motz

 

09.03.2003

Zweierlei Heck

Seat - Zweierlei Heck

In Natura habe ich gegen attraktive Hinterteile rein gar nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Auch nicht gegen solche, die in Jeans stecken. Schon deshalb schaue ich natürlich (wie männiglich) auch hin, wenn man diesen an sich schon ausgesprochen gefälligen Teil eines weiblichen Körpers in einem Inserat zu sehen bekommt. Das muss irgendwie mit natürlichen Reaktionen zusammenhängen, welche uns selbst immer wieder überraschen. Umso grösser ist dann die Enttäuschung, wenn man feststellt, dass das Fudi in der Werbung schnöde mit einem Hinterteil eines Automobils verglichen wird. Nichts gegen kreative Einfälle, aber dieser ist eher einfältig. Ich bezweifle ernsthaft, ob der Durchschnittsbürger die Anlehnung an die Trendjeansmarke Diesel herstellt, nur weil auf dem Heck einer bestimmten Automarke irgendwelche Abkürzungen angebracht sind, die kund tun, dass das Gefährt mit dem Treibstoff Diesel läuft. Denn wie wir alle wissen, beschäftigt sich der Betrachter einer Anzeige nur wenige Augenblicke mit deren Inhalt. Und, Hand aufs Herz, denken Sie beim Betrachten dieses Sujets auch nur einen klitzekleinen Augenblick an eine Automarke?

Maurice Motz


09.02.2003

Schlicht zum überblättern

SonntagsZeitung - Ueberblaettern

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe im Büro rumgefragt, ob jemand diese Anzeige verstehe. Doch alle schüttelten den Kopf. Thomas meinte: «Ich hab sie gesehen und mich zehn Sekunden gefragt, was das denn soll, es war mir dann aber zu blöd, um weiter darüber nach zu denken.» Und Thomas ist ein Kommunikationsmensch. Ich frage mich, was Herr und Frau Schweizer am sonntaglichen Frühstückstisch aus den kommunikativen Hieroglyphen dieser Anzeige lesen. Was hat es mit dem Wachtjournal des Pzj Sdt Michel Wutz und der SonntagsZeitung auf sich? Was tut das zugegebenermassen attraktive Heck der jungen Dame auf dem Tagesbericht, verglichen mit dem sogar der Jahresbericht des Chüngelizüchtervereins nervzerreissend spannend ist? Oder ist am Ende gerade das der Witz: Sonntage sind dermassen langweilig, dass sogar eine SonntagsZeitung Unterhaltung bietet? Ich bin zwar kein Werber, aber müsste es nicht eigentlich umgekehrt sein? Sonntagszeitungen sind dermassen spannend, dass man sie sogar einem Sonntag voller attraktiver Höhepunkte vorzieht! Aber wie gesagt, ich bin ja kein Werber sondern Leser und muss deshalb die Anzeige auch nicht verstehen. Aber überblättern kann ich sie allemal.

Maurice Motz

 

09.01.2003

Campari - Knallrot daneben

Campari - Knallrot daneben

Es gibt Inserate, die sind unverständlich. Und es gibt solche, die sind blöd. Und dann gibt es noch die dritte Kategorie, die sind beides. Für mich sind jedenfalls die Gedankengänge, welche die Kreativen zur Erschaffung dieser Anzeige geführt haben, ziemlich abstrus. Das Label zeigt, dass es bei der Werbung um ein Getränk geht, das in Bars und ähnlichen Etablissements einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad aufweist (auch ich bin häufiger Konsument). Dass man mit werberischer Übertreibung die Flüssigkeit als «Red Passion» bezeichnet, ist angesichts der roten Erscheinung des Getränks durchaus akzeptabel und gehört zum kommunikativen Spiel. Was aber um Himmels Willen hat im Hintergrund die Frau im kleinen Schwarzen für eine Bewandtnis? So scharf, dass man nach dem Genuss gleich einen Feuerlöscher brauchen müsste, ist die Spirituose beileibe nicht. Bleiben also wohl nur irgendwelche sexistische Anspielungen als Erklärung übrig. Die sind aber offenbar von sehr hohem intellektuellem Anspruch, denn ich versteh sie nicht. Oder geht es am Ende bloss um die farbliche Verwandtschaft zwischen dem Getränk und dem roten Feuerlöscher? Dann hätte es keine Frau gebraucht. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, das Urteil bleibt dasselbe: unverständlich und blöd. Nicht einmal witzig sexistisch.

Maurice Motz

 

09.12.2002

Credit Suisse - Direkte Antwort

CS - Direkte Antwort

Im Moment haben es auch Banken schwieriger als auch schon. Die konjunkturelle Lage, das Börsen-Grounding, die miese Konsumentenstimmung und nicht zuletzt der Imageverlust ú all das schlägt den Geldinstituten auf den sonst so satten Magen. Da ist es nicht verwunderlich und durchaus legitim, dass sie sich mittels Werbung bei den Sparwilligen in Erinnerung rufen. Und am besten tut man das mit überzeugenden Argumenten wie attraktive Renditenchancen und gute Beratung. Und für einmal frägt eine Bank gar nach den Verbindlichkeiten, die ja bei pekuniären Investitionen eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Die Frage ist sinnvoll und erweckt den Eindruck, dass das Unternehmen sich ernsthaft um individuelle und ganzheitliche Lösungen bemüht. Bloss: Wer die Frage in einem Inserat aufwirft, muss damit rechnen, dass sie auch beantwortet wird. Und die Gefahr ist gross, dass die Antwort schlicht «Nein» heisst. Mich hat jedenfalls noch nie jemand nach meinen Verbindlichkeiten gefragt. Höchsten der Steuerbeamte, aber noch keine Bank. Auch nicht diejenige, die das Inserat aufgegeben hat. Dabei hab ich dort ein Konto. Könnte es sein, dass es zu klein ist?

Maurice Motz

 

09.11.2002

hp - Allzu menschlich

HP - Allzu menschlich

Mäuse okay, natürlich auch Enten oder Katzen, und es kann ausnahmsweise auch mal ein Hund oder ein Flipper sein, die man vermenschlicht. Das hat ja Tradition. Was wären Mickey Mouse oder Donald Duck ohne ihre menschlichen Charaktere, ohne ihre Schwächen und Ticks? Wie gesagt, da hab ich kein Problem damit, immerhin habe ich früher auch Comics verschlungen. Doch jetzt hat die Werbung die Vermenschlichung kalter Elektronik entdeckt. Es gibt ein Multitalent aus Kunststoff und Chips, das auch faxen, scannen und kopieren kann und das ausgesprochen menschliche Züge und Schwächen aufweist: Es ist ein Geniesser. Gegen die fachlichen Qualitäten des Apparats ist freilich nichts einzuwenden. Was mir aber nicht so recht gefallen will, ist die Art, wie das im Inserat kommuniziert wird: Das kühle Gehäuse mit ein bisschen Elektronik drin wird als menschlich fühlendes Objekt dargestellt, zu welchem man eine freundschaftlich-kollegiale, ja schon fast intime Beziehung pflegt. Immerhin teilt es das Bett mit der Testimonialgeberin. Ich kann mir nicht helfen, aber dem Umstand, dass der Drucker Party-Einladungen mit Schokoladenflecken produziert, kann ich nun wirklich kein überzeugendes Argument abringen. Schokoladeflecken als USP eines Druckers? Da hat wohl jemand etwas falsch verstanden.

Maurice Motz

 

09.10.2002

NZZ am Sonntag - Für den Versand

NZZ aSo - Fuer den Versand

«Für den Verstand und für die Sinne» heisst der Titel eines Mailings, das einer unserer Mitarbeiter kürzlich ins Büro zugestellt bekommen hat. Der Mann ist seit Jahren Abonnent der NZZ und damit auch Empfänger der NZZ am Sonntag. Gleichwohl hat man ihm freundlicherweise einen Brief geschickt, in welchem ein Probeabo des sonntäglichen Blattes offeriert wird. Das ist an sich durchaus legitim und hängt mit dem Bedürfnis nach viel Respons auf Grund ausgefeilter Adressbewirtschaftung zusammen, welche solche DM-Versände erst möglich machen. Doch just diese Datenbewirtschaftung ist es, die Anlass zu Rüge und dieser Kolumne gibt, denn auf dem Mailing sind sowohl der Vorname als auch der Familienname falsch geschrieben: Aus Piero wurde Reto, aus Schäfer Schafer. Diese relativ schlechte Trefferquote hat den Empfänger erstaunt und mir ein Sujet für die aktuelle Tomate geliefert. Gemäss Mailing-Titel geht es bei der NZZ am Sonntag um Verstand und Sinne. Vielleicht sollten sich die DM-Spezialisten mehr um den Versand kümmern.

Maurice Motz

 

09.09.2002

TCS - Elefantös

TCS - Elefantoes

Der TCS ist ein Club, der sich seit geraumer Zeit kommunikativ stark bemerkbar macht. Mittels TV-Spots und Printwerbung wird intensiv um Mitglieder geworben. Das ist natürlich legitim und auch nicht in Frage zu stellen. Und die Werber sind entsprechend gefordert. Um aufzufallen, ist ihnen jede kreative Idee recht, zum Beispiel die mit dem grimmigen Elefanten, der sich missmutig mit den Ohren fächelnd dem Automobil entgegenstellt. Wenn jetzt der Fahrer denken würde: «Gottseidank, ich bin ja TCS versichert», wäre das normal und durchaus vertretbar. Aber eben, nicht kreativ. Deshalb kam man auch auf die lustige Idee, dem Elefanten gewissermassen ein Testimonial zu entlocken. Oder besser gesagt unterzujubeln. Denn bei allem Respekt vor der hohen Intelligenz des Dickhäuters und der intensiven Werbekampagne des TCS ist nicht anzunehmen, dass das Rüsseltier schon je etwas von der Versicherung Auto TCS gehört hat. Und wenn, dann bleibt ihm die Firma in alle Zukunft als die Versicherung mit der persönlichkeitsverletzenden Werbung in Erinnerung. Denn eines weiss man: Elefanten vergessen nie etwas. Schon gar nicht, wenn man ungefragt mit ihnen Werbung macht.

Maurice Motz

 

09.08.2002

Elsève - Fettig statt frisch

Elseve - Fettig statt frisch

Michael Schumacher war auf dieser Homepage bereits einmal «Kommunikator des Monats». Er warb damals für die Schweiz. Ein nobles (wenn vielleicht auch nicht ganz uneigennütziges) Anliegen fand man, und bedachte ihn deshalb mit dem ehrenvollen Titel. Inzwischen ist der Michael Träger eines weiteren Titels: Kürzlich sicherte er sich die Weltmeisterschaft im Rumfräsen. Offenbar verdient der sonst ja sympathische Deutsche damit aber nicht genug Kohlen, er betätigt sich jetzt auch noch als Fotomodell. Und lässt sich dabei das dümmliche Testimonial entlocken: «Unschlagbar! Mein Haar bleibt länger sauber und frisch. Selbst bei extremsten Bedingungen.» Ich habe am Wochenende die Probe aufs Exempel gemacht und die Haarpracht des Formel-1-Piloten nach dem Rennen begutachtet. Nachdem der «Schumi» seinen Helm abgestülpt und den Feuerstrumpf vom Kopf gezogen hatte, sah er aus wie ein begossener Pudel: Seine Inserate-Locken jedenfalls waren weder frisch noch sauber, sondern verschweisst und fettig. Wie das in solchen extremsten Situationen bei jedem der Fall ist. Elsève hin oder her. Warum nur gibt sich ein solch bemerkenswerter Mann für sowas her? Wahrscheinlich weil er es sich wert ist.

Maurice Motz


09.07.2002

Bundesamt für Gesundheit - Hochprozentiges

BAG - Hochprozentiges

Eigentlich ist das Thema zu ernst, um Witze darüber zu reissen, aber da die Anzeigen im Moment überall zu sehen sind, hat sich vielleicht ausser mir auch sonst noch jemand über die abstrusen Sujets gewundert, welche da plakatiert sind. Im Prinzip geht es um Alkohol-Prävention. Dagegen ist weiss Gott nichts einzuwenden. Bloss, was um Himmels Willen bedeuten die klinisch anmutenden Gläser, in welchen die erstaunlichsten Gegenstände in vermutlich Hochprozentigem eingelegt sind? Da steckt doch zum Beispiel ein Klobesen in einem Glas, in einem anderen liegt ein Backenzahn und in einem dritten schwimmt ein Spielzeugauto. Was wohl wollen die Werber uns da mitteilen? Warnen sie davor, dass bei reichlichem Konsum des goldgelben Saftes das Delirium tremens eintritt, in welchem man Dinge halluziniert, die gar nicht vorhanden sind? Das wiederum ist nicht anzunehmen, denn in einem der Gläser schwimmt in aufrechter Haltung ein vermutlich menschliches Hirn. Das könnte immerhin versinnbildlichen, dass allzu viel Alkohol nicht gut ist für unsere geistige Kondition. Das ist verständlich und macht Sinn. Aber der Klobesen und der ausgerissene Zahn? Fast ist man geneigt anzunehmen, die Kreativen ihrerseits hätten etwas gar tief ins Glas geschaut bei der Konzeption dieser Kampagne. Prost.

Maurice Motz


09.06.2002

Panasonic - Widersprüchlich

Panasonic - Widerspruechlich

Die Geräte sind Klasse. Und vor allem sind sie im Trend: Wer fotografisch etwas auf sich hält, schafft sich heute eine Digitalkamera an. Und wie stets bei neuen Produkten, unterscheiden sich die einzelnen Marken letztlich vor allem durch das Marketing und die Kommunikation. Es gilt also aufzufallen im grossen Angebot der Neuigkeiten. Und Panasonic schafft das. Wenn auch eher unangenehm. Mit einem fiesen Spruch, den ich meiner Frau gegenüber nur applizieren würde, wenn sie bester Laune ist, wirbt das Unternehmen für die neue Kamera: «Sicher nichts für Frauenhände. Ausser beim Einpacken ins Geschenkpapier.» Das impliziert zweierlei: Die Handhabung der Kamera ist äusserst kompliziert und vor allem sind Frauen zu blond, um sie zu verstehen. Natürlich ist das sexistisch und diskriminierend und schon fast ein Fall für die Lauterkeitskommission. Warum nur fast? Weil Panasonic nicht nur dieses Inserat, sondern eine ganze Serie entworfen hat, und in der kommen auch die Männer schlecht weg: «Fast so einfach zu manipulieren wie ein Mann», heisst es in einer anderen Anzeige. Die Attacke auf die Geschlechter hebt sich also auf. Deshalb ist die Kampagne nicht diskriminierend. Aber widersprüchlich ist sie gleichwohl. Ist die Kamera jetzt leicht zu bedienen oder nicht?

Maurice Motz

 

09.05.2002

z. B. Dunlop - Adaptations-Ärger

Dunlop - Adaptations-Aerger

Gegen die Globalisierung kann kaum jemand ernsthaft etwas unternehmen. Sie ist ja auch nicht nur des Teufels. Und zurückdrehen lässt sie sich ohnehin nicht, auch wenn einige Chaoten Steine werfen. Auch die Werbung ist ja schon lange im Sog dieser Entwicklung. Da nennt man die Auswirkungen dann Adaptation. Es lohnt sich heute nicht mehr, in einem kleinen Land wie der Schweiz eine eigene Kampagne zu entwerfen, wenn es doch in der grossen weiten Welt bereits eine gibt. Ob das kommunikativ sinnvoll ist, lässt sich mit Fug und Recht bezweifeln, aber es wird halt seit langem so praktiziert. Und ist wohl günstiger. Die Schweizer Agenturen mutieren deshalb immer mehr zu Adaptationsbüros. Statt zu kreieren, passen sie das Artwork auf hiesige Verhältnisse an. Wie ungern sie diese Arbeit verrichten, zeigt die Lieblosigkeit, mit welcher sie ausgeführt wird: Niemand hat es in dieser Dunlop-Anzeige für nötig erachtet, das deutsche ß zu eliminieren, das bei uns dermassen unbeliebt ist. Vielleicht kam die Kampagne ja auch aus England oder Holland. Und dort foutiert man sich wohl noch mehr um lokale Sprachempfindlichkeiten. Es lebe die Globalisierung!

Maurice Motz

 

09.04.2002

KPMG - Falsches Symbol

KPMG - Falsches Symbol

Jeder, der schon einmal versucht hat, mittels Golfschläger einen kleinen weissen Ball in die Ferne zu befördern weiss, dass das ein äusserst schwieriges Unterfangen ist. Ärger und Frust über missratene Schläge dominieren bei weitem und die zwei drei gelungenen Drives entschädigen nur für kurze Zeit. Insgesamt ist Golf also kein glückliches Synonym für erfolgreich zu bewältigende Aufgaben, wie sie in unserem Inserat angepriesen werden: Da ist die Rede von erfolgreicher Restrukturierung, von Optimierung bei operativen, finanziellen, rechtlichen und steuerlichen Problemen. Lauter enorm anspruchsvolle Aufgaben, die man eher nicht mit einem kümmerlich verzogenen oder kläglich hoppelnden Abschlag vergleichen sollte. Im Moment scheint Golf aber für alles und jedes als Sujet dienen zu können. Hauptsache es hat mit Prestige zu tun. Da werden dann Texte seltsam verbogen, um einen Bezug zum grünen Sport herzustellen. Wie etwa die Frage: «Sind Sie sicher, dass am richtigen Handicap gearbeitet wird?» Das verstehe, wer will. Soll das etwa heissen, dass man nur den Inserenten engagieren muss, um dann selbst Golf spielen zu können? Dann wäre die Frage freilich falsch gestellt: Der Mann würde dann nämlich absolut am richtigen Handicap arbeiten, nämlich an seinem.

Maurice Motz

 

09.03.2002

ADSL

ADSL

Engpässe im Internet sind mühsam. Da hilft ADSL aus dem Stau. Das zumindest verspricht ein Inserat der aufgesetzten Art. Abgesehen davon, dass kein Mensch weiss, was ADSL heisst, müssen wir jetzt auch noch eine Kampagne über uns ergehen lassen, welche nicht nur an den Haaren sondern gleich einer vollen Mähne herbeigezogen ist. Zur Veranschaulichung der gesteigerten Form des Adjektives «schnell» werden plakative Vergleiche bemüht, welche reichlich abstrus sind: So versucht zum Beispiel ein Homeworker wertvolle Zeit dadurch zu gewinnen, dass er Spaghettis mit einem Bohrer in mundgerechte Portionen wickelt, und eine junge Frau streicht ihre Fussnägel mit einer Rolle, die normalerweise flächendeckend für Wände eingesetzt wird. Lustig nicht? Schneller geht das alles eventuell schon, bloss, was ist das Ergebnis? Die Spaghettis kleben, der physikalischen Kraft der Zentrifuge gehorchend, an Decken und Wänden, und der Fusslack wird grossflächig und rot auf der halben Extremität kleben. Was also schneller ausschaut, ist in Tat und Wahrheit nachhaltig umtriebiger. Auf ADSL übertragen heisst das, dass zwar die Verbindung schneller zustande kommt, dass man aber dann die Konsequenzen des fixeren Zugangs mit irgendwelchen Aufräumaktionen wieder einbüsst. Und das kann ja kaum der Sinn der Sache sein. Oder heisst ADSL gar am Ende: Aber Danach Surfts Langsamer?

Maurice Motz


09.02.2002

Posthotel St. Moritz - Kein Druckfehler

Posthotel St. Moritz - Kein Druckfehler

Das Wetter schlägt wieder einmal Kapriolen. Nachdem uns zuerst sibirische Verhältnisse das Blut in den Adern gefrieren liessen, spriesst jetzt bereits das Frühlingskraut. Dabei stecken wir kalendarisch noch tief im Winter. Das beweisen einerseits die Olympischen Winterspiele und anderseits ein Inserat aus dem Engadin, welches uns Unterländern mit dem Slogan «Schnee so weiss das Auge reicht», in die Höhe lockt. Das ist nun kein eigentlicher Druckfehler, sondern ein kreativer Werbegag. Insofern kann man das Ganze ja noch akzeptieren, und es würde auch nicht für die Verleihung der Tomate reichen, wenn da nicht noch die Tatsache irritieren würde, dass es im wunderschönen St. Moritzerland seit Monaten nicht mehr richtig geschneit hat und sich die Hänge neben den künstlich präparierten Skipisten farblich zwischen braun und grau präsentieren. Ich versteh ja, dass die Touristiker mit gewissen regionalen Vorzügen argumentieren, aber selbst zur Beschönigung neigende Werber sollten einsehen, dass dies heuer wirklich die falsche Headline ist. Vielleicht haben sie ja Glück und es kommt noch mal tüchtig schneien, dann zieh ich meine Motzerei zurück und behaupte das Gegenteil. So geht das!

Maurice Motz


09.01.2002

Sonntagszeitung - Unzeitgemäss

SoBli - Unzeitgemaess

Soeben habe ich bei minus 13 Grad schuhsolendickes Eis von meiner Windschutzscheibe gekratzt. Und die Wetterprognosen sind (zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen) eher arktistauglich denn mitteleuropäisch. Und dann find ich das in meiner Lieblingszeitung. Ein gänzlich hüllenloser, leicht echauffierter Mann, dessen primäres Geschlechtsorgan von einem Feigenblatt in Form einer Sonntagszeitung bedeckt wird. Und das Inserat verspricht «mehr Lebenshilfe» und «mehr Sonntag». Vielleicht ist mein Hirn bei den herrschenden Temperaturen eingefroren, aber ich kann mir aus der seltsamen, jahreszeitlich anachronistischen Szene keinen Reim machen. Was will uns das Inserat sagen? Was treibt der bis zu beiden Ohren grinsende Mann da mit dem Medium? Und welches ist der versprochene lebensunterstützende Nutzen? Kommt der Mann vielleicht grad von einem Nacktbad und hat zwecks Schutz seiner Intimität die lebenshelfenden Dienste einer Zeitung in Anspruch genommen? O.k., das würde Sinn machen, aber doch nicht um diese Jahreszeit, in der selbst Eisbären Ohrenklappen tragen. Und überdies: Bei diesen Temperaturen hätte wohl auch eine Briefmarke zur Bedeckung der kritischen Zone gereicht.

Maurice Motz


09.12.2001

Sony Ericsson Mobile - Übertrieben

Sony Ericsson Mobile - Uebertrieben

Wir alle wissen, dass Werbung nicht reine und spröde Information sein kann. Kein Mensch würde ein Auto kaufen, das bloss mit technischen Details angepriesen wird. Grosszügiger Hubraum allein oder ein Vierradantrieb lassen das Herz noch nicht höher schlagen. Seit langem setzen die Kommunikationsspezialisten deshalb auf Emotionen. Es kommen Gefühle ins Spiel, welche dem Produkt einen gewissen Reiz verleihen, es attraktiv und verführerisch machen. Bei gewissen Gegenständen ist das freilich gar nicht so einfach. Handys, diese stets zur Unzeit störenden Taschenflegel, strahlen per se noch nichts besonders Charmantes aus. Sie sind technische Wunderwerklein, welche Kommunikation aufdrängen, wo meist keine nötig ist. In unserem Beispiel haben die Werber jetzt besonders happig zugelangt. Die wollen uns weismachen, dass man ihre Handvoll Chips und Tasten auch in eindeutig zweideutigen Situationen nicht aus der Hand legt. «Sie werden es nicht mehr loslassen», wird da behauptet, was nun tatsächlich massiv übertrieben ist. In solch romantischen Momenten werden Hände zum Tasten nicht für Tasten eingesetzt.

Maurice Motz

 

09.11.2001

Hugo Boss (Schweiz) AG - Schlicht Pech

Hugo Boss - Schlicht Pech

Vermutlich war es einfach Pech. Mitten in einer Reportage über den Kampf gegen Milzbrand war dieses Inserat platziert. Vorne rechts, wie es von Werbetreibenden immer gefordert wird. Und im dramatischen Bildbericht aus dem gebeutelten Amerika sah man lauter Männer in gelben Schutzanzügen aus Plastik mit Masken und Handschuhen. Auf einem Bild spritzten sie sich gegenseitig ab, um ja eine Kontamination mit den tödlichen Bakterien zu vermeiden. Wie gesagt, es war wohl einfach Pech, dass das Inserat von Hugo Boss mitten in diesem aufwühlenden Artikel platziert wurde. Dennoch werde ich nicht schlau aus der Kreation. Was um Himmels willen tut der junge Mann in seinem grauen Plastikanzug? Es sieht doch so aus, als würde er abgespritzt. Mir ist jedenfalls kein Regenwetter bekannt, bei welchem Wasser derart gebündelt zu Boden prasselt. Oder steht er unter einem Wasserfall? Was will uns das Inserat sagen, respektive verkaufen? Vermutlich geht es tatsächlich einfach darum, einen neuen gestylten Regenschutz in dezentem Grau für besonders nasse Tage darzustellen, und wäre die Anzeige nicht just neben der Anthrax-Geschichte publiziert worden, hätte es keine unschönen Assoziationen gegeben. Ich sags ja, vermutlich war es einfach Pech. Und das ist in diesem traurigen Herbst nicht weiter überraschend.

Maurice Motz

 

09.10.2001

Publicitas Léman - Eine Formel, die irritiert

Publicitas Léman - Eine Formel die irritiert

«Mit Top 3 voll ins Ziel… 579’000 Romands mit einem Schlag getroffen.» Wer sich im Moment solcher Ausdrücke befleissigt, zeichnet sich nicht gerade durch übermässige Sensibilität aus. Gewiss, es handelt sich um einen Comic, und beim Treffen geht es darum, dank eines Inserate-Kombis eine möglichst hohe Reichweite mit Anzeigen zu erreichen: «Top 3... eine Formel, die funktioniert.» Dennoch: Der Zeitpunkt für derartig martialische Formulierungen ist ausgesprochen schlecht gewählt. Zumal auf einem Bild deutlich eine Explosion erkennbar ist. Ich kann mir zwar vorstellen, dass diese etwas kindliche Art der Kommunikation bereits vor Wochen oder gar Monaten entworfen, gezeichnet und abgesegnet worden ist, lange bevor am 11. September das Grauen die Welt erschütterte, und vielleicht bin ich auch ein wenig empfindlich, aber als ich dieses Inserat sah, war ich erheblich schockiert und die Formel, die angeblich funktioniert, hat mich höchstens irritiert. Etwas mehr Sensibilität im Umgang mit Anzeigen dürfte nicht schaden, zumal wir nicht wissen, wann wieder zugeschlagen wird. Wenn Fernsehstationen ganze Programme ändern und Zeitschriften ihre Titelstories umschreiben können, sollte es auch Werbern möglich sein, innerhalb von zwei Wochen ein Sujet auszuwechseln.

Maurice Motz

 

09.09.2001

Viva-Swizz - «Frösteln?»

Viva Swizz - Fröstlein?

O.K., ich gehöre nicht exakt in die Zielgruppe der Jugend-Musik. Hie und da bleib ich aber beim Zappen schon auf einem dieser Kanäle hängen und ergötze mich dann an den jungen und schönen Menschen und deren elastischen Darbietungen. Ausserdem mag ich trotz fortschreitenden Alters die Musik. Klar, dass auch diese Sender ein wenig Werbung brauchen. Vor allem in der Werbefachpresse, weil diese ja von den Werbern gelesen wird. Und dort fand ich auch dieses Inserat, das mich doch erheblich ratlos gemacht hat. Ein offensichtlich übermüdeter Businessmann und ein bereits ins Jenseits gedrifteter Lebloser stellen die Protagonisten der Anzeige dar. «Chillen?» frägt man mich und andere Betrachter des Werks und hofft auf eine Buchung. Nehme ich jedenfalls an. Laut meiner Kenntnisse im Angelsächsischen bedeutet der Text in etwa: «Frösteln?» Der Aufgebahrte mag ja cool gewesen sein, frösteln wird er in der gegenwärtigen Verfassung kaum mehr, und warum der leicht erschöpfte Yuppie unterkühlt sein soll, ist mir auch schleierhaft. Aber eben, ich bin ein Grufti und muss von derlei Dingen ja nichts mehr verstehen. Dass mir die Werbung nicht gefällt, erlaub ich mir dennoch zuzugeben. P.S.: Die Jungen in unserem Büro haben sie auch nicht verstanden.

Maurice Motz

 

09.08.2001

Swisscom - Zur falschen Zeit

Swisscom - Zur falschen Zeit

Eigentlich gehört diese Anzeige eher in die Rubrik «Pleiten, Pech und Pannen», denn inhaltlich gibt es am Inserat nichts zu meckern. Es ist nur zur falschen Zeit erschienen. Man erinnert sich: Am 27. Juli war das Swisscom-Mobilnetz für zehn Stunden zusammengebrochen. Informationen mit höchstem Dringlichkeitswert wie die Mitteilung, man sei jetzt grad auf dem Heimweg oder man habe soeben vom Tram aus die neue Freundin des Nachbarn erblickt, blieben im Aether oder sonstwo stecken. So weit so schlecht. Nach der erzwungenen und 30 Millionen Franken teuren Pause gings bald wieder wie gehabt und im üblichen Blabla weiter. Die Panne löste bei den Medien freilich emsige Betriebsamkeit aus: TV und Zeitungen machten den unliebsamen Unterbruch zum Titelthema. Nur die Werber, die verschliefen das Ereignis kläglich. In der gleichen Ausgabe wie die Pannenmeldung pries Swisscom unentwegt SMS zum halben Preis an. Mit dem notorischen Text: «Sind Sie auf dem richtigen Netz?» Eine Frage, die aus aktuellem Anlass wohl manchen zum Nachdenken angeregt haben mag. Da stellt sich vielmehr die Frage: War es den Werbern tatsächlich nicht möglich zu reagieren? In der gleichen Zeit, in welcher die Journis Titelstories samt Kommentar und Interviews und TV-Beiträge produzierten, hätten sie ja auch ihrer vielgerühmten Kreativität freien Lauf lassen oder wenigstens die kompromitierende Frage streichen können. Deshalb: Tomate.

Maurice Motz

 

09.07.2001

Honda - Untauglicher Vergleich

Honda - Untauglicher Vergleich

In einem E-Mail bin ich kürzlich als Mann gerügt worden, der Probleme mit dem Sex habe, nachdem in dieser Rubrik verschiedentlich sexistische Inserate kritisiert worden sind. Der Mann wird sich jetzt erneut ärgern, denn ich hab wieder eines entdeckt. Es gehört in die Kategorie «muss denn das sein?» und zeigt eine atemberaubend schöne junge Frau, die verführerisch lächelnd und eines ihrer wohlgeformten Beine zeigend, für ein Auto wirbt. Mein Gott, sind wir immer noch nicht weiter? Wenn den Werbern wirklich nichts mehr einfällt, verfallen sie auf die kümmerliche Idee, ein Auto mit einer attraktiven Gestalt weiblichen Geschlechts zu vergleichen. Betrüblich ist das. Gewiss, das Auto sieht sehr ordentlich aus und erfüllt durchaus hohe ästhetische Ansprüche, verfügt es aber über keinerlei andere Vorzüge, die man kommunizieren könnte? Da kann man sich bloss fragen, ob es nun an Kreativität, der Marketingidee oder am Briefing mangelt. Wie auch immer, das Ergebnis ist ernüchternd und ärgerlich. Jetzt unterstellt mir der E-Mail-Schreiber wohl wieder, ich hätte Probleme mit Sex oder dem anderen Geschlecht, dabei hab ich bloss Probleme mit solch unorigineller Werbung.

Maurice Motz

PS: Ich fahre ein Auto derselben Marke.

 

09.06.2001

Interprofil - Ästhetik oder Information?

Interprofil - Ästhetik oder Information?

Ein wenig ist es ja wie mit der Religion oder der Frage, ob man nun auf einem PC rumhackt oder einem Mac. Zwei Ideologien eben. Und die Anhänger beider Glaubensrichtungen vertreten vehement ihren Standpunkt. Übertragen auf die Werbung lautet die Frage: Welches Inserat verkauft besser? Das prononciert ästhetische oder das mit möglichst viel Information bestückte. Natürlich gibt es Unterschiede. Branchenspezifische und andere, aber in unserem Beispiel, wo Ästhetik eine nicht unbedeutende Rolle spielt, scheint doch ein Missverhältnis zugunsten der Information stattgefunden zu haben. Schön nach aufsteigenden Postleitzahlen wurden da über 40 Verkaufsstellen aufgelistet, wo obiges Sitzgerät, ein Sofa namens Sydney, käuflich erworben werden kann. Das Kleingedruckte ist hier aber nicht klein gedruckt, sondern dominiert die ganze Anzeige in penetranter Form und dergestalt, dass man das Sofa fast nicht mehr sieht. Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, dass all die Geschäfte irgendwie erwähnt sein wollen, aber im Zeitalter des Internets hätte es wohl genügt, eine www-Adresse mit den entsprechenden Angaben anzufügen und im übrigen das Sofa für sich sprechen respektive wirken zu lassen. Sydney hätte ein ansprechenderes Inserat verdient.

Maurice Motz

 

09.05.2001

Fust Küchen - Stark daneben

Fust Küchen - Stark daneben

Liebe – so heisst es – geht durch den Magen. Früher war das geschlechtsspezifisch relativ klar definiert: Frauen bekochten ihre Göttergatten und sicherten sich dergestalt deren Zuneigung. Heute ist alles anders: Moderne Frauen mögen es, wenn ihre Partner die Kelle schwingen und ihnen auserlesene Köstlichkeiten servieren. So weit, so gut. Weil Kochkünste meist in Küchen zum Tragen kommen, liegt es nahe, dass Hersteller solcher Arbeitsstätten obige Tatsache kommunikativ nutzen und bildhaft darstellen. Die Fust-Werber kamen dabei auf die starke Idee, nicht einen gewöhnlichen Koch an den Herd zu stellen, sondern den Europameister im Bodybuilding, dessen Muskeln das Koch-Equipment mit grosser Leichtigkeit handhaben lassen. Der Mann ist von der Physiognomie her aber total unbekannt. Zwecks Erkennbarkeit liess man ihn deshalb oben ohne Textilien dafür mit erheblichem Muskelbefall an die Platten treten. So lässt sich dann auch gleich ein werbewirksames Wortspiel kreieren: «Mariano Villena, ein starker Fust-Küchenplaner». All das ist schon reichlich aufgesetzt, dass sich dann aber noch eine elegante Dame in Abendrobe auf Marianos breite Schulter stützt, ist zuviel des Guten. Da gibt’s nur ein Urteil: Stark. Aber stark daneben.

Maurice Motz

 

09.04.2001

Gucci - Verantwortungslos

Gucci - Verantwortungslos

Erst wenige Wochen ist es her, seitdem ein junger Mann in Unterseen im Kanton Bern von gleichaltrigen Skinheads brutal zu Tode geprügelt, ja eigentlich hingerichtet worden ist. Die Medien waren voll davon: Eine Welle der Empörung und des Unverständnisses schwappte durch das Land. Beamte und Psychologen, Politiker und Lehrer meldeten sich zu Wort, und die Öffentlichkeit nahm mit Bestürzung zur Kenntnis, dass auch in geordneten, bürgerlichen Verhältnissen jene Saat spriesst, die im letzten Jahrhundert für die abscheulichsten Taten seit Menschengedenken verantwortlich ist. Was auch immer junge, fehlgeleitete Menschen dazu bewegen mag, dem Irrsinn dieser übelsten aller Ideologien zu verfallen, absolut unverständlich ist es, wenn jemand Symbole dieser Bewegung für Kommunikation einsetzt. Gewiss, heute tragen viele junge Männer die Haare kurz und sind dennoch keine Skinheads, doch die Darstellung mit dem muskelstrotzenden, nackten Oberkörper, dem Gewalt symbolisierenden Kraftband am Handgelenk und dem süffisanten und abschätzigen Gesichtsausdruck strahlt alles andere als die Attitude eines harmlosen Gymnasiasten aus. In einer Zeit, in der Rechtsradikalismus bedrohlich zunimmt, ist es schlicht fahrlässig, um nicht zu sagen verantwortungslos, Skinheads zu Kultstatus empor zu stilisieren. Auch wenn es ästhetisch ansprechend geschieht.

Maurice Motz

 

09.03.2001

Siemens - Simplifizierung

Siemens - Simplifizierung

Ich hab ja nichts gegen eine klare Message. Eine ohne Schnörkel, ohne «von hinten rum ins Auge», sondern eine, die schlicht, direkt, verständlich ist. Doch alles hat seine Grenzen. Wenn eine Kampagne dermassen einsilbig daher kommt, dass man infolge Simplifizierung der Message gar nicht mehr mitkriegt, worum es denn überhaupt geht, dann stimmt etwas nicht mit der Idee. «Spiel dem Tag ein Lied» fordert die Anzeige unverblümt auf, und zu sehen ist ein pfeifender, junger Mann mit geschlossenen Augen sowie ein Handy mit Kopfhörer. Was, frag ich mich, wollen uns der Werber und der Inserent mitteilen? Ist das jetzt ein Radio in Handyform oder ein Handy als Radioempfänger? Beim heutigen ungestümen Innovationstempo würde das ja niemanden überraschen. Oder ist’s kein’s von beidem? Leider hilft auch die www.adresse, welche zwecks Informationsvertiefung abgedruckt ist, nicht weiter: Auf der Homepage findet man drei Handys: Die Modelle SL 45 und S40 sowie das M 35i, und alle weisen eine eindrückliche Palette von Eigenschaften auf wie Organizer, Diktiergerät, Uhr, Taschenrechner, Zubehör für SMS, Fax, E-Mail und was sonst das Handy-Herz begehrt, nur ein telefonischer Apparat für Musik ist nicht darunter. Aha, das Ganze ist also symbolisch gemeint. Nur leider versteh ich die Symbolik nicht, das Einzige, was mir stets in den Sinn kam, war der Titelsong aus Sergio Leones Film «Spiel mir das Lied vom missglückten Inserat». Oder so ähnlich.

Maurice Motz


08.02.2001

Feller-Dosen - Mogelpackung

Feller-Dosen - Mogelpackung

Es gibt Produkte, die haben von Natur aus eine sexy Ausstrahlung. Zarte Dessous etwa oder schnittige Sportwagen, duftende Parfüms oder die Sportdresses der Venussisters. Und es gibt andere. Eine Büroklammer oder eine Käseraffel überzeugen eher durch ihre Funktionalität als durch ihre erotische Erscheinung. In diese Kategorie gehörten bisher eigentlich auch Steckdosen. Sie wurden, da eher unscheinbaren Charakters, meist möglichst unauffällig im Wohnraum integriert. Weiss auf weisser Wand, um optisch diskret im Umfeld abzutauchen und die Inenneinrichtung nicht zu beeinflussen. Doch jetzt wird alles anders: Plötzlich emanzipieren sich die kleinen viereckigen Dinger, treten selbstbewusst und farbig auf, und weil das kommunikativ noch nicht für eine Story reicht, werden sie als Katalysatoren für intime Bettgeschichten dargestellt. Bei allem Respekt vor der Funktionalität des Gerätes und der Kreativität der Werber, das scheint mir nun wirklich ein wenig an den Haaren herbeigezogen zu sein. Ebenso gut könnte man einer Büroklammer intime Bettgeschichten andichten, nur weil sie vielleicht einmal einen Liebesbrief zusammenheftet.

Maurice Motz

 

08.01.2001

Nespresso - Theatralische Arroganz

Werbekampagnen, die in einem Land entworfen und realisiert werden, passen nicht in jedem Fall und überall hin. Noch gibt es ja trotz Globalisierung (glücklicherweise) Unterschiede zwischen Regionen und Mentalitäten. Es ist deshalb unsinnig, eine Kampagne, die aufgrund von knallharter Marktforschung zum Beispiel in New York entstanden ist, tel quel auf Sizilien oder das Appenzellerland umzumünzen. Das ist zwar bekannt, wird aber immer wieder vergessen oder verdrängt. Der junge Mann, der seit kurzem im TV theatralisch um nicht zu sagen süffisant für Nespresso-Kaffeemaschinen wirbt, ist so ein Fall: Es mag ja sein, dass im Ursprungsland des Spots diese kaltschnäuzige Art gut ankommt, dass man es dort goutiert, wenn jemand von oben herab seine Message durchgibt. So im Sinne von «je höher, desto besser». Bei uns aber kommt sowas gar nicht gut an. Im Lande Tells mag man es nicht, wenn die Hüte zu hoch hängen. Und vor allem ist man hier ziemlich allergisch auf grossmäulige Arroganz. Kommt dazu, dass der Werbefilm ausgesprochen häufig ausgestrahlt und deshalb seine negative Wirkung potenziert wird: Wer ihn sieht, zappt gleich weg. Was insofern bedauerlich ist, als der Espresso aus dieser Maschine tatsächlich der beste ist. Nur werden das die Wenigsten erfahren, denn der Spot vereitelt einen wohlwollenden Kontakt mit dem Produkt.

Maurice Motz

 

08.12.2000

RTL - Sprachlos

RTL - Sprachlos

Der Grund, warum gerade dieses Inserat meinen Unmut entfacht hat, ist etwas komplex. Nicht, dass mich die Grafik stören würde oder die auf das Minimum reduzierte Aussage, werbetechnisch sind die schon o.k., mich hat etwas anderes irritiert: Ausgerechnet am besinnlichsten aller Feiertage soll also unser Land in die Glotze äugen. Sich Chips kauend verlustieren mit irgendwelchen Plastikserien oder orwellschen Enthüllungs-Peinlichkeiten. Sind wir tatsächlich bereits dermassen sprach- und gedankenlos und von uns selbst gelangweilt, dass uns nur noch der grosse Bruder in Stimmung halten kann? «Weihnachten ist gerettet» verspricht das Inserat und symbolisiert die Verheissung mit einem Rettungsring. Wahrlich eine optimal reduzierte Headline. Und sie passt vorzüglich in den Kontext einer aufrüttelnden Meldung: Eine internationale Studie hat enthüllt, dass die Schweiz in Sachen schulische Bildung in der Rangliste der wichtigsten Industrienationen immer weiter nach unten rutscht und nur noch knapp im ersten Dutzend figuriert. Und unser Inserat reflektiert wohl bloss eine nicht nur betrübliche, sondern auch verhängnisvolle Entwicklung. Neil Postmans buch «Wir amüsieren uns zu Tode.» ist also alles andere als Schnee von gestern, sondern aktueller denn je. Jetzt sogar an Weihnachten.

Maurice Motz

 

08.11.2000

Sinalco - Nicht dasselbe in Gelb

Sinalco - Nicht dasselbe in Gelb

Wann haben Sie das letzte Mal in einen Küchenschwamm gebissen? Einen gelben nota bene? Noch nie? Dann müssen Sie das schleunigst nachholen, denn nur so können Sie feststellen, wie die Limonade mit dem wohlklingenden Namen Sinalco nicht schmeckt. Dies zumindest ist die eigentümlich und verwirrliche Logik einer Werbekampagne, die inseratemässig und Mittels Plakaten verbreitet worden ist. Zugegeben, sehr einfach kann es nicht sein, ein Mineralwasser im übersättigten Markt zu positionieren. Da muss man halt einmal andere Wege gehen und versuchen, die Aufmerksamkeit Mittels USP plakativ auf sich zu ziehen. Dennoch habe ich etwelche Mühe, den strategischen Entscheid nachzuvollziehen, der hier gemacht worden ist. Es handelt sich hierbei um einen klassischen Fall eines simplifizierenden, negativen Umkehrschlusses. Besagt wird, dass das genannte Wasser eben anders und zwar besser schmeckt, als ein gelber Schwamm, respektive ein gelber Strumpf. Welch verblüffende Feststellung. Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Höchstens dies: Nicht alles, was wie eine Idee daher kommt, ist auch wirklich eine.

Maurice Motz

 

08.10.2000

Swisscom-Kundenaktion - Voll daneben

Swisscom-Kundenaktion - Voll daneben

Manchmal gehen Dinge voll daneben. Oder laufen einfach nicht so, wie man möchte. Unter das Kapitel «kommunikative Panne» ist als praktisches Beispiel eine aktuelle Aktion der Swisscom einzureihen, die genau das Gegenteil von dem bewirkt hat, was sie hätte sein sollen: eine Kundenbindung. Um sich bei treuen Mobile Abonnenten zu bedanken, offerierte die Swisscom Letzteren ein «besonders vorteilhaftes Handy-Angebot». Dies geschah per Telefon, was in Anbetracht des Absenders zweckdienlich ist. Interessent A. outete sich als solchen und bestellte eine Offerte für ein bestimmtes Modell, ein Nokia 7110 für Franken 198.–. Nach vier Tagen erkundigte sich Interessent A. bei der entsprechenden Stelle nach der Offerte und erhielt die Auskunft, leider sei keine solche vermerkt, man stelle aber umgehend eine neue aus. Wiederum vier Tage später und immer noch offertenlos fasste A. nach und bekam zu hören, dass der Vertrag unterwegs sei. Leicht verärgert und nach der Lektüre einer Werbung von Marktpartner diAx, beschied A. dass er auf das Handy von Swisscom verzichte, er möchte es nämlich erstens nicht in der einzig verfügbaren Farbe grün, und zweitens werde dasselbe Gerät von diAx für Neukunden ebenfalls feil geboten. Und zwar in diversen Farben und für Franken 0 (null). Seither hat Swisscom einen Mobile-Kunden weniger.

Maurice Motz


08.09.2000

Radio 105 - Verständnislos

Radio 105 - Verständnislos

Mitunter frägt man sich schon, was in den Hirnwindungen gewisser Werber vor sich geht. Betrachten Sie doch einmal dieses Inserat, und sagen Sie mir dann, ob Sie schlau daraus werden. Eine junge, leicht verstimmt wirkende Frau beurteilt da offensichtlich die Erfahrungen mit ihrem Ex-Freund und mit dem neuen Lebensabschnittpartner: Den bisherigen qualifiziert sie mit «10 Minuten» ab, den Neuen mit «25 Zentimeter». Abgesehen davon, dass sogar der Volksmund weiss, dass man Birnen nicht mit Äpfeln vergleichen kann, es also wenig Sinn macht, eine zeitliche Dimension einem Längenmass gegenüber zu stellen, frage ich mich unentwegt, was die junge Dame denn nun mit ihrer Aussage rüberbringen will. Sollte es sich tatsächlich um anzügliche Feststellungen handeln? Brachte es der Ex beim Liebesspiel auf bescheidene zehn Minuten, und verfügt der Neue über eine dermassen beeindruckende Ausstattung geschlechtsspezifischer Gerätschaft? Hony soit qui mal y pense. Vermutlich spricht die junge Dame ja von etwas ganz anderem, denn ihr reichlich betrüblicher Gesichtsausdruck lässt nicht auf höchste Befriedigung, in welchem Sinne auch immer, schliessen. Vielleicht handelt es sich bei der ganzen Sache ja auch bloss um ein Zahlenspiel, denn unten im Inserat erfährt man, dass das Girl den Lieblingssound bei Radio 105 reinzieht. Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, was die Zahlen 10, 25 und 105 für eine Bewandtnis haben. Ich sags ja, gewissen Gedankengängen kann ich einfach nicht folgen.

Maurice Motz


08.08.2000

James - Orwell’sche Phantasie

James - Orwell'sche Phantasie

Es sieht aus wie ein Kühlelement und nennt sich James. Was dessen verwandtschaftliche Nähe zu einem Butler impliziert. Und ein solcher ist es denn auch. Irgendwie. Denn James ist ein virtueller Butler, gewissermassen ein elektronisches Hirn, das alles überwacht, was es so in einem Haushalt zu überwachen gibt. Zum Beispiel, dass die Katze wieder einmal das neue Sofa mit einem Krallenbrett verwechselt. Solches und mehr verpricht der kleingedruckte Werbetext, den wohl nur diejenigen lesen, die aus der Überschrift «Zeigt Ihnen, wer die Blumen mit der anonymen Karte gebracht hat» klug geworden sind. Und davon gibt es ausser vielleicht dem verstorbenen George Orwell, dem ersten Warner vor dem gläsernen Menschen, und einigen superschlauen Kids, welche statt ins Ferienlager ins Prättigau ins Pentagon jetten, um dort spielerisch militärisch relevante Computerpannen zu beheben, wohl nicht eben viele. Gut, man kann sagen, eine unverständliche Überschrift animiere zum Weiterlesen, man will sich ja schliesslich nicht eingestehen, dass man kein Wort verstanden hat. Aber ich nehme an, dass auch diese Zielgruppe relativ bescheiden ist, zumal man auch nachher nicht viel klüger ist. Ich habs dann noch unter der Internetadresse versucht. Und tatsächlich kann man da am Modell erfahren, was denn nun dieser Butler alles kann und können soll. Und ich sags Ihnen gleich direkt: Auf diesen elektronischen Überwachungs-Klimbim kann ich verzichten. Und andere wohl auch. Insofern spielt es auch keine Rolle, wenn das Inserat unverständlich ist.

Maurice Motz


08.07.2000

Siemens - Erstaunliche Dramaturgie

Siemens - Erstaunliche Dramaturgie

Es gibt Kampagnen, bei welchen man zwar ahnt, worum es gehen könnte, und man verweilt auch einige Augenblicke, um die tiefere Aussage der Message zu ergründen, doch wenn man dann verständnismässig nicht fündig wird, blättert man flugs um. Zappt gewissermassen printmedienmässig weg. Um eine solche Anzeige handelt es sich im vorliegenden Fall. Der Aufbau ist insofern verschwommen, als bereits die bildhafte Umsetzung Fragen hinterlässt. Die in leichter Unschärfe sich sonnende junge Dame im Vordergrund ist zwar in selbigem (eben im Vordergrund), spielt aber scheinbar eine Nebenrolle. Deshalb wohl die Unschärfe. Trotz untergeordneter Rolle ist die Dame aber die aktive Person im Bild. Sie telefoniert. Und unten im Textbalken kann man nachlesen, was sie sagt: «Die ersten Ferien seit 3 Jahren. Und dich interessiert nur, wie die Präsentation lief» motzt sie in den seltsamen Hörer. Erst beim zweiten Blick (so man denn einen solchen investiert) erkennt man, dass es sich beim Hörer um einen Schnorchel handelt und die Dame gar nicht telefoniert. Die Aussage ist also an den zwar bildmässig scharfen aber autistisch in sich gekehrten jungen Mann gerichtet, der sich offensichtlich nur für die Message auf einem unsichtbaren Gerät kümmert. Und die lautet: «Adrian, Meeting war super! Schöne Ferien!» Jetzt wo ich die Dramaturgie des Auftritts verstanden habe, taucht eine andere Frage auf: Wenn E-Mail doch so eine tolle Sache ist, und die Message dermassen kurz, kann ich nicht nachvollziehen, warum diese vielleicht eine Minute dauernde interaktive Tätigkeit die ersten Ferien seit 3 Jahren versauen soll.

Maurice Motz


08.06.2000

Microsoft - Deutsch und deutlich

Microsoft - Deutsch und deutlich

Wenn mich meine durchaus akzeptablen Englischkenntnisse nicht täuschen, dann heisst die Headline dieser farbenfrohen Anzeige sinngemäss «Im Leben muss es Besseres geben als dies.» Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache annähernd schwerelos in der phantastischen und entrückten Unterwasserwelt zu schweben und dabei in einer unbeschreiblichen Szenerie einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Tieren, Pflanzen, Farben und Formen zu schwelgen. Zugegeben, für diese zwei, drei Ignoranten, die das verabscheuen oder solche, die Angst vor der Tiefe haben, mag das Inserat, das scheinbar als Imagekampagne für einen Job bei Microsoft gedacht ist, ja durchaus angehen. Für alle anderen, die fasziniert sind von dieser einmaligen Atmosphäre im Meer, wo man nicht nur Alltagssorgen vergisst, sondern auch Abstand gewinnt zur Arbeitswelt und ihrem Stress, muss das Werk wie ein Hohn wirken. Wollen die Werber einem tatsächlich weis machen, ein Job in einem engen, überstellten Büro mit grantigen Kollegen und einem rüpligen Vorgesetzten sei eine bessere Welt als die abgebildete? Bei allem Respekt, aber wer den Mund derart voll nimmt, kann nicht für voll genommen werden. Vielleicht hab ich ja auch einfach alles falsch verstanden, weil meine Englischkenntnisse eben doch nicht ausreichen, um Werbung in dieser Sprache zu begreifen. Aber dann kriegt die Kampagne erst recht eine Tomate, denn immerhin spricht man bei uns immer noch deutsch.

Maurice Motz

 

08.05.2000

muba - Diskrepanz zwischen Mutter und Messe

muba - Diskrepanz zwischen Mutter und Messe

Die Frau ist schön fotografiert. Und erst noch von einem Linsenkünstler, der Weltruf geniesst. Und dennoch, auf die Gefahr hin als prüder Zeitgenosse zu gelten, wage ich, die Kampagne mit der schwangeren, nackten Frau, die für die Mustermesse wirbt, als ausgesprochen unglücklich zu bezeichnen. Dabei habe ich gar nichts gegen einen ästhetischen Akt einer schwangeren Frau einzuwenden, mich stört bloss der Kontext, die Verbindung dieser ergreifenden und sinnbildlich starken Wiedergabe einer werdenden Mutter mit einer profanen Ausstellung. Die Muba mag ja die Mutter aller Messen sein, diesen Umstand mit einem solchen Werk kommunikativ umzusetzen, löst bei mir aber Unbehagen aus, weil es eine Grenze des stillen Respektes gegenüber Höherem und Bedeutenderem überschreitet. In der Werbung sollte nicht alles, was möglich und machbar ist, auch umgesetzt werden. Gewiss, den Machern der Kampagne ist es gelungen, mit dem ästhetisch und künstlerisch durchaus hohen Ansprüchen gerecht werdendem Foto sexistischen Voyeurismus zu vermeiden, das hohe Niveau der Umsetzung hat aber eine andere Diskrepanz geschaffen: Diejenige zwischen einer zwar alten und grossen aber dennoch nichts Erhebendes vermittelnden und letzenendes lauten und krämerischen Gewerbeshow und einem auch heute noch stillen, übersinnlichen, weil naturgegebenen, schöpferischen Ereignis. Warum um alles in der Welt muss die Muba-Mutter nackt dargestellt sein?

Maurice Motz

 

08.04.2000

Subaru Forester 4WD - Leere Versprechungen

Subaru Forester 4WC - Leere Versprechungen

Eigentlich dachte ich, die Sache sei ausgestanden. Nachdem die Brum-Brum-Generation, deren erhebenstes Ziel es war, den für die Beschleunigung des Fahrzeuges zuständigen Hebel möglichst unablässig und flach am Bodenbrett verharren zu lassen, langsam in die Jahre gekommen ist und sogar deren ideologische Vereinigung «Auto Partei» infolge zunehmender Fehlzündungen den Motor abgestellt hat, schien die Zeit endgültig vorbei zu sein, in welcher man mit schnellen Autos jemanden beindrucken konnte. Doch weit gefehlt: Da buhlt doch neuerdings ein Geländewagen um Käuferschaft, mit der Feststellung, er sei immer noch der schnellste auf der Welt. Abgesehen davon, dass man einen Geländewagen ja wohl vor allem deshalb erwirbt, weil er geländegängig und nicht weil er besonders fix ist, müsste doch eigentlich das Attribut Schnelligkeit langsam in den unteren Schubladen der Argumentation verschwinden. Offensichtlich ist der allgemeine Trend zu Temporeduktionen an den Machern des Inserates spurlos vorbeigefetzt. Und selbst für Leute, die sich von einer solchen Headline angesprochen fühlen, folgt dann nichts weiter als warme Auspuffluft: Nirgends im Text steht, wie schnell denn nun dieser Schnellste der Schnellen tatsächlich ist. Im Kleingedruckten findet man lauter Hinweise auf die Sicherheit und andere sinnvolle Dinge. Da frag ich mich schon, warum man in der Headline derart leere Versprechungen macht. Weiss jemand eine Antwort?

Maurice Motz

 

08.03.2000

Ikea - Imageverwirrung

Ikea - Imageverwirrung

Jede Marke hat ein Image. Oder versucht wenigstens eins zu haben. Das Image des schwedischen Möbelherstellers Ikea ist, wenn ich mich nicht irre, relativ eindeutig: Möbel für das kleine Portemonnaie. Kommuniziert wurde das bisher mit einem Schuss Schalk, einem röhrenden Elch und einem Slogan, welcher Ikea ironisch und sympathisch als «unmögliches Möbelhaus» positionierte. Doch damit ists jetzt vorbei: Jetzt hat der Intellekt Einzug gehalten in Stockholm oder wo auch immer die Kampagne kreiert wird. Man macht jetzt auf vergleichende Werbung der anspruchsvollen Art, indem man Ikea-Möbel Produkten anderer Branchen preislich gegenüberstellt. Damit das auch jedermann versteht, werden die Anzeigen mit fingierten Kassenzetteln versehen. Und so erfährt man dann, dass eine Golduhr sage und schreibe 5\'500 Franken kostet, ein Arbeitstisch bei Ikea aber bloss deren 3\'114.–. Ein überzeugendes Argument. Vielleicht sollte mal jemand den Ikea-Werbern erklären, dass mit vergleichender Werbung Artikel derselben Kategorie gegeneinander abgewogen werden. Es scheint als wolle Ikea sein Image revidieren. Vom unmöglichen Möbelhaus zum Möbelhaus mit unmöglicher Werbung.

Maurice Motz

 

08.02.2000

Rover 75 - Vollmundig

Rover 75 - Vollmundig

Früher haben die Automobilhersteller ihre Karossen mit artspezifischen Merkmalen beworben. Diese deckten die ganze Palette von Eigenschaften ab, welche Automobile nun mal so charakterisieren. Die einen waren rassig am Berg, andere geräumig im Inneren oder besonders wendig und wieder andere leise und kraftvoll. Heute scheint es, als könne mit solchen Attributen kein Staat respektive keine Kommunikation mehr gemacht werden. Seitdem die Werber die Emotion entdeckt haben, respektive seitdem sich Mobile fast wie ein Ei dem anderen gleichen, müssen andere selling propositions zur Werbung herhalten. Und darüber haben sich die Werber des ausgesprochen gediegenen und preisgekrönten Rovers 75 eingehend Gedanken gemacht. «Was» haben sie sich gefragt, «fehlt dem heutigen Zeitgenossen am meisten?» «Welches sind die am häufigtsen formulierten Bedürfnisse, des modernen Automobilisten?» Und sie sind fündig geworden: Zeit. Zeit ist es, was uns allen fehlt, uns, die wir alle von einem Termin zum nächsten hetzen. Was also lag näher, als dem unter Zeitnot leidenden Konsumenten und potentiellen Autointeressent Zeit zu versprechen? Wer Rover fährt, entspannt sich und pfeift auf Termine. Jetzt geht es wohl nicht mehr lange, dann verspricht uns ein Inserat Gesundheit oder gar Intelligenz. Intelligenz, die gewissen Leuten offensichtlich abgeht.

Maurice Motz


08.01.2000

Delinat Weinhaus - Drucke jetzt, korrigiere später

Delinat Weinhaus - Drucke jetzt, korrigiere später

Gottseidank, wir haben ihn überstanden. Keinen Börsencrash, keinen Stromausfall, nicht einmal ein Chaos am Flugplatz hat der Wechsel des Jahres verschuldet. Alles paletti. Wie ist so etwas möglich? Wo doch ganze Heerscharen von Studierten oder zumindest eingebildeten Gescheiten den totalen Kollaps angekündigt hatten. Nichts ist geschehen, und bereits beginnt das Wort Millennium zu verblassen. Da wir ja alle inzwischen wissen, dass gemäss Adam Riese das neue Millennium erst Ende dieses Jahres seinen eigentlichen Auftritt hat, kann man das hübsche Wort werbemässig in elf Monaten nochmals hervorkramen. Es bleibt also genügend Zeit, für die Gestaltung eines neuen Inserates. Bekanntlich wenden Werber unendlich viel Zeit auf, um eine Gestaltung zu Ende zu bringen. Das macht auch Sinn, man kann so ärgerliche Fehler vermeiden, die in der Hitze des Gefechtes schon mal vorkommen können. Denn wenn Gestalter und Texter und Kunde die Vorlage bis zum Geht-nicht-mehr gelesen und korrigiert haben, kann man sicher sein, dass dann alles seine Richtigkeit hat. Oder zumindest fast alles. Ausser einem kleinen Druckfehler in der Überschrift vielleicht. Aber wen kümmerts. dass man Millennium mit zwei n schreibt? Die Sache ist ja ohnehin gelaufen. Oder zumindest bis zum nächsten Jahreswechsel korrigierbar.

Maurice Motz

 

08.12.1999

Honda - Geschlechtsverwirrung

Honda - Geschlechtsverwirrung

Laut Duden ist ein Harem «die Gesamtheit der weiblichen Personen, welche ständig um einen Mann herum sind». Und diese Definition ist abschliessend. Nirgends heisst es da, man könne auch eine Geschlechtsumwandlung vornehmen, um damit eine ohnehin reichlich kindliche Werbekampagne gewissermassen geschlechtsspezifisch umzupolen. Denn was wir da auf dem Inserat sehen, ist, wenn ich mich richtig an meine Kindheit und deren Märchen erinnere, ein Schneewittchen und sieben Zwerge. Von Harem keine Spur. Ob das nun mit political correctness zu tun hat, weil es unschicklich, respektive sexistisch wäre, einen echten Harem abzubilden, entzieht sich meiner Kenntnis, eines aber steht fest: Text und Bild stimmen nicht überein. Dieser Mangel wird auch dadurch nicht wesentlich entschärft, dass im Kleingedruckten die Rede ist von sieben Sitzplätzen, denn wenn ich richtig zähle, sind acht Personen abgebildet. Wo also ist der Sinn des Harem-Zwergenkalauers? Ausserdem muss ich als Freund von Gartenzwergen vehement gegen diesen Missbrauch der knorrigen Wesen protestieren. Es würde mich nicht wundern, wenn das noch ein Fall für die Lauterkeit in der Werbung würde. Lasst Euch das nicht gefallen Zwerge!

Maurice Motz

 

08.11.1999

Winterthur - «Hauptsache kreativ»

Winterthur - Hauptsache kreativ

Kein Mensch behauptet, Werbung müsse in jeder Beziehung der Realität entsprechen und 1:1 der Wahrheit genüge tun. Ein bisschen Kreativität, eine Prise Phantasie und Humor sind durchaus angezeigt im Spiel der Kommunikation. Doch manchmal erlauben sich die Kreativen Auswüchse, welche in das Reich der Fabeln oder in die Welt des Lügenbarons Münchhausen passen. Nicht selten verlieren sie nämlich ganz gehörig den Boden unter den Füssen und entschweben mit ihren Gedanken in phantastische Dimensionen und Gefilde, welche einen Bezug zum Produkt reichlich rätselhaft erscheinen lassen. Ein Beispiel gefällig? Um ihre Policen anzubieten, lässt eine grosse Versicherung führerlose Motorräder auf Eisschollen in der Arktis (oder ist es die Antarktis?) umhertreiben. Oder sie behauptet, dass Autos, sich putzigen Singvögeln gleich, auf Bäumen niederlassen. Und im Text heisst es dann: «Kann passieren was will, unsere Spezialisten stehen...» etc etc. Und damit der verständnismässig arg strapazierte Betrachter der seltsamen Szene dann auch ja richtig reagiere, wird noch ein oranges Handy abgebildet. Zwecks Buchung einer Police. Weil diese Apparate aber ja immer kleiner werden und somit nicht sichtbar wären, lässt man sie einfach zu Zapfsäulengrösse anwachsen. Dergestalt farblich dominierend, verwirrt das Mobiltelefon den Betrachter vollends. Aber das macht nichts, Hauptsache, das Sujet ist hübsch und kreativ. So geht das in der Werbung.

Maurice Motz

 

08.10.1999

Mercedes E-Klasse - Eine Stilfrage

Mercedes - Eine Stilfrage

Nicht alles, was auf vier Rädern rumfährt, hat Stil. Es gibt schrötige Vehikel und klapprige, solche die rostgeplagt sind oder einfach altersschwach. Und dann sind da die typischen Alltagskarossen, deren Besitzer weder Anspruch auf Eleganz noch auf Prestige erheben, sondern ihren fahrbaren Untersatz lediglich als einen solchen betrachten. Am anderen Ende der Skala befinden sich die schnittigen Nobelmobile, deren Ausstrahlung von Selbstbewusstsein, Format und technischer Brillanz geprägt ist. Fahrzeuge, die Stil und Vornehmheit repräsentieren und die bei einem Grossteil der Bevölkerung Tagträume und neidische Blicke auslösen. Zu dieser Kategorie gehörten für mich immer diejenigen mit dem silbernen Stern und dem wohlklingenden Doppelnamen. Mercedes-Benz, das vierrädrige Symbol für Klasse schlechthin. Für Agenturen, die dieses einmalig schöne Gefährt bewerben können, ein Tummelfeld für kreativen Erfindungsgeist. Keine Schranke kann die Begeisterung für das sündhaft teure Luxusobjekt beeinträchtigen. Dachte ich. Doch was tun die Werber mit dem feinen Mobil? Sie drängen es an den unteren Rand der Anzeige und bilden oben dominierend vier Comiczeichnungen ab von irgendwelchen Gassenbuben, die unflätig umherpfeifen. Gedacht sind diese als Kurzlehrgang für diejenigen, die hinter dem Auto herpfeiffen wollen. Offenbar hat den Werbern noch niemand gesagt, das es wenig mit Stil zu tun hat, wenn man jemandem hinterherpfeift. Vor allem nicht einem Objekt mit Klasse. Und schon gar nicht mit E-Klasse.

Maurice Motz

 

08.09.1999

Jean Louis Tomme - Ein seltsamer Vergleich

Tomme - Ein seltsamer Vergleich

Um Eigenschaften von Gegenständen zu umschreiben, greift der Mensch häufig auf Vergleiche zurück. Etwas ist erst wirklich leicht, wenn es ist wie eine Feder. Jemand ist erst dünn, wenn man ihn mit einer Stecknadel verwechselt, und wirklich dumm ist jemand nur, wenn er den IQ von Bohnenstroh sein Eigen nennt. Wenn also jemand möglichst treffend die Attribute einer Sache erklären will, wählt er oder sie einen möglichst artverwandten Gegegenstand. Immer? Nein. Auch nicht immer öfter, denn mitunter kommen Werber auf seltsame Ideen. Um die Konsistenz eines zartschmelzenden Käses zu umschreiben, haben sie nicht etwa Anleihe bei einem weichfliessenden Gegenstand genommen, sondern bei einem Flysch. Und zwar einem tonigen. Da auch Herr Duden dieses Wort nicht geläufig ist, hilft man dem irritierten Betrachter mit einer Abbildung weiter: Wenn mich nicht alles täuscht, ist ein Flysch demnach ein Stück Sand- oder anderer Stein. Man erklärt also dem geneigten Konsumenten die unglaubliche Zartheit von Jean Louis Käse mit der spröden Härte eines Stücks Fels. Oder ist das Ganze vielleicht genau als Gegenteil gedacht? Möglich, nur: Was ist das Gegenteil eines Flyschs, wenn man nicht weiss, was ein ebensolcher ist? Fragen über Fragen. Möglicherweise haben die Werber ja einfach zu viel Respekt vor vergleichender Werbung. Und wählen deshalb die wesentlich weniger problematische aber auch weniger einfallsreiche Form der Dialektik.

Maurice Motz


08.08.1999

Schweizer Banken - Sprechblase als gemeinsamer Nenner

Banken - Sprechblase - gemeinsamer Nenner

Natürlich hätte man das Inserat mit der lustigen Maulkorbaktion der SVP zum Ziel unserer monatlichen Tomate erküren können, doch hier geht es nicht um Politik, sondern um Kommunikation und Kreation und deshalb haben wir ein anderes Sujet gewählt. Ganz unpolitisch ist dieses freilich auch nicht, geht es doch um Banken. Oder besser gesagt um das Image von Banken. Seit geraumer Zeit haben unsere weltbekannten Geldinsitute nicht nur Gold und Geld im Keller, ihr Image befindet sich auch dort. Schuld ist die Holocaust Debatte, der unfreundliche Herr Damato und andere, die unseren Finanzinstitutionen Böses wünschen. Und jetzt ist noch die Sache mit dem Entzug der Lizenz in Japan dazu gekommen. Kein Wunder müssen die Banken etwas für ihren Ruf unternehmen. Sie haben sich deshalb zusammengesetzt und diskutiert, wie man diesem Image wieder auf die Beine helfen könnte. Da Bankengeschäfte ausgesprochen komplex sind und von hochqualifizierten Spezialisten durchgeführt werden, kann nur die genialste und brillianteste Kampagne für die Kommunikation des Anliegens gut genug sein. Und so stellen sie sich denn auch dar, als Dienstleistungsunternehmen, die wirklich in jeder pekuniären Situation dem unbedarften Bürger unter die Arme greifen können. In zwei Sprechblasen teilen sie dem überraschten ja verblüfften Leser mit, dass man an Bancomaten Geld herauslassen kann. Eine phantastische Neuigkeit. Ja sogar wer etwas mit Liegenschaften zu tun hat, kann sich an die Geldinstitute wenden. Der Informationsgehalt dieser Texte ist tatsächlich berauschend. Und er wird bei soviel Fachkompetenz verratender Kommunikation zweifellos das leicht schief hängende Image der Banken spontan verbessern …

Maurice Motz


08.07.1999

Stop Aids - Der Absteller

Stop Aids - Der Absteller

Eigentlich ist Aids ja ein viel zu ernstes Thema, als dass man oder frau sich darüber lustig machen sollte. Da sich das Virus aber als Übertragungs- und Verbreitungsmechanismus fatalerweise ein mit Geschlechtlichkeit samt all ihren Peinlichkeiten verbundenes Verfahren ausgesucht hat, ist es unausweichlich, gelegentlich auch auf selbige einzugehen. Nun weiss man ja nachgerade, dass Liebe etwas mit Erektion zu tun hat. Und zwar deshalb, weil bei ausbleiben einer solchen die amouröse Zweisamkeit infolge Funktionsuntüchtigkeit der Gerätschaft gar nicht vollzogen werden kann. Und für diese Erektion gibt es seit alters her kreative Darstellungsformen. Sogenannte Phallussymbole. In bester Erinnerung ist die gewagte Präsentation des Tagesschausprechers Charles Clerc, der den Vorgang der Applikation eines Präservatives am naturgemäss erigierten Modell einer Banane demonstrierte. Da das vor einigen Jahren der Fall war, als die Gesellschaft noch reichlich prüder war als heute, sorgte bereits die gelbe Frucht für Aufregung. Inzwischen ist man, abgestumpft durch inflationäre erotische Darstellungen in Presse und TV weniger heikel. Dennoch, dass einer Werbeagentur, die eigentlich berufen sein sollte einfallsreicher zu sein, als der auf die Realität fixierte Durchschnittsbürger, keine elegantere Darstellungsform zu diesem Thema einfällt, als die Abbildung eines schnöde von links unten noch rechts oben ragenden Penis’, ist betrüblich. Und wird auch durch die vier zweifellos lustig gemeinten Titel nicht origineller. Auch die penetrant pinkfarbene Darstellung macht die Sache nicht wesentlich ansehnlicher. Mit anderen Worten: Die Kampagne ist ein Absteller und wird mit der Tomate des Monats Juli gewürdigt.

Maurice Motz

 

08.06.1999

Pertégé-Notebook - Futuristische Kreation

Toshiba - Futuristische Kreation

Ich gehöre zu einer Generation, die sich vom zunehmenden Tempo an Innovation leicht mal ein wenig überfodert fühlt. Kein Wunder hat mich das Inserat, das ich kürzlich in meiner Lieblings-Tageszeitung entdeckt habe, spontan beeindruckt: Da gibt es doch heute tatsächlich schon Notebooks, die sind in einer Armbanduhr untergebracht. Und am Gehäuse dieses technischen Wunderwerks sieht man kleine Stecker, Schalter und Rädchen, wie man sie vom Computer her kennt. Und die Headline «Ein Notebook, das Sie beim Tragen kaum spüren» untermalt beweisschlüssig die dominierend optische Aussage. Toll, denkt da der geneigte Betrachter und schüttelt innerlich den Kopf vor solch futuristischer Kreation. Unglaublich, was es heute alles gibt. Ein Blick auf den Kalender eliminiert den Verdacht, es könnte sich um einen Aprilscherz handeln, es ist also wahr. Gross genug ist das Ding ja abgebildet und auch das Geschriebene erläutert Klartext: «Die ultra-flachen Pertégé-Notebooks mit ihrem lässigen Design (…) sind die idealen Begleiter für Geschäftsreisende, die häufig unterwegs sind.» Noch nagen keine Zweifel. Erst beim Weiterlesen keimen sie auf: Das Ding ist volle 1,8 Kilogramm schwer. Und dann fällt der Blick auf den briefmarkenkleinen Packshot am unteren Ende der 1/1-Seite. Und da sieht das Notebook dann etwa so aus wie dasjenige, das in meinem Büro steht. Ist das nun ein überdimensioniertes Symbolbild oder nicht eher schon ein wenig Vorspiegelung falscher Tatsachen? Wie auch immer, für mich ist es allemal eine Tomate wert.

Maurice Motz

 

08.05.1999

Virgin Cola verliert seine Unschuld

Virgin Cola verliert seine Unschuld

Ein wenig übertreiben ist erlaubt. Davon lebt schliesslich eine ganze Branche. Und wenn es mit Witz, Charme und vielleicht noch etwas Esprit geschieht, kann man durchaus eine Kampagne goutieren, die verspricht, dass einem beim Konsum des Produktes Flügel wachsen. Doch alles hat seine Grenze. Wenn ein Wässerchen von sich derartigen Bödsinn wie eine Millenium-BUG-freie Zukunft verspricht, ist diese mit Verlaub überschritten. Abgesehn davon, dass ausser dem Texter kein Mensch weiss, was ein BUG-freies Cola ist, gehören die weiteren Behauptungen, welche die Anzeige zieren, auf den werbetextlichen Müll: «Die geheime Formel ist speziell für das nächste Jahrtausend entwickelt worden», steht da vollmundig weiss auf tomatenrot, ausserdem ist das Getränk «ein Schutz gegen vorzeitiges Altern». Offensichtlich aber nicht gegen grassierende Demenz. Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn hinter dem Ganzen und wir sind einfach zu blöd, um ihn nachvollziehen zu können. Wir wären jedenfalls überglücklich wenn uns jemand erklären könnte, was der blaue Frosch und die rote Melone (oder ist es ein Flachpeperoni?) mit der tiefsinnigen Bemerkung «Deine Zukunft liegt vor Dir» zu tun haben. Wenn es einen ADC-Würfel für die abstruseste Anzeige gäbe, der Gewinner wäre uns bekannt. Da es dies nicht gibt, erhalten die Kreateure aber immerhin unsere Tomate des Monats. Herzliche Gratulation.

Maurice Motz

 

weiterlesen ...

MarKom Zulassungsprüfung - Eine Runde weiter

Die anfangs August zum elften Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung (MZP) hat mit einer Erfolgsquote von 81.4 % (Januar 2012: 77.5 %) ihren Abschluss gefunden.

Insgesamt haben 945 Kandidatinnen und Kandidaten daran teilgenommen, davon 533 Frauen (56.4 %) sowie 412 Männer (43.6 %). Die Prüfungskommission erteilte an ihrer Sitzung vom 14. August 769 Absolventinnen und Absolventen (679 aus der deutschsprachigen Schweiz, 89 Romands und einem Kandidat aus dem Tessin) das MZP-Zertifikat. Mit diesem erfüllen sie die Zulassungsbedingungen für das Absolvieren der Berufsprüfungen für Marketing-, Verkaufs- und PR-Fachleute sowie der Kommunikationsplaner/-innen und Texter/-innen.

Der erzielte Notendurchschnitt beträgt wiederum 4.3. Wie an der Januar-Prüfung wurde auch in den Fächern Wirtschaft & Recht ein Notendurchschnitt von 4.3, in Marketing 4.6, in Verkauf & Distribution 4.5, in Marketingkommunikation 4.0 und in Public Relations 4.2 erreicht. Seit Einführung der MZP haben 9'320 Kandidat/-innen diese erfolgreich abgeschlossen.

Die Zertifikatsfeier hat am 21. August anlässlich der SuisseEMEX in Zürich stattgefunden.

Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste internetbasierte MZP wird vom 21. bis 25. Januar 2013 an verschiedenen Standorten der Schweiz durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 15. Oktober offen, Anmeldeschluss ist der 7. Dezember 2012.
Thun, 22. August 2012 mes

Für weitere Informationen:
Mireille E. Saucy, Präsidentin MarKom
Postfach 2221, 3601 Thun
Tel. +41 33 221 54 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

weiterlesen ...

Lauterkeitskommission führt partielle Bearbeitungsgebühr ein

21.12.2011

Die markante Zunahme an Beschwerden hat bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission zu einer eingreifenden Massnahme geführt: Ab 1. Januar 2012 werden für gewisse Individualbeschwerden probehalber Gebühren eingeführt.

Seit Jahren nehmen die Beschwerden bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission, SLK, zu. Besonders markant ist dies bei kommerzieller Kommunikation, die über Telefon-, Fax und E-Mail erfolgt. Die Zunahme in diesem Bereich beträgt seit 2008 nicht weniger als 44%. Dies hat dazu geführt, dass die Kommission an die Grenzen ihrer Kapazität gestossen ist und ihre Arbeit mit den aktuellen Ressourcen kaum mehr bewältigen kann. Um hier eine gewisse Entlastung zu erzielen, will die Stiftung der SLK probehalber eine Bearbeitungsgebühr von CHF 50.- pro Beschwerde einführen. Die Massnahme wird auf ein Jahr befristet. Diese Gebühr betrifft freilich nicht alle Beschwerden, sondern lediglich jene, welche aufgrund von kommerziellen Kontakten am Telefon, am Fax oder per E-Mail erfolgen. Alle übrigen Beschwerden, also Eingaben gegen Werbung im öffentlichen Bereich, mittels Plakate, Inserate oder TV-Spots bleiben unentgeltlich. Damit soll dem Hauptziel der SLK, nämlich der Sicherstellung der Lauterkeit im öffentlichen Bereich, genüge getan werden.

Die Stiftung der SLK sieht diese Massnahme auch im Zusammenhang mit der ab 1. April 2012 geltenden neuen Regelung, dass als Alternative zu einer Beschwerde vor der SLK Strafanzeige wegen Missachtung des Sterneintrages im Telefonregister eingereicht werden kann.

Dr. Piero Schäfer, Mediensprecher Stiftung SLK, Tel. 0041 44 383 85 77, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

weiterlesen ...

Seite 12 von 13

© Copyright: KS/CS Kommunikation Schweiz | Design & Technics by idfx.