Werbeverbote für Kleinkredite (Initiative Aubert)

09.02.2012
Die Wirtschaftskommission des Nationalrats setzt Subkommission ein

Eine Subkommission der nationalrätlichen Wirtschaftskommission (WAK-NR) soll einen Gesetzesvorentwurf für die Initiative Aubert ausarbeiten. Schweizer Werbung SW hofft, ihren Standpunkt zum darin postulierten Werbeverbot für Kleinkredite in einer Anhörung vor dieser Subkommission erläutern zu können. Dabei unterstützt der Dachverband der kommerziellen Kommunikation den Vorschlag des Verbandes Schweizer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute (VSKF), die Konsumkreditwerbung auf freiwilliger Basis selbst zu regulieren.

An ihrer Sitzung vom 30./31. Januar 2012 hat die Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK-NR) die parlamentarische Initiative Aubert, die ein vollständiges Werbeverbot für Kleinkredite verlangt, materiell nicht behandelt. Sie hat lediglich beschlossen, eine Subkommission einzusetzen, die in den kommenden Monaten einen entsprechenden Gesetzesvorentwurf ausarbeiten soll.


 
Eingabe und Anhörung

Schweizer Werbung SW begrüsst die Subkommission. Die vertiefte Prüfung erlaubt es dem Dachverband von Werbeauftraggebern, Werbeauftragnehmern/ Medienunternehmen sowie der Kommunikationsbranche, seine Sichtweise in den parlamentarischen Meinungsbildungsprozess einzubringen. Schweizer Werbung SW beabsichtigt, zu diesem Zweck eine Eingabe machen, und strebt zudem eine Anhörung vor der Subkommission an. Sie unterstützt dabei denVerband Schweizer Kreditbanken und Finanzierungsinstitute (VSKF) in seinem Vorschlag, die Konsumkreditwerbung auf freiwilliger Basis selbst zu regulieren und gewisse Werbeaussagen als unzulässig zu erklären.

 

Werbeverbote sind Scheinlösungen

Die Verschuldung junger Erwachsener ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht der Werbung angelastet werden kann. Ein Werbeverbot ist eine Scheinlösung, mit der Eltern, Behörden und Politiker bequem von den eigenen Schwächen ablenken können. Der Verdacht liegt nahe, dass hier eine latent negative Stimmung gegenüber den Banken ausgenutzt wird, um einen ideologisch gefärbten Angriff gegen die Werbung zu reiten. Dabei wird leicht vergessen, dass die Kommunikationsbranche mit einem Jahresumsatz von mehr als fünf Milliarden Franken einen namhaften volkswirtschaftlichen Nutzen generiert. Damit stützt sie nicht zuletzt die Medienvielfalt und -unabhängigkeit in der Schweiz. Als Informationsplattform leistet sie darüber hinaus einen wesentlichen Beitrag im demokratischen Meinungsbildungsprozess.

Link zum Text der Initiative

Thomas Meier, SW Kommunikationsbeauftragter

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Diplomfeier an Krücken

67 Deutschschweizer Diplomandinnen und Diplomanden erhielten am 6. Juli im wohl schönsten Schulhaus der Stadt Zürich ihren eidgenössischen Fachausweis als Kommunikationsplanerin oder -planer. Trotz Krücken allen voran die Jahrgangsbeste Anja Speer.

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Erfolgreicher Jahrgang 2012

120 Kandidatinnen und Kandidaten aus der ganzen Schweiz – drei mehr als im Vorjahr – haben sich in diesem Frühjahr an die anspruchsvolle eidgenössische Prüfung zur Kommunikationsplanerin bzw. zum Kommunikationsplaner gewagt.

In Biel und Zürich stellten sie sich während insgesamt 13 Stunden und 45 Minuten sowohl mündlich als auch schriftlich den vielfältigen Aufgaben in den Fächern Kommunikationsplanung/integrierte Kommunikation, Media, Produktion sowie Werberecht/Werbewirtschaft. Mehrheitlich mit gutem Erfolg. Knapp 70 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten übersprangen die hohe Hürde. Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen die Quote zwischen 70 und 75 Prozent lag, liegt dieses Ergebnis allerdings leicht unter dem Durchschnitt. Das beste Resultat mit der Schlussnote 5,2 erreichte die Zürcherin Anja Speer, gefolgt von Andrea Schmid aus Schüpfheim mit der Note 5,1. Den dritten Platz mit der Schlussnote 5,0 teilen sich gleich fünf Absolventinnen. Unter ihnen Florie Maugeon aus Genf, die das beste Resultat der Romandie erzielt hat.

SW Schweizer Werbung und ihr Schwesterverband Publicité Suisse PS, die die Prüfung im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie BBT durchführen, gratulieren allen, die es geschafft haben. Die spannende und äusserst vielseitige Welt der kommerziellen Kommunikation steht ihnen mit diesem eidgenössischen Leistungsausweis weit offen.

Die Diplomfeiern der frisch gekürten Kommunikationsplanerinnen und -planer findet am 5. Juli 2012 in der Romandie und am 6. Juli 2012 in Zürich statt. Eine Liste mit allen Namen finden Sie hier

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Tätigkeitsbericht 2011 der Lauterkeitskommission

09.03.2012
Markante Zunahme von Verfahren und Individual-Beschwerden

Das Jahr 2011 wird als Rekordjahr in die Geschichte der Schweizerischen Lauterkeitskommission eingehen. Erstmals hatte das Gremium über 400 Verfahren zu behandeln. Volle drei Viertel betrafen dabei Beschwerden gegen kommerzielle Kommunikation an eine individuelle Adresse.

Seit 2005 nehmen die Verfahren vor der Schweizerischen Lauterkeitskommission, SLK, stetig zu. Damals zählte die Statistik 234 Beschwerden, im letzten Jahr waren es nicht weniger als 441.

Ob die Konsumentinnen und Konsumenten sensibler geworden sind, oder ob die Steigerung mit der grösseren Bekanntheit der Kommission zusammenhängt, lässt sich kaum eruieren. Tatsache ist, dass vor allem ein spezifischer Bereich zur Explosion der Beschwerden geführt hat: der Tatbestand der «aggressiven Verkaufsmethode».

Bereits im Vorjahr betrafen 52,8% aller Eingaben dieses Vorgehen. Im Jahr 2011 musste eine erneute Zunahme auf 62,1% registriert werden. Mit anderen Worten: Fast zwei Drittel der Fälle, die 2011 bei der Lauterkeitskommission zu behandeln waren, betrafen den Tatbestand «aggressive Verkaufsmethoden».

Nicht weiter verwunderlich ist der Umstand, dass das Medium Telefon/Fax den grössten Verfahrensanteil (58.7%) unter den Kummunikationsmedien aufweist (Vorjahr: 53.9%). Markant abgenommen haben beim Prozentanteil Medien dagegen Verfahren gegen Direkt Marketing (8.4%). Die Massnahmen des DM-Verbandes scheinen Früchte zu tragen.

Alle Verfahren betreffend kommerzielle Kommunikation an eine individuelle Adresse (Telefon/Fax, Direct Mail, «Stopp-Werbung-Kleber» und Spammail) machen insgesamt 74.9%, also praktisch drei Viertel aller Beschwerden aus.

Diese Entwicklung sowie die quantitative Zunahme der Beschwerden haben die SLK veranlasst, Anfang 2012 eine auf ein Jahr befristete Gebühr von CHF 50.- für diese Art Beschwerden zu erheben, wo sich die Frage der Zulässigkeit der Zustellung stellt.

Tätigkeitsbericht 2011 der SLK (PDF 9.64 MB)

Der Tätigkeitsbericht (deutsch/französisch kombiniert) kann auch in gedruckter Form beim Stiftungssekretariat unter +41 44 211 40 11 bestellt werden.

Dr. Piero Schäfer, Kommunikationsbeauftragter

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MarKom Zulassungsprüfung - Weiter auf Kurs

07.02.2012

mes. Die seit August 2007 zum zehnten Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung (MZP) hat Ende Januar mit einer Erfolgsquote von 77.5 % (August 2011: 83.2 %) ihren Abschluss gefunden. Insgesamt haben 1'165 Kandidat/-innen daran teilgenommen, davon 665 Frauen (57.1 %) sowie 500 Männer (42.9 %). Die Prüfungskommission erteilte an ihrer Sitzung vom 31. Januar 903 Absolventinnen und Absolventen (783 aus der deutschsprachigen Schweiz, 119 Romands und 1 Kandidatin aus dem Tessin) das MZP-Zertifikat. Der erzielte Notendurchschnitt beträgt wiederum 4.3. Im Fach Wirtschaft & Recht wurde ein Notendurchschnitt von 4.3, in Marketing 4.6, in Verkauf & Distribution 4.5, in Marketingkommunikation 4.0 und in Public Relations 4.2 erreicht. Seit Einführung der MZP haben 8'551 Kandidat/-innen diese erfolgreich abgeschlossen.

Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste internetbasierte MZP wird vom 6. bis 10. August an verschiedenen Standort der Schweiz durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 2. Mai offen, Anmeldeschluss ist der 22. Juni 2012.

Der 2002 gegründete Verein MarKom, welchem die Branchenverbände pr suisse Schweiz. Public Relations Verband (SPRV), Schweizer Werbung (SW), Swiss Marketing (SMC), Verkauf Schweiz (VS), FAIR Fédération des Agents Indépendants et Représentants, KV Schweiz, Schweizerische Gesellschaft für Marketing GfM sowie Schweizer Direkt Marketing Verband (SDV) angehören, führt für ihre fünf Berufsprüfungen (mit eidg. Fachausweis) eine gemeinsame, vorgängig zu absolvierende Zulassungsprüfung durch, an welcher die Basisfächer Wirtschaft & Recht, Marketing, Verkauf & Distribution, Marketingkommunikation und Public Relations gemeinsam geprüft werden.

Mireille E. Saucy, Präsidentin MarKom

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Tomaten 1999 - 2006

Von Kommunikatoren und Tomaten

24.01.2006

Am Anfang war das Internet. Als SW Schweizer Werbung im Jahre 1998 mit einer eigenen Homepage online ging, startete sie mit zwei Rubriken. Einer informativ-positiven und einer satirisch-kritischen. Die beiden Gefässe «KommunikatorIn des Monats» und «Tomate des Monats» waren geboren. Und seit jenem Juni 1998 wurden die Kolumnen regelmässig publiziert.

Je 80 solcher Texte sind seither auf der Homepage der SW erschienen. Grund genug, zum 80-jährigen Bestehen des Dachverbandes Ende 2005 einen publizistischen Rückblick zu wagen. Wahlweise 52 KommunikatorInnen, die heute teilweise längst andere Jobs haben, sowie 28 Tomaten wurden in einem kleinen Büchlein zusammengetragen, welches Sie bei der SW beziehen können (+41 44 211 40 11).

Die von Piero Schäfer verfassten Artikel vermitteln einen kleinen Überblick über die Aktivitäten und kleinen Sünden der Branche.

Ab Februar 2006 wird die «Tomate des Monats» durch die neue Rubrik «KomKom», Kommentar zur Kommunikation, ersetzt.

 

01.11.2005

Falsche Destination


Sport ist, wie kaum etwas anderes, in der Lage, Emotionen auszulösen. Siege führen zu epidemieartigen, euphorischen Zuständen, Niederlagen zu lähmenden Depressionen. Als Simon Ammann seine ebenso wundersame wie kurze Flugphase erlebte, hob das ganze Land gefühlsmässig vom Schanzentisch ab und schwebte tagelang auf Glückes Flügeln. Solche Momente sind rar im Schweizer Sport. Und deshalb unvergesslich. Beim Alpin-Ski muss man weit zurückblättern, um in den Genuss einer erhebenden Erinnerung zu kommen. Seit geraumer Zeit herrscht hier die reine Trübsal. Und die Schwermut scheint uns auch heuer wieder zu begleiten, haben die Schweizer Skifahrer doch beim Auftakt in Sölden erneut schwer enttäuscht. Und jetzt kommt ein Inserent und gräbt noch in der Wunde: Man kann eine Reise an die Olympischen Spiele in Turin gewinnen. Mit Thomas Pfyl ist ein junger und erfolgreicher Behindertensportler abgebildet, und dies obschon man bei Olympischen Spielen wohl eher an Cuche und Co. denkt. Doch so wie die Saison begonnen hat, reist man mit Vorteil nicht nach Turin, sondern an die Paralympics nach Sestrière. Dort gibt es sicher mehr zu jubeln.

Maurice Motz

 

03.10.2005

Sonnenuntergang


In meinem Leibblatt habe ich kürzlich dieses Inserat entdeckt. Und mich echt hinein vertieft: Da sitzt ein intellektuell dreinschauender Fielmanntyp barfuss auf einer Treppe und blickt angestrengt und höchst konzentriert in die Ferne. Zuerst dachte ich, es handle sich um einen Judoka, und die Oberzeile mit dem Hinweis auf den japanischen Finanzmarkt löst auch entsprechende Assoziationen aus. Doch der Mann ist kein Sportler, sondern ein Mensch wie Du und ich und ausserdem wie jeder Durchschnittsbürger im Besitz eines Miros. Und weil der Mann seine finanziellen Anliegen durch eine gewisse Bank ausführen lässt, kann er selbigen ungestört geniessen. Er muss nur um die Ecke seiner architektonisch ziemlich verwinkelten Nobelbleibe gucken und schon kann er den glühenden Sonnenuntergang des katalanischen Künstlers bewundern. Irgendwie haben es die Choreographen der Szene nicht geschafft, den Blickkontakt zwischen dem Bildbesitzer und dem Kunstwerk herzustellen, sodass es dem Betrachter der Anzeige überlassen bleibt zu spekulieren, womit sich die Hauptperson tatsächlich beschäftigt. Den Miro jedenfalls lässt sie links liegen. Respektive hängen. Möglicherweise denkt der Mann trotz roter Sonne unentwegt an den japanischen Finanzmarkt. Auch das tun Durchschnittsbürger schliesslich jeden Tag. PS: Ich habe auch ein Konto bei dieser Bank und bin wirklich dankbar, dass ich meinen Miro nunmehr ungestört geniessen kann.

Maurice Motz

 


02.08.2005

Zweideutiges Sinnbild

Man weiss, dass der Konsument mit der Aufnahme von Informationen ausgesprochen am Anschlag ist. Das Auge des geneigten Lesers und der geneigten Leserin huscht in Windeseile über eine Inserateseite und erfasst, wenn denn überhaupt, nur Bruchstücke des Inhaltes. Keinesfalls tut das Auge und das damit verbündete Hirn dem Inserenten den Gefallen, sich intensiver mit der Aussage zu beschäftigen. Derweil der Anzeigeninhalt reichweitenweit immer noch auf Beachtung wartet, beschäftigt sich der Augapfel bereits mit der nächsten, redaktionell relevanten Information: Es liest einen Artikel. Eventuell hat es aber das auffallende, werbliche Sinnbild wahrgenommen, das da eben noch an ihm vorbeiflog. Und dieses zeigt einen Mann, der sich anschickt, ins Wasser zu tauchen. Durchaus sportlich zwar, aber eben doch eindeutig abwärtsgerichtet. Und was assoziiert das Hirn mit diesem Sinnbild? «Tauchen», oder einen «Sprung ins kalte Wasser», jedenfalls nicht unbedingt das, was die Werbung wollte, nämlich einen Bezug zu «startklar machen». Als gewissermassen professioneller Beobachter des Angebotes habe ich die Message zwar entdeckt, der durchschnittliche Konsument dürfte aber bei dem Tempo, mit welchem er oder sie Infos konsumiert, einen bildhaften Eindruck mit nehmen, der konträr zum Ansinnen des Inserenten sein dürfte.

Maurice Motz

 


01.07.2005

Verräterischer Blickkontakt
 

Es gibt ja immer wieder werbekritische Geister, die den Reklamefachleuten unterstellen, sie würden das Unterbewusstsein der und des Konsumierenden mit psychologischen Tricks und verführerischem Ansinnen ansprechen. Bewiesen hat das zwar noch nie jemand, diese Anzeige wäre aber zweifellos eine echte Spielwiese zur Analyse obiger Behauptung. Was sehen wir auf dem Inserat? Auf den ersten Blick einen Mann mit Zeitung und im Hintergrund ein sehr rotes Auto. Bei näherer Betrachtung erkennt man aber, dass das Fachblatt einen völlig unbenutzten, da gefalteten Status aufweist, was belegt, dass unser Nadelstreifenträger rein interessemässig durch etwas anderes als Lektüre in Beschlag genommen wird: Sein leicht verträumter Blick haftet offensichtlich an einer durch das Bild schwebenden und blickkontaktierenden, weiblichen Person. Und das, obschon das GT Modell auch recht attraktiv ist. Was sagt uns das? Erstens, dass Männer keine Maschinen, sondern Wesen mit einer natürlichen Vorliebe für Geschöpfe weiblichen Geschlechtes sind, und zweitens, dass es immer noch Werber gibt, die Autos (und sogar Autozeitungen) werbemässig offenbar nicht ohne Frauen darstellen können. Sexistisch ist das zwar kaum, aber doch irgendwie überflüssig.

Maurice Motz

 

01.06.2005

Kasperlitheater

 Die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes hat viel Gutes gebracht: Tiefere Preise, eine eigentliche Innovationsflut und eine dadurch angeregte Werbetätigkeit, die sich vor allem zugunsten der in letzter Zeit doch erheblich gebeutelten Medien ausgewirkt hat. Leider hält die quantitative Zunahme des Werbevolumens nicht Schritt mit der Qualität der Inhalte. Ein leuchtendes Beispiel für diese Feststellung ist der TV-Spot, den ich in den letzten Wochen mehrfach habe über mich ergehen lassen müssen, und dessen Aussage mir nach wie vor schleierhaft ist. Da verbreitet ein von einem «menschlichen Kasperli» bewegter böser Holzkasperli Phrasen über den Bildschirm, um gleich anschliessend von einem zweiten, guten Holzkasperli zurecht gewiesen und geprügelt zu werden. Vermutlich geht es um Preise, denn die scheinen inzwischen die einzigen Argumente im Krieg der Telekommunikation zu sein. Vielleicht gehts auch um etwas anderes, verstanden habe ich das unsinnige und aggressive Geschwafel nicht. Hab auch gar nicht zugehört, weil ich als längst den Kinderschuhen Entwachsener nicht mehr zur Zielgruppe der Kasperlikonsumenten gehöre. Wer bitte wird hier angesprochen? Die Kids? Die haben doch im Zeitalter von Star Wars längst andere Idole als Kasperlis. SVP-Parteigänger? Die hacken zwar gerne auf anderen herum, haben aber im Moment kaum Zeit für TV, weil sie anti-Schengen-Plakate entwerfen müssen. So oder so: Der Spot bewirkt bei mir eine Sehverweigerung und die Entscheidung, beim bisherigen Anbieter zu bleiben. Ich mag solches Kasperlitheater nicht.

Maurice Motz

 

01.03.2005

Bissig wie Piranhas


Das muss man ihnen lassen: Sie haben fundamentalistische Ausdauer. Es ist über 25 Jahre her, da erkundigte sich eine frühlingshafte, junge Dame leicht indiskret aber charmant, ob ich zufrieden sei mit meinem Leben. Wer ist das schon zu 100% und könnte zudem einem derart vielversprechenden Geschöpf widerstehen? Kurz: Ich liess mich in ein Gespräch ein und merkte zu spät, dass es sich zwar um eine zauberhafte Vertreterin ihres Geschlechtes aber leider auch eine Botschafterin der Scientologen handelte. Das fahrlässigerweise bestellte Buch «Dianetik» entsorgte ich flugs im Abfall und hoffte damit auch, den klebrigen Fängen der Sekte zu entrinnen. Mitnichten. Während Jahren drangsalierte man mich mit bittersüssen Briefen, die mich immer wieder daran erinnerten, dass ich es so viel besser haben könnte, wenn ich bloss auf sie hören würde. Dann gabs eine lange Pause, und ich war überzeugt, die unseligen Geister hätten sich endlich ins Pfefferland verkrochen, doch ein Schreiben belehrte mich dieser Tage eines Besseren. «Was haben wir Ihnen angetan, dass Sie nicht daran glauben, dass wir Ihnen helfen können, die Zustände im Leben zu verbessern?» sülzte dieser Tage eines dieser verlorenen Wesen. Und ein Prospekt gaukelte für Fr. 532.– Glückseligkeit, Energie, Lebenskraft und andere erfreuliche Zustände vor. Und das nach mehr als einem Vierteljahrhundert schnöder Absagen. Wahrlich, die sind bissig wie Piranhas. Für einmal müssen die flotten Zubeisserchen aber mit einer Tomate vorlieb nehmen.

Maurice Motz

 

01.02.2005

Zweifelhafter Rückschluss


Irgend jemand hat damit angefangen: Um die besonderen Vorzüge einer Dienstleistung oder eines Produktes zu unterstreichen, wird in der Werbung immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich bloss richtig entscheiden müsse und schon sei man alle Sorgen los. Das gilt für Versicherungen ebenso wie für Bankgeschäfte oder Festnetzanschlüsse. Zugegeben, die Argumentation ist naheliegend. Leider ist sie aber so naheliegend, dass sie eigentlich jedem in den Sinn kommt, der mehr als drei graue Zellen sein Eigen nennt. Hat man sich dann einmal für diese Argumentation entschieden, bleibt den Konzeptern nur noch die Freiheit, mehr oder weniger kreativ Beschäftigungen zu orten, welche man sich infolge zeitlicher Entlastung durch die Buchung des «richtigen Angebotes» leisten kann. Die meisten entscheiden sich für mehr Freizeit. In diesem Fall ist man einen Schritt weiter gegangen und hat eine qualifizierte Tätigkeit zu Zweit gewählt, während welcher man freilich in aller Regel nicht besonders intensiv über den Abschluss einer Versicherung nachdenkt. Zumindest zu meiner Zeit war das so. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass diese beiden jungen Leute ohne Versicherungsschutz die kosende Betätigung unterlassen würden, scheint mir deshalb wenig überzeugend. Umgekehrt kann ich mir auch nicht recht vorstellen, dass alle, die in inniger Umarmung sich sinnlichen Freuden hingeben, bei der Winterthur versichert sind. Zwischengeschlechtliche Aktivitäten gab es bekanntlich bereits ein paar Jahre vor der ersten Versicherung.

Maurice Motz

 

02.01.2005

Erste Warnung

Audi Erste Warnung

Genau so eine Anzeige war es, welche in Belgien die Verfechter von Werbeverboten auf den Plan gerufen hat: Ein schnittiger Offroader holperte durch ein kleines Bächlein, die Headline hiess: «Wir bremsen auch für Fische». Zauberhafte Idee für ein überzeugendes Inserat. Doch die belgischen Werbemuffel intervenierten und die Anzeige wurde vom Hersteller zurückgezogen. Begründung: Das Inserat könnte Leute dazu animieren, mit ihrem Geländegänger die Natur zu verschandeln! Soweit sind wir also schon. Werbung wird von gewissen Kreisen für Alles und Jedes verantwortlich gemacht. Werber als machtvolle, bösartige Verführer. Bei uns ist es Gottseidank noch nicht so weit, Anzeigen wie diese könnten aber früher oder später auch bei uns Werbenihilisten auf den Plan rufen, bereits wird in der Romandie nach einer Ethikkommission gerufen, welche Auto- und andere Werbung auf deren Inhalt überprüfen soll. Natürlich könnte man auch in dieser an sich feinen Audi-Werbung solche Ansätze zu umweltzerstörerischem Tun entdecken. Und es wird wohl nicht mehr lange gehen, bis solche Inserate auch bei uns in Frage gestellt werden. Darum: Seid auf der Hut, werte Werber, vielleicht findet ihr ja noch bessere Ideen, um Offroader in ihrem Element darzustellen. Insofern ist dies ja auch keine richtige Tomate, sondern lediglich ein kleines (warnendes) Tomätchen. Und ein Hinweis darauf, was da noch auf uns zukommt.

Maurice Motz

 

02.12.2004

Falscher Vogel

Liquid Falscher Vogel

Draussen sind es genau zwei Grad und ich hab beim Warten aufs Tram jämmerlich ans Gerüst gefroren. Infolge winterlicher Verhältnisse war mir alles andere als ums Schwitzen und durstmässig sehnte ich mich nach einem heissen Kaffe oder einem dampfenden Tee oder gar Punsch. Und just vis-a-vis der Tramhaltestelle hält sich auf einem Plakat eine sichtlich erhitzte junge Frau einen Pinguin an die Stirn. Sie tut dies, wie man dem erhellenden Text entnehmen kann, um sich zu erfrischen. Welch tierische Idee. Man weiss zwar, dass diese Art Vogel in noch kälteren Gegenden als den unseren herum zu watscheln pflegen, wer in Zoologie aber keinen Säulenplatz hatte, weiss auch, dass die gefiederten Freunde extrem stark isoliert sind, um sich gegen die klirrende Umgebung zu schützen. Ein Pinguin mag zwar arktische Assoziationen erwecken, kühlen, wie im Inserat vorgegaukelt, tut er keinesfalls. Das hat uns auch der Zürcher Zoodirektor auf Anfrage bestätigt. Alex Rübel hat gar mit der Aussage verblüfft, dass Pinguine früher von Forschern in der Arktis als Brennstoff verwendet worden sind. Da stark fetthaltig und dick gepolstert, schob man die Biester wie Briketts in den Ofen! Die Idee mit der Kühlung mag also nett gedacht aber leider wärme- respektive kältetechnisch total missglückt sein. Und für einmal sind die Pinguine falsche Vögel.

Maurice Motz

 

02.11.2004

Ein Fisch für Fleischwerbung

Schweizer Fleisch - Fisch

In irgend einer Werbeagentur dürfte im Moment dicke Luft herrschen. Da hat vermutlich jemand einen dicken Fisch gefasst. Vielleicht hat sich der oder die GrafikerIn als Vegetarier geoutet, denn dieses Inserat wirkt auf mich wie der Protest eines Fleischverächters. Oder verstehen Sie, worum es hier geht? Eine Gruppe von Jugendlichen lümmelt in einem Hof herum. Die einen essen, andere trinken oder sitzen einfach so rum und sind jung. Ein Schnappschuss aus einer Schulpause vielleicht. Und darunter wird für Schweizer Fleisch geworben, welches ehrlich und natürlich sei. Ich habs kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen und versuchte, eine Erklärung für das kommunikative Rätsel zu finden. Im schlimmsten Fall hat da jemand einen Bezug zwischen jungem Fleisch und Fleisch als Nahrungsmittel herstellen wollen. Oder verfügt da jemand gar über eine kannibalische Ader? Das wäre dann keine Tomate, sondern schon eher eine ganze Tomatenladung, die hier kredenzt würde. Respektive eine Klage ans Amt für Menschenrechte. Mangels Vorstellungskraft für weitere Erklärungen lässt sich die Sache allenfalls noch mit dem trivialen Umstand erklären, dass da ein Desktopper oder dessen weibliche Version fahrlässigerweise oder vorsätzlich den erklärenden Text vergessen hat. Und wenn dem so ist: Sie oben.

Maurice Motz

 

30.09.2004

Rätselhaftes Nichts

Strenesse - rätselhaftes Nichts

Die Marketingfritzen wissen ja einiges. Oder tun wenigstens so. Ständig liegen sie uns in den Ohren mit der Festlegung, dass eines der Probleme der heutigen Zeit, Letztere selbst ist. Will heissen: Niemand hat mehr Zeit, den gigantischen Informationsfluss zu verarbeiten, der auf uns einstürzt. Nun hat sich selbiger im Bereich der Inserate nicht eben als bedrohlich erwiesen, wenn man den entsprechenden Statistiken glauben will. Dennoch dürfte die Zeitknappheit generell als erwiesen betrachtet werden. Und dann kommt so eine rätselhafte Anzeige daher. Mit dem traurig dreinblickenden Boris Becker im Vordergrund und weit hinten, wie ein verschupftes Hascheli die ja nicht eben unbekannte Claudia Schiffer. Gut, vielleicht ist sie es auch gar nicht, aber da man auch sonst nicht so genau weiss, worum es hier geht, spielt das auch keine Rolle. Da prangt zwar ein Firmenname, aber der sagt mir jetzt gerade nichts. Vermutlich hat das Ex-Tennis-As eine Modelinie lanciert. Vielleicht ist «Bobbele» aber bloss Model für die Linie mit den zu langen Hosen. Schuhe gibt es in der Kollektion offenbar keine, und auch bei näherer Betrachtung, ja eingehendem Studium der Anzeige lässt sich ausser einer URL kein Indiz über den Verursacher des Produktes finden. Geschweige denn eine ganz normale Adresse, wo man das Ding käuflich erwerben könnte. Angesichts der oben erwähnten Zeitknappheit muss man also schon ein ausgesprochener Mode-Tifoso sein, wenn man sich da informationsmässig tiefer reinknien will. Alle anderen blättern die rätselhafte Anzeige schlicht um. Das zumindest behaupten die Marketingfritzen. Und die wissen ja einiges.

Maurice Motz

 

31.08.2004

Fliegende Handys

Ich gebe zu, ich hab mich schwer getan diesen Monat mit der Evaluation einer Tomate. Nicht weil es qualitativ keine gegeben hätte, das Problem war vielmehr quantitativer Art: Es gab ausser Aktions-Inseraten aller Grossverteiler eigentlich kaum kommerzielle Anzeigen. Der Monat August respektive dessen Inserate dürften als «Aktionitis-Monat» in die Annalen eingehen. Ein paar wenige Kommerz-Inserate gab es gleichwohl, auch wenn die von der Aussage her ziemlich das Gegenteil der Preis-Rabatt-Sujets darstellten: Viel Image, wenig Handgreifliches. Das beigefügte hat mich jedenfalls ziemlich ratlos gelassen. «Siemens ist on» lautet der Titel der Anzeige, und man sieht vier handliche Geräte wie UFO‘s durch die Luft schweben, die sich bei näherer Betrachtung als Handys identifizieren lassen. Aha, eine neue Generation dieser Apparate, die heute bereits im Kindergarten unentbehrlich sind. Kein Wort aber über neue Services oder innovative Errungenschaften, es geht vielmehr darum, dass Siemens dank Kooperation mit IBM die Logistik verbessert hat. Das ist ja lobenswert, aber was nützt das dem Konsumenten? «Die neuesten Handys landen schneller beim Kunden» heisst die Antwort, welche eigentlich gar keine ist, denn warum soll ich so ein Ding käuflich erstehen, wenn man mir als einzigen Vorteil eine optimierte Logistik unter die Nase reibt? Vielleicht wüsste ich noch gerne, was das Ding kann. Und was es kostet. Fast bin ich geneigt, Aktionsinserate lobend zu erwähnen. Aber nur fast.

Maurice Motz

 

02.08.2004

Falsches Timing

Peugeot - Falsches Timing

Heute sind alle Autos gut. Sie sind technisch ausgefeilt, sehen gut aus und leisten, was sie zu leisten haben. Es müsste also eigentlich einfach sein, sie zu verkaufen, denn das Produkt stimmt. Doch gerade weil sie alle gut sind, müssen sich die Werber immer wieder neue Ideen einfallen lassen, wie sie im Markt auffallen und wie sie sich von der Konkurrenz abheben können. Das gelingt manchmal besser, manchmal weniger gut. Und manchmal erwischen die Kreativen einen ungünstigen Zeitpunkt für ihre Kampagne. Das ist natürlich Pech und hat nicht wirklich etwas mit Unsensibilität oder Unvermögen zu tun. Dennoch ist unsere heutige Kampagne tomatenwürdig. Denn sie fällt just in eine Zeit, in der in allen Medien über das bedrohliche Thema «Werbung an Minderjährige» diskutiert wird. Die gleichen Kreise, die Werbeverbote für sinnvolle Strategien im Kampf gegen den Missbrauch von Sucht- und anderen Mitteln halten, wollen bekanntlich auch Jugendliche vor dem ach so bösen Einfluss der Werbung verschonen. Und ausgerechnet jetzt kommt dieses Inserat, in welchem Teddybären und Kinder dominieren. Im Kanton Genf, wo ja demnächst eine Ethik-Kommission über den Inhalt von Kampagnen befinden soll, würde die Anzeige jedenfalls tomatenrote Köpfe auslösen. Selbst wenn mir die Idee an sich gut gefällt, halte ich den Zeitpunkt der Publikation für wenig glücklich.

Maurice Motz

 

30.06.2004

Weissheit nicht Weisheit

Omo - Weissheit

Man muss nicht besonders kritisch sein, wenn man Waschmittelwerbung satirisch aufs Korn nehmen will. Im Prinzip ist diese Art der Reklame an sich schon Realsatire. Man weiss, was man hat, wenn man weisse Riesen, porentiefe Aktivkügelchen und anderen Marketing-Stuss genauer analysiert: Der Markterfolg gibt den Erfindern Recht. Leider. Mitunter sind sich die Werber freilich zu schön, um einfach Platituden wie «wäscht weisser» in die bunte Werbewelt zu setzen und versuchen anspruchsvoll zu sein. Im Moment läuft ein TV-Spot, der eine ganz andere, nämlich eine geisteswissenschaftliche Botschaft aufweist. Die Kommunikatoren haben ganz tief in die Trickkiste der Philosophie gegriffen und gewissermassen anthropologische Erkenntnisse als Grundlage ihrer Kampagne gewählt. «Flecken machen Menschen» heisst ihre ebenso unergründliche wie gewagte These. Ob es sich dabei um eine legasthenische Satzkonfusion handelt (sollte es nicht eher heissen: «Menschen machen Flecken?») oder ob die den Unsinn wirklich glauben, den sie da in die Stuben flimmern lassen, bleibe dahin gestellt. Ich meine bloss, man sollte Werbung tonalitätsmässig dem nachempfinden was ihre Aufgabe ist: informieren und verkaufen. Intellektuelle Auseinandersetzung mit Geisteswissenschaften gehört definitiv nicht dazu. Schon gar nicht, wenn es um Waschmittel geht. Da geht es bekanntlich um Weissheit, nicht um Weisheit.

Maurice Motz

 

02.06.2004

Verachtung pur

Verachtung pur

Es gibt Werbeideen, die durch ebenso aktuelle wie unglückliche Umstände plötzlich ihre Unschuld verlieren. So ist es einem TV-Spot für ein elegantes Auto der Marke Opel ergangen, welcher in einem Gefängnis spielt. Abgesehen davon, dass es nicht besonders sensibel ist, Insassen eines solchen Etablissementes zu Werbe-Protagonisten zu pervertieren, verrät die Handlung wenig Fingerspitzengefühl der Kreativen. Wenn ich die leicht konfuse Geschichte richtig interpretiere, dann zeigt ein Gefängnisangestellter einer höheren Charge einem langjährig Einsitzenden das neue Modell von Opel und hält ihm triumphierend einen Zündungsschlüssel hin. Als sich der Gefangene hoffnungsfroh nähert, wirft er den Schlüssel weg und demonstriert so, dass es sich bloss um eine Finte handelt. Und erst noch keine besonders amüsante. Körpersprachlich geknickt, realisiert der Gefangene, dass er das feine Gefährt nie wird fahren können. Abgesehen davon, dass diese Handlung erhebliche Verachtung ausdrückt, ist sie durch die grässlichen Ereignisse in Iraks Gefängnissen noch fragwürdiger geworden. Dafür können die Werber zwar nichts, eine Tomate hätte der Spot aber auch ohne die Enthüllungen im Abu Ghraib verdient.

Maurice Motz

 

03.05.2004

Symbolhaft daneben

Symbohaft

Das Steuerpaket ist eine echte Bescherung. Leute, die sich engagiert und tiefgründig mit dem netzartigen Gebilde dieses siebensiegligen Werkes auseinander setzen, erleben ein echtes Wechselbad der Empfindungen und Überzeugungen. Kaum hat man geglaubt, irgend etwas verstanden zu haben, kommt wieder ein neuer Gesichtspunkt, und man beginnt erneut zu schwanken. Eines der Argumente, welches den Bürgerinnen und Bürgern die Vorlage beliebt machen soll, ist dasjenige des Eigenheimes. Wer möchte nicht irgendwann in seinem Leben in einem Häuschen mit Gärtchen und Autoabstellplatz wohnen? Kein Wunder also, haben die Befürworter der Vorlage diesen Traum aller Träume in ihrer Kampagne bildhaft und symbolträchtig dargestellt. Zwecks Umsetzung des Anliegens haben sie deshalb Leute ins Bild gesetzt, die sich masslos über ein solches Eigenheim freuen. Besonders auffallend ist ein adretter Herr mit Wohlstandsbäuchlein, den es vor lauter Genugtuung über die (nach der Abstimmung vielleicht erwerbbaren) vier Wände fast vom Stuhl haut. Mit seiner nicht gerade geschmacksneutralen Fliege und dem leicht aufdringlichen Outfit erinnert der Putzmuntere allerdings eher an einen erfolgreichen Auto- oder Inserateverkäufer. Der Betrachter jedenfalls kann sich nicht so recht vorstellen, dass das nun ein typischer Vertreter jener Volksschicht ist, welchem die Vorlage den Haustraum erfüllen soll. Ich wette jedenfalls, dass der Typ längst eine tolle Bleibe besitzt und sich höchstens noch darüber ergötzt, dass er vielleicht bald weniger Steuern zahlen muss.

Maurice Motz


 

05.04.2004

Verschlüsselte Botschaft

Schluesselbotschaft

Vielleicht bin ich begriffstutzig, aber das breitgewachsene Plakat, das ich kürzlich auf dem Heimweg entdeckte, hinterliess bei mir lauter Fragezeichen. Da grinst ein junger Mann sorglos in die Linse, freut sich zähnefletschend und daumenerigierend über ... ja worüber denn? Der Absender fordert den Betrachter auf, das Traumhobby zu gewinnen und bietet dafür 30\'000 Franken an. Alles auf englisch, wie das heute üblich ist. Das klingt internationaler, ist cooler und verströmt den Duft der grossen weiten Welt. Auch wenn es eine andere Zigarette ist. Habe dann auf dem Plakat herum geforscht, was denn das jetzt soll, fand aber keinen Hinweis auf ein Rätsel oder einen Wettbewerb und nicht einmal auf eine Homepage, die mir hätte weiterhelfen können. Und das im Jahre 2004, wo doch die Internet-Adresse schon fast wichtiger ist als die Message. Ich stand also ratlos vor dem Plakat, schüttelte innerlich den Kopf und konstatierte, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, moderne Botschaften zu entschlüsseln. So ging ich denn weiter, so schlau als wie zuvor, und beschloss, mich mit einer Tomate für die sinnlos verschwendete Zeit zu rächen. PS: Die nehm ich natürlich zurück, wenn mir jemand den hintergründigen Sinn der Affiche erklären kann.

Maurice Motz


01.03.2004

Fersengeld

Fersengeld

Hand aufs Herz, liebe Tomaten-Leserinnen und -Leser, was sehen Sie auf diesem seltsam fotografierten Inserat? Einen Fliegenpilz? Ein exotische Frucht? Einen winterfesten Mokassin der Sioux-Indianer? Oder einen noppenbewachsenen Kinderfinken? Ich habs mir lange überlegt, was das sein könnte. Und dank der aufklärenden Textzeile «Sicher im Leben», glaubte ich der Sache auf die Spur gekommen zu sein. Früchte fallen in diesem Zusammenhang wohl weg und vermutlich auch die Indianer, es bleiben also die Noppen. Diese Dinger haben ja die Eigenschaft, den Träger derselben in der Fortbewegung zu stabilisieren, gewissermassen Gleitschutz zu gewähren und Standfestigkeit. OK, das macht Sinn, und auch die merkwürdige optische Umsetzung mit dem geknickten Kinderfuss mag dann zumindest teilweise zu überzeugen, immerhin neigen Kinder in den ersten Jahren ihres Daseins dazu, das motorische Gleichgewicht zu verlieren. Aha, hier geht es also um Versicherungswerbung. Eine Assekuranz verspricht Sicherheit im Leben. Dachte ich. Aber weit gefehlt: Die Anzeige wirbt für ein Automobil, und erst noch für ein sehr populäres, volkstümliches. Es mag ja sein, dass es unterschiedliche Sicherheitsquotienten gibt bei den Autos, nur, warum jetzt eine benoppte Fusssohle dieses neue Fahrzeug sicherer machen soll, bleibt mir schleierhaft. Es geht ja nicht um Pneus, sondern um den Träger derselben. Sinnbilder in der Werbung sind zwar beliebt und auch hilfreich, in diesem Fall klafft aber zwischen Illustration und Aussage eine dunkle Lücke. Oder hab ich da etwas völlig falsch verstanden?

Maurice Motz

 

02.02.2004

Krass einfältig

Krass einfaeltig

Da ist mir kürzlich diese Karte in den Briefkasten geflattert. Was sie eigentlich gar nicht dürfte, da an der Haustüre ein entsprechender Kleber mich vor unadressierter Flatterpost schützen sollte. Ich war also bereits sauer. Da das Mail aber schon da war, schaute ich mir es einmal etwas genauer an, was angesichts der reizvollen Schönheiten, die es zieren, nicht einmal so viel Überwindung brauchte. Ausserdem handelt es sich um einen Wettbewerb, bei dem man etwas gewinnen kann. 24 Flaschen Champagner etwa oder einen freien Eintritt zu einer Veranstaltung, an welcher abgelichtete Damen als Models auftreten. Um in den Genuss eines der Preise zu kommen, hatte man allerdings die knifflige Frage zu beantworten, aus welcher Weinanbauregion Frankreichs der Champagner stammt. Nun muss man ja kein ausgeprägter Weinkenner zu sein, um dieser Antwort relativ schnell auf die Spur zu kommen. Aber selbst von diesem bescheidenen Wissen gehen die Versender der Karte nicht aus: Sie haben eine Buchstabenreihe abgebildet, in die man wie in einem Kreuzworträtsel die fehlenden Vokale und Konsonanten ergänzen muss. Damit es nicht zu schwierig wird, sind die gesuchten Buchstaben aufgeführt und die Zahlenreihe beginnt exemplarisch mit einem C und der fünfte Buchstabe ist ein P. Die intellektuelle Herausforderung darf also ohne Übertreibung als reichlich beschränkt bezeichnet werden, und sie wäre selbst für den Polizisten in der Radiokrimiserie Maloney eine Zumutung. Da ich meinen IQ als mit dem Vertreter der Hermandat mindestens ebenbürtig einschätze, fühle ich mich als Empfänger beleidigt und erteile der einfältigen Werbung eine Tomate.

Maurice Motz


02.01.2004

Das Huhn-Schwein

Huhn-Schweiz Frifag

Im Bereich der Werbung kann man ja nicht à priori gegen kreative Einfälle sein. Auch Wortspielereien sind durchaus erlaubt sowie muntere Ideen. Das gilt natürlich auch für Sponsoren. In diesem konkreten Fall allerdings scheint mir die Fantasie der KommunikatorInnen doch etwas gar stark ausgeufert zu sein. Die beste OL-Läuferin der Welt, Simone Niggli-Luder, musste sich da auf einen doch etwas gar abstrusen Einfall einlassen: Soeben zur Schweizer Sportlerin des Jahres erkoren, gratuliert ihr ein gezeichnetes Huhn zum Gewinn der Auszeichnung mit der an den Haaren herbeigezogenen Beglückwünschungsformel «Huhn gehabt - Simone». Soweit mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, stammt der Spruch ja aus einer anderen Ecke eines landwirtschaftlichen Betriebes und wird im Allgemeinen mit den rosaroten Vertretern der Rasse Schwein in Verbindung gebracht. Der Umstand, dass Simone die begehrte Trophäe gewonnen hat, ist aber eindeutig auf ihr ausserordentliches Können und kaum auf den Umstand zurück zu führen, dass sie bei der Weltmeisterschaft Schwein gehabt hat. Und schon gar nicht Huhn. Mit anderen Worten: Die gut gemeinte Gratulations-Anzeige von Sponsor Frifrag (offenbar ein Hersteller überaus glücklicher Schweizer Poulets) muss unter «Pech gehabt» abgebucht werden und erhält die Tomate des Monats.

Maurice Motz


01.12.2003

Etwas voreilig

Lufthansa - voreilig

Ich denke, es ist legitim, als einer der wenigen noch vorhandenen Anhänger unserer nationalen Luftfahrtgesellschaft die Konkurrenz mit Argusaugen zu beobachten. Zumindest deren Werbung. Und da bin ich auf dieses Inserat gestossen, das nun wirklich am Rande der Lauterkeit sich zu bewegen scheint. Man sieht einen Mann, der friedlich schläft. Und zwar in einem veritablen Fünfsternehotel-Bett. Es sei das längste seiner Klasse wird behauptet. Kann ja sein. Und ich mag es ja auch allen gönnen, welche in luftiger Höhe statt eingeklemmt mit angezogenen Knien bequem und ausgestreckt fliegen können, aber das überaus düstere Inserat, auf welchem man kaum etwas erkennen kann, wirbt etwas vollmundig und vor allem voreilig, meine ich, denn im Kleingedruckten steht, dass erst ab Dezember 2003 solche Prachtseinrichtungen instaliiert werden sollen. Und es wird voraussichtlich bis Frühjahr 2006 gehen, bis dannzumal die gesamte Flotte damit ausgestattet ist. Es kann also durchaus passieren, dass man angesichts des Inserates sich spontan für einen Flug mit Lufthansa entschliesst, um langgestreckt träumen zu können, und an Bord erfährt man dann, dass dieser Apparat erst in einem oder zwei Jahren mit den bequemen Liegegeräten ausgestattet sein wird. Und die Rechtsabteilung muss dann ausbügeln, was ihnen die Werbeabteilung eingebrockt hat. Deshalb: Tomate.

Maurice Motz

 

03.11.2003

Läppische Aufforderung

Lancia - Laeppische Aufforderung

Es gibt offenbar Dinge, die sind nicht tot zu kriegen. Dazu gehört das Ablagern von Müll vor benachbarten Häusern oder das Aufschliessen auf Kreuzungen im Stossverkehr. Obschon eigentlich bekannt ist, dass weder das eine noch das andere erlaubt und erwünscht ist, wird es von gewissen Leuten regelmässig zum Ärger anderer praktiziert. In dasselbe Kapitel gehört sexistische Werbung. Es dürfte inzwischen allen, die sich mit Kommunikation im Allgemeinen und Werbung im Speziellen befassen, bekannt sein, dass es nicht statthaft ist, besonders attraktive Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes als Blickfang für ein Konsumprodukt einzusetzen.

Seit Jahren versucht die Lauterkeitskommission solchen Unsinn zu stoppen. Offensichtlich ohne Erfolg: Unsere Anzeige manifestiert dieses einfältige Vorgehen in krasser Weise. Und hier wird es gar textlich untermalt: «Du siehst etwas, das dir gefällt» heisst der erste Schritt «Du nimmst es dir» lautet der zweite. Und natürlich assoziiert «mann» mit dieser Aufforderung nicht das klein abgebildete Auto, sondern die sinnlich dreinblickende Schönheit. Man sagt ja, Männer hätten nur das eine im Kopf – offensichtlich gibt es solche, denen ist dadurch die Eigenschaft zu denken schlicht abhanden gekommen.

Maurice Motz


06.10.2003

Zum Weinen

Bernhard Theater - Zum Weinen

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Selten hat das Sprichwort so auf eine Kampagne zugetroffen, wie bei der Werbung für das Bernhardtheater in Zürich, welches als Humor-Tempel eine lange Tradition hat. Seit Jahrzehnten werden hier Lustspiele, Komödien und Schwanks, Musical sowie andere Darbietungen der leichten Muse aufgeführt, und tatsächlich haben die Mauern dieses Etablissements an einem Abend mehr Lacher vernommen als diejenigen des benachbarten Opernhauses Zeit seines Bestehens. Doch angesichts der neuen Werbekampagne für das Komiktheater kann einem das Lachen vergehen. Dabei wollten die Kreateure genau das Gegenteil: «Tun Sie mehr für Ihre Lachmuskeln» fordern die Werber die irritierten Passanten auf, und sie illustrieren das mit zwei abscheulich hängenden Truthahnwangen, welche eher zum Weinen, als zum Lachen animieren. An der Idee ist zwar durchaus etwas dran, aber die Umsetzung ist mehr als unappetitlich und möglicherweise gar kontraproduktiv: Bereits haben sich Leute dahingehend geäussert, auf Grund der Werbung einen grossen Bogen um das Theater zu machen. So weit wollen wir freilich nicht gehen. Wir empfehlen höchstens, einen Bogen um die Erfinder der Anzeige zu schlagen.

Maurice Motz

 


01.09.2003

Allzu bissig

Peugeot - Allzu bissig

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie von «Mähne», «Reisszähnen» und «Tatzen» lesen? Richtig, ein löwenartiges Raubtier. Ein kraftstrotzendes, gefährliches Biest, das nur darauf wartet, sich auf seine Beute zu stürzen. Und auch wenn ein Dompteur im Spiel ist, klingt die Beschreibung wenig vertrauenerweckend. Kommt dazu, dass die Aufnahme aus der Froschperspektive tatsächlich recht beängstigend wirkt. Wer in der Automobil-Werbung den Vergleich mit rassigen Raubkatzen wagt, hat wohl noch nichts davon gehört, dass gewisse Beamte in Brüssel Anzeigen für schnelle Autos längst auf die Fahndungsliste gesetzt haben. «Autos», so argumentieren sie, «sind gefährliche Geräte, die mit dem Tod von tausenden von Menschen im Zusammenhang stehen.» Aus diesem Grund wollen sie die Werbung inhaltlich überprüfen und allzu forsche Aussagen moderieren oder gar verbieten. Alles, was irgendwie das Matcho-Gehabe anspricht oder sonstwie über sachliche Information hinaus geht, soll in Zukunft nicht mehr erlaubt sein. Und vor allem soll die Sicherheit und nicht die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs im Vordergrund stehen. Inserate wie dieses fordern den Übereifer der Beamten förmlich heraus. Auch wenn die Idee kreativ sein mag, im Moment ist solche Werbung nicht eben opportun. Man kann nur hoffen, dass sie nicht auch in Brüssel zu sehen ist.

Maurice Motz

 


04.08.2003

Verpackung ist nichts

Verpackung ist nichts

Abgesehen davon, dass das fotografisch inszenierte Bild reichlich aufdringlich ist, kann ich auch sonst nicht viel Überzeugendes an der Anzeige feststellen. «Verpackung ist alles», schreiben die munteren Werber auf den sündroten Slip, der die Männlichkeit eines jungen Zeitgenossen mehr schamlos als schamvoll verhüllt. Und dann erklären sie, ohne rot zu werden: «Packungsdesign soll nichts anderes als das Werbeversprechen einlösen.» Mit Verlaub, ich dachte immer, die Werbung betreffe den Inhalt einer Verpackung und nicht diese selbst. Insofern habe ich Mühe, den Slogan nachzuvollziehen, denn gerade Verpackungen werden häufig zweckentfremdet, um einen Inhalt wesentlicher, wertvoller (oder grösser) erscheinen zu lassen als er wirklich ist. Nicht umsonst spricht der Volksmund ja von Mogelpackungen. Mit anderen Worten, die Verpackung gibt etwas vor, was in Tat und Wahrheit gar nicht existiert. Oder zumindest nicht in der vorgegaukelten Form. Insofern ist das gewählte Objekt, welches die Werber in schon fast unzüchtiger Weise gewählt haben, eigentlich relativ heikel. Denn auch wenn die Frage nach der Bedeutung der Dimension des Inhaltes eines Slips noch nie schlüssig beantwortet worden und häufig widersprüchlich ist: Mit der Verpackung allein ist es hier nicht getan. Im Gegenteil: Die Sache wird erst spannend, wenn die Verpackung fällt.

Maurice Motz

 

30.06.2003

BAG-Kampagne gegen das Rauchen

BAG Nichtrauchen

Sie ist durchaus ästhetisch fotografiert, die Kampagne des BAG, welche Raucher von ihrem Laster abbringen soll. Und die Aussage «Ich inhaliere jeden Tag Blei» hat etwas Beängstigendes. Bloss: Blei inhalieren tun Nichtraucher auch, immerhin enthält unsere Luft immer noch ordentliche Mengen des Schwermetalls. Und eine ganze Menge anderer Schadstoffe dazu. Dass Rauchen ungesund ist, weiss inzwischen jedes Kind. Dennoch will es, kaum kann es richtig gehen, bereits einen Glimmstengel zwischen die Lippen schieben. Motiviert durch Gleichaltrige, durch die Familie und durch anderen sozialen Druck. Die Angstmacherei ist demnach ziemlich verfehlt. Kommt dazu, dass moralisierende Kampagnen häufig das Gegenteil von dem auslösen, was sie tun sollten. Und im Prinzip tut das Plakat nichts anderes, als das kommunizieren, was auch auf der Werbung für Tabakprodukte steht:«Rauchen schadet ihrer Gesundheit.» Nur sind die Bildchen, die für Zigaretten werben, etwas gefälliger, lebensfroher und nicht so düster wie die BAG-Sujets, die dergestalt instinktiv zum Wegschauen animieren, sodass der Raucher und die Raucherin die Botschaft glatt verpasst. Gott sei Dank steht der Spruch auch noch auf dem Zigaretten-Päckli. Dort verpassen ihn die Paffer bestimmt nicht.

Maurice Motz

 

02.06.2003

Blonde Mähne

HP - Blonde Maehne

Den Werbern muss man es nicht klar machen denn sie wissen es, nehmen es gewissermassen mit der Agenturmilch auf: Der Konsument ist gehetzt, hat keine Zeit, sich mit einer Anzeige lange auseinanderzusetzen. Der erste Eindruck muss also haften, muss fesseln und vor allem in die richtige Richtung konditionieren. Die optische Anmutung einer kreativen Arbeit muss mich umgehend in die Welt des Produktes versetzen, und wenn ich an einem solchen interessiert bin, verharre ich auf der Seite. Ich lese vielleicht weiter und finde gar den USP des Produktes. Und was ist die Anmutung unserer Anzeige? Ich sehe blonde Locken mit ein paar rötlichen Mèches vorbeiflitzen und eine Kaffeemaschine. Oder so etwas Ähnliches. Erst das Logo der durchaus bekannten Firma zwingt mich zurückzublättern. Und siehe da, es geht weder um Blondinen noch um Kaffeemaschinen sondern um Farbdrucker. Schnell sollen die sein und unglaublich farbecht. Mag sein, bloss für mich als Laien besteht die Farbskala nicht bloss aus gelb und rot, da fehlen mir vor allem blau, grün und deren Derivate. Okay, vielleicht ist es trivial, einen Regenbogen als Symbol für Farbenvielfalt zu strapazieren, blonde Locken mit roten Mèches tuns aber sicher auch nicht. Oder bin ich vielleicht farbenblind?

Maurice Motz


09.05.2003

Originell aber unfunktionell

Hülsta - Unfunktionell

Ich muss zugeben, ich fühle mich nicht aktivlegitimiert für die Beurteilung dieser Anzeige. Als kinderloser Endfünfziger fehlt mir das nötige Verständnis für die real existierende Situation auf diesem idyllischen Familienbild. Das heisst freilich nicht, dass ich die Mängel der Werbung nicht verstehen würde, wenn mich jemand darauf aufmerksam macht, der oder die genau in selbiger Lebenslage steckt wie der junge Mann am Familientisch. Und die Informantin weiss, wovon sie spricht: Jeder und jede, der oder die ein kleines Kind sein eigen nennt und dieses zwecks gesunder Entwicklung mit dazu geeignetem Gerät ernährt, wird bestätigen können, dass dieser Fütterungsvorgang von etlichen kollateralen Immissionen begleitet wird, indem der Grossteil der für die Aufnahme geplanten Nahrung physikalischem Gesetz gehorchend auf dem Boden landet und sich daselbst innig mit dem Teppich-Gewebe vereint. Wer im Besitz derartiger Erfahrungen ist, wird – so behauptet meine Informantin – niemals einen derart flauschigen Teppich unter die neuralgische Stelle legen. Mit anderen Worten: Die Werber haben das Esszimmer zwar innenarchitektonisch geschmackvoll, aber total funktionsuntauglich eingerichtet. Offenbar haben die keine Kinder. Und damit keine Ahnung.

Maurice Motz


09.04.2003

Die fliegende Kuh

Mercedes - Fliegende Kuh

Weil ich kein eigentlicher Autofan bin und das vierrädrige Gerät eher als Fortbewegungsmittel denn als Imageträger einsetze, bin ich vielleicht nicht die adäquate Zielperson für die Anzeige der neuen Mercedes-C-Klasse. Da ich aber gleichzeitig Zeitungsleser bin und deshalb von der Werbung ebenfalls kontaktiert werde, mache ich mir halt so meine Gedanken zur werbemässigen Kommunikation. Und was seh ich im Inserat? Ein schnittiges Fahrzeug, flach wie eine Wasserschildkröte, mit dynamischer Ausstrahlung. Der dazu gehörende Text informiert mich folgendermassen: «Ein neues Bild von der C-Klasse. Jetzt mit Sportpaket, auch von AMG.» Na ja, viel sagt das nicht gerade aus, aber vielleicht reicht es für Autofans. Für die anderen gibt es im Inserat einen oberen Teil, auf dem man einen Strich erkennt, der mit «Kuh» angeschrieben ist. Offensichtlich handelt es sich um ein sehr schnelles Vieh, denn es ist als solches nicht zu erkennen. Auch ich kann natürlich die Assoziation zwischen «sportlich» und der rasenden Kuh nachvollziehen, bloss frag ich mich, wie lange man in der Autowerbung noch mit Tempo als USP wirbt. Denn eines scheint klar: Ob ich jetzt mit einem Sportflitzer 120 (oder, na ja, 130 Km/h) fahre oder mit einem älteren Familiengöppel – die Kuh fliegt genau gleich schnell vorbei. Oder hab ich da im Physikunterricht vielleicht schlecht aufgepasst?

Maurice Motz

 

09.03.2003

Zweierlei Heck

Seat - Zweierlei Heck

In Natura habe ich gegen attraktive Hinterteile rein gar nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Auch nicht gegen solche, die in Jeans stecken. Schon deshalb schaue ich natürlich (wie männiglich) auch hin, wenn man diesen an sich schon ausgesprochen gefälligen Teil eines weiblichen Körpers in einem Inserat zu sehen bekommt. Das muss irgendwie mit natürlichen Reaktionen zusammenhängen, welche uns selbst immer wieder überraschen. Umso grösser ist dann die Enttäuschung, wenn man feststellt, dass das Fudi in der Werbung schnöde mit einem Hinterteil eines Automobils verglichen wird. Nichts gegen kreative Einfälle, aber dieser ist eher einfältig. Ich bezweifle ernsthaft, ob der Durchschnittsbürger die Anlehnung an die Trendjeansmarke Diesel herstellt, nur weil auf dem Heck einer bestimmten Automarke irgendwelche Abkürzungen angebracht sind, die kund tun, dass das Gefährt mit dem Treibstoff Diesel läuft. Denn wie wir alle wissen, beschäftigt sich der Betrachter einer Anzeige nur wenige Augenblicke mit deren Inhalt. Und, Hand aufs Herz, denken Sie beim Betrachten dieses Sujets auch nur einen klitzekleinen Augenblick an eine Automarke?

Maurice Motz


09.02.2003

Schlicht zum überblättern

SonntagsZeitung - Ueberblaettern

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe im Büro rumgefragt, ob jemand diese Anzeige verstehe. Doch alle schüttelten den Kopf. Thomas meinte: «Ich hab sie gesehen und mich zehn Sekunden gefragt, was das denn soll, es war mir dann aber zu blöd, um weiter darüber nach zu denken.» Und Thomas ist ein Kommunikationsmensch. Ich frage mich, was Herr und Frau Schweizer am sonntaglichen Frühstückstisch aus den kommunikativen Hieroglyphen dieser Anzeige lesen. Was hat es mit dem Wachtjournal des Pzj Sdt Michel Wutz und der SonntagsZeitung auf sich? Was tut das zugegebenermassen attraktive Heck der jungen Dame auf dem Tagesbericht, verglichen mit dem sogar der Jahresbericht des Chüngelizüchtervereins nervzerreissend spannend ist? Oder ist am Ende gerade das der Witz: Sonntage sind dermassen langweilig, dass sogar eine SonntagsZeitung Unterhaltung bietet? Ich bin zwar kein Werber, aber müsste es nicht eigentlich umgekehrt sein? Sonntagszeitungen sind dermassen spannend, dass man sie sogar einem Sonntag voller attraktiver Höhepunkte vorzieht! Aber wie gesagt, ich bin ja kein Werber sondern Leser und muss deshalb die Anzeige auch nicht verstehen. Aber überblättern kann ich sie allemal.

Maurice Motz

 

09.01.2003

Campari - Knallrot daneben

Campari - Knallrot daneben

Es gibt Inserate, die sind unverständlich. Und es gibt solche, die sind blöd. Und dann gibt es noch die dritte Kategorie, die sind beides. Für mich sind jedenfalls die Gedankengänge, welche die Kreativen zur Erschaffung dieser Anzeige geführt haben, ziemlich abstrus. Das Label zeigt, dass es bei der Werbung um ein Getränk geht, das in Bars und ähnlichen Etablissements einen hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad aufweist (auch ich bin häufiger Konsument). Dass man mit werberischer Übertreibung die Flüssigkeit als «Red Passion» bezeichnet, ist angesichts der roten Erscheinung des Getränks durchaus akzeptabel und gehört zum kommunikativen Spiel. Was aber um Himmels Willen hat im Hintergrund die Frau im kleinen Schwarzen für eine Bewandtnis? So scharf, dass man nach dem Genuss gleich einen Feuerlöscher brauchen müsste, ist die Spirituose beileibe nicht. Bleiben also wohl nur irgendwelche sexistische Anspielungen als Erklärung übrig. Die sind aber offenbar von sehr hohem intellektuellem Anspruch, denn ich versteh sie nicht. Oder geht es am Ende bloss um die farbliche Verwandtschaft zwischen dem Getränk und dem roten Feuerlöscher? Dann hätte es keine Frau gebraucht. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, das Urteil bleibt dasselbe: unverständlich und blöd. Nicht einmal witzig sexistisch.

Maurice Motz

 

09.12.2002

Credit Suisse - Direkte Antwort

CS - Direkte Antwort

Im Moment haben es auch Banken schwieriger als auch schon. Die konjunkturelle Lage, das Börsen-Grounding, die miese Konsumentenstimmung und nicht zuletzt der Imageverlust ú all das schlägt den Geldinstituten auf den sonst so satten Magen. Da ist es nicht verwunderlich und durchaus legitim, dass sie sich mittels Werbung bei den Sparwilligen in Erinnerung rufen. Und am besten tut man das mit überzeugenden Argumenten wie attraktive Renditenchancen und gute Beratung. Und für einmal frägt eine Bank gar nach den Verbindlichkeiten, die ja bei pekuniären Investitionen eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Die Frage ist sinnvoll und erweckt den Eindruck, dass das Unternehmen sich ernsthaft um individuelle und ganzheitliche Lösungen bemüht. Bloss: Wer die Frage in einem Inserat aufwirft, muss damit rechnen, dass sie auch beantwortet wird. Und die Gefahr ist gross, dass die Antwort schlicht «Nein» heisst. Mich hat jedenfalls noch nie jemand nach meinen Verbindlichkeiten gefragt. Höchsten der Steuerbeamte, aber noch keine Bank. Auch nicht diejenige, die das Inserat aufgegeben hat. Dabei hab ich dort ein Konto. Könnte es sein, dass es zu klein ist?

Maurice Motz

 

09.11.2002

hp - Allzu menschlich

HP - Allzu menschlich

Mäuse okay, natürlich auch Enten oder Katzen, und es kann ausnahmsweise auch mal ein Hund oder ein Flipper sein, die man vermenschlicht. Das hat ja Tradition. Was wären Mickey Mouse oder Donald Duck ohne ihre menschlichen Charaktere, ohne ihre Schwächen und Ticks? Wie gesagt, da hab ich kein Problem damit, immerhin habe ich früher auch Comics verschlungen. Doch jetzt hat die Werbung die Vermenschlichung kalter Elektronik entdeckt. Es gibt ein Multitalent aus Kunststoff und Chips, das auch faxen, scannen und kopieren kann und das ausgesprochen menschliche Züge und Schwächen aufweist: Es ist ein Geniesser. Gegen die fachlichen Qualitäten des Apparats ist freilich nichts einzuwenden. Was mir aber nicht so recht gefallen will, ist die Art, wie das im Inserat kommuniziert wird: Das kühle Gehäuse mit ein bisschen Elektronik drin wird als menschlich fühlendes Objekt dargestellt, zu welchem man eine freundschaftlich-kollegiale, ja schon fast intime Beziehung pflegt. Immerhin teilt es das Bett mit der Testimonialgeberin. Ich kann mir nicht helfen, aber dem Umstand, dass der Drucker Party-Einladungen mit Schokoladenflecken produziert, kann ich nun wirklich kein überzeugendes Argument abringen. Schokoladeflecken als USP eines Druckers? Da hat wohl jemand etwas falsch verstanden.

Maurice Motz

 

09.10.2002

NZZ am Sonntag - Für den Versand

NZZ aSo - Fuer den Versand

«Für den Verstand und für die Sinne» heisst der Titel eines Mailings, das einer unserer Mitarbeiter kürzlich ins Büro zugestellt bekommen hat. Der Mann ist seit Jahren Abonnent der NZZ und damit auch Empfänger der NZZ am Sonntag. Gleichwohl hat man ihm freundlicherweise einen Brief geschickt, in welchem ein Probeabo des sonntäglichen Blattes offeriert wird. Das ist an sich durchaus legitim und hängt mit dem Bedürfnis nach viel Respons auf Grund ausgefeilter Adressbewirtschaftung zusammen, welche solche DM-Versände erst möglich machen. Doch just diese Datenbewirtschaftung ist es, die Anlass zu Rüge und dieser Kolumne gibt, denn auf dem Mailing sind sowohl der Vorname als auch der Familienname falsch geschrieben: Aus Piero wurde Reto, aus Schäfer Schafer. Diese relativ schlechte Trefferquote hat den Empfänger erstaunt und mir ein Sujet für die aktuelle Tomate geliefert. Gemäss Mailing-Titel geht es bei der NZZ am Sonntag um Verstand und Sinne. Vielleicht sollten sich die DM-Spezialisten mehr um den Versand kümmern.

Maurice Motz

 

09.09.2002

TCS - Elefantös

TCS - Elefantoes

Der TCS ist ein Club, der sich seit geraumer Zeit kommunikativ stark bemerkbar macht. Mittels TV-Spots und Printwerbung wird intensiv um Mitglieder geworben. Das ist natürlich legitim und auch nicht in Frage zu stellen. Und die Werber sind entsprechend gefordert. Um aufzufallen, ist ihnen jede kreative Idee recht, zum Beispiel die mit dem grimmigen Elefanten, der sich missmutig mit den Ohren fächelnd dem Automobil entgegenstellt. Wenn jetzt der Fahrer denken würde: «Gottseidank, ich bin ja TCS versichert», wäre das normal und durchaus vertretbar. Aber eben, nicht kreativ. Deshalb kam man auch auf die lustige Idee, dem Elefanten gewissermassen ein Testimonial zu entlocken. Oder besser gesagt unterzujubeln. Denn bei allem Respekt vor der hohen Intelligenz des Dickhäuters und der intensiven Werbekampagne des TCS ist nicht anzunehmen, dass das Rüsseltier schon je etwas von der Versicherung Auto TCS gehört hat. Und wenn, dann bleibt ihm die Firma in alle Zukunft als die Versicherung mit der persönlichkeitsverletzenden Werbung in Erinnerung. Denn eines weiss man: Elefanten vergessen nie etwas. Schon gar nicht, wenn man ungefragt mit ihnen Werbung macht.

Maurice Motz

 

09.08.2002

Elsève - Fettig statt frisch

Elseve - Fettig statt frisch

Michael Schumacher war auf dieser Homepage bereits einmal «Kommunikator des Monats». Er warb damals für die Schweiz. Ein nobles (wenn vielleicht auch nicht ganz uneigennütziges) Anliegen fand man, und bedachte ihn deshalb mit dem ehrenvollen Titel. Inzwischen ist der Michael Träger eines weiteren Titels: Kürzlich sicherte er sich die Weltmeisterschaft im Rumfräsen. Offenbar verdient der sonst ja sympathische Deutsche damit aber nicht genug Kohlen, er betätigt sich jetzt auch noch als Fotomodell. Und lässt sich dabei das dümmliche Testimonial entlocken: «Unschlagbar! Mein Haar bleibt länger sauber und frisch. Selbst bei extremsten Bedingungen.» Ich habe am Wochenende die Probe aufs Exempel gemacht und die Haarpracht des Formel-1-Piloten nach dem Rennen begutachtet. Nachdem der «Schumi» seinen Helm abgestülpt und den Feuerstrumpf vom Kopf gezogen hatte, sah er aus wie ein begossener Pudel: Seine Inserate-Locken jedenfalls waren weder frisch noch sauber, sondern verschweisst und fettig. Wie das in solchen extremsten Situationen bei jedem der Fall ist. Elsève hin oder her. Warum nur gibt sich ein solch bemerkenswerter Mann für sowas her? Wahrscheinlich weil er es sich wert ist.

Maurice Motz


09.07.2002

Bundesamt für Gesundheit - Hochprozentiges

BAG - Hochprozentiges

Eigentlich ist das Thema zu ernst, um Witze darüber zu reissen, aber da die Anzeigen im Moment überall zu sehen sind, hat sich vielleicht ausser mir auch sonst noch jemand über die abstrusen Sujets gewundert, welche da plakatiert sind. Im Prinzip geht es um Alkohol-Prävention. Dagegen ist weiss Gott nichts einzuwenden. Bloss, was um Himmels Willen bedeuten die klinisch anmutenden Gläser, in welchen die erstaunlichsten Gegenstände in vermutlich Hochprozentigem eingelegt sind? Da steckt doch zum Beispiel ein Klobesen in einem Glas, in einem anderen liegt ein Backenzahn und in einem dritten schwimmt ein Spielzeugauto. Was wohl wollen die Werber uns da mitteilen? Warnen sie davor, dass bei reichlichem Konsum des goldgelben Saftes das Delirium tremens eintritt, in welchem man Dinge halluziniert, die gar nicht vorhanden sind? Das wiederum ist nicht anzunehmen, denn in einem der Gläser schwimmt in aufrechter Haltung ein vermutlich menschliches Hirn. Das könnte immerhin versinnbildlichen, dass allzu viel Alkohol nicht gut ist für unsere geistige Kondition. Das ist verständlich und macht Sinn. Aber der Klobesen und der ausgerissene Zahn? Fast ist man geneigt anzunehmen, die Kreativen ihrerseits hätten etwas gar tief ins Glas geschaut bei der Konzeption dieser Kampagne. Prost.

Maurice Motz


09.06.2002

Panasonic - Widersprüchlich

Panasonic - Widerspruechlich

Die Geräte sind Klasse. Und vor allem sind sie im Trend: Wer fotografisch etwas auf sich hält, schafft sich heute eine Digitalkamera an. Und wie stets bei neuen Produkten, unterscheiden sich die einzelnen Marken letztlich vor allem durch das Marketing und die Kommunikation. Es gilt also aufzufallen im grossen Angebot der Neuigkeiten. Und Panasonic schafft das. Wenn auch eher unangenehm. Mit einem fiesen Spruch, den ich meiner Frau gegenüber nur applizieren würde, wenn sie bester Laune ist, wirbt das Unternehmen für die neue Kamera: «Sicher nichts für Frauenhände. Ausser beim Einpacken ins Geschenkpapier.» Das impliziert zweierlei: Die Handhabung der Kamera ist äusserst kompliziert und vor allem sind Frauen zu blond, um sie zu verstehen. Natürlich ist das sexistisch und diskriminierend und schon fast ein Fall für die Lauterkeitskommission. Warum nur fast? Weil Panasonic nicht nur dieses Inserat, sondern eine ganze Serie entworfen hat, und in der kommen auch die Männer schlecht weg: «Fast so einfach zu manipulieren wie ein Mann», heisst es in einer anderen Anzeige. Die Attacke auf die Geschlechter hebt sich also auf. Deshalb ist die Kampagne nicht diskriminierend. Aber widersprüchlich ist sie gleichwohl. Ist die Kamera jetzt leicht zu bedienen oder nicht?

Maurice Motz

 

09.05.2002

z. B. Dunlop - Adaptations-Ärger

Dunlop - Adaptations-Aerger

Gegen die Globalisierung kann kaum jemand ernsthaft etwas unternehmen. Sie ist ja auch nicht nur des Teufels. Und zurückdrehen lässt sie sich ohnehin nicht, auch wenn einige Chaoten Steine werfen. Auch die Werbung ist ja schon lange im Sog dieser Entwicklung. Da nennt man die Auswirkungen dann Adaptation. Es lohnt sich heute nicht mehr, in einem kleinen Land wie der Schweiz eine eigene Kampagne zu entwerfen, wenn es doch in der grossen weiten Welt bereits eine gibt. Ob das kommunikativ sinnvoll ist, lässt sich mit Fug und Recht bezweifeln, aber es wird halt seit langem so praktiziert. Und ist wohl günstiger. Die Schweizer Agenturen mutieren deshalb immer mehr zu Adaptationsbüros. Statt zu kreieren, passen sie das Artwork auf hiesige Verhältnisse an. Wie ungern sie diese Arbeit verrichten, zeigt die Lieblosigkeit, mit welcher sie ausgeführt wird: Niemand hat es in dieser Dunlop-Anzeige für nötig erachtet, das deutsche ß zu eliminieren, das bei uns dermassen unbeliebt ist. Vielleicht kam die Kampagne ja auch aus England oder Holland. Und dort foutiert man sich wohl noch mehr um lokale Sprachempfindlichkeiten. Es lebe die Globalisierung!

Maurice Motz

 

09.04.2002

KPMG - Falsches Symbol

KPMG - Falsches Symbol

Jeder, der schon einmal versucht hat, mittels Golfschläger einen kleinen weissen Ball in die Ferne zu befördern weiss, dass das ein äusserst schwieriges Unterfangen ist. Ärger und Frust über missratene Schläge dominieren bei weitem und die zwei drei gelungenen Drives entschädigen nur für kurze Zeit. Insgesamt ist Golf also kein glückliches Synonym für erfolgreich zu bewältigende Aufgaben, wie sie in unserem Inserat angepriesen werden: Da ist die Rede von erfolgreicher Restrukturierung, von Optimierung bei operativen, finanziellen, rechtlichen und steuerlichen Problemen. Lauter enorm anspruchsvolle Aufgaben, die man eher nicht mit einem kümmerlich verzogenen oder kläglich hoppelnden Abschlag vergleichen sollte. Im Moment scheint Golf aber für alles und jedes als Sujet dienen zu können. Hauptsache es hat mit Prestige zu tun. Da werden dann Texte seltsam verbogen, um einen Bezug zum grünen Sport herzustellen. Wie etwa die Frage: «Sind Sie sicher, dass am richtigen Handicap gearbeitet wird?» Das verstehe, wer will. Soll das etwa heissen, dass man nur den Inserenten engagieren muss, um dann selbst Golf spielen zu können? Dann wäre die Frage freilich falsch gestellt: Der Mann würde dann nämlich absolut am richtigen Handicap arbeiten, nämlich an seinem.

Maurice Motz

 

09.03.2002

ADSL

ADSL

Engpässe im Internet sind mühsam. Da hilft ADSL aus dem Stau. Das zumindest verspricht ein Inserat der aufgesetzten Art. Abgesehen davon, dass kein Mensch weiss, was ADSL heisst, müssen wir jetzt auch noch eine Kampagne über uns ergehen lassen, welche nicht nur an den Haaren sondern gleich einer vollen Mähne herbeigezogen ist. Zur Veranschaulichung der gesteigerten Form des Adjektives «schnell» werden plakative Vergleiche bemüht, welche reichlich abstrus sind: So versucht zum Beispiel ein Homeworker wertvolle Zeit dadurch zu gewinnen, dass er Spaghettis mit einem Bohrer in mundgerechte Portionen wickelt, und eine junge Frau streicht ihre Fussnägel mit einer Rolle, die normalerweise flächendeckend für Wände eingesetzt wird. Lustig nicht? Schneller geht das alles eventuell schon, bloss, was ist das Ergebnis? Die Spaghettis kleben, der physikalischen Kraft der Zentrifuge gehorchend, an Decken und Wänden, und der Fusslack wird grossflächig und rot auf der halben Extremität kleben. Was also schneller ausschaut, ist in Tat und Wahrheit nachhaltig umtriebiger. Auf ADSL übertragen heisst das, dass zwar die Verbindung schneller zustande kommt, dass man aber dann die Konsequenzen des fixeren Zugangs mit irgendwelchen Aufräumaktionen wieder einbüsst. Und das kann ja kaum der Sinn der Sache sein. Oder heisst ADSL gar am Ende: Aber Danach Surfts Langsamer?

Maurice Motz


09.02.2002

Posthotel St. Moritz - Kein Druckfehler

Posthotel St. Moritz - Kein Druckfehler

Das Wetter schlägt wieder einmal Kapriolen. Nachdem uns zuerst sibirische Verhältnisse das Blut in den Adern gefrieren liessen, spriesst jetzt bereits das Frühlingskraut. Dabei stecken wir kalendarisch noch tief im Winter. Das beweisen einerseits die Olympischen Winterspiele und anderseits ein Inserat aus dem Engadin, welches uns Unterländern mit dem Slogan «Schnee so weiss das Auge reicht», in die Höhe lockt. Das ist nun kein eigentlicher Druckfehler, sondern ein kreativer Werbegag. Insofern kann man das Ganze ja noch akzeptieren, und es würde auch nicht für die Verleihung der Tomate reichen, wenn da nicht noch die Tatsache irritieren würde, dass es im wunderschönen St. Moritzerland seit Monaten nicht mehr richtig geschneit hat und sich die Hänge neben den künstlich präparierten Skipisten farblich zwischen braun und grau präsentieren. Ich versteh ja, dass die Touristiker mit gewissen regionalen Vorzügen argumentieren, aber selbst zur Beschönigung neigende Werber sollten einsehen, dass dies heuer wirklich die falsche Headline ist. Vielleicht haben sie ja Glück und es kommt noch mal tüchtig schneien, dann zieh ich meine Motzerei zurück und behaupte das Gegenteil. So geht das!

Maurice Motz


09.01.2002

Sonntagszeitung - Unzeitgemäss

SoBli - Unzeitgemaess

Soeben habe ich bei minus 13 Grad schuhsolendickes Eis von meiner Windschutzscheibe gekratzt. Und die Wetterprognosen sind (zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen) eher arktistauglich denn mitteleuropäisch. Und dann find ich das in meiner Lieblingszeitung. Ein gänzlich hüllenloser, leicht echauffierter Mann, dessen primäres Geschlechtsorgan von einem Feigenblatt in Form einer Sonntagszeitung bedeckt wird. Und das Inserat verspricht «mehr Lebenshilfe» und «mehr Sonntag». Vielleicht ist mein Hirn bei den herrschenden Temperaturen eingefroren, aber ich kann mir aus der seltsamen, jahreszeitlich anachronistischen Szene keinen Reim machen. Was will uns das Inserat sagen? Was treibt der bis zu beiden Ohren grinsende Mann da mit dem Medium? Und welches ist der versprochene lebensunterstützende Nutzen? Kommt der Mann vielleicht grad von einem Nacktbad und hat zwecks Schutz seiner Intimität die lebenshelfenden Dienste einer Zeitung in Anspruch genommen? O.k., das würde Sinn machen, aber doch nicht um diese Jahreszeit, in der selbst Eisbären Ohrenklappen tragen. Und überdies: Bei diesen Temperaturen hätte wohl auch eine Briefmarke zur Bedeckung der kritischen Zone gereicht.

Maurice Motz


09.12.2001

Sony Ericsson Mobile - Übertrieben

Sony Ericsson Mobile - Uebertrieben

Wir alle wissen, dass Werbung nicht reine und spröde Information sein kann. Kein Mensch würde ein Auto kaufen, das bloss mit technischen Details angepriesen wird. Grosszügiger Hubraum allein oder ein Vierradantrieb lassen das Herz noch nicht höher schlagen. Seit langem setzen die Kommunikationsspezialisten deshalb auf Emotionen. Es kommen Gefühle ins Spiel, welche dem Produkt einen gewissen Reiz verleihen, es attraktiv und verführerisch machen. Bei gewissen Gegenständen ist das freilich gar nicht so einfach. Handys, diese stets zur Unzeit störenden Taschenflegel, strahlen per se noch nichts besonders Charmantes aus. Sie sind technische Wunderwerklein, welche Kommunikation aufdrängen, wo meist keine nötig ist. In unserem Beispiel haben die Werber jetzt besonders happig zugelangt. Die wollen uns weismachen, dass man ihre Handvoll Chips und Tasten auch in eindeutig zweideutigen Situationen nicht aus der Hand legt. «Sie werden es nicht mehr loslassen», wird da behauptet, was nun tatsächlich massiv übertrieben ist. In solch romantischen Momenten werden Hände zum Tasten nicht für Tasten eingesetzt.

Maurice Motz

 

09.11.2001

Hugo Boss (Schweiz) AG - Schlicht Pech

Hugo Boss - Schlicht Pech

Vermutlich war es einfach Pech. Mitten in einer Reportage über den Kampf gegen Milzbrand war dieses Inserat platziert. Vorne rechts, wie es von Werbetreibenden immer gefordert wird. Und im dramatischen Bildbericht aus dem gebeutelten Amerika sah man lauter Männer in gelben Schutzanzügen aus Plastik mit Masken und Handschuhen. Auf einem Bild spritzten sie sich gegenseitig ab, um ja eine Kontamination mit den tödlichen Bakterien zu vermeiden. Wie gesagt, es war wohl einfach Pech, dass das Inserat von Hugo Boss mitten in diesem aufwühlenden Artikel platziert wurde. Dennoch werde ich nicht schlau aus der Kreation. Was um Himmels willen tut der junge Mann in seinem grauen Plastikanzug? Es sieht doch so aus, als würde er abgespritzt. Mir ist jedenfalls kein Regenwetter bekannt, bei welchem Wasser derart gebündelt zu Boden prasselt. Oder steht er unter einem Wasserfall? Was will uns das Inserat sagen, respektive verkaufen? Vermutlich geht es tatsächlich einfach darum, einen neuen gestylten Regenschutz in dezentem Grau für besonders nasse Tage darzustellen, und wäre die Anzeige nicht just neben der Anthrax-Geschichte publiziert worden, hätte es keine unschönen Assoziationen gegeben. Ich sags ja, vermutlich war es einfach Pech. Und das ist in diesem traurigen Herbst nicht weiter überraschend.

Maurice Motz

 

09.10.2001

Publicitas Léman - Eine Formel, die irritiert

Publicitas Léman - Eine Formel die irritiert

«Mit Top 3 voll ins Ziel… 579’000 Romands mit einem Schlag getroffen.» Wer sich im Moment solcher Ausdrücke befleissigt, zeichnet sich nicht gerade durch übermässige Sensibilität aus. Gewiss, es handelt sich um einen Comic, und beim Treffen geht es darum, dank eines Inserate-Kombis eine möglichst hohe Reichweite mit Anzeigen zu erreichen: «Top 3... eine Formel, die funktioniert.» Dennoch: Der Zeitpunkt für derartig martialische Formulierungen ist ausgesprochen schlecht gewählt. Zumal auf einem Bild deutlich eine Explosion erkennbar ist. Ich kann mir zwar vorstellen, dass diese etwas kindliche Art der Kommunikation bereits vor Wochen oder gar Monaten entworfen, gezeichnet und abgesegnet worden ist, lange bevor am 11. September das Grauen die Welt erschütterte, und vielleicht bin ich auch ein wenig empfindlich, aber als ich dieses Inserat sah, war ich erheblich schockiert und die Formel, die angeblich funktioniert, hat mich höchstens irritiert. Etwas mehr Sensibilität im Umgang mit Anzeigen dürfte nicht schaden, zumal wir nicht wissen, wann wieder zugeschlagen wird. Wenn Fernsehstationen ganze Programme ändern und Zeitschriften ihre Titelstories umschreiben können, sollte es auch Werbern möglich sein, innerhalb von zwei Wochen ein Sujet auszuwechseln.

Maurice Motz

 

09.09.2001

Viva-Swizz - «Frösteln?»

Viva Swizz - Fröstlein?

O.K., ich gehöre nicht exakt in die Zielgruppe der Jugend-Musik. Hie und da bleib ich aber beim Zappen schon auf einem dieser Kanäle hängen und ergötze mich dann an den jungen und schönen Menschen und deren elastischen Darbietungen. Ausserdem mag ich trotz fortschreitenden Alters die Musik. Klar, dass auch diese Sender ein wenig Werbung brauchen. Vor allem in der Werbefachpresse, weil diese ja von den Werbern gelesen wird. Und dort fand ich auch dieses Inserat, das mich doch erheblich ratlos gemacht hat. Ein offensichtlich übermüdeter Businessmann und ein bereits ins Jenseits gedrifteter Lebloser stellen die Protagonisten der Anzeige dar. «Chillen?» frägt man mich und andere Betrachter des Werks und hofft auf eine Buchung. Nehme ich jedenfalls an. Laut meiner Kenntnisse im Angelsächsischen bedeutet der Text in etwa: «Frösteln?» Der Aufgebahrte mag ja cool gewesen sein, frösteln wird er in der gegenwärtigen Verfassung kaum mehr, und warum der leicht erschöpfte Yuppie unterkühlt sein soll, ist mir auch schleierhaft. Aber eben, ich bin ein Grufti und muss von derlei Dingen ja nichts mehr verstehen. Dass mir die Werbung nicht gefällt, erlaub ich mir dennoch zuzugeben. P.S.: Die Jungen in unserem Büro haben sie auch nicht verstanden.

Maurice Motz

 

09.08.2001

Swisscom - Zur falschen Zeit

Swisscom - Zur falschen Zeit

Eigentlich gehört diese Anzeige eher in die Rubrik «Pleiten, Pech und Pannen», denn inhaltlich gibt es am Inserat nichts zu meckern. Es ist nur zur falschen Zeit erschienen. Man erinnert sich: Am 27. Juli war das Swisscom-Mobilnetz für zehn Stunden zusammengebrochen. Informationen mit höchstem Dringlichkeitswert wie die Mitteilung, man sei jetzt grad auf dem Heimweg oder man habe soeben vom Tram aus die neue Freundin des Nachbarn erblickt, blieben im Aether oder sonstwo stecken. So weit so schlecht. Nach der erzwungenen und 30 Millionen Franken teuren Pause gings bald wieder wie gehabt und im üblichen Blabla weiter. Die Panne löste bei den Medien freilich emsige Betriebsamkeit aus: TV und Zeitungen machten den unliebsamen Unterbruch zum Titelthema. Nur die Werber, die verschliefen das Ereignis kläglich. In der gleichen Ausgabe wie die Pannenmeldung pries Swisscom unentwegt SMS zum halben Preis an. Mit dem notorischen Text: «Sind Sie auf dem richtigen Netz?» Eine Frage, die aus aktuellem Anlass wohl manchen zum Nachdenken angeregt haben mag. Da stellt sich vielmehr die Frage: War es den Werbern tatsächlich nicht möglich zu reagieren? In der gleichen Zeit, in welcher die Journis Titelstories samt Kommentar und Interviews und TV-Beiträge produzierten, hätten sie ja auch ihrer vielgerühmten Kreativität freien Lauf lassen oder wenigstens die kompromitierende Frage streichen können. Deshalb: Tomate.

Maurice Motz

 

09.07.2001

Honda - Untauglicher Vergleich

Honda - Untauglicher Vergleich

In einem E-Mail bin ich kürzlich als Mann gerügt worden, der Probleme mit dem Sex habe, nachdem in dieser Rubrik verschiedentlich sexistische Inserate kritisiert worden sind. Der Mann wird sich jetzt erneut ärgern, denn ich hab wieder eines entdeckt. Es gehört in die Kategorie «muss denn das sein?» und zeigt eine atemberaubend schöne junge Frau, die verführerisch lächelnd und eines ihrer wohlgeformten Beine zeigend, für ein Auto wirbt. Mein Gott, sind wir immer noch nicht weiter? Wenn den Werbern wirklich nichts mehr einfällt, verfallen sie auf die kümmerliche Idee, ein Auto mit einer attraktiven Gestalt weiblichen Geschlechts zu vergleichen. Betrüblich ist das. Gewiss, das Auto sieht sehr ordentlich aus und erfüllt durchaus hohe ästhetische Ansprüche, verfügt es aber über keinerlei andere Vorzüge, die man kommunizieren könnte? Da kann man sich bloss fragen, ob es nun an Kreativität, der Marketingidee oder am Briefing mangelt. Wie auch immer, das Ergebnis ist ernüchternd und ärgerlich. Jetzt unterstellt mir der E-Mail-Schreiber wohl wieder, ich hätte Probleme mit Sex oder dem anderen Geschlecht, dabei hab ich bloss Probleme mit solch unorigineller Werbung.

Maurice Motz

PS: Ich fahre ein Auto derselben Marke.

 

09.06.2001

Interprofil - Ästhetik oder Information?

Interprofil - Ästhetik oder Information?

Ein wenig ist es ja wie mit der Religion oder der Frage, ob man nun auf einem PC rumhackt oder einem Mac. Zwei Ideologien eben. Und die Anhänger beider Glaubensrichtungen vertreten vehement ihren Standpunkt. Übertragen auf die Werbung lautet die Frage: Welches Inserat verkauft besser? Das prononciert ästhetische oder das mit möglichst viel Information bestückte. Natürlich gibt es Unterschiede. Branchenspezifische und andere, aber in unserem Beispiel, wo Ästhetik eine nicht unbedeutende Rolle spielt, scheint doch ein Missverhältnis zugunsten der Information stattgefunden zu haben. Schön nach aufsteigenden Postleitzahlen wurden da über 40 Verkaufsstellen aufgelistet, wo obiges Sitzgerät, ein Sofa namens Sydney, käuflich erworben werden kann. Das Kleingedruckte ist hier aber nicht klein gedruckt, sondern dominiert die ganze Anzeige in penetranter Form und dergestalt, dass man das Sofa fast nicht mehr sieht. Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, dass all die Geschäfte irgendwie erwähnt sein wollen, aber im Zeitalter des Internets hätte es wohl genügt, eine www-Adresse mit den entsprechenden Angaben anzufügen und im übrigen das Sofa für sich sprechen respektive wirken zu lassen. Sydney hätte ein ansprechenderes Inserat verdient.

Maurice Motz

 

09.05.2001

Fust Küchen - Stark daneben

Fust Küchen - Stark daneben

Liebe – so heisst es – geht durch den Magen. Früher war das geschlechtsspezifisch relativ klar definiert: Frauen bekochten ihre Göttergatten und sicherten sich dergestalt deren Zuneigung. Heute ist alles anders: Moderne Frauen mögen es, wenn ihre Partner die Kelle schwingen und ihnen auserlesene Köstlichkeiten servieren. So weit, so gut. Weil Kochkünste meist in Küchen zum Tragen kommen, liegt es nahe, dass Hersteller solcher Arbeitsstätten obige Tatsache kommunikativ nutzen und bildhaft darstellen. Die Fust-Werber kamen dabei auf die starke Idee, nicht einen gewöhnlichen Koch an den Herd zu stellen, sondern den Europameister im Bodybuilding, dessen Muskeln das Koch-Equipment mit grosser Leichtigkeit handhaben lassen. Der Mann ist von der Physiognomie her aber total unbekannt. Zwecks Erkennbarkeit liess man ihn deshalb oben ohne Textilien dafür mit erheblichem Muskelbefall an die Platten treten. So lässt sich dann auch gleich ein werbewirksames Wortspiel kreieren: «Mariano Villena, ein starker Fust-Küchenplaner». All das ist schon reichlich aufgesetzt, dass sich dann aber noch eine elegante Dame in Abendrobe auf Marianos breite Schulter stützt, ist zuviel des Guten. Da gibt’s nur ein Urteil: Stark. Aber stark daneben.

Maurice Motz

 

09.04.2001

Gucci - Verantwortungslos

Gucci - Verantwortungslos

Erst wenige Wochen ist es her, seitdem ein junger Mann in Unterseen im Kanton Bern von gleichaltrigen Skinheads brutal zu Tode geprügelt, ja eigentlich hingerichtet worden ist. Die Medien waren voll davon: Eine Welle der Empörung und des Unverständnisses schwappte durch das Land. Beamte und Psychologen, Politiker und Lehrer meldeten sich zu Wort, und die Öffentlichkeit nahm mit Bestürzung zur Kenntnis, dass auch in geordneten, bürgerlichen Verhältnissen jene Saat spriesst, die im letzten Jahrhundert für die abscheulichsten Taten seit Menschengedenken verantwortlich ist. Was auch immer junge, fehlgeleitete Menschen dazu bewegen mag, dem Irrsinn dieser übelsten aller Ideologien zu verfallen, absolut unverständlich ist es, wenn jemand Symbole dieser Bewegung für Kommunikation einsetzt. Gewiss, heute tragen viele junge Männer die Haare kurz und sind dennoch keine Skinheads, doch die Darstellung mit dem muskelstrotzenden, nackten Oberkörper, dem Gewalt symbolisierenden Kraftband am Handgelenk und dem süffisanten und abschätzigen Gesichtsausdruck strahlt alles andere als die Attitude eines harmlosen Gymnasiasten aus. In einer Zeit, in der Rechtsradikalismus bedrohlich zunimmt, ist es schlicht fahrlässig, um nicht zu sagen verantwortungslos, Skinheads zu Kultstatus empor zu stilisieren. Auch wenn es ästhetisch ansprechend geschieht.

Maurice Motz

 

09.03.2001

Siemens - Simplifizierung

Siemens - Simplifizierung

Ich hab ja nichts gegen eine klare Message. Eine ohne Schnörkel, ohne «von hinten rum ins Auge», sondern eine, die schlicht, direkt, verständlich ist. Doch alles hat seine Grenzen. Wenn eine Kampagne dermassen einsilbig daher kommt, dass man infolge Simplifizierung der Message gar nicht mehr mitkriegt, worum es denn überhaupt geht, dann stimmt etwas nicht mit der Idee. «Spiel dem Tag ein Lied» fordert die Anzeige unverblümt auf, und zu sehen ist ein pfeifender, junger Mann mit geschlossenen Augen sowie ein Handy mit Kopfhörer. Was, frag ich mich, wollen uns der Werber und der Inserent mitteilen? Ist das jetzt ein Radio in Handyform oder ein Handy als Radioempfänger? Beim heutigen ungestümen Innovationstempo würde das ja niemanden überraschen. Oder ist’s kein’s von beidem? Leider hilft auch die www.adresse, welche zwecks Informationsvertiefung abgedruckt ist, nicht weiter: Auf der Homepage findet man drei Handys: Die Modelle SL 45 und S40 sowie das M 35i, und alle weisen eine eindrückliche Palette von Eigenschaften auf wie Organizer, Diktiergerät, Uhr, Taschenrechner, Zubehör für SMS, Fax, E-Mail und was sonst das Handy-Herz begehrt, nur ein telefonischer Apparat für Musik ist nicht darunter. Aha, das Ganze ist also symbolisch gemeint. Nur leider versteh ich die Symbolik nicht, das Einzige, was mir stets in den Sinn kam, war der Titelsong aus Sergio Leones Film «Spiel mir das Lied vom missglückten Inserat». Oder so ähnlich.

Maurice Motz


08.02.2001

Feller-Dosen - Mogelpackung

Feller-Dosen - Mogelpackung

Es gibt Produkte, die haben von Natur aus eine sexy Ausstrahlung. Zarte Dessous etwa oder schnittige Sportwagen, duftende Parfüms oder die Sportdresses der Venussisters. Und es gibt andere. Eine Büroklammer oder eine Käseraffel überzeugen eher durch ihre Funktionalität als durch ihre erotische Erscheinung. In diese Kategorie gehörten bisher eigentlich auch Steckdosen. Sie wurden, da eher unscheinbaren Charakters, meist möglichst unauffällig im Wohnraum integriert. Weiss auf weisser Wand, um optisch diskret im Umfeld abzutauchen und die Inenneinrichtung nicht zu beeinflussen. Doch jetzt wird alles anders: Plötzlich emanzipieren sich die kleinen viereckigen Dinger, treten selbstbewusst und farbig auf, und weil das kommunikativ noch nicht für eine Story reicht, werden sie als Katalysatoren für intime Bettgeschichten dargestellt. Bei allem Respekt vor der Funktionalität des Gerätes und der Kreativität der Werber, das scheint mir nun wirklich ein wenig an den Haaren herbeigezogen zu sein. Ebenso gut könnte man einer Büroklammer intime Bettgeschichten andichten, nur weil sie vielleicht einmal einen Liebesbrief zusammenheftet.

Maurice Motz

 

08.01.2001

Nespresso - Theatralische Arroganz

Werbekampagnen, die in einem Land entworfen und realisiert werden, passen nicht in jedem Fall und überall hin. Noch gibt es ja trotz Globalisierung (glücklicherweise) Unterschiede zwischen Regionen und Mentalitäten. Es ist deshalb unsinnig, eine Kampagne, die aufgrund von knallharter Marktforschung zum Beispiel in New York entstanden ist, tel quel auf Sizilien oder das Appenzellerland umzumünzen. Das ist zwar bekannt, wird aber immer wieder vergessen oder verdrängt. Der junge Mann, der seit kurzem im TV theatralisch um nicht zu sagen süffisant für Nespresso-Kaffeemaschinen wirbt, ist so ein Fall: Es mag ja sein, dass im Ursprungsland des Spots diese kaltschnäuzige Art gut ankommt, dass man es dort goutiert, wenn jemand von oben herab seine Message durchgibt. So im Sinne von «je höher, desto besser». Bei uns aber kommt sowas gar nicht gut an. Im Lande Tells mag man es nicht, wenn die Hüte zu hoch hängen. Und vor allem ist man hier ziemlich allergisch auf grossmäulige Arroganz. Kommt dazu, dass der Werbefilm ausgesprochen häufig ausgestrahlt und deshalb seine negative Wirkung potenziert wird: Wer ihn sieht, zappt gleich weg. Was insofern bedauerlich ist, als der Espresso aus dieser Maschine tatsächlich der beste ist. Nur werden das die Wenigsten erfahren, denn der Spot vereitelt einen wohlwollenden Kontakt mit dem Produkt.

Maurice Motz

 

08.12.2000

RTL - Sprachlos

RTL - Sprachlos

Der Grund, warum gerade dieses Inserat meinen Unmut entfacht hat, ist etwas komplex. Nicht, dass mich die Grafik stören würde oder die auf das Minimum reduzierte Aussage, werbetechnisch sind die schon o.k., mich hat etwas anderes irritiert: Ausgerechnet am besinnlichsten aller Feiertage soll also unser Land in die Glotze äugen. Sich Chips kauend verlustieren mit irgendwelchen Plastikserien oder orwellschen Enthüllungs-Peinlichkeiten. Sind wir tatsächlich bereits dermassen sprach- und gedankenlos und von uns selbst gelangweilt, dass uns nur noch der grosse Bruder in Stimmung halten kann? «Weihnachten ist gerettet» verspricht das Inserat und symbolisiert die Verheissung mit einem Rettungsring. Wahrlich eine optimal reduzierte Headline. Und sie passt vorzüglich in den Kontext einer aufrüttelnden Meldung: Eine internationale Studie hat enthüllt, dass die Schweiz in Sachen schulische Bildung in der Rangliste der wichtigsten Industrienationen immer weiter nach unten rutscht und nur noch knapp im ersten Dutzend figuriert. Und unser Inserat reflektiert wohl bloss eine nicht nur betrübliche, sondern auch verhängnisvolle Entwicklung. Neil Postmans buch «Wir amüsieren uns zu Tode.» ist also alles andere als Schnee von gestern, sondern aktueller denn je. Jetzt sogar an Weihnachten.

Maurice Motz

 

08.11.2000

Sinalco - Nicht dasselbe in Gelb

Sinalco - Nicht dasselbe in Gelb

Wann haben Sie das letzte Mal in einen Küchenschwamm gebissen? Einen gelben nota bene? Noch nie? Dann müssen Sie das schleunigst nachholen, denn nur so können Sie feststellen, wie die Limonade mit dem wohlklingenden Namen Sinalco nicht schmeckt. Dies zumindest ist die eigentümlich und verwirrliche Logik einer Werbekampagne, die inseratemässig und Mittels Plakaten verbreitet worden ist. Zugegeben, sehr einfach kann es nicht sein, ein Mineralwasser im übersättigten Markt zu positionieren. Da muss man halt einmal andere Wege gehen und versuchen, die Aufmerksamkeit Mittels USP plakativ auf sich zu ziehen. Dennoch habe ich etwelche Mühe, den strategischen Entscheid nachzuvollziehen, der hier gemacht worden ist. Es handelt sich hierbei um einen klassischen Fall eines simplifizierenden, negativen Umkehrschlusses. Besagt wird, dass das genannte Wasser eben anders und zwar besser schmeckt, als ein gelber Schwamm, respektive ein gelber Strumpf. Welch verblüffende Feststellung. Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Höchstens dies: Nicht alles, was wie eine Idee daher kommt, ist auch wirklich eine.

Maurice Motz

 

08.10.2000

Swisscom-Kundenaktion - Voll daneben

Swisscom-Kundenaktion - Voll daneben

Manchmal gehen Dinge voll daneben. Oder laufen einfach nicht so, wie man möchte. Unter das Kapitel «kommunikative Panne» ist als praktisches Beispiel eine aktuelle Aktion der Swisscom einzureihen, die genau das Gegenteil von dem bewirkt hat, was sie hätte sein sollen: eine Kundenbindung. Um sich bei treuen Mobile Abonnenten zu bedanken, offerierte die Swisscom Letzteren ein «besonders vorteilhaftes Handy-Angebot». Dies geschah per Telefon, was in Anbetracht des Absenders zweckdienlich ist. Interessent A. outete sich als solchen und bestellte eine Offerte für ein bestimmtes Modell, ein Nokia 7110 für Franken 198.–. Nach vier Tagen erkundigte sich Interessent A. bei der entsprechenden Stelle nach der Offerte und erhielt die Auskunft, leider sei keine solche vermerkt, man stelle aber umgehend eine neue aus. Wiederum vier Tage später und immer noch offertenlos fasste A. nach und bekam zu hören, dass der Vertrag unterwegs sei. Leicht verärgert und nach der Lektüre einer Werbung von Marktpartner diAx, beschied A. dass er auf das Handy von Swisscom verzichte, er möchte es nämlich erstens nicht in der einzig verfügbaren Farbe grün, und zweitens werde dasselbe Gerät von diAx für Neukunden ebenfalls feil geboten. Und zwar in diversen Farben und für Franken 0 (null). Seither hat Swisscom einen Mobile-Kunden weniger.

Maurice Motz


08.09.2000

Radio 105 - Verständnislos

Radio 105 - Verständnislos

Mitunter frägt man sich schon, was in den Hirnwindungen gewisser Werber vor sich geht. Betrachten Sie doch einmal dieses Inserat, und sagen Sie mir dann, ob Sie schlau daraus werden. Eine junge, leicht verstimmt wirkende Frau beurteilt da offensichtlich die Erfahrungen mit ihrem Ex-Freund und mit dem neuen Lebensabschnittpartner: Den bisherigen qualifiziert sie mit «10 Minuten» ab, den Neuen mit «25 Zentimeter». Abgesehen davon, dass sogar der Volksmund weiss, dass man Birnen nicht mit Äpfeln vergleichen kann, es also wenig Sinn macht, eine zeitliche Dimension einem Längenmass gegenüber zu stellen, frage ich mich unentwegt, was die junge Dame denn nun mit ihrer Aussage rüberbringen will. Sollte es sich tatsächlich um anzügliche Feststellungen handeln? Brachte es der Ex beim Liebesspiel auf bescheidene zehn Minuten, und verfügt der Neue über eine dermassen beeindruckende Ausstattung geschlechtsspezifischer Gerätschaft? Hony soit qui mal y pense. Vermutlich spricht die junge Dame ja von etwas ganz anderem, denn ihr reichlich betrüblicher Gesichtsausdruck lässt nicht auf höchste Befriedigung, in welchem Sinne auch immer, schliessen. Vielleicht handelt es sich bei der ganzen Sache ja auch bloss um ein Zahlenspiel, denn unten im Inserat erfährt man, dass das Girl den Lieblingssound bei Radio 105 reinzieht. Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, was die Zahlen 10, 25 und 105 für eine Bewandtnis haben. Ich sags ja, gewissen Gedankengängen kann ich einfach nicht folgen.

Maurice Motz


08.08.2000

James - Orwell’sche Phantasie

James - Orwell'sche Phantasie

Es sieht aus wie ein Kühlelement und nennt sich James. Was dessen verwandtschaftliche Nähe zu einem Butler impliziert. Und ein solcher ist es denn auch. Irgendwie. Denn James ist ein virtueller Butler, gewissermassen ein elektronisches Hirn, das alles überwacht, was es so in einem Haushalt zu überwachen gibt. Zum Beispiel, dass die Katze wieder einmal das neue Sofa mit einem Krallenbrett verwechselt. Solches und mehr verpricht der kleingedruckte Werbetext, den wohl nur diejenigen lesen, die aus der Überschrift «Zeigt Ihnen, wer die Blumen mit der anonymen Karte gebracht hat» klug geworden sind. Und davon gibt es ausser vielleicht dem verstorbenen George Orwell, dem ersten Warner vor dem gläsernen Menschen, und einigen superschlauen Kids, welche statt ins Ferienlager ins Prättigau ins Pentagon jetten, um dort spielerisch militärisch relevante Computerpannen zu beheben, wohl nicht eben viele. Gut, man kann sagen, eine unverständliche Überschrift animiere zum Weiterlesen, man will sich ja schliesslich nicht eingestehen, dass man kein Wort verstanden hat. Aber ich nehme an, dass auch diese Zielgruppe relativ bescheiden ist, zumal man auch nachher nicht viel klüger ist. Ich habs dann noch unter der Internetadresse versucht. Und tatsächlich kann man da am Modell erfahren, was denn nun dieser Butler alles kann und können soll. Und ich sags Ihnen gleich direkt: Auf diesen elektronischen Überwachungs-Klimbim kann ich verzichten. Und andere wohl auch. Insofern spielt es auch keine Rolle, wenn das Inserat unverständlich ist.

Maurice Motz


08.07.2000

Siemens - Erstaunliche Dramaturgie

Siemens - Erstaunliche Dramaturgie

Es gibt Kampagnen, bei welchen man zwar ahnt, worum es gehen könnte, und man verweilt auch einige Augenblicke, um die tiefere Aussage der Message zu ergründen, doch wenn man dann verständnismässig nicht fündig wird, blättert man flugs um. Zappt gewissermassen printmedienmässig weg. Um eine solche Anzeige handelt es sich im vorliegenden Fall. Der Aufbau ist insofern verschwommen, als bereits die bildhafte Umsetzung Fragen hinterlässt. Die in leichter Unschärfe sich sonnende junge Dame im Vordergrund ist zwar in selbigem (eben im Vordergrund), spielt aber scheinbar eine Nebenrolle. Deshalb wohl die Unschärfe. Trotz untergeordneter Rolle ist die Dame aber die aktive Person im Bild. Sie telefoniert. Und unten im Textbalken kann man nachlesen, was sie sagt: «Die ersten Ferien seit 3 Jahren. Und dich interessiert nur, wie die Präsentation lief» motzt sie in den seltsamen Hörer. Erst beim zweiten Blick (so man denn einen solchen investiert) erkennt man, dass es sich beim Hörer um einen Schnorchel handelt und die Dame gar nicht telefoniert. Die Aussage ist also an den zwar bildmässig scharfen aber autistisch in sich gekehrten jungen Mann gerichtet, der sich offensichtlich nur für die Message auf einem unsichtbaren Gerät kümmert. Und die lautet: «Adrian, Meeting war super! Schöne Ferien!» Jetzt wo ich die Dramaturgie des Auftritts verstanden habe, taucht eine andere Frage auf: Wenn E-Mail doch so eine tolle Sache ist, und die Message dermassen kurz, kann ich nicht nachvollziehen, warum diese vielleicht eine Minute dauernde interaktive Tätigkeit die ersten Ferien seit 3 Jahren versauen soll.

Maurice Motz


08.06.2000

Microsoft - Deutsch und deutlich

Microsoft - Deutsch und deutlich

Wenn mich meine durchaus akzeptablen Englischkenntnisse nicht täuschen, dann heisst die Headline dieser farbenfrohen Anzeige sinngemäss «Im Leben muss es Besseres geben als dies.» Zugegeben, es ist nicht jedermanns Sache annähernd schwerelos in der phantastischen und entrückten Unterwasserwelt zu schweben und dabei in einer unbeschreiblichen Szenerie einer schier unerschöpflichen Vielfalt an Tieren, Pflanzen, Farben und Formen zu schwelgen. Zugegeben, für diese zwei, drei Ignoranten, die das verabscheuen oder solche, die Angst vor der Tiefe haben, mag das Inserat, das scheinbar als Imagekampagne für einen Job bei Microsoft gedacht ist, ja durchaus angehen. Für alle anderen, die fasziniert sind von dieser einmaligen Atmosphäre im Meer, wo man nicht nur Alltagssorgen vergisst, sondern auch Abstand gewinnt zur Arbeitswelt und ihrem Stress, muss das Werk wie ein Hohn wirken. Wollen die Werber einem tatsächlich weis machen, ein Job in einem engen, überstellten Büro mit grantigen Kollegen und einem rüpligen Vorgesetzten sei eine bessere Welt als die abgebildete? Bei allem Respekt, aber wer den Mund derart voll nimmt, kann nicht für voll genommen werden. Vielleicht hab ich ja auch einfach alles falsch verstanden, weil meine Englischkenntnisse eben doch nicht ausreichen, um Werbung in dieser Sprache zu begreifen. Aber dann kriegt die Kampagne erst recht eine Tomate, denn immerhin spricht man bei uns immer noch deutsch.

Maurice Motz

 

08.05.2000

muba - Diskrepanz zwischen Mutter und Messe

muba - Diskrepanz zwischen Mutter und Messe

Die Frau ist schön fotografiert. Und erst noch von einem Linsenkünstler, der Weltruf geniesst. Und dennoch, auf die Gefahr hin als prüder Zeitgenosse zu gelten, wage ich, die Kampagne mit der schwangeren, nackten Frau, die für die Mustermesse wirbt, als ausgesprochen unglücklich zu bezeichnen. Dabei habe ich gar nichts gegen einen ästhetischen Akt einer schwangeren Frau einzuwenden, mich stört bloss der Kontext, die Verbindung dieser ergreifenden und sinnbildlich starken Wiedergabe einer werdenden Mutter mit einer profanen Ausstellung. Die Muba mag ja die Mutter aller Messen sein, diesen Umstand mit einem solchen Werk kommunikativ umzusetzen, löst bei mir aber Unbehagen aus, weil es eine Grenze des stillen Respektes gegenüber Höherem und Bedeutenderem überschreitet. In der Werbung sollte nicht alles, was möglich und machbar ist, auch umgesetzt werden. Gewiss, den Machern der Kampagne ist es gelungen, mit dem ästhetisch und künstlerisch durchaus hohen Ansprüchen gerecht werdendem Foto sexistischen Voyeurismus zu vermeiden, das hohe Niveau der Umsetzung hat aber eine andere Diskrepanz geschaffen: Diejenige zwischen einer zwar alten und grossen aber dennoch nichts Erhebendes vermittelnden und letzenendes lauten und krämerischen Gewerbeshow und einem auch heute noch stillen, übersinnlichen, weil naturgegebenen, schöpferischen Ereignis. Warum um alles in der Welt muss die Muba-Mutter nackt dargestellt sein?

Maurice Motz

 

08.04.2000

Subaru Forester 4WD - Leere Versprechungen

Subaru Forester 4WC - Leere Versprechungen

Eigentlich dachte ich, die Sache sei ausgestanden. Nachdem die Brum-Brum-Generation, deren erhebenstes Ziel es war, den für die Beschleunigung des Fahrzeuges zuständigen Hebel möglichst unablässig und flach am Bodenbrett verharren zu lassen, langsam in die Jahre gekommen ist und sogar deren ideologische Vereinigung «Auto Partei» infolge zunehmender Fehlzündungen den Motor abgestellt hat, schien die Zeit endgültig vorbei zu sein, in welcher man mit schnellen Autos jemanden beindrucken konnte. Doch weit gefehlt: Da buhlt doch neuerdings ein Geländewagen um Käuferschaft, mit der Feststellung, er sei immer noch der schnellste auf der Welt. Abgesehen davon, dass man einen Geländewagen ja wohl vor allem deshalb erwirbt, weil er geländegängig und nicht weil er besonders fix ist, müsste doch eigentlich das Attribut Schnelligkeit langsam in den unteren Schubladen der Argumentation verschwinden. Offensichtlich ist der allgemeine Trend zu Temporeduktionen an den Machern des Inserates spurlos vorbeigefetzt. Und selbst für Leute, die sich von einer solchen Headline angesprochen fühlen, folgt dann nichts weiter als warme Auspuffluft: Nirgends im Text steht, wie schnell denn nun dieser Schnellste der Schnellen tatsächlich ist. Im Kleingedruckten findet man lauter Hinweise auf die Sicherheit und andere sinnvolle Dinge. Da frag ich mich schon, warum man in der Headline derart leere Versprechungen macht. Weiss jemand eine Antwort?

Maurice Motz

 

08.03.2000

Ikea - Imageverwirrung

Ikea - Imageverwirrung

Jede Marke hat ein Image. Oder versucht wenigstens eins zu haben. Das Image des schwedischen Möbelherstellers Ikea ist, wenn ich mich nicht irre, relativ eindeutig: Möbel für das kleine Portemonnaie. Kommuniziert wurde das bisher mit einem Schuss Schalk, einem röhrenden Elch und einem Slogan, welcher Ikea ironisch und sympathisch als «unmögliches Möbelhaus» positionierte. Doch damit ists jetzt vorbei: Jetzt hat der Intellekt Einzug gehalten in Stockholm oder wo auch immer die Kampagne kreiert wird. Man macht jetzt auf vergleichende Werbung der anspruchsvollen Art, indem man Ikea-Möbel Produkten anderer Branchen preislich gegenüberstellt. Damit das auch jedermann versteht, werden die Anzeigen mit fingierten Kassenzetteln versehen. Und so erfährt man dann, dass eine Golduhr sage und schreibe 5\'500 Franken kostet, ein Arbeitstisch bei Ikea aber bloss deren 3\'114.–. Ein überzeugendes Argument. Vielleicht sollte mal jemand den Ikea-Werbern erklären, dass mit vergleichender Werbung Artikel derselben Kategorie gegeneinander abgewogen werden. Es scheint als wolle Ikea sein Image revidieren. Vom unmöglichen Möbelhaus zum Möbelhaus mit unmöglicher Werbung.

Maurice Motz

 

08.02.2000

Rover 75 - Vollmundig

Rover 75 - Vollmundig

Früher haben die Automobilhersteller ihre Karossen mit artspezifischen Merkmalen beworben. Diese deckten die ganze Palette von Eigenschaften ab, welche Automobile nun mal so charakterisieren. Die einen waren rassig am Berg, andere geräumig im Inneren oder besonders wendig und wieder andere leise und kraftvoll. Heute scheint es, als könne mit solchen Attributen kein Staat respektive keine Kommunikation mehr gemacht werden. Seitdem die Werber die Emotion entdeckt haben, respektive seitdem sich Mobile fast wie ein Ei dem anderen gleichen, müssen andere selling propositions zur Werbung herhalten. Und darüber haben sich die Werber des ausgesprochen gediegenen und preisgekrönten Rovers 75 eingehend Gedanken gemacht. «Was» haben sie sich gefragt, «fehlt dem heutigen Zeitgenossen am meisten?» «Welches sind die am häufigtsen formulierten Bedürfnisse, des modernen Automobilisten?» Und sie sind fündig geworden: Zeit. Zeit ist es, was uns allen fehlt, uns, die wir alle von einem Termin zum nächsten hetzen. Was also lag näher, als dem unter Zeitnot leidenden Konsumenten und potentiellen Autointeressent Zeit zu versprechen? Wer Rover fährt, entspannt sich und pfeift auf Termine. Jetzt geht es wohl nicht mehr lange, dann verspricht uns ein Inserat Gesundheit oder gar Intelligenz. Intelligenz, die gewissen Leuten offensichtlich abgeht.

Maurice Motz


08.01.2000

Delinat Weinhaus - Drucke jetzt, korrigiere später

Delinat Weinhaus - Drucke jetzt, korrigiere später

Gottseidank, wir haben ihn überstanden. Keinen Börsencrash, keinen Stromausfall, nicht einmal ein Chaos am Flugplatz hat der Wechsel des Jahres verschuldet. Alles paletti. Wie ist so etwas möglich? Wo doch ganze Heerscharen von Studierten oder zumindest eingebildeten Gescheiten den totalen Kollaps angekündigt hatten. Nichts ist geschehen, und bereits beginnt das Wort Millennium zu verblassen. Da wir ja alle inzwischen wissen, dass gemäss Adam Riese das neue Millennium erst Ende dieses Jahres seinen eigentlichen Auftritt hat, kann man das hübsche Wort werbemässig in elf Monaten nochmals hervorkramen. Es bleibt also genügend Zeit, für die Gestaltung eines neuen Inserates. Bekanntlich wenden Werber unendlich viel Zeit auf, um eine Gestaltung zu Ende zu bringen. Das macht auch Sinn, man kann so ärgerliche Fehler vermeiden, die in der Hitze des Gefechtes schon mal vorkommen können. Denn wenn Gestalter und Texter und Kunde die Vorlage bis zum Geht-nicht-mehr gelesen und korrigiert haben, kann man sicher sein, dass dann alles seine Richtigkeit hat. Oder zumindest fast alles. Ausser einem kleinen Druckfehler in der Überschrift vielleicht. Aber wen kümmerts. dass man Millennium mit zwei n schreibt? Die Sache ist ja ohnehin gelaufen. Oder zumindest bis zum nächsten Jahreswechsel korrigierbar.

Maurice Motz

 

08.12.1999

Honda - Geschlechtsverwirrung

Honda - Geschlechtsverwirrung

Laut Duden ist ein Harem «die Gesamtheit der weiblichen Personen, welche ständig um einen Mann herum sind». Und diese Definition ist abschliessend. Nirgends heisst es da, man könne auch eine Geschlechtsumwandlung vornehmen, um damit eine ohnehin reichlich kindliche Werbekampagne gewissermassen geschlechtsspezifisch umzupolen. Denn was wir da auf dem Inserat sehen, ist, wenn ich mich richtig an meine Kindheit und deren Märchen erinnere, ein Schneewittchen und sieben Zwerge. Von Harem keine Spur. Ob das nun mit political correctness zu tun hat, weil es unschicklich, respektive sexistisch wäre, einen echten Harem abzubilden, entzieht sich meiner Kenntnis, eines aber steht fest: Text und Bild stimmen nicht überein. Dieser Mangel wird auch dadurch nicht wesentlich entschärft, dass im Kleingedruckten die Rede ist von sieben Sitzplätzen, denn wenn ich richtig zähle, sind acht Personen abgebildet. Wo also ist der Sinn des Harem-Zwergenkalauers? Ausserdem muss ich als Freund von Gartenzwergen vehement gegen diesen Missbrauch der knorrigen Wesen protestieren. Es würde mich nicht wundern, wenn das noch ein Fall für die Lauterkeit in der Werbung würde. Lasst Euch das nicht gefallen Zwerge!

Maurice Motz

 

08.11.1999

Winterthur - «Hauptsache kreativ»

Winterthur - Hauptsache kreativ

Kein Mensch behauptet, Werbung müsse in jeder Beziehung der Realität entsprechen und 1:1 der Wahrheit genüge tun. Ein bisschen Kreativität, eine Prise Phantasie und Humor sind durchaus angezeigt im Spiel der Kommunikation. Doch manchmal erlauben sich die Kreativen Auswüchse, welche in das Reich der Fabeln oder in die Welt des Lügenbarons Münchhausen passen. Nicht selten verlieren sie nämlich ganz gehörig den Boden unter den Füssen und entschweben mit ihren Gedanken in phantastische Dimensionen und Gefilde, welche einen Bezug zum Produkt reichlich rätselhaft erscheinen lassen. Ein Beispiel gefällig? Um ihre Policen anzubieten, lässt eine grosse Versicherung führerlose Motorräder auf Eisschollen in der Arktis (oder ist es die Antarktis?) umhertreiben. Oder sie behauptet, dass Autos, sich putzigen Singvögeln gleich, auf Bäumen niederlassen. Und im Text heisst es dann: «Kann passieren was will, unsere Spezialisten stehen...» etc etc. Und damit der verständnismässig arg strapazierte Betrachter der seltsamen Szene dann auch ja richtig reagiere, wird noch ein oranges Handy abgebildet. Zwecks Buchung einer Police. Weil diese Apparate aber ja immer kleiner werden und somit nicht sichtbar wären, lässt man sie einfach zu Zapfsäulengrösse anwachsen. Dergestalt farblich dominierend, verwirrt das Mobiltelefon den Betrachter vollends. Aber das macht nichts, Hauptsache, das Sujet ist hübsch und kreativ. So geht das in der Werbung.

Maurice Motz

 

08.10.1999

Mercedes E-Klasse - Eine Stilfrage

Mercedes - Eine Stilfrage

Nicht alles, was auf vier Rädern rumfährt, hat Stil. Es gibt schrötige Vehikel und klapprige, solche die rostgeplagt sind oder einfach altersschwach. Und dann sind da die typischen Alltagskarossen, deren Besitzer weder Anspruch auf Eleganz noch auf Prestige erheben, sondern ihren fahrbaren Untersatz lediglich als einen solchen betrachten. Am anderen Ende der Skala befinden sich die schnittigen Nobelmobile, deren Ausstrahlung von Selbstbewusstsein, Format und technischer Brillanz geprägt ist. Fahrzeuge, die Stil und Vornehmheit repräsentieren und die bei einem Grossteil der Bevölkerung Tagträume und neidische Blicke auslösen. Zu dieser Kategorie gehörten für mich immer diejenigen mit dem silbernen Stern und dem wohlklingenden Doppelnamen. Mercedes-Benz, das vierrädrige Symbol für Klasse schlechthin. Für Agenturen, die dieses einmalig schöne Gefährt bewerben können, ein Tummelfeld für kreativen Erfindungsgeist. Keine Schranke kann die Begeisterung für das sündhaft teure Luxusobjekt beeinträchtigen. Dachte ich. Doch was tun die Werber mit dem feinen Mobil? Sie drängen es an den unteren Rand der Anzeige und bilden oben dominierend vier Comiczeichnungen ab von irgendwelchen Gassenbuben, die unflätig umherpfeifen. Gedacht sind diese als Kurzlehrgang für diejenigen, die hinter dem Auto herpfeiffen wollen. Offenbar hat den Werbern noch niemand gesagt, das es wenig mit Stil zu tun hat, wenn man jemandem hinterherpfeift. Vor allem nicht einem Objekt mit Klasse. Und schon gar nicht mit E-Klasse.

Maurice Motz

 

08.09.1999

Jean Louis Tomme - Ein seltsamer Vergleich

Tomme - Ein seltsamer Vergleich

Um Eigenschaften von Gegenständen zu umschreiben, greift der Mensch häufig auf Vergleiche zurück. Etwas ist erst wirklich leicht, wenn es ist wie eine Feder. Jemand ist erst dünn, wenn man ihn mit einer Stecknadel verwechselt, und wirklich dumm ist jemand nur, wenn er den IQ von Bohnenstroh sein Eigen nennt. Wenn also jemand möglichst treffend die Attribute einer Sache erklären will, wählt er oder sie einen möglichst artverwandten Gegegenstand. Immer? Nein. Auch nicht immer öfter, denn mitunter kommen Werber auf seltsame Ideen. Um die Konsistenz eines zartschmelzenden Käses zu umschreiben, haben sie nicht etwa Anleihe bei einem weichfliessenden Gegenstand genommen, sondern bei einem Flysch. Und zwar einem tonigen. Da auch Herr Duden dieses Wort nicht geläufig ist, hilft man dem irritierten Betrachter mit einer Abbildung weiter: Wenn mich nicht alles täuscht, ist ein Flysch demnach ein Stück Sand- oder anderer Stein. Man erklärt also dem geneigten Konsumenten die unglaubliche Zartheit von Jean Louis Käse mit der spröden Härte eines Stücks Fels. Oder ist das Ganze vielleicht genau als Gegenteil gedacht? Möglich, nur: Was ist das Gegenteil eines Flyschs, wenn man nicht weiss, was ein ebensolcher ist? Fragen über Fragen. Möglicherweise haben die Werber ja einfach zu viel Respekt vor vergleichender Werbung. Und wählen deshalb die wesentlich weniger problematische aber auch weniger einfallsreiche Form der Dialektik.

Maurice Motz


08.08.1999

Schweizer Banken - Sprechblase als gemeinsamer Nenner

Banken - Sprechblase - gemeinsamer Nenner

Natürlich hätte man das Inserat mit der lustigen Maulkorbaktion der SVP zum Ziel unserer monatlichen Tomate erküren können, doch hier geht es nicht um Politik, sondern um Kommunikation und Kreation und deshalb haben wir ein anderes Sujet gewählt. Ganz unpolitisch ist dieses freilich auch nicht, geht es doch um Banken. Oder besser gesagt um das Image von Banken. Seit geraumer Zeit haben unsere weltbekannten Geldinsitute nicht nur Gold und Geld im Keller, ihr Image befindet sich auch dort. Schuld ist die Holocaust Debatte, der unfreundliche Herr Damato und andere, die unseren Finanzinstitutionen Böses wünschen. Und jetzt ist noch die Sache mit dem Entzug der Lizenz in Japan dazu gekommen. Kein Wunder müssen die Banken etwas für ihren Ruf unternehmen. Sie haben sich deshalb zusammengesetzt und diskutiert, wie man diesem Image wieder auf die Beine helfen könnte. Da Bankengeschäfte ausgesprochen komplex sind und von hochqualifizierten Spezialisten durchgeführt werden, kann nur die genialste und brillianteste Kampagne für die Kommunikation des Anliegens gut genug sein. Und so stellen sie sich denn auch dar, als Dienstleistungsunternehmen, die wirklich in jeder pekuniären Situation dem unbedarften Bürger unter die Arme greifen können. In zwei Sprechblasen teilen sie dem überraschten ja verblüfften Leser mit, dass man an Bancomaten Geld herauslassen kann. Eine phantastische Neuigkeit. Ja sogar wer etwas mit Liegenschaften zu tun hat, kann sich an die Geldinstitute wenden. Der Informationsgehalt dieser Texte ist tatsächlich berauschend. Und er wird bei soviel Fachkompetenz verratender Kommunikation zweifellos das leicht schief hängende Image der Banken spontan verbessern …

Maurice Motz


08.07.1999

Stop Aids - Der Absteller

Stop Aids - Der Absteller

Eigentlich ist Aids ja ein viel zu ernstes Thema, als dass man oder frau sich darüber lustig machen sollte. Da sich das Virus aber als Übertragungs- und Verbreitungsmechanismus fatalerweise ein mit Geschlechtlichkeit samt all ihren Peinlichkeiten verbundenes Verfahren ausgesucht hat, ist es unausweichlich, gelegentlich auch auf selbige einzugehen. Nun weiss man ja nachgerade, dass Liebe etwas mit Erektion zu tun hat. Und zwar deshalb, weil bei ausbleiben einer solchen die amouröse Zweisamkeit infolge Funktionsuntüchtigkeit der Gerätschaft gar nicht vollzogen werden kann. Und für diese Erektion gibt es seit alters her kreative Darstellungsformen. Sogenannte Phallussymbole. In bester Erinnerung ist die gewagte Präsentation des Tagesschausprechers Charles Clerc, der den Vorgang der Applikation eines Präservatives am naturgemäss erigierten Modell einer Banane demonstrierte. Da das vor einigen Jahren der Fall war, als die Gesellschaft noch reichlich prüder war als heute, sorgte bereits die gelbe Frucht für Aufregung. Inzwischen ist man, abgestumpft durch inflationäre erotische Darstellungen in Presse und TV weniger heikel. Dennoch, dass einer Werbeagentur, die eigentlich berufen sein sollte einfallsreicher zu sein, als der auf die Realität fixierte Durchschnittsbürger, keine elegantere Darstellungsform zu diesem Thema einfällt, als die Abbildung eines schnöde von links unten noch rechts oben ragenden Penis’, ist betrüblich. Und wird auch durch die vier zweifellos lustig gemeinten Titel nicht origineller. Auch die penetrant pinkfarbene Darstellung macht die Sache nicht wesentlich ansehnlicher. Mit anderen Worten: Die Kampagne ist ein Absteller und wird mit der Tomate des Monats Juli gewürdigt.

Maurice Motz

 

08.06.1999

Pertégé-Notebook - Futuristische Kreation

Toshiba - Futuristische Kreation

Ich gehöre zu einer Generation, die sich vom zunehmenden Tempo an Innovation leicht mal ein wenig überfodert fühlt. Kein Wunder hat mich das Inserat, das ich kürzlich in meiner Lieblings-Tageszeitung entdeckt habe, spontan beeindruckt: Da gibt es doch heute tatsächlich schon Notebooks, die sind in einer Armbanduhr untergebracht. Und am Gehäuse dieses technischen Wunderwerks sieht man kleine Stecker, Schalter und Rädchen, wie man sie vom Computer her kennt. Und die Headline «Ein Notebook, das Sie beim Tragen kaum spüren» untermalt beweisschlüssig die dominierend optische Aussage. Toll, denkt da der geneigte Betrachter und schüttelt innerlich den Kopf vor solch futuristischer Kreation. Unglaublich, was es heute alles gibt. Ein Blick auf den Kalender eliminiert den Verdacht, es könnte sich um einen Aprilscherz handeln, es ist also wahr. Gross genug ist das Ding ja abgebildet und auch das Geschriebene erläutert Klartext: «Die ultra-flachen Pertégé-Notebooks mit ihrem lässigen Design (…) sind die idealen Begleiter für Geschäftsreisende, die häufig unterwegs sind.» Noch nagen keine Zweifel. Erst beim Weiterlesen keimen sie auf: Das Ding ist volle 1,8 Kilogramm schwer. Und dann fällt der Blick auf den briefmarkenkleinen Packshot am unteren Ende der 1/1-Seite. Und da sieht das Notebook dann etwa so aus wie dasjenige, das in meinem Büro steht. Ist das nun ein überdimensioniertes Symbolbild oder nicht eher schon ein wenig Vorspiegelung falscher Tatsachen? Wie auch immer, für mich ist es allemal eine Tomate wert.

Maurice Motz

 

08.05.1999

Virgin Cola verliert seine Unschuld

Virgin Cola verliert seine Unschuld

Ein wenig übertreiben ist erlaubt. Davon lebt schliesslich eine ganze Branche. Und wenn es mit Witz, Charme und vielleicht noch etwas Esprit geschieht, kann man durchaus eine Kampagne goutieren, die verspricht, dass einem beim Konsum des Produktes Flügel wachsen. Doch alles hat seine Grenze. Wenn ein Wässerchen von sich derartigen Bödsinn wie eine Millenium-BUG-freie Zukunft verspricht, ist diese mit Verlaub überschritten. Abgesehn davon, dass ausser dem Texter kein Mensch weiss, was ein BUG-freies Cola ist, gehören die weiteren Behauptungen, welche die Anzeige zieren, auf den werbetextlichen Müll: «Die geheime Formel ist speziell für das nächste Jahrtausend entwickelt worden», steht da vollmundig weiss auf tomatenrot, ausserdem ist das Getränk «ein Schutz gegen vorzeitiges Altern». Offensichtlich aber nicht gegen grassierende Demenz. Vielleicht gibt es ja einen tieferen Sinn hinter dem Ganzen und wir sind einfach zu blöd, um ihn nachvollziehen zu können. Wir wären jedenfalls überglücklich wenn uns jemand erklären könnte, was der blaue Frosch und die rote Melone (oder ist es ein Flachpeperoni?) mit der tiefsinnigen Bemerkung «Deine Zukunft liegt vor Dir» zu tun haben. Wenn es einen ADC-Würfel für die abstruseste Anzeige gäbe, der Gewinner wäre uns bekannt. Da es dies nicht gibt, erhalten die Kreateure aber immerhin unsere Tomate des Monats. Herzliche Gratulation.

Maurice Motz

 

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MarKom Zulassungsprüfung - Eine Runde weiter

Die anfangs August zum elften Mal durchgeführte MarKom Zulassungsprüfung (MZP) hat mit einer Erfolgsquote von 81.4 % (Januar 2012: 77.5 %) ihren Abschluss gefunden.

Insgesamt haben 945 Kandidatinnen und Kandidaten daran teilgenommen, davon 533 Frauen (56.4 %) sowie 412 Männer (43.6 %). Die Prüfungskommission erteilte an ihrer Sitzung vom 14. August 769 Absolventinnen und Absolventen (679 aus der deutschsprachigen Schweiz, 89 Romands und einem Kandidat aus dem Tessin) das MZP-Zertifikat. Mit diesem erfüllen sie die Zulassungsbedingungen für das Absolvieren der Berufsprüfungen für Marketing-, Verkaufs- und PR-Fachleute sowie der Kommunikationsplaner/-innen und Texter/-innen.

Der erzielte Notendurchschnitt beträgt wiederum 4.3. Wie an der Januar-Prüfung wurde auch in den Fächern Wirtschaft & Recht ein Notendurchschnitt von 4.3, in Marketing 4.6, in Verkauf & Distribution 4.5, in Marketingkommunikation 4.0 und in Public Relations 4.2 erreicht. Seit Einführung der MZP haben 9'320 Kandidat/-innen diese erfolgreich abgeschlossen.

Die Zertifikatsfeier hat am 21. August anlässlich der SuisseEMEX in Zürich stattgefunden.

Die Namen aller Zertifikatsinhaber/-innen sind auf www.markom.org publiziert. Die nächste internetbasierte MZP wird vom 21. bis 25. Januar 2013 an verschiedenen Standorten der Schweiz durchgeführt; das Anmeldeportal ist ab 15. Oktober offen, Anmeldeschluss ist der 7. Dezember 2012.
Thun, 22. August 2012 mes

Für weitere Informationen:
Mireille E. Saucy, Präsidentin MarKom
Postfach 2221, 3601 Thun
Tel. +41 33 221 54 56
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Lauterkeitskommission führt partielle Bearbeitungsgebühr ein

21.12.2011

Die markante Zunahme an Beschwerden hat bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission zu einer eingreifenden Massnahme geführt: Ab 1. Januar 2012 werden für gewisse Individualbeschwerden probehalber Gebühren eingeführt.

Seit Jahren nehmen die Beschwerden bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission, SLK, zu. Besonders markant ist dies bei kommerzieller Kommunikation, die über Telefon-, Fax und E-Mail erfolgt. Die Zunahme in diesem Bereich beträgt seit 2008 nicht weniger als 44%. Dies hat dazu geführt, dass die Kommission an die Grenzen ihrer Kapazität gestossen ist und ihre Arbeit mit den aktuellen Ressourcen kaum mehr bewältigen kann. Um hier eine gewisse Entlastung zu erzielen, will die Stiftung der SLK probehalber eine Bearbeitungsgebühr von CHF 50.- pro Beschwerde einführen. Die Massnahme wird auf ein Jahr befristet. Diese Gebühr betrifft freilich nicht alle Beschwerden, sondern lediglich jene, welche aufgrund von kommerziellen Kontakten am Telefon, am Fax oder per E-Mail erfolgen. Alle übrigen Beschwerden, also Eingaben gegen Werbung im öffentlichen Bereich, mittels Plakate, Inserate oder TV-Spots bleiben unentgeltlich. Damit soll dem Hauptziel der SLK, nämlich der Sicherstellung der Lauterkeit im öffentlichen Bereich, genüge getan werden.

Die Stiftung der SLK sieht diese Massnahme auch im Zusammenhang mit der ab 1. April 2012 geltenden neuen Regelung, dass als Alternative zu einer Beschwerde vor der SLK Strafanzeige wegen Missachtung des Sterneintrages im Telefonregister eingereicht werden kann.

Dr. Piero Schäfer, Mediensprecher Stiftung SLK, Tel. 0041 44 383 85 77, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Newsartikel 2004

20.12.2004

Schweizer Werbung SW/PS

Schweizer Werbung SW/PS nimmt Texterverband script auf

Vor kurzem hat der Schweizer Texterinnen- und Texterverband script ein Gesuch um Aufnahme in den Verband für Kommerzielle Kommunikation, Schweizer Werbung SW, gestellt. Wie die Präsidentin des Verbandes, Stephanie Hugentobler, schrieb, wollen sich die 150 Mitglieder gemeinsam mit anderen Verbänden für die Anliegen der Branche engagieren. Anlässlich seiner Sitzung vom vergangenen Mittwoch hat der Vorstand der SW nun diesem Antrag einstimmig Folge geleistet und script, respektive dessen 150 Mitglieder, aufgenommen. Der Verband wird mit einer Stimme wahlberechtigt sein.

Auskunft unter: +41 44 211 40 11

script: www.scriptweb.ch

Piero Schäfer

 


18.11.2004

Schweizer Werbung

Höhere Fachprüfung für Kommunikationsleiter(in) 2004

Mässiger Jahrgang

41 Kandidatinnen und Kandidaten (darunter vier Romands) haben sich der Fachprüfung für Kommunikationsleiter(in) 2004 unterzogen. Bestanden haben 56 Prozent, was, gemessen an langjähriger Erfahrung, unterdurchschnittlich ist.

Die Anzahl der TeilnehmerInnen präsentierte sich auf einem lange nicht mehr gesehenen Tief. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die wirtschaftliche Situation veranlasst offensichtlich Arbeitgeber die Budgets für die Weiterbildung zu kürzen. Das SAWI bietet zwei interne Prüfungen an, welche viele davon abhalten, zusätzlich eine eidgenössische Prüfung und die entsprechenden Kosten auf sich zu nehmen. Ausserdem ist das Angebot durch Nachdiplomstudien diverser Fachhochschulen und Universitäten konkurrenziert worden. Ebenfalls eine Rolle gespielt haben mag die ungenügende Bekanntheit und Positionierung des Dipl. Kommunikationsleiters bei Arbeitgebern, Personalchefs und Berufsberatern. Der Ausschuss «Weiterbildung» der Schweizer Werbung SW, welche die Prüfungen durchführt, sowie der SAWI- Schulvorstand sind sich dieser Problematik bewusst und versuchen die Situation zu verbessern.

Prüfungsresultate
Der KandidatInnen-Jahrgang 2003/04 hat nicht gerade überzeugend abgeschnitten. Von den insgesamt 41 KandidatInnen, die sich der Prüfung unterzogen haben, konnten lediglich 23 einen positiven Bescheid entgegennehmen. Das entspricht 56 Prozent des Teilnahmefeldes oder etwas mehr als der Hälfte. Insbesondere das Nebenfach «Betriebswirtschaft / Kostenrechnung / Budgetierung» sorgte mit einer Durchschnittsnote von 3,4 für einen Ausreisser.

Dennoch gab es auch bemerkenswerte Ergebnisse: Reto Meissner aus Münsingen bestand mit einer Note von 5,1 und setzte sich an die Spitze aller KandidatInnen. Mit der Note 4,5 schnitt zudem Laurent Pittet aus Genf als bester der KandidatInnen aus der Romandie ab.

Erfolgreich abgeschlossen haben:

Meissner Reto, Münsingen (Bester aus der Deutschschweiz mit Note 5,1)
Pittet Laurent, Genève (Bester aus der Romandie mit Note 4,5)

Baumann Sonja, Luzern
Berset Cedric, Seltisberg
Beutler Daniela, Bibern
Blum Charlotte, Luzern
Falusi Judith, Zürich
Frei Pascal, Zürich
Geissmann Claudia, Hendschiken
Genge Sandra-Emmanuelle, Zürich
Gerschwiler Gerda, Bonstetten
Glauser Matthias, Burgdorf
Heinzelmann Silke, Zürich
Janin Mathieu, Cheseaux Romandie
Kaufmann Sabine, Düdingen
Knapp Karin, Zürich
Kupferschmied Annette, Bern
Lagger Barbara, Zürich
Pekgüçer Timuçin, Zofingen
Serratore Marco, Zürich
Vulcan Yves, Colombier Romandie
Wegelin Stephan, Winterthur
Zell Anja, Fällanden


Anzahl TeilnehmerInnen gesamt: 41

Bestanden: 23 = 56,1%

Piero Schäfer

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18.11.2004

Publicité Suisse

Examen professionnel supérieur de conseil en communication 2004

Médiocre promotion

41 candidates et candidats (dont quatre de Romandie) se sont présentés à l’examen professionnel 2004 de conseil en communication. 56% d’entre eux l’ont réussi, ce qui est inférieur à la moyenne des années passées. A noter que, parmi les candidats romands – peu nombreux, il est vrai –, la proportion des reçus est de 75%.

Depuis longtemps, il n’y avait eu aussi peu de candidats à cet examen sanctionné par un diplôme fédéral. Plusieurs explications s’imposent. D’abord, la situation économique amène manifestement les employeurs à réduire leurs budgets consacrés au perfectionnement professionnel. Ensuite, le SAWI propose, pour sa part, deux examens professionnels qui font que beaucoup renoncent à prendre en plus sur eux le temps et les frais nécessaires pour passer le diplôme fédéral. Par ailleurs, celui-ci est concurrencé par des cycles d’études complémentaires offerts aux diplômés par diverses hautes écoles et universités. Il se peut aussi que le faible degré de notoriété et de positionnement du diplôme fédéral de conseil en communication auprès des employeurs, des chefs du personnel et des orientateurs professionnels ait également joué un rôle. Conscients de ces problèmes, le comité de la formation continue de la Publicité Suisse PS, qui organise les examens, de même que le comité directeur du SAWI s’efforcent d’améliorer la situation.

Résultats de l’examen

La promotion 2003-2004 n’a pas obtenu de résultats très convaincants. Des 41 candidates et candidats qui se sont présentés à l’examen, seuls 23 l’ont réussi. Cela représente une proportion de 56%, soit tout de même un peu plus de la moitié des inscrits. Les notes les plus basses, ont été obtenues dans la matière « Economie d’entreprise/calcul des coûts/budget» où la moyenne n’a pas dépassé 3,4.

Certains pourtant s’en sont bien tirés, comme Reto Meissner, de Münsingen, qui a obtenu la remarquable note globale de 5,1 le plaçant en tête de tous les candidats. Laurent Pittet, de Genève, quant à lui, a été le meilleur des Romands, avec une moyenne de 4,5.

Les nouveaux diplômés:

Meissner Reto, Münsingen (meilleur des Alémaniques, avec 5,1
Pittet Laurent, Genève (meilleur des Romands avec 4,5)

Baumann Sonja, Lucerne
Berset Cedric, Seltisberg
Beutler Daniela, Bibern
Blum Charlotte, Lucerne
Falusi Judith, Zurich
Frei Pascal, Zurich
Geissmann Claudia, Hendschiken
Genge Sandra-Emmanuelle, Zurich
Gerschwiler Gerda, Bonstetten
Glauser Matthias, Berthoud
Heinzelmann Silke, Zurich
Janin Mathieu, Cheseaux Romandie
Kaufmann Sabine, Düdingen
Knapp Karin, Zurich
Kupferschmied Annette, Berne
Lagger Barbara, Zurich
Serratore Marco, Zurich
Vulcan Yves, Colombier Romandie
Wegelin Stephan, Winterthour
Zell Anja, Fällanden

Nombre total de candidats: 41 / diplômés: 23 = 56,1%

Piero Schäfer

 

12.11.2004

Prüfungssekretariat der Schweizer Werbung

Berufsprüfung für Planer(in) Marketingkommunikation 2005 – Verlängerung der Anmeldefrist

Die Prüfungskommission der Schweizer Werbung hat an ihrer Sitzung vom 10. November 2004 beschlossen, die Anmeldefrist für die Berufsprüfung bis zum Freitag, 3. Dezember zu verlängern. Anmeldungen mit den üblichen Unterlagen sind zu richten an das Prüfungssekretariat der Schweizer Werbung, Kappelergasse 14, Postfach 3021, 8022 Zürich

Claudia Facchinetti

 

11.11.2004

Secrétariat de l'examen de la Publicité Suisse

Examen professionnel 2005 de planificateur(trice) en marketing: prolongation du délai d’inscription

Au cours de sa séance du 10 novembre 2004, la commission d’examen de la Publicité Suisse a décidé de prolonger le délai d’inscription à l’examen professionnel jusqu’au vendredi 3 décembre 2004. Les inscriptions accompagnées des documents requis doivent être adressées au Secrétariat d’examen à l’adresse suivante: Secrétariat de l'examen, Kappelergasse 14, Postfach 3021, 8022 Zurich

Claudia Facchinetti

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14.09.2004

Ungereimtheiten und Fragen

Tabakkonsum und die Weltbankstudie

Immer wieder berufen sich Befürworter von Werbeverboten in Diskussionen auf eine Studie der Weltbank, wonach Werbeverbote den Zigarettenkonsum um 6 % reduzieren würden. Öffentlich verbreitet wurde diese Behauptung letztmals anlässlich der Diskussion im «Zischtigsclub» vom 3. August. Die Schweizer Werbung SW hat diese an sich nicht uninteressante Publikation genauer unter die Lupe genommen. Und ziemlich viele Ungereimtheiten festgestellt.

Niemand bestreitet die Integrität der Weltbank. Die Motivation, eine Studie über die ökonomischen Auswirkungen des Tabakkonsums zu publizieren, ist ebenfalls nachvollziehbar und durchaus sinnvoll.
 
Allerdings muss erwähnt werden, dass die Weltbank selbst keine Studien durchgeführt hat und sich die Autoren des Werkes, Prabath Jha und Frank J. Chaloupka, auf bereits vorliegende Untersuchungen stützen und eigene Berechnungen vorgenommen haben.
 
Bemerkenswert ist, dass die Weltbank für die Richtigkeit der in der Veröffentlichung enthaltenen Daten keine Garantie übernimmt, ebensowenig wie Verantwortung für etwaige Konsequenzen.
 
Damit soll keineswegs gesagt sein, dass die Informationen alle falsch sind, da sie aber gerade den in Europa gemachten Erfahrungen im Zusammenhang mit Werbeverboten krass widersprechen, ist eine gewisse kritische Distanz aus Sicht der Kommunikations-branche sicher angezeigt.
 
Obschon das Buch, das im März 2003 erstmals in deutscher Sprache erschien, 120 Seiten umfasst, sind den Themen «Zigarettenwerbung» und «Verkaufsförderung» lediglich 3 1/2 Seiten gewidmet. Und die erweisen sich bei näherer Betrachtung als ziemlich vage. «Auf den ersten Blick lassen empirische Studien zur Beziehung zwischen Werbung und Verkaufszahlen eher darauf schliessen, dass die Werbung keine oder nur eine sehr geringfügige positive Wirkung auf den Verbrauch hat», heisst es etwa (Seite 57). Erklärt wird diese Unsicherheit mit der Tatsache, dass die Werbung einen abnehmenden «Grenzeffekt» auf die Nachfrage habe, d.h. die Konsumenten reagieren schrittweise immer weniger auf zusätzliche Werbung.
 
Die Autoren geben im übrigen zu, dass Studien, welche den Einfluss der Werbung auf den Konsum mit disaggregierten (nicht angehäuften) Untersuchungen widerspiegeln, «teuer und zeitaufwendig und deshalb selten» sind (Seite 58). Namentlich zitiert wird denn auch keine einzige solche Studie.
 
Gemäss einer (nicht näher umschriebenen) Untersuchung in 22 Hocheinkommensländern zwischen 1970 und 1992 kommen die Autoren zum (wenig aussagekräftigen) Schluss, «dass umfassende Verbote der Zigarettenwerbung und Verkaufsförderung das Rauchen verringern können.»
 
Die erwähnte Studie wird freilich weder identifiziert, noch wird erläutert, welches die 22 Länder sind, in welchen diese Studie durchgeführt wurde. Und wer sie veranlasst und wann durchgeführt hat.
 
Die Aussage: «Wenn die weitreichendsten Verbote erlassen würden, so die Studie, sänke der Tabakkonsum in den Hocheinkommensländern um über 6% ab.» (Seite 58) scheint deshalb aus der Luft gegriffen zu sein. Dennoch wird diese prognostische Feststellung wie eine unumstössliche Tatsache von den Befürwortern von Werbeverboten bei jeder sich bietenden Gelegenheit behauptet, als wäre es ein bewiesenes Faktum.
 
Wie die Autoren auf diese regelmässig und lauthals zitierten 6% kommen, ist nicht ersichtlich, nicht nachvollziehbar und wird auch nicht weiter erläutert oder untermauert.
 
Schon die Formulierung manifestiert die Unsicherheit der Autoren. Die Verfasser der Weltbankstudie greifen zur extrem unverbindlichen Form des Konjunktivs und der indirekten Rede. Und schieben mit der Floskel «so die Studie» die Verantwortung für ihre nie wissenschaftlich erhärtete Feststellung auf eine nicht identifizierbare Studie ab. Vor allem ist diese Behauptung nicht transparent ergründbar. Und damit als Aussage unwissenschaftlich und absolut irrelevant.
 
Auch eine zweite, hier erwähnte Studie, die in 102 Ländern durchgeführt worden sein soll, ist wenig glaubhaft: Sie besagt (ohne die Länder zu nennen), dass zwischen 1981 und 1991 in Ländern mit totalen Werbeverboten, der Zigarettenkonsum stärker abgenommen hat, als in Ländern ohne Verbot. Dargestellt wird das Ganze in einer wenig aussagekräftigen Grafik (Seite 59).
 
Als Quelle wird eine Studie «The Control of Tobacco Advertising and Promotion» angegeben. Autor ist Henry Saffer. In der Bibliografie findet man dann freilich kein solches Papier. Erwähnt ist dafür ein Beitrag des genannten Henry Saffer zum Thema «Tobacco Advertising: Economic Theory and international Evidence». Co-Autor dieses Beitrages ist der oben erwähnte F. Chaloupka.
 
Ohne jemandem etwas unterstellen zu wollen: Ist es nicht seltsam, dass der Autor der Gesamtstudie sich auf eigene Publikationen und nicht etwa auf neutrale Studien beruft?
 
Nicht erklärt und damit ziemlich widersprüchlich ist ausserdem, dass in der erwähnten Grafik Länder, in welchen ein Verbot herrscht «mit einem höheren Konsumniveau beginnen, als solche ohne Verbot». Nicht erwähnt ist, ab wann das Verbot galt, respektive ob vorher keine Einschränkung bestanden hatte. Keine Antwort erhält man auf die Frage, warum in Ländern mit Verbot der Konsum höher war als in den anderen. Unbeantwortet bleibt auch die Frage warum in Ländern ohne Verbot der Konsum im selben Zeitraum ebenfalls stark rückläufig war. Wenn auch etwas weniger als in solchen mit Verboten.
 
Den Autoren ist offensichtlich auch bei dieser Studie nicht recht wohl: «Es ist wichtig anzumerken, dass dieser Studie zufolge in einigen Ländern auch andere Faktoren zur Verringerung des Konsums beigetragen haben können», geben sie zu.
 
Fazit
Die mit Leidenschaft und bei jeder Gelegenheit zitierte Weltbankstudie bringt bezüglich Werbeverbots-Wirkung keinerlei stichhaltige Aufschlüsse. Die Tatsache, dass sie immer wieder kolportiert wird, macht die Behauptung, Werbeverbote würden zu einem Konsumrückgang von 6% führen, weder realistischer noch glaubwürdiger. Insofern ist die Veröffentlichung diesbezüglich absolut irrelevant.
 
Die Schweizer Werbung SW, welche sich nicht für den Konsum von Tabakerzeugnissen, sondern vielmehr für die kommerzielle Kommunikation legal erhältlicher Produkte engagiert, würde sich den plausiblen und stichhaltigen Ergebnissen einer seriösen und wissenschaftlichen Studie nicht verwehren. Bisher hat aber keine Studie den Nachweis erbracht, dass Werbeverbote zu weniger Zigaretten-Konsum führen. Auch die Weltbankstudie nicht. Und deshalb verteidigt die SW auch weiterhin die Werbefreiheit.

Dokument zur Studie der Weltbank dt. (PDF, 870 kb)

Piero Schäfer, Schweizer Werbung SW

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14.09.2004

Consommation de tabac et Banque Mondiale

Les partisans des interdictions de publicité pour le tabac se réfèrent fréquemment, dans les discussions, à une étude le la Banque Mondiale selon laquelle une interdiction de la publicité pour le tabac réduirait la consommation de cigarettes de 6%. Cette affirmation a de nouveau été prononcée en public, le 3 août, au cours de la table ronde du mardi soir («Zischtigsclub») à la télévision alémanique. La Publicité Suisse PS a examiné à la loupe cette étude, en soi pas dénuée d’intérêt, et y a décelé maintes incohérences.

Personne ne met en doute l’intégrité de la Banque Mondiale. Les motifs conduisant à publier une étude sur les conséquences économiques de la consommation de tabac sont aussi compréhensibles et tout à fait justifiés.
 
Il convient toutefois de signaler que la Banque Mondiale n’a pas réalisé, elle-même, de pareille étude et que les auteurs de celle-ci, Prabath Jha und Frank J. Chaloupka, se sont basés sur un certain nombre d’autres enquêtes existantes et ont procédé à leurs propres calculs.
 
Il faut également remarquer que la Banque Mondiale ne donne aucune garantie concernant la justesse des données contenues dans la publication en question et n’endosse aucune responsabilité pour les conséquences qu’elle risque d’entraîner.
 
Cela ne veut pas dire pour autant que les informations fournies sont toutes erronées, mais comme elles sont en contradiction flagrante avec les expériences faites en Europe en rapport avec les interdictions de publicité, il est paraît indiqué, du point de vue de la branche de la communication, d’observer une certaine distance critique à cet égard.
 
Bien que cet ouvrage, paru pour la première fois en langue allemande en mars 2003, compte 120 pages, il n’en consacre que trois et demie à la publicité pour les cigarettes et à la promotion de leurs ventes. Encore leur contenu est-il, à y regarder de plus près, plutôt vague. Un exemple, tiré de la page 57: «À première vue, des études empiriques sur le rapport entre la publicité et les chiffres de vente démontrent que la publicité n’exerce qu’une influence positive minime, voire pas du tout d’influence, sur la consommation.» Et d’expliquer cette incertitude du fait que la publicité n’exerce qu’une influence marginale fléchissante sur la demande, c’est-à-dire que les consommateurs réagissent peu à peu toujours moins à un surcroît de publicité.
 
Les auteurs admettent du reste que des études qui reflètent l’influence de la publicité sur la consommation sous forme d’enquêtes «désagrégées» (non cumulatives) sont «onéreuses et laborieuses, donc rares» (page 58). Aussi ne citent-ils nommément aucune étude de ce genre.
 
Partant d’une enquête (pas précisément décrite) effectuée dans 22 pays à fort pouvoir d’achat, entre 1970 et 1992, les auteurs arrivent à la conclusion (pas très révélatrice) «que des interdictions généralisées de la publicité et de la promotion des ventes peuvent faire reculer la consommation de tabac».
 
L’enquête citée n’est bien sûr pas identifiée, ni les 22 pays mentionnés, pas plus que ses auteurs ou la période à laquelle elle a été réalisée.
 
L’affirmation contenue dans cet ouvrage, selon laquelle «en cas d’interdiction générale de publicité, la consommation de tabac baisserait de plus de 6% dans les pays à fort pouvoir d’achat» (page 58), semble donc tirée par les cheveux. Et pourtant les partisans des interdictions de publicité la citent, à chaque occasion qui se présente, comme une vérité inébranlable, reposant sur des faits avérés.
 
Aucune forme d’explication ou de preuve n’est fournie par les auteurs concernant le chiffre de 6%, tiré d’on ne sait où, mais crié sur les toits à tout bout de champ.
 
Rien qu’à la formulation, on devine l’indétermination des auteurs. Ils pratiquent un style syntaxique recourant amplement au conditionnel, qui n’engage pas, et au discours indirect. Qui plus est, il emploient volontiers la formule «selon l’étude» qui rejette la responsabilité de leurs constatations, jamais fondées scientifiquement, sur une étude hypothétique non identifiée. Voilà qui n’est pas particulièrement convaincant et encore moins crédible. Et surtout, leurs affirmations sont totalement dénuées de transparence.
 
Une seconde étude mentionnée, réalisée dans 102 pays, paraît-il, n’est pas plus crédible: elle prétend qu’entre 1981 et 1991, dans les pays (pas cités) ayant interdit toute publicité pour le tabac, la consommation de cigarettes aurait diminué plus fortement que dans les pays ou cette publicité est autorisée. Cela est représenté sur un graphique peu révélateur (page 59).
 
La source indiquée est une étude intitulée «The Control of Tobacco Advertising and Promotion», dont l’auteur est Henry Saffer. La bibliographie ne comporte pourtant aucune trace de cet ouvrage. En revanche, il y est mentionné un écrit dudit Henry Saffer, intitulé «Tobacco Advertising: Economic Theory and international Evidence», dont F. Chaloupka, cité plus haut, est co-auteur.
 
Sans vouloir soupçonner quiconque de quoi que ce soit: n’est-il pas étrange que l’auteur de l’étude d’ensemble se réfère à ses propres publications plutôt qu’à des études neutres?
 
Sans explications et donc plutôt douteux est en outre le fait que, sur le graphique déjà mentionné, dans les pays où la publicité pour le tabac est interdite «la consommation commence à un niveau plus haut que dans ceux qui ne l’interdisent pas». Il n’est toutefois pas dit quand l’interdiction a été instaurée, ni s’il y avait déjà des restrictions auparavant. Il n’est pas non plus possible de savoir pourquoi la consommation avait été supérieure dans les pays où la publicité est désormais interdite. De même, il n’est pas précisé pourquoi, dans les pays où la publicité pour le tabac n’est pas interdite, la consommation a aussi fortement baissé dans le même laps de temps. Même si c’est un peu moins que dans les pays où elle l’est.
 
Les auteurs ne sont manifestement pas non plus tout à fait à l’aise en ce qui concerne cette étude-là. Ils admettent en effet ceci: «Il est important de relever que, selon cette étude, dans certains pays d’autres facteurs encore pourraient avoir contribué à la baisse de consommation.»

Conclusion

L’étude de la Banque Mondiale, citée avec passion et à toute occasion, ne permet pas non plus de faire de déductions irréfutables concernant les effets des interdictions de publicité. Le fait qu’elle soit colportée un peu partout ne rend pas plus réaliste et crédible l’affirmation selon laquelle les interdictions de publicité auraient fait reculer la consommation de plus de 6%.
 
La Publicité Suisse PS, qui ne s’engage pas pour la consommation de produits du tabac, mais uniquement pour la communication commerciale en faveur des produits dont la vente est légale, ne serait certes pas opposée à une étude sérieuse et scientifique, donnant des résultats solides et plausibles. Jusqu’ici cependant, aucune étude n’a apporté la preuve que les interdictions de publicité induisaient une réduction de la consommation de cigarettes. Celle de la Banque Mondiale pas plus que les autres. Voilà pourquoi la PS continue de défendre la liberté de publicité.

Piero Schäfer

 

09.07.2004

Das geplante RTVG weist mehrere Tücken auf

Insbesondere Art. 15 hat in der Branche zu vehementen Reaktionen geführt. Die Schweizer Werbung SW hat aus diesem Grund ein Argumentarium formuliert, welches die Mängel und Unzulänglichkeiten dieses Artikels aufzeigen. Wir denken, dass es wichtig ist, diese Argumente der Kommunikationsbranche näher zu bringen.
 
Argumentarium zum Art. 15

Piero Schäfer, Schweizer Werbung SW, Kommunikation

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30.06.2004

SW-Workshop

Man trägt wieder Schweiz

Unter dem Titel «Das Kreuz mit dem Schweizer Kreuz» hat die Schweizer Werbung SW einen Workshop veranstaltet, bei welchem die diversen Aspekte der Verwendung des nationalen Emblems diskutiert wurden. Fazit: In der Werbung ist erstaunlich viel erlaubt.

SW Workshop 30. Juni 2004

(Bild oben) Die Referenten des Workshops: Stefan Fraefel, Stefan Szabo, Urs Binggeli, Tagungsleiter Marc Schwenninger, Célia Ullmann, Alberto Meyer und Rudolf Horber.

(Bild unten) Célia Ullmann mit Coop-Sigg-Pfannen «vorher/nachher»: einmal mit Schweizerkreuz und einmal eben ohne.

Das weisse Kreuz auf rotem Grund ist «in». Das haben nicht nur die Fussball-Europameisterschaften gezeigt, wo Tausende von Fans im roten Shirt der Nationalmannschaft zujubelten, das eidgenössische Emblem ist auch modisch im Trend. Und deshalb wird es auch als Kommunikationsmittel eingesetzt. Beim Workshop wurde in konzentrierter Form und von kompetenten Referenten aufgezeigt, wann und wofür in der Werbung auf das plakative Symbol zurückgegriffen werden kann. Zuerst ging Urs Binggeli von Wirz Corporate der Frage nach, welche Bewandtnis die seit kurzem aufblühende Swissness hat. Im Gegensatz zu den 70er und 80er Jahren, als man dem Heimatbegriff ausgesprochen kritisch gegenüberstand, sei nach der Entmystifizierung ein neuer Patriotismus zu registrieren, der sich auch im Marketing niederschlage.

Dass die «Marke Schweiz» auch im kulturellen Bereich wieder salonfähig ist, zeigte Alberto Meyer vom Museum für Kommunikation: Mitte Oktober wird in Bern eine Ausstellung unter dem Titel «Weiss auf Rot» eröffnet, welche auf die diversen Facetten des nationalen Emblems eingeht.

Célia Ullmann beleuchtete das Schweizer Kreuz aus praktisch-juristischer Sicht und zeigte, wo die Grenzen der Verwendung des Symbols liegen. Relevant ist in erster Linie die Frage, ob das Kreuz markenrechtlich eingetragen werden kann oder ob es lediglich als Dekoration gedacht ist. Grundsätzlich, das bestätigte in seinem Referat auch der «Wächter des Wappenschutzgesetzes», Stefan Fraefel, ist der Eintrag des Kreuzes rechtlich nur zulässig, wenn es sich um ein Unternehmen des Gemeinwesens (z.B. die Schweizer Post) oder um eine Dienstleistungsmarke handelt. Nicht erlaubt ist also der markenmässige Gebrauch, dafür kann das Kreuz jederzeit zu dekorativen Zwecken oder in anderer Farbgebung verwendet werden. Frohe Kunde also für die Werber: In Anzeigen, Prospekten und auch im Internet ist die Verwendung des Schweizer Kreuzes erlaubt. Ausnahmen bilden freilich die Täuschung über die geografische Herkunft von Produkten, wie sie kürzlich bei den Sigg-Pfannen vorgekommen ist.

Apropos Pfannen: Die Suppe wird auch hier nicht so heiss gegessen wie gekocht: Fraefel bestätigte, dass das Eidg. Institut für Geistiges Eigentum (IGE) nicht von sich aus aktiv werde, wenn die Frage auftaucht, ob die Verwendung des Emblems nun dekorativ sei oder nicht. Zwar besteht rechtlich die Möglichkeit, bei einer Verletzung des Gesetzes Bussen bis zu 5000 Franken oder gar Gefängnis auszusprechen, in der Praxis gäbe es jedoch kaum Präjudize.

Stefan Szabo, ebenfalls vom IGE, erläuterte die Voraussetzungen, welche für die Verwendung des Begriffes «Swiss Made» nötig sind. Zwei Kriterien müssen dafür erfüllt sein: Der schweizerische Wertanteil an den Herstellungskosten muss mindestens 50% betragen, und der wichtigste Fabrikationsprozess muss in der Schweiz stattgefunden haben. Sigg lässt grüssen.

Als juristisch weniger tief schürfende Alternative empfahl anschliessend Rudolf Horber das «Swiss Label», welches als visuelles Symbol die Armbrust verwendet und an weniger strenge Kriterien geknüpft ist als das Schweizer Kreuz.
In der abschliessenden, von Marc Schwenninger geleiteten, angeregten Diskussion wurde deutlich, dass die Referate zwar nicht alle Fragen beantworten konnten, dass aber die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das Thema Schweizer Kreuz sensibilisiert worden sind.

Piero Schäfer

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17.05.2004

PMK Prüfungen 2004

Eidgenössische Berufsprüfung «Planer Marketingkommunikation» 2004

Gut jeder Zweite war erfolgreich Dieses Jahr haben von 194 Kandidatinnen und Kandidaten 105 die Prüfung «Planer Marketingkommunikation» erfolgreich bestanden. Die vier besten Absolventen erzielten einen guten Notendurchschnitt von 4,8.

An der Sitzung der Prüfungskommission der Schweizer Werbung SW vom 12. Mai 2004 wurden die Resultate der eidgenössischen Berufsprüfung Planer/in Marketingkommunikation (PMK) verabschiedet. Die vier besten Absolventen heissen: Silvia Aeschbacher, Marianne Sterchi, Barbara Vögeli und Felix Wiesendanger. Sie haben alle einen Notendurchschnitt von 4,8 erreicht ­ die Schweizer Werbung SW gratuliert ihnen herzlich!
 
Das Ergebnis der diesjährigen Leistungen der 194 Kandidatinnen und Kandidaten insgesamt ist als eher mittelmässig zu bezeichnen: 56 Prozent der Deutschschweizer und ­ nur ­ 29 Prozent der Romands (54 Prozent im Gesamtdurchschnitt) haben die Prüfung bestanden und können beglückwünscht werden. Hingegen ist der Notendurchschnitt in den einzelnen Fächern seit der Einführung des neuen Reglements im Jahr 2000 erfreulich stabil.

 Alle 105 neuen Planerinnen und Planer Marketingkommunikation können jetzt mit ihrer bestandenen eidgenössischen Berufsprüfung nachweisen, dass sie insbesondere in den Hauptfächern Kommunikationsplanung, Media und Produktion über ein breites Fachwissen verfügen. Keine andere Berufsprüfung mit Fachausweis deckt diese Disziplinen besser ab. Die Diplomfeier findet dieses Jahr am 25. Juni in Basel statt und beginnt mit einem vorgängigen Besuch der viel beachteten Tutanchamun-Ausstellung.
 
Die erfolgreichen Kandidatinnen und Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge heissen:

Link: http://www.ks-cs.ch/sites/default/files/erfolgreiche_kl_2004.pdf

Piero Schäfer

 

10.05.2004

Fumetto, 1. bis 9. Mai 2004

Impressionen von der Ausstellung «Comic in der Werbung»

Am diesjährigen internationalen Comix-Festival Fumetto von Anfang Mai wurde in einer Ausstellung gezeigt, wie Comic in der Werbung auftritt. Impressionen aus Luzern.


Fumetto Ausstellung 2004

Gyula Sövegjarto, Präsident des Werbeclubs Zentralschweiz, begrüsste die rund 60 Werberinnen und Werber bei der Ausstellung «Comic in der Werbung» (oberstes Bild).

WerberInnen auf Ausstellungstour.

Rund 60 Werberinnen und Werber trafen auf Einladung der Schweizer Werbung SW an einem verregneten 5. Mai in Luzern ein, um sich gemeinsam von der Ausstellung «Comic in der Werbung» inspirieren und auch erheitern zu lassen. Die Werbung und die Kommunikation suchen ja immer wieder die Nähe zu den Comics, ohne dass dies dem Betrachter im Alltag unbedingt bewusst wird. Ganz anders beim internationalen Comix-Festival Fumetto, das diesen Schulterschluss an Hand von Kampagnen aufzeigte, die im Auftrag von Schweizer Firmen oder von Schweizer Agenturen produziert respektive von Schweizer KünstlerInnen gestaltet wurden. Zum Bedauern der Schweizer Werbung SW, die sich als Ausstellungspartnerin engagierte, wurde bei der Schau ein Teil der eingereichten Arbeiten nicht präsentiert.

Pascale Weingartner

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03.05.2004

79. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW

SW-Mitgliederversammlung: Verantwortungsgefühl und Augenmass

Die Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW fand dieses Jahr auf dem Zürcher Uetliberg statt. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey wies in ihrem Gastreferat auf die Bedeutung der politischen Werbung in einer direkten Demokratie hin, und SW-Präsident Carlo Schmid reflektierte die zunehmend bedrohlicher werdende Situation in der Werbung.

 

 

Impressionen von der 79. Mitgliederversammlung 2004 der Schweizer Werbung SW auf dem Uetliberg (v.o.n.u.):
Bundesrätin und Gastreferentin Micheline Calmy-Rey mit ihrem Berater Urs Ziswiler (l.) und SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter;

 

 

 

 

 

der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber sprach ebenfalls zu den Schweizer Werberinnen und Werbern;


 

 

Gruppenbild mit PubliGroupe-Generaldirektor Hans-Peter Rohner, Jakob Nef, SDV-Präsident und neugewähltes SW-Vorstandsmitglied und Carlo Schmid (v.l.);
 

 

 

 

die Bundesrätin im Gespräch mit Piero Schäfer, Publizist und Kommunikationsverantwortlicher der Schweizer Werbung SW;
 

 

 

 

 

letztes Händeschütteln von Micheline Calmy-Rey mit Carlo Schmid (Mitte) und Hoteldirektor Guisep Fry.

 

 

Bereits zum 79. Mal trafen sich die Mitglieder der Schweizer Werbung SW zu ihrer Jahresversammlung. Den statutarischen Teil erledigte SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter speditiv und ohne Gegenstimmen. Auch die Wahlen von drei Vorstands-Mitgliedern verliefen in Eintracht. Neu aufgenommen wurden: Martin Schneider, Direktor Publisuisse, als Nachfolger von Ingrid Deltenre, Jakob Nef, Präsident des Direktmarketing-Verbandes für Guido Wietlisbach sowie Peter Leutenegger, Präsident des Bundes Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen, BSW, für Cornelia Harder.

In seiner Begrüssungsrede ging Carlo Schmid auf die infolge geplanter kantonaler Werbeverbote zunehmend bedrohlicher werdende Situation in der Schweiz ein. Bei allem Verständnis, welches man auch in der Branche selbst denjenigen entgegenbringe, die sich Sorgen um die Gesundheit der Jugend machen, gehe es nicht an, einfach die Segel zu streichen und den Befürwortern von generellen Werbeverboten widerstandslos das verfassungsmässiges Recht auf Meinungsäusserungsfreiheit preiszugeben. Man sei aber jederzeit bereit, die eigenen Möglichkeiten – eben die Kommunikation – für Prävention einzusetzen.

Schmid forderte die involvierten Firmen und Organisationen auf, die Konsequenzen des Werbeverbotes im Kanton Genf zu verfolgen und zu deklarieren: «Wenn das Exempel Genf aufzeigt, dass das Werbeverbot für Tabakprodukte tatsächlich eine Reduktion bewirkt, dann wird auch die SW sich ihre aktuelle Strategie überlegen», meinte Carlo Schmid.

Auch Bundesrätin Calmy-Rey bezog sich in ihrem Gastreferat auf den Kanton Genf. Sie erläuterte anhand einer Kampagne, welche der Kanton 2001 eingesetzt hatte, um die Bürger über ein neues Steuersystem zu informieren. «Dieses Beispiel zeigt,» sagte die Aussenministerin, «dass ich keine Berührungsängste zur Werbung habe.» Calmy-Rey wies auf die Bedeutung der Kommunikation in der Politik hin: «Die Direkte Demokratie verlangt nach einem intensiven Dialog» stellte sie fest. Gleichzeitig wies die Bundesrätin darauf hin, dass politische Werbung nach wie vor eine negative Konnotation habe, denn für viele bedeute Werbung Verführung. Es sei also wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger unterscheiden können zwischen informierender und manipulierender Werbung. Und Calmy-Rey hatte auch einen Tipp bereit, wie die politische Werbung umgesetzt werden müsse: Mit Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmass.

Schweizer Werbung SW
Geschäftsleitung, Monika Luck, Tel +41 44  211 40 11
Piero Schäfer, Kommunikation, Tel +41 44 383 85 77

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05.04.2004

Tätigkeitsbericht 2003 der Lauterkeitskommission

Jeden Tag eine Beschwerde

Die Anzahl Beschwerden vor der Lauterkeitskommission hat erneut markant zugenommen: Insgesamt wurden im letzten Jahr 296 Klagen eingereicht. Viele davon betrafen sexistische Werbung. Sind die Bürger prüder oder die Werber frecher geworden?

Lauterkeit in der kommerziellen Kommunikation

Die Lautekeitskommission behält die Lauterkeit in der kommerziellen Kommunikation im Auge.

Die drei Kammern der Lauterkeitskommission haben es immer strenger. Die Anzahl Beschwerden ist auch im letzten Jahr markant gestiegen. Insgesamt sind 296 Klagen eingegangen. Pro Sitzung (die drei Kammern tagen je zwei Mal pro Jahr) haben die Kammermitglieder und die Experten inzwischen rund 30 Fälle zu behandeln. Dazu kommen noch Rekurse. Trotz konzentrierter und speditiver Arbeit ist die Kommission langsam aber sicher an ihrem Limit angelangt.

Dass immer mehr Beschwerden zu behandeln sind, hängt nicht zuletzt mit der aktiveren Öffentlichkeitsarbeit der Lauterkeitskommission zusammen. Die Medienarbeit scheint gewisse Bevölkerungsschichten animiert zu haben, spontaner zu klagen als früher. Ein Zufall scheint die Zunahme nicht zu sein, da der Anstieg nunmehr (ausser 2001) seit 1999 kontinuierlich zu registrieren ist.

2003 könnte man als Jahr der Geschlechterdiskriminierung bezeichnen. Entweder sind die Leute empfindlicher geworden oder es haben sich die umstrittenen Kampagnen gehäuft. Möglicherweise ist die Zunahme aber auch auf den Umstand zurück zu führen, dass einige Kampagnen erst durch voreilige staatliche Zensur ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerieten. Wie auch immer, die Lauterkeitskommission ist dank Selbstkontrolle die einzige Instanz, welche eine Handhabe gegen sexistische Werbung hat. Im staatlichen Recht findet sich nämlich keine Norm gegen solche Werbung.

Betreffend Sexismus entscheidet sich die Lauterkeitskommission allerdings in den seltensten Fällen zugunsten der Beschwerdeführer. Sie ist keine Moralinstanz und weist Klagen ab, wenn zwischen einem abgebildeten Körper und dem Produkt ein natürlicher Zusammenang besteht. Das war zum Beispiel im letzten Jahr bei einer Pelzwerbung so und auch bei der nicht zuletzt wegen der diversen Rügen berühmt gewordenen Sloggy-Kampagne.

Interessant aus der Sicht der betroffenen Medien ist der Umstand, dass die Directmarketing-Branche erstmals seit langem deutlich weniger von Beschwerden betroffen war als in früheren Jahren. Ob das Zufall oder das Ergebnis von DM-internen Anstrengungen ist, wird der nächste Tätigkeitsbericht zeigen. Zugenommen haben dagegen Klagen gegen Werbung im Internet, per Telefon und Fax.

Piero Schäfer

Zunahmen der Beschwerden seit 1999

Jahr | Beschwerden
1999   177
2000   196
2001   196
2002   265
2003   296

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25.02.2004

Schweizer Werbung SW am Euroforum in Wien

Die Kampagne «stopp-werbeverbote» hat auch international für Aufsehen gesorgt: Die Schweizer Werbung SW ist nach Wien eingeladen worden, um über die Aktion und deren Folgen zu referieren.

Schweizer Werbung SW am Euroforum

Die EU-Erweiterung in diesem Jahr wird eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen den europäischen Werbebranchen mit sich bringen. Kommunikation spielt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle im neuen Europa, weshalb Werbetreibende aus ganz Europa in Wien zusammen kommen.

Vom 31. März und 1. April 2004 wird die Österreichische Hauptstadt zum Treffpunkt der Kommunikations- und Werbebranche Europas. Ein umfangreiches Programm mit Schwerpunkten auf der europäischen Kreativität, dem jungen Nachwuchs Europas, der Freiheit der Kommunikationsbranche in Bezug auf Werbeverbote und –regulierungen sowie der Nachhaltigkeit als Wertfaktor in der Kommunikation wurde im Hinblick auf das neue, vielfältigere Europa zusammengestellt.

Zum Thema Restriktionen und Regulierungen der Werbebranche hat die Wiener Kongressleitung unter anderen die Schweizer Werbung SW eingeladen. Die Kampagne «stopp-werbeverbote», welche die SW im Auftrag der Allianz gegen Werbeverbote realisiert und gestreut hat, ist auch in Österreich aufgefallen. Deshalb haben die Organisatoren die SW eingeladen, über die Entstehung und die Konsequenzen der Aktion zu berichten.

Träger der Veranstaltung sind der Fachverband der Wirtschaftskammer Österreich sowie die Fachgruppe Wien für Werbung und Marktkommunikation. Durchgeführt wird die Veranstaltung vom Team der Werbeagentur Maric & Rinaldin unter Leitung von Konrad Maric, dem vom Fachverband beauftragten Repräsentanten der österreichischen Werbewirtschaft für internationale Kontakte.

Das euroforum:communication findet gleichzeitig und in Kooperation mit der Publica04 im neuen Wiener Messekongresszentrum statt.

Infos und Anmeldung: Euroforum www.euroforum.cc

Piero Schäfer

 

16.02.2004

Bundesrätin Calmy-Rey am Tag der Werbung

Bundesrätin Calmy-Rey am Tag der Werbung

Am diesjährigen Tag der Werbung wird erneut eine Vertreterin des Bundesrates zugegen sein. Wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bestätigt, hat Bunderätin Micheline Calmy-Rey zugesagt, am 29. April anlässlich der Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW sowie befreundeter Verbände auf dem Zürcher Uetliberg den Kommunikationsspezialisten einen Besuch abzustatten und ein Referat zu halten.

SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter zeigt sich erfreut über die Zusage der Aussenministerin, welche damit eine Tradition fortsetzt: Bisher waren bereits Pascale Couchepin (1999), Ruth Metzler (2000), Josef Deiss (2001) und Moritz Leuenberger (2002) Gastreferenten bei der SW-Mitgliederversammlung.

Auskunft: Schweizer Werbung SW, Tel.+41 44 211 40 11

shr

 

16.02.2004

SW bei Fumetto mit dabei

Fumetto Plakat

Neues aus der wunderbaren Welt des Comics wird Fumetto, das internationale Comix-Festival Luzern, vom 1. bis 9. Mai 2004 in rund 20 Hauptausstellungen präsentieren. Aus den vielfältigen Programm, das internationales und nationales Comic-Schaffen beinhaltet, ist für die Schweizer Werbung SW die Ausstellung zum Thema "Comic in der Werbung" von besonderer Bedeutung: Sie hat hierfür das Patronat übernommen. In diesem speziellen Projekt wird die grosse Präsenz des Mediums Comic in der Welt der Werbung und Kommunikation aufgezeigt. Ein Besuch der Luzerner Comic-Ausstellung lohnt sich für alle aus der Branche also doppelt, dient er doch zugleich als Weiterbildung!

pw

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Newsartikel 2003

7.12.2003

Diplomübergabe an KommunikationsleiterInnen

Stimmungsvolle Feier

Rund zwei Drittel der erfolgreichen Diplomandinnen und Diplomanden hat Mitte Dezember an einer Feier teilgenommen, bei welcher sie vom Präsidenten der SW-Prüfungskommission, René Schmutz, die begehrten Dokumente sowei diverse Preise entgegennehmen konnten.

Diplomfeier KommunikationsleiterInnen 2003

Reto Kammermann, Touring, Peter Gadient und Monika Schreiner, beste Absolventen, mit René Schmutz, Präsident der SW-Prüfungskommission.

Tobias Trevisan, Verlagsleiter NZZ und NZZ am Sonntag, begrüsste als Hausherr die frischgebackenen KommunikationsleiterInnen im Bistro an der Falkenstrasse in Zürich und gratulierte ihnen zu ihrem Erfolg. Er wisse, dass sie strenge Monate hinter sich hätten, und er stellte ihnen eine weiterhin anstrengende Zeit in Aussicht. Denn wer dieses Diplom in Händen halte, sei gewissermassen zum Erfolg verknurrt. Der Präsident der SW-Prüfungskommission, René Schmutz, hatte dann die angenehme Pflicht, die einzelnen Absolventinnen und Absolventen zur Erlangung des Diploms zu beglückwünschen. Den Anfang machte er mit den Besten des Kurses, Peter Gadient und Monika Schreiner. Die beiden hatten mit der Gesamtnote 5 abgeschlossen und wurden deshalb mit besonderen Auszeichnungen und Preisen geehrt. Aber auch die übrigen DiplomandInnen erhielten Zuwendungen diverser Sponsoren (b.a.t., SAWI, Marketing & Kommunikation, Touring und NZZ).

Nach der Diplomübergabe verweilten die neu Diplomierten zum gemeinsamen Nachtessen und genossen den unterhaltsamen Abend, der durch die fetzigen Töne der Band «The mighty Blues Monster» musikalisch untermalt wurde. Mehrere der Anwesenden genossen die Gastfreundschaft der NZZ nachhaltig und unterhielten sich immer noch blendend, als die Musiker ihre Instrumente längst verpackt hatten. Ein überzeugenderes Indiz für einen gelungenen Abend gibt es wohl kaum.

Piero Schäfer

 

24.11.2003

37 neue KommunikationsleiterInnen

Nach abgeschlossener Ausbildung haben sich im letzten September und Oktober 51 Kandidatinnen und Kandidaten der Fachprüfung als Kommunikationsleiter unterzogen. 37 von ihnen haben das Examen bestanden und werden Mitte Dezember in Zürich das Diplom entgegen nehmen können.

Zum zweiten Mal sind in diesem Jahr die Absolventen der Kommunikationsleiter-Ausbildung nach dem neuen Reglement geprüft worden. Insgesamt 51 Kandidatinnen und Kandidaten aus der Deutschschweiz haben sich der höheren Fachprüfung unterzogen. 37 Personen (21 Herren und 16 Damen) haben die anspruchsvolle Prüfung bestanden. Geprüft werden neun Fächer, wobei die drei Hauptfächer Marketing, Integrierte Kommunikation und Media qualifiziert gewertet werden, das heisst, in diesen Fächern dürfen sich die KandidatInnen keine Note unter 4.0 erlauben.

Verglichen mit anderen Jahren hat der Jahrgang 2003 durchschnittlich gut abgeschnitten: Die Erfolgquote von 72% ist identisch mit dem Vorjahr.

Zwei Kandidaten, Peter Gadient und Monika Schreiner haben das Examen mit einer Gesamtnote von 5 abgeschlossen (Gadient sogar 5.1) und führen die entsprechende Tabelle an. Gadient ist zudem der einzige, der zwei Mal die Idesalnote 6 erzielte und zwar in den Fächern Volkswirtschaft und Rechtskunde.

Am 12. Dezember werden die erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen in Zürich (bei der NZZ) ihre wohlverdienten Diplome entgegennehmen können. Und die Besten kommen in den Genuss diverser gestifteter Spezialpreise.

Liste der erfolgreichen KandidatInnen

Gadient Peter, Auslikon (5,1)
Schreiner Monika, Oberrieden (5,0)
Aebli Marc, Kreuzlingen
Agostino Mario, Oberkulm
Arleo Pasquale, Wildegg
Bandi Pierre, Ipsach
Baumgartner Lukas, Zürich
Brand Marcel, St. Gallen
Bühler Simone, Zürich
Djavanbakht Amarloui-Andress Nicole Zofingen
Fink Michel, Grossaffoltern
Graf Didier, Goldach
Hügli Pamela, Zürich
Jud Roman, Zürich
Kammermann Markus, Wil
Kielholz Daniel, Horgen
Lehmann Muriel, Basel
Maron Christina, Zürich
Mitteldorf Frank, Zürich
Nigg Andrea, Küsnacht
Pereira Domenico, Bern
Rauber Fabian, Windisch
Riesen Karin, Uetikon
Rüttimann Thomas, Zürich
Sartorio Cinzia, Dietlikon
Schwitter Tanja, Lachen
Sedeljsak Andreja, Zürich
Spori René, Faulensee
Stäheli André, Zürich
Stamm Nicole, Wangen
Staub Christian, Adliswil
Stenico Grünenfelder Carmen, Wädenswil
Strebel Romano, Zürich
Tschudi Eliane, Illighausen
von Wartburg Mathias, Basel
Walker Irene, Ennetbaden
Wüthrich Karin, Zürich

Monika Luck

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03.11.2003

Werbeverbot-News I

Nationalrat prüft Verbot der Tabakwerbung

Die nationalrätliche Kommission für soziale Sicherheit und Der Nationalrat soll ein Verbot der Tabakwerbung nach europäischem Vorbild ernsthaft prüfen. Seine Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) beantragte mit 11 zu 7 Stimmen bei 2 Enthaltungen, einer Einzelinitiative Folge zu geben. Christian Grobet (SP/GE) hatte die Initiative eingereicht, weil verschiedene Vorstösse namentlich zum Schutz der Jugend beim Bundesrat nichts gefruchtet hätten. Folgt der Nationalrat dem Antrag der Kommissionsmehrheit, muss die SGK eine Vorlage ausarbeiten.

 

03.11.2003

Werbevorbot-News II

Aargau will Tabak- und Alkoholwerbung einschränken

Die Aargauer Regierung will die Werbung für Tabak und alkoholische Getränke mehr einschränken. Der Nutzen für die Volksgesundheit und die Suchtvorbeugung sei grösser als der Verlust für die Werbewirtschaft, schrieb der Regierungsrat am Freitag. Lilian Studer (EVP) verlangte mit einer Motion, dass nicht nur auf öffentlichem Grund, sondern auch in und an öffentlichen Gebäuden nicht mehr für Tabak und Alkohol geworben werden dürfe. Das Verbot soll auch für alle von öffentlichem Grund aus einsehbaren Orte gelten. Der Regierungsrat will den Vorstoss entgegennehmen. Über die Ausgaben für Alkohol-Werbung in der Schweiz lägen keine genauen Zahlen vor, so der Regierungsrat. Im Bereich Tabak würden jährlich 39 Mio. Franken für Sponsoring und 71 Mio. Franken für Werbung ausgegeben. Diese 71 Mio. Franken entsprächen 1,51% des gesamten Schweizer Werbe-Umsatzes.

Kantonale Einschränkungen für Tabak- und Alkoholwerbung sind laut einem Bundesgerichtsurteil aus dem Kanton Genf zulässig. Bereits ein Verbot eingeführt hat auch der Kanton Basel-Stadt. In neun Kantonen, darunter Basel-Landschaft, Bern und Zürich, wurden parlamentarische Vorstösse zur Tabak- und Alkoholwerbung überwiesen. Wie im Aargau sind auch in Schwyz und im Tessin Vorstösse hängig. Dagegen lehnten die Kantone Solothurn und Wallis Werbe-Beschränkungen ab.

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22.10.2003

Petition in Lausanne

Weitere Attacke gegen Plakatwerbung

Nachdem in Genf bereits eine Petition für die Reduktion von Plakatstellen eingereicht worden ist, steht dasselbe jetzt in Lausanne bevor: Eine feministische Vereinigung verlangt, dass die Werbezonen signifikant reduziert werden.

Sie nennt sich «La Meute Suisse» und ist eine feministische Vereinigung in Lausanne mit zehn Mitgliedern. Und sie hat sich zum Ziel gesetzt, gegen die ihrer Meinung nach grassierende Werbe-Invasion zu kämpfen. Den Mitgliedern der Organisation geht es in erster Linie darum, die Werbezonen auf öffentlichem Grund signifikant zu reduzieren. Ihrer Meinung nach werde dieser zunehmend von Plakaten und Werbung überwuchert. «Keine Bushaltestelle, kein Mauerfleck oder Fahrzeug der Verkehrsbetriebe, das nicht eine Werbebotschaft auf sich trägt», reklamiert La Meute Suisse. Im Unterschied zu Werbung in den Medien könne man den Kampagnen auf öffentlichem Boden auch nicht ausweichen. Des weiteren beabsichtigst La Meute Suisse gegen sexistische Werbung vorzugehen. Werbung mit Frauen als Luxusobjekte im Dienste des Kommerzes soll bekämpft werden. Anfang Sommer haben die Frauen mit der Lancierung einer Petition begonnen, welche von der Lausanner Regierung eine markante Reduktion des Plakatvolumens verlangt. Noch in diesem Monat wird die Petition, welche rund 300 Unterschriften tragen soll, eingereicht werde.

Piero Schäfer

 

22.10.2003

Warnungen auf Zigarettenschachteln

Verpackungsidee verhüllt Gesundheitswarnungen

Das deutsche Unternehmen Wrapsy hat die seit Anfang Oktober verpflichtenden Gesundheitswarnungen auf Zigarettenschachteln als Werbeflächen entdeckt: Ihre Kartonhüllen zum Verdecken der Warnung wurden bereits 2,4 Millionen mal verkauft.

Wrapsy Hüllen 2003

2.4 Millionen Wrapsy-Hüllen sind bereits verkauft, mit denen sich die neuen Gesundheitswarnungen auf den Zigarettenschachteln verdecken lassen.

Die Verpackungsidee von Wrapsy, die auch eine zündende Vermarktungsidee ist, nutzt ein bekanntes psychologische Phänomen: die Verdrängung. Kleine über die Schachtel gestülpte Kartonhüllen bieten RaucherInnen die Möglichkeit, den Hinweisen auf die gesundheitsschädlichen Folgen ihrer freiwilligen Entscheidung zu entgehen. Die Wrapsy-Hüllen könne entweder vom Raucher selbst mit lustigen Motiven gekauft werden oder aber von Unternehmen als Werbe-Give-Aways geordert werden.

Die Idee ist laut Angaben des in Planegg bei München ansässigen Unternehmens schon jetzt ein Erfolg. Die kleinen Verdrängungshilfen finden demnach "reissenden Absatz", bereits 2.4 Millionen Stück seien bisher verkauft worden. Beim Design der Hüllen kann der Raucher aus den Kategorien Erotik, Witze, Sprüche, Szene und Sternzeichen auswählen. Für 40 Cent sollen sie in Deutschland und Österreich überall erhältlich sein, wo es auch Zigaretten gibt. Für Unternehmen bietet Wrapsy die Hüllen als Werbeflächen an, die als Give-Aways bei Marketingaktionen verteilt werden können. Zigarettenschachteln könnten daher bald von Werbeslogans bedeckt sein anstatt von Warnungen wie "Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen".

Die Geschäftsidee stützt sich unter anderem auf eine europaweite Umfrage der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Markt- und Meinungsforschung AGEMAS. Von mehr als 4000 Befragten gaben demnach mehr als die Hälfte der Deutschen an, gegen die Warnhinweise zu sein. In Grossbritannien äusserten sich sogar 71 Prozent ablehnend. Zudem finden knapp 50 Prozent der Deutschen die neuen Zigarettenschachteln "hässlich". Eine Mehrheit der Befragten sieht in der EU-Richtlinie eine Bevormundung.

Seit dem 1.Oktober 2003 müssen alle Schachteln gemäss der EU-Tabak-Richtlinie deutlich vergrösserte Gesundheitswarnungen tragen. Auf 30 Prozent der Vorderseite muss Schwarz auf Weiss mit schwarzem Rahmen die Ermahnung stehen, dass Rauchen tödlich ist oder sein kann. Die Rückseite muss zu 40 Prozent von verschiedenen Warnungen bedeckt sein.

pm

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06.10.2003

www.stopp-werbeverbote.ch online


Kampagnensujet Stopp-Werbeverbote

Zensurierte Werbung: Ein Beispiel aus der kommenden Stopp-Werbeverbote-Kampagne.

Die Homepage der Allianz gegen Werbeverbote «www.stopp-werbeverbote.ch» ist seit Anfang Oktober in deutscher, französischer und italienischer Sprache auf dem Internet. Sie bildet das Rückgrat einer Kampagne, welche die Öffentlichkeit informieren und auf die Nutzlosigkeit und Schädlichkeit von Werbeverboten aufmerksam machen will. Die Site enthält unter anderem ein Argumentarium gegen die drohende Einschränkung der Kommunikationsfreiheit sowie eine ganze Reihe von Statements betroffener Branchen-VertreterInnen und PolitikerInnen. Ergänzt wird die Homepage durch eine Werbekampagne der Agentur Publicis, welche demnächst in allen Mediengattungen zu sehen sein wird. Die Kampagne versinnbildlicht die drohenden Werbeverbote und die damit verbundene staatliche Zensur mit schwarzen Balken.

www.stopp-werbeverbote.ch (Site nicht mehr in Betrieb) - Informationen unter: http://www.sw-ps.ch/de/content/werbeverbote


Le site Internet de l'Alliance contre les interdictions de publicité est en ligne deuis aujourd'hui en allemand, français et italien. Il constitue le support d'unne campagne dont l'objectif est d'informer le public et d'attirer son attention sur l'inutilité et même le danger des interdictions de publicité. Le site offre entre autres un argumentaire contre les restrictions qui menacent la liberté de la communication, ainsi qu'une série de prises de position de personnalités politiques et de représentants de la branche. Il est comlöté par une campagne publicitaire que l'on pourra voir bientôt dans tous les méedias. La campagne présente des bandeaux noirs symbolisant les interdictions de publicité qui nous guettent et le danger de censure gouvernementale y afférent.

www.stop-interdiction-pub.ch (Site nicht mehr in Betrieb) - Informations: http://www.sw-ps.ch/de/content/werbeverbote


Il sito Internet dell'Alleanza contro i divieti di pubblicità è da oggi online in italiano, tedesco e francese. Rappresenta il pilastro di una campagna che mra a informare l'opinione pubblica e ad aprire gli occhi sull'inutilità e sui danni dei divieti di pubblicità. Il sito contiene tra l'altro un argomentario contro l'incombente minaccia di limitazione della libertà di comunicazione nonché una serie di prese di posizione dei rappresentanti dei settori e dei politici coinvolti. Il sito Internet è completato da una campagna pubblicitaria, che sarà prossimamente veicolata attraverso diversi media. La campagna siboleggia l'incombente minaccia dei divieti di pubblicità e della relativa censura statale con delle strisce nere.

www.basta-divieti-pubblicita.ch (Site nicht mehr in Betrieb) - Informazioni: http://www.sw-ps.ch/de/content/werbeverbote

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06.10.2003

SW-Parlamentarier-Talk zum Thema Werbeverbote

Eine Frage des Menschenbildes

Der SW-Parlamentarier-Talk war geprägt von einer ideologischen Diskussion um das Menschenbild. Derweil die Werbeverbotsgegner die Eigenverantwortung des Bürgers in das Zentrum stellen, lehnen Werbeverbotsbefürworter diese These ab. Gerade Jugendliche seien noch nicht in der Lage, die Reichweite ihres Verhaltens zu beurteilen und müssten deshalb vor der verführerischen Wirkung der Werbung geschützt werden.

Parlamentariertalk 2003 zum Thema Werbeverbote
Die Referenten Amstutz/Tapernoux (oben v.l.) und Leutenegger/Arnold (Mitte v.l.).
Moderiert wurde der Parlamentarier-Talk durch Piero Schäfer (unten stehend).


Eines haben alle vier Podiumsteilnehmer gemeinsam: Sowohl die Vertreter der bürgerlich-wirtschaftlichen Meinung, Kantonsrat Martin Arnold und Jean-Frey-CEO Filippo Leutenegger, als auch die Befürworter von Werbeverboten, die St. Galler Gemeinderätin Susanne Tapernoux und der Zürcher Kantonsrat Hanspeter Amstutz machen sich Sorgen um die Jugendlichen, die offensichtlich in vermehrtem Masse zur Zigarette greifen. Während Arnold und Leutenegger aber der Meinung sind, dass Werbeverbote nicht dazu geeignet sind, irgendwelche Verhaltensänderungen herbeizuführen, glauben Tapernoux und Amstutz daran. Sekunderlehrer Amstutz hielt fest, dass Werbeverbote lediglich ein Teil verschiedener Massnahmen zur Bekämpfung des Missbrauchs durch die Jugendlichen seien. Ausserdem kritisierte er die Werbung als «irreführend» und als «grosse Täuschung». Insofern sei die ins Feld geführte Meinungsäusserungsfreiheit ohnehin mehr als fragwürdig.

Filippo Leutenegger stellte die Prämisse der Werbeverbotsbefürworter in Frage, die davon ausgeht, dass ein Verbot einen positiven Effekt habe: «Letztlich geht es um das Menschenbild, das hier angesprochen ist. Sie glauben, dass ein Werbeverbot das Suchtverhalten beeinflussen könne.» Dies sei aber nicht bewiesen. Länder, die seit Jahrzehnten ein Werbeverbot haben, wiesen genau die gleichen Raucherzahlen auf wie solche mit Werbung. Leutenegger forderte deshalb zuerst eine Lagebeurteilung sowie eine Wirkungsanalyse. «Jede Prohibition hat in einem liberalen Staat das Gegenteil von dem bewirkt, was die Politiker respektive der Staat wollten», meinte er.

Hardcore-Kommunikation
 
Die Angst, Werbeverbote könnten eine wesentlich direktere, persönliche Ansprache in Clubs und über Internet provozieren, relativierte die EVP-Präsidentin des Kantons St. Gallen damit, dass verantwortungsvolle Politik, welcher die Volksgesundheit ein Anliegen sei, eben nur Schritt für Schritt versuchen könne, die Situation in den Griff zu kriegen. Dem hielten Leutenegger und Arnold entgegen, dass man eine Eindämmung des Konsums niemals durch Verbote erreichen könne. Das einzige was errichtet werde, sei eine Zementieren des Marktes. Arnold ergänzte, dass die Erfahrungen im Alkoholkonsum bei Jugendlichen dies bestätige: «Die Verbote werden doch elegant umgangen.» Man könne einfach nicht alles per Dekret verordnen. Die Menschen würden anders funktionieren.

Kantonsrat Amstutz stellte eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Bedürfnis nach Prävention und den reellen Verhältnissen fest: «Alle reden von Vorbeugung, aber was nützt das, wenn die Werbung das Rauchen verherrlicht?» Damit verlören die Politiker, welche sich für Prävention einsetzten, ihre Glaubwürdigkeit. Um etwas zu erreichen in der Prävention müssten diverse Massnahmen (Alterslimite, Verkauf, Preis etc.) in Form eines Netzwerkes greifen, um den Konsum zu reduzieren.

Menschen mit Eigenverantwortung gesucht

Arnold hielt dem entgegen, gerade Lehrer hätten doch die Möglichkeit und die Aufgabe, die Jugendlichen zu eigenständigem Denken und Handeln zu erziehen. «Wir brauchen eigenverantwortliche Menschen, die mit solchen Widersprüchen umgehen können», meinte der Geschäftsleiter des Kantonalen Gewerbeverbandes Zürich. Leutenegger stellte die These auf, dass ein Werbeverbot für Zigaretten gezwungenermassen auch auf andere gesundheitsschädigende Produkte wie Alkoholgetränke ausgedehnt werden müsse. In letzter Konsequenz sei dann auch Werbung für Mofas und andere gefährliche Geräte betroffen: «Und dann haben wir den vom Gutmenschen eingerichteten Obrigkeitsstaat.»

Der Kritik am gegenwärtigen gesetzlichen «Flickenteppich» in der Schweiz, der durch die zahlreichen teilweise höchst unterschiedlichen kantonalen Motionen für Werbeverbote zu registrieren ist, begegnete Amstutz mit der fehlenden Effizienz der Gesetzgebung auf nationaler Ebene. Man sei in Bern einfach nicht weiter gekommen, deshalb sei es angesichts der höchst gravierenden Situation jetzt die Aufgabe der Kantone aktiv zu werden.

Piero Schäfer

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20.08.2003

Neuer Gemeinsamer Tarif 9 (GT 9) mit ProLitteris

Die Schweizer Werbung SW/PS hat sich aktiv an den Verhandlungen mit der Verwertungsgesellschaft ProLitteris über einen neuen Gemeinsamen Tarif 9 (GT 9) beteiligt. Dieser Tarif betrifft die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken in elektronischer Form zum Eigengebrauch mittels betriebsinterner Netzwerke. Die sechste und letzte Verhandlung fand am 3. Juli 2003 in Bern statt. Zusammen mit anderen Verbänden konnte erreicht werden, dass diese neue Abgabe um einiges tiefer ausfallen wird als dies von ProLitteris ursprünglich geplant war. Im Rahmen der Verhandlungen konnte auch erreicht werden, dass der Nachweis möglich ist, dass gar kein Netzwerk im Betrieb installiert ist. Der Tarif knüpft nun direkt an den bereits bestehenden Fotokopiertarif (GT 8) und wird für die Werbebranche wie folgt aussehen:
2–9 Angestellte: 10 Franken/Jahr
10–19 Angestellte: 30 Franken /Jahr
20–49 Angestellte: 60 Franken /Jahr
50–99 Angestellte: 120 Franken /Jahr
100–199 Angestellte: 240 Franken /Jahr
mehr als 199 Angestellte: Vergütung gemäss GT 8 mal Faktor 0.3

Die Rechnungsstellung der ProLitteris wird zusammen mit derjenigen des GT 8 erfolgen.

Dr. Marc Schwenninger, SW-Rechtskonsulent

 

02.07.2003

Personelle Änderungen bei der Lauterkeitskommission

Personelle Änderungen in der Lauterkeitskommission

Marc Schwenninger (Bild ganz oben) hält neu das Amt des Sekretärs der Schweizerischen Lauterkeitskommission inne. Piero Schäfer, zuständig für die Kommunikation der Lauterkeitskommission, ist neu sein Stellvertreter.

Per 30. Juni 2003 ging die langjährige, engagierte Tätigkeit von Dr. Hanspeter Marti als Sekretär der Lauterkeitskommission zu Ende. Gerne benützen wir die Gelegenheit, Ihm für seinen unermüdlichen Einsatz nochmals ganz herzlich zu danken.

Ab dem 1. Juli 2003 übernimmt nun RA Dr. Marc Schwenninger dieses Amt, und wir wünschen Ihm einen erfolgreichen Start. Marc Schwenninger ist wie folgt zu erreichen:

Schwenninger Anwaltskanzlei, Stettbachstrasse 6, 8600 Dübendorf, Tel. +41 44 820 41 42, Fax +41 44 820 41 44, Handy +41 79 793 41 67, E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ebenfalls ab 1. Juli 2003 tritt Dr. Piero Schäfer sein Amt als stellvertretender Sekretär der Lauterkeitskommission an. Gleichzeitig wird er weiterhin für die Kommunikation der Lauterkeitskommission zuständig sein. Seine Anschrift bleibt unverändert:

Rückgasse 10, 8008 Zürich, Tel. +41 44 383 85 77, Fax +41 44 383 85 78, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Das Sekretariat der Lauterkeitskommission wird wie bis anhin von Bernadette Viviani an der Kappelergasse 14, 8022 Zürich, Tel. +41 44 211 79 22, Fax: +41 44 211 80 18; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, betreut.

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23.06.2003

Plädoyer für starke Marken

«Marken müssen geschützt werden», darin waren sich die vier Markenrecht-Spezialisten am SW-Workshop von Ende Juni einig. Die rund 40 Teilnehmenden erfuhren, warum und wie und auf was es im Markenschutz sonst noch ankommt.


SW Workshop 2003 - Plädoyer für starke Marken

Fachkundig: Martin Schneider, Christoph Willi, Célia Ullmann, Markus Ineichen und Marc Schwenninger von der SW (v.l.).

pw. Es war sehr heiss am Montagnachmittag des 23. Juni, als sich rund 40 Teilnehmende im zumindest luftig hohen Saal des Restaurants Weisser Wind im Zürcher Niederdorf einfanden. Die Stimmung war dennoch erwartungsfroh, schliesslich handelte es sich um ein grundlegendes Thema: der Schutz einer Marke.
 
«Schweiz» gehört allen

Nach der Einführung durch Marc Schwenninger von der SW startete Jurist Martin Schneider mit der nicht ganz trivialen Frage, ob denn «Schweiz» eine Marke (Definition s. unten) sei. Ist es nicht, denn «Schweiz» ist Gemeingut ihrer EinwohnerInnen. Ob ein Logo, ein Slogan oder eine Form als Marke anerkannt wird, entscheidet in der Schweiz das Institut für Geistiges Eigentum. Als Sekretär der IGE-Rekurskommission werde er immer wieder mit Fällen konfrontiert, deren Registrierung «auf Messers Schneide» stehe, weil die Marke eben nur bedingt darauf hinweise, welches Produkt oder welche Dienstleistung dahinter stehe oder weil Begriffe gewählt wurden, die Gemeingut seien. «Fantasievolle, so genannt starke Marken lassen sich besser schützen», so sein zentraler Hinweis an die Gäste.

Das Referat von Rechtsanwalt Markus Ineichen zeigte auf, wie weit der Schutz einer Marke reicht. Der Umfang bei einer «normalen» Marke – die überwiegende Mehrheit der 500’000 in der Schweiz eingetragenen Marken – ist durch die Verwechslungsgefahr bestimmt. Diese ist beispielsweise bei Toblerone gering: Name und insbesondere Form sind bestechend aussergewöhnlich. Der Markenschutz – notabene ein vom Staat für jeweils zehn Jahre gewährtes Monopol – hängt auch davon ab, ob der Markeninhaber seine damit verbundenen Pflichten wahrnimmt: Er muss die Marke gebrauchen, ihren Schutz erneuern, ihn überwachen und last but not least auf seinem Produkt oder seiner Dienstleistung auf den Schutz hinweisen.
 
Markenschutz Schritt um Schritt

Célia Ullmann beleuchtete die praktischen Schritte, die beim Markenschutz zu beachten sind. «Am Anfang steht die genaue Ermittlung der Verfügbarkeit einer Marke», so die Unternehmerin. Gar kein leichtes Unterfangen, genügen doch Nachforschungen im Internet keinesfalls. Es gilt vielmehr, u.a. diverse nationale und internationale Register und Datenbanken zu durchforsten. Ist die neue Marke «geboren», so kann die Registrierung beim nationalen und/oder weiteren internationalen Registerämtern erfolgen. Weniger sei hier oft mehr. Fragen wie «Welches sind die zentralen, zu schützenden Elemente meiner Marke?» und «In welchen Ländern will ich Schutz erwirken?» sind sorgfältig zu beantworten. Und dann gelte es eben, die registrierte Marke zu überwachen, damit ein wirkungsvoller Schutz überhaupt betrieben werden könne.

Rechtsanwalt Christoph Willi zeigte auf, wie knifflig es ist, eine wirklich starke Marke zu entwickeln. «Nutella» muss mit Trittbrettfahrern wie «Rastella» leben, weil Name und Bildelemente den Brotaufstrich mit Haselnüssen beschreiben. Ist die starke Marke trotz aller potenziellen Schwierigkeiten erfolgreich entwickelt und registriert, dann gilt es, sie konsequent zu schützen, denn: «Alles, was Erfolg hat, wird kopiert», so der Spezialist abschliessend. Womit ein informativer und überwiegend «starker» Workshop mit einem von SAWI und Promarca offerierten Apéro sein Ende fand.

Die Workshop-Unterlagen sind bei der SW-Geschäftsstelle für 40 Franken zu beziehen. Tel. +41 44 211 40 11 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Begriffe der Marke ausgedeutscht

Die Marke im rechtlichen Sinn ist ein Zeichen, das geeignet ist, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von solchen anderer Unternehmen zu unterscheiden. Marken können insbesondere Wörter, Buchstaben, Zahlen, bildliche Darstellungen, dreidimensionale Formen oder Verbindungen solcher Elemente untereinander sein. Vom Markenschutz ausgeschlossen sind u.a. Zeichen, die Gemeingut sind. Ausser wenn sie sich für die Waren oder Dienstleistungen durchgesetzt haben, für die sie beansprucht werden. So genannt starke Marken zeichnen sich durch Unverwechselbarkeit und Fantasie aus, insbesondere beschreiben sie nicht die Eigenschaften der Ware oder der Dienstleistung nach Herkunft, Wirkungsweise, Gebrauchszweck, Zusammensetzung oder Qualität.

Pascale Weingartner

 

24.05.2003

Eidg. Berufsprüfung

An der Sitzung der Prüfungskommission der Schweizer Werbung vom 15. Mai 2003 wurden die Resultate der eidg. Berufsprüfung Planer/in Marketingkommunikation (PMK) verabschiedet.

An der Sitzung der Prüfungskommission der Schweizer Werbung vom 15. Mai 2003 wurden die Resultate der eidg. Berufsprüfung Planer/in Marketingkommunikation (PMK) verabschiedet.

Das Ergebnis der diesjährigen Leistungen der 221 Kandidaten lässt sich sehen: 63,3% oder 140 neue PMK können in diesen Tagen beglückwünscht werden. Damit hat sich die PMK-Prüfung im dritten Jahr nach dem neuen Prüfungsreglement an die Erfolgsquoten der ehemaligen Werbeassistenten-Prüfung angenähert. Erfreulich ist auch, dass sich gegenüber dem Vorjahr 30 Kandidaten mehr der Prüfung gestellt haben. Der Fachausweis PMK hat sich damit gut im Ausbildungs- und Werbemarkt positioniert.

Die neuen PMK können jetzt mit Ihrer bestandenen eidg. Prüfung nachweisen, dass diese insbesondere in den Hauptfächern Kommunikationsplanung, Media und Produktion über ein gutes Fachwissen verfügen. Keine andere Berufsprüfung mit Fachausweis deckt diese Disziplinen besser ab. Schweizweit beste Kandidatin mit einer Schlussnote von 5,2 ist Frau Anita Caprez. Sie und alle anderen erfolgreichen PMK dürfen am 27. Juni auf dem Berner Hausberg "Gurten" den begehrten Fachausweis mit einer kleinen Feier entgegen nehmen. Die nächste Prüfung PMK findet im März/April 2004 statt. Der Anmeldetermin ist am 21. Oktober 2003.

Liste der neuen PMK  2003

Dr. Piero Schäfer

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12.05.2003

78. Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW

Kämpferische Töne in Lausanne

Die Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW stand ganz im Zeichen des Kampfes gegen Werbeverbote: Die Werbeagentur Publicis präsentierte am Freitag eine Kampagne, welche sie im Auftrag der «Allianz gegen Werbeverbote» entworfen hatte, und SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter kündigte an, dass die Branche nicht mehr bloss kommunikativ, sondern auch politisch gegen die drohenden Werbeverbote vorgehen wolle.


Tag der Werbung 2003

 

 

 

 

 

Fünf der sieben neuen Vorstandsmitglieder: Guido Wietlisbach, Urs Schneider, Cornelia Harder, Saverio Progano und Beat Mühlemann (Foto oben, v.l.). Carlo Schmid-Sutter, SW-Präsident mit Cornelia Harder, Managing Director Publicis (Foto mitte). Lova Golovtchiner, Satiriker (Foto unten).

 

 

 

 

 

 

 

Auf Einladung des Westschweizer Kommunikationsverbandes FRP fand die Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW diesmal in Lausanne statt. Und eine stattliche Anzahl SW-Mitglieder war an den Genfersee gereist, um zusammen mit anderen Kommunikations-Verbänden den «Tag der Werbung» zu begehen. Austragungsort war die Maison de la Communication, eine Einrichtung, um welche die Deutschschweizer ihre Kollegen aus der Romandie seit langem beneiden. SW-Präsident Carlo Schmid verband das Lob für diese nachahmenswerte Institution mit dem Wunsch, dass man vielleicht auch in Zürich in absehbarer Zeit einmal etwas ähnliches realisieren könne.
 
Zentrales Thema der Versammlung bildete die Vorstellung der Werbekampagne gegen Werbeverbote, welche die Zürcher Werbeagentur Publicis im Aufrag der «Allianz gegen Werbeverbote» kreiert hatte. In diversen Westschweizer Zeitungen und auf Plakaten waren mehrere Sujets der Serie zu sehen, bei welchen es in erster Linie darum geht, den Gedanken der Zensur mit schwarzen Balken zu visualisieren.
 
In seiner Rede liess SW-Präsident Carlo Schmid dann freilich durchblicken, dass man angesichts der drohenden Werbeverbote gewillt sei, nicht bloss kommunikativ zu argumentieren, man wolle, ja man müsse jetzt auch politisch aktiver werden, indem in diversen Kantonen die Möglichkeit eines Referendums geprüft werde. Ausserdem wolle man in Kantonen, wo Motionen hängig sind, das Gespräch mit den federführenden Kommissionen suchen.
 
Erfreuliches konnte Schmid von den Medien berichten, die sich praktisch unisono hinter die Aktion der Allianz stellen und für die Werbekampagne gegen Werbeverbote unentgeltlich Inserateraum oder Spotsequenzen zur Verfügung stellen, um die Bevölkerung für die Problematik solcher Werbeverbote zu sensibilisieren.
 
Im statutarischen Teil gab es eine Statutenänderung abzusegnen: Die Mitglieder hiessen eine Änderung des Art. 17 gut, in welchem die Zusammensetzung des Vorstandes normiert ist. Neu können jetzt auch Delegierte einer Organisation der kommerziellen Kommunikation, welche nicht in den übrigen drei Mitgliedschaftsgruppen (Werbeauftraggeber, Werbeagentur, Werbemedium) vertreten sind, im Vorstand Einsitz nehmen.
 
Sieben neue Vorstandsmitglieder
Diese Änderung war nötig geworden, weil mit dem Präsidenten des Schweizer Direkt Marketing Verbandes, Guido Wietlisbach, ein Vertreter einer bisher nicht im Katalog des Vorstandes enthaltenen Organisation aufgenommen werden sollte. Nach angenommener Statutenänderung stand denn auch einer Wahl Wietlisbachs in den Vorstand nichts mehr entgegen. Er wurde zusammen mit sechs anderen Persönlichkeiten neu in den Vorstand gewählt. Es handelt sich dabei um: Saverio Progano, (Managing Director Mediaedge:cia als Vertreter der FRP), Beat Mühlemann (Leiter Direktion Marketing Kommunikation beim Migros-Genossenschaftsbund), Bernhard Eggli (Leiter Brand Management & Communication, UBS AG), Cornelia Harder (Managing Director, Publicis), Urs Schneider (Inhaber mediaschneider AG) und Otto Meier (Generaldirektor Publicits AG).
 
Die neuen Vorstandmitglieder wurden ohne Gegenstimme und mit Akklamation gewählt. Nach einem brillianten Auftritt des Westschweizer Satirikers Lova Golovtschiner begaben sich die VerbandsvertreterInnen gutgelaunt auf ein Genferseeschiff, wo der Tag der Werbung röstigrabenüberbrückend seinen gesellschaftlichen Ausklang erlebte.

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09.05.2003

Anti-Tabak-Konvention: Schweiz gegen totales Werbeverbot

In Genf haben die Verhandlungen über die geplante Anti-Tabak-Konvention begonnen. Die Schweiz unterstütze angemessene Massnahmen, um den Tabakkonsum bei Jugendlichen, Frauen und in benachteiligten Ländern einzudämmen, erklärte Reto Dürler, Leiter der internationalen Abteilung im Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Genf.
 
Ein totales Werbeverbot für Zigaretten werde von der Schweiz allerdings nicht unterstützt. Es handle sich um eine «Maximalforderung» der WHO, sagte Dürler gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Denkbar sei aber immerhin ein Werbeverbot für Zigaretten in den Kinos, weil diese von vielen Jugendlichen besucht würden.
 
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlangt unter anderem ein weltweites Werbeverbot sowie eine massive Erhöhung der Tabaksteuer. Rund 300 Vertreter aus 175 der 191 WHO-Mitgliedländer nehmen am Treffen teil. Die Konvention soll nach dem Willen der WHO bereits in zwei Jahren verabschiedet werden. Der Text ist nach der Ratifizierung für alle Unterzeichner rechtlich bindend.

mir.


Acht Gründe, die gegen Werbeverbote sprechen:

Im Zweifel für die Freiheit

Sündenbock "Kommunikation"


Werbeverbote sind untauglich und unverhältnismässig.

Es ist offensichtlich: Im Moment sind Werbeverbote bei unseren Behörden sehr aktuell. Aus nachvollziehbaren Gründen und im Interesse der Volksgesundheit glauben Politiker, dem Konsum mit Werbeverboten einen Riegel schieben zu können. Was auf den ersten Blick plausibel klingt, verfehlt jedoch bei näherer Betrachtung die angestrebte Wirkung. Und hat dafür zahlreiche negative Folgen. Die Schweizer Werbung SW engagiert sich deshalb gegen einen weiteren Abbau der Kommunikationsfreiheit.
 
1. Werbeverbote reduzieren den Konsum nicht

Die Befürworter von Werbeverboten gehen von der irrigen Meinung aus, dass ein Verbot der Werbung auch automatisch eine Reduktion des Konsums nach sich ziehe. Dem ist aber nicht so. Verschiedene Studien belegen, dass die Werbeausgaben die Höhe des Gesamtkonsums nicht beeinflussen. Das gilt für Tabak- ebenso wie für Alkoholprodukte. Viel Werbung bedeutet also nicht mehr Konsum, weniger Werbung bedeutet nicht Reduktion des Konsums.
 In zahlreichen Ländern hat die Bevölkerung nach der Einführung eines Werbeverbotes gleich stark oder gar noch heftiger geraucht. Gutes Beispiel dafür ist Italien, wo seit 1962 ein Werbeverbot besteht. Dort versuchen die Behörden jetzt mit Rauchverboten in den Restaurants der Rauchleidenschaft Herr zu werden, nachdem die Werbeverbote nichts fruchteten.1

a) Fakten, die eine klare Sprache sprechen

Tabakkonsum
Dass Werbeverbote den Konsum nicht reduzieren, unterstreichen auch die Verhältnisse in ehemaligen Ostblockländer. Dort herrschte zur Zeit der Planwirtschaft bekanntlich ein totales Werbeverbot und dennoch haben die Leute extrem stark geraucht.

Gleiches gilt für die BRD und die ehemalige DDR: Im werbefreien Osten rauchten knapp 42 Prozent der Leute zwischen 12 und 24 Jahren, in der BRD waren es fast 9 Prozent weniger. Trotz Werbung.

Neueste Zahlen aus Polen beweisen, dass Werbeaufkommen und Konsum nicht direkt von einander abhängen: Im Dezember 2000 ist ein totales Werbeverbot in Kraft getreten. Dennoch stieg der Zigarettenkonsum im Jahre 2001 um 1,65 Milliarden Zigaretten.

Dass zwischen Werbeaufkommen und Konsum kein Zusammenhang besteht, zeigen auch die Zahlen aus Ländern, die ein totales Werbeverbot verfügt haben: In Italien, wo seit 1962 ein Werbeverbot besteht, wurden zwei Jahre vor der Einschränkung 52 Milliarden Zigaretten verkauft, zwei Jahre nach dem Verbot war der Konsum auf 58,6 Milliarden Zigaretten gestiegen. Weitere zwei Jahre später gar auf knapp 65 Milliarden Stück. Und im Jahre 1991 – also knapp 30 Jahre nach der Einführung des Werbeverbotes – kauften die Italiener über 92 Milliarden Zigaretten.

Wirkungslos waren auch Teilwerbeverbote, wie sie in verschiedenen Ländern verfügt wurden: Die Tabak-Werbeabstinenz am Fernsehen in den USA, welche die Industrie im Jahren 1971 einführte (die freiwillige Massnahme wurde kurz darauf durch ein Verbot ergänzt), war ebenfalls wirkungslos: Von 510 Milliarden Stück zwei Jahre vor dem Verbot betrug der Absatz zwei Jahre nach dem Verbot 590 Milliarden Zigaretten.

All diese Fakten beweisen, dass Werbeverbote untaugliche Mittel im Kampf für eine Reduktion des Zigarettenkonsums sind.

Vergleichbare Zahlen aus der Schweiz zum Tabak- und Alkoholkonsum sind nicht erhältlich, weil es hier (ausser im Kanton Genf) keine allgemeinen Werbeverbote gibt.

Der Bonner Wissenschafter Reinhold Bergler bringt es in seiner Arbeit «Zigarettenwerbung und Zigarettenkonsum» (Psychologische Studie, Bern-Stuttgart-Wien, 1979) auf den Punkt:

«Alle vorhandenen Daten lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Ein Werbeverbot für Zigaretten stellt (......) keine wirkungsvolle Massnahme zur Verlangsamung des Verbrauchsanstieges oder gar zum Rückgang des Zigarettenkonsums dar.»

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Alkoholkonsum

Die Auswirkungen der Werbung auf den Konsum von alkoholischen Getränken sind keinesfalls erwiesen. Das mag folgende Grafik aus Deutschland veranschaulichen.

Gegenläufige Entwicklung von Werbeausgaben und Konsum:
(indexierte Werte 1990 = 100)

Derweil die Ausgaben für Werbung ständig angestiegen sind, ist der Gesamtkonsum in Deutschland kontinuierlich gesunken. Eine Korrelation zwischen Werbeaufwendung und Konsum ist nicht nachzuweisen. (ZAW-Schwarzbuch Werbeverbote 2002)

1b) Konsum von Alkohol und Tabak nimmt in der Schweiz ständig ab – trotz Werbefreiheit

Tabakkonsum
Der Tabakkonsum in der Schweiz nimmt seit einiger Zeit durchschnittlich um 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr ab.

Alkoholkonsum
In der Schweiz ist der Konsum von Spirituosen in den zehn Jahren zwischen 1991 und 2001 von 4,5 auf 3,9 Liter pro EinwohnerIn gesunken. Dies entspricht einer Abnahme von 13 Prozent. In der gleichen Zeitspanne stiegen die Werbeausgaben von Spirituosenmarken von 10,85 auf 16,47 Millionen Franken, was eine Zunahme von 52 Prozent bedeutet respektive von 21 Prozent, wenn die entsprechende Teuerung von 20 Prozent berücksichtigt wird.

Die gleichen Phänomene konnten in Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien festgestellt werden. Bemerkenswerterweise liess sich auch in Schweden, das 1978 ein Werbeverbot einführte, keine Senkung des Konsums notieren.


2. Werbung schafft nicht Raucher und Trinker
Wir alle wissen, dass Werbung praktisch nie der Auslöser für den Konsum von Alkohol- oder Tabak-Produkten ist. In den häufigsten Fällen führen sozialer Druck oder Gewohnheit im familiären Umfeld dazu, dass ein junger Mensch zur Zigarette oder zu alkoholischen Getränken greift.

Die nachstehenden Ergebnisse über Rauchgewohnheiten 13- bis 19-jähriger in der Schweiz entstammen der «Motivstudie Rauchen», die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz und des Bundesamtes für Gesundheit im Sommer 1997 durchgeführt wurde.


angegebene Gründe für das Rauchen 17-19 Jährige

Aus Genuss oder Lust, weil sie den Geschmack mögen  43%

Weil FreundInnen rauchen  15%

Aus Gewohnheit 26%

Wegen Stress, Problemen oder Frust  18%

Zur Beruhigung und Entspannung 25%

Aus Abhängigkeit/Sucht; ich kann nicht aufhören 21%

Aus Langeweile oder Unsicherheit 15%

Weil Rauchen cool ist 3%


Werbung wird in dieser Motivstudie des BAG nicht einmal erwähnt. Und selbst wenn man «Rauchen ist cool» als Motivation annimmt, bleibt der Prozentsatz weit hinter den anderen Gründen.

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2a) Warum denn überhaupt Werbung?

Tabakkonsum
Damit ist nicht gesagt, dass Werbung nicht wirkt. Sie hat vielmehr den Zweck, Marken zu positionieren, Marktanteile zu sichern und dem rauchenden Konsumenten aufzuzeigen, welche Produkte auf dem Markt sind, damit er seine Wahl treffen kann.

Plakate oder Inserate machen aus Nichtrauchern keine Raucher, sondern motivieren durch auffallende Kampagnen den Raucher der Marke X, einmal die Marke Y auszuprobieren. Werbung soll die Auswahl erleichtern und helfen, Marktanteile zu verschieben.

Ein Werbeverbot wird nicht dazu führen, dass weniger Leute rauchen oder weniger Personen mit dem Rauchen beginnen, sondern es wird lediglich die Markverhältnisse stabilisieren und Monopolisten schützen. Firmen, die ihre Marktanteile gesichert haben, würden demnach von einem Werbeverbot profitieren.

Dies war übrigens der Grund, warum in Frankreich und in Italien Tabak-Werbeverbote eingeführt wurden: Der Staat, der das Tabakmonopol besitzt, wollte eine Marktverschiebung zu ausländischen Produkten möglichst vermeiden.

2b) Es gibt bereits zahlreiche Einschränkungen

Dass Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum nicht gesundheitsfördernd sind, weiss auch der Gesetzgeber. Deshalb hat er bereits zahlreiche Werbe-Einschränkungen erlassen, welche in der Verfassung (Art. 105) und in diversen Gesetzen (Alkoholgesetz, Lebensmittelgesetz, Radio- und TV-Gesetz etc.) enthalten sind.

Ausserdem gelten für die Umsetzung der Werbung strenge Einschränkungen, indem zum Beispiel keine Personen beim Konsum von Spirituosen oder beim Rauchen abgebildet werden dürfen.

Sowohl die Alkohol- als auch die Tabakbranche haben sich vor allem zum Schutz der Jugend zudem mehrere Beschränkungen im Vertrieb sowie in der Kommunikation auferlegt (siehe unten, Seite 11).


3. Werbeverbote sind heuchlerisch und widersprüchlich

Tabakkonsum
Die Diskrepanz zwischen Werbeverbot und Konsum ist aber nicht die einzige Ungereimtheit, auf die es hinzuweisen gilt: Der Anbau von Tabak wird in der Schweiz indirekt subventioniert, indem 2,6 Rappen von jedem Zigaretten-Päckli an die Tabakanbauer geht. Das sind pro Jahr rund 20 Millionen Franken.

Heuchlerisch ist es also, wenn der Staat einerseits den Anbau eines Rohstoffes unterstützt und dessen Verkauf und Konsum legitimiert, aber gleichzeitig die Werbung für dieses legale Produkt verbietet.

Alkoholkonsum
Der Ertrag der Eidgenössischen Alkoholverwaltung EAV stammt im Besonderen aus der Besteuerung von alkoholhaltigen Getränken sowie aus dem Handel von Alkohol für die Herstellung von Spirituosen oder solchem für industrielle Zwecke.

Das Geschäftsjahr 2000/2001 schloss die EAV mit einem Gewinn von 240,6 Millionen Franken ab und übertraf damit das Budget um 42,7 Millionen.

Der Nettogewinn der EAV fliesst zu 90 Prozent in die AHV und in die Invalidenversicherung IV. Die verbleibenden zehn Prozent gelangen im Verhältnis der Einwohnerzahl an die Kantone. Diese sind angehalten, mit dem Geld Suchtprävention zu betreiben. Des Weiteren helfen die Steuern auf den Spirituosen der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme sfa sowie weiteren Organisationen, ihre Aktivitäten im Bereich der generellen Alkoholabhängigkeit zu finanzieren sowie Prävention auf dem Gebiet des Tabak- und Drogenmissbrauchs zu betreiben.


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4. Werbeverbote beeinträchtigen die Marktwirtschaft

Werbeverbote verletzten Grundrechte: Wer ein Produkt anbietet, das legal und frei erhältlich ist, der soll auch mitteilen dürfen, dass es auf dem Markt ist. Er darf deshalb Vorzüge des Produktes anpreisen, solange die Werbung nicht missbräuchlich oder unlauter ist. So lauten die Regeln der Marktwirtschaft, der Handels- und Gewerbefreiheit und der Meinungsäusserungsfreiheit.

In der Verfassung der Eidgenossenschaft ist diese in Art. 16 garantiert:

1 Die Meinungs- und Informationsfreiheit ist gewährleistet.

2 Jede Person hat das recht, ihre Meinung frei zu bilden und sie ungehindert zu äussern und zu verbreiten.

3 Jede Person hat das Recht, Informationen frei zu empfangen, aus allgemein zugänglichen Quellen zu beschaffen und zu verbreiten.

Werbeverbote widersprechen also deutlich der Verfassung. Die Grundgesetze der Kantone enthalten im übrigen alle ähnlich lautende Artikel.

Werbeverbote sind immer auch medienpolitisch brisant: Sie beeinträchtigen die kommerzielle Existenz von Verlagen und damit nicht zuletzt auch die Vielfalt der Presse.


5. Werbeverbote schaden der Volkswirtschaft

Werbung ist für die Hersteller von Waren ein Mittel zum Abbau von Risiken bei Investitionen. Wenn im Vertrauen auf den vorhandenen Bedarf produziert wird, die Erzeugnisse aber wegen mangelndem Wissen auf Seiten der Konsumenten nicht abgesetzt werden können, erleidet die Volkswirtschaft Verluste.

Werbung ist somit Teil der volkswirtschaftlichen Produktivität. Wird diese bewusst durch Werbeverbote eingeschränkt, wirkt sich das auch negativ auf die Volkswirtschaft aus.

Das gesamte Werbeaufkommen in der Schweiz liegt bei 5 Milliarden Franken pro Jahr.

Davon investieren allein die Tabak- und die Alkoholindustrie in der Schweiz pro Jahr über 100 Millionen Franken in Werbung und Sponsoring. Ein Ausfall dieser Beträge hat gravierende Einbussen bei Medien und Veranstaltern zur Folge.

Das Verbot trifft aber auch kleine Betriebe: Dadurch, dass Veranstaltungen nicht mehr durchgeführt werden können, sind auch Zulieferer betroffen. Ein Beispiel: Ein Fussball-

Grümpelturnier, das einen Sponsor aus der Bierbranche hatte, findet nicht mehr statt. Der Metzger und der Bäcker, die bis anhin Würste und Brötchen geliefert haben, verlieren Umsatz, ohne dass sie selbst umstrittene Produkte vertreiben.

Ausserdem: Tabak- und Alkoholprodukte sind nicht die einzigen, welche gesundheitlich als bedenklich gelten. Es ist bekannt, dass auch Werbung für andere Produkte ins Schussfeld der Kritik kommen wird: Süsswaren, fetthaltige Nahrungsmittel, Butter und sogar Autos sind manchen ein Dorn im Auge. Es ist also zu befürchten, dass Werbeverbote oder zumindest Einschränkungen auch für solche Produkte angestrebt werden.

Werbung gilt als Motor der Wirtschaft. Verbietet man die Werbung, würgt man auch die Wirtschaft ab. Ein Bestreben, das gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten unverantwortlich ist.


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6. Werbeverbote gefährden Arbeitsplätze

Bei der Einführung von Werbeverboten sind immer auch arbeitspolitische Konsequenzen zu befürchten. Diese wirken sich vor allem aus auf Mitarbeiter in der Werbe- und der grafischen sowie in der Druckindustrie und schliesslich auf die Medien sowie die Zulieferer.

Da alle Medien zu einem erheblichen Teil über Werbung finanziert werden, hat die absichtliche Einschränkung der Werbung auch direkte Folgen für diese Unternehmen.

Dies umso mehr, als die Medien im Moment ohnehin mit massiven Einbrüchen beim Werbeaufkommen konfrontiert sind. Werbeverbote reduzieren das ohnehin schwache Aufkommen zusätzlich.

Betroffen wären auch kulturelle Veranstaltungen (z.B Jazz-Festival in Montreux), die zu einem grossen Teil durch Sponsoring von Tabak- und Alkoholfirmen finanziert werden.


7. Werbeverbote verhindern Produkteinnovation

Dass Werbung aber nicht bloss marketingtechnisch, sondern auch bezüglich Qualität Konsequenzen haben kann, belegt die Tatsache, dass Zigaretten heute um 40% weniger Teer aufweisen als vor 25 Jahren. Wenn also jemand ein Produkt verbessert oder verfeinert hat, muss er anschliessend die Möglichkeit haben, dem Markt die Innovation mit zu teilen und das neue Produkt zu lancieren. Darf er das nicht, so wird er in Zukunft auf die aufwändige Verbesserung oder Innovation verzichten und keine Gelder mehr in die Forschung investieren. Ohne Werbung also keine Marktanpassung.

Werbeverbote verhindern, dass der Konsument über Produkte-Innovationen informiert werden kann. Also gibt es auch keine Innovationen mehr.


8. Strapazierung des Föderalismus

Auf Bundesebene ist bislang keine Initiative zur Eindämmung der Werbefreiheit für alkoholische Getränke und Tabakwaren vom Volk gutgeheissen worden. Mit der Lancierung von entsprechenden Vorstössen in bisher 16 Kantonen wird nun versucht, Werbeverbote auf kantonaler Ebene durchzudrücken.

Mit diesem Vorgehen wird der Föderalismus ausgehöhlt und missbraucht. Die Folgen sind ein unübersichtlicher, gesetzlicher Flickenteppich, ein massiver bürokratischer Mehraufwand und groteske Konsequenzen im Alltag.

Ein Beispiel: Anzeigen in einer Zeitschrift, die aus einem Kanton kommt, wo Werbung erlaubt ist, müssen in einem Kanton mit Werbeverboten herausgerissen oder übermalt werden.

In gewissen Kantonen sind Werbeverbote auf alle Medien bezogen, in anderen betreffen sie bloss Plakate. Da wird es zu abstrusen Situationen kommen.

Im neuen RTVG will man die Alkoholwerbung zugunsten der TV-Privatsender liberalisieren, durch kantonale Verbote werden diese Bestrebung aber unterlaufen.

Und das führt zur Diskriminierung lokaler Betriebe und Anbieter: Derweil die grossen Biermarken wie Heineken, Carlsberg etc. ihre Spots via Satelliten, respektive Kabel in die Schweizer TV-Stuben ausstrahlen können, gehen lokale Bierbrauer leer aus. Es kann doch nicht sein, dass man einheimische Unternehmen dermassen benachteiligt.


9. Fazit

Angesichts all dieser Fakten muss man zum Schluss kommen, dass Werbeverbote, so gut sie auch gemeint sein mögen, keinerlei positive Konsequenzen oder nachhaltig überzeugende Folgen haben. Im Gegenteil: Sie nützen nichts, verursachen dafür aber zahlreiche negative Konsequenzen.

Als verantwortungsbewusster Politiker muss man eine Güterabwägung vornehmen, die schliesslich klar gegen Werbeverboten ausfällt. Nicht zuletzt deshalb, weil nicht erwiesen  ist, dass Werbeverbote den Konsum reduzieren, gibt es nur eine Entscheidung:

Im Zweifel für die Freiheit.

 

10. Alternativen: Prävention und Selbsteinschränkung

Das Ziel kann nicht die Steigerung des Konsums sein – weder von Tabak- noch von Alkoholprodukten. Die Bestrebungen richten sich einzig gegen die nutzlose Einschränkung der Kommunikation. Und es gibt andere und sinnvollere Wege, um den übermässigen Konsum vor allem bei Jugendlichen einzuschränken. In erster Linie sind präventive Massnahmen sowie Selbstbeschränkungen der Industrie zu nennen. So ist z.B. Tabak-Werbung im Umfeld von Schulen verboten. Ebensowenig sind Inserate in Publikationen erlaubt, welche sich hauptsächlich und explizit an Jugendliche unter 18 Jahren richten. Ausserdem ist das Mindestalter für den Verkauf von Tabakwaren auf 16 Jahre festgelegt worden.

Im Januar 2005 haben auch die Hersteller alkoholischer Getränke ähnlich lautende Selbstbeschränkungsmassnahmen eingeführt. Und die Lauterkeitskommission wird in diesem Zusammenhang als Schlichtungsstelle fungieren.

Das Alkoholgesetz untersagt die Abgabe von Spirituosen an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die anderen alkoholischen Getränke (Bier, Wein etc.) dürfen gemäss Lebensmittelverordnung (seit Mai 02) nicht an Personen unter 16 Jahren abgegeben werden.

Das Eidg. Lebensmittelgesetz (Art. 60) erteilt dem Bundesrat die Befugnis, die speziell an Jugendliche gerichtete Werbung für alkoholische Getränke einzuschränken.

Ausserdem sind höhere Preise sowie die Regulierung des Konsums durchaus taugliche Mittel, um den Missbrauch von Tabakprodukten einzuschränken.

Schweizer Werbung SW, März 2005, Piero Schäfer

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09.05.2003

«Allianz gegen Werbeverbote»

Stopp-Werbeverbots-Kampagne

Anlässlich der Mitgliederversammlung der Schweizer Werbung SW in Lausanne wird am 9. Mai eine Kampagne der «Allianz gegen Werbeverbote» präsentiert, welche die Bevölkerung gegen die grassierenden Werbeverbote sensibilisieren soll. Thematisiert wird dabei die in Werbeverboten implizierte Zensur. Und die meisten Medien haben ihre Teilnahme bereits zugesichert.

Inseratemotiv Kampagne Stopp Werbeverbote

Die Werbefreiheit ist Bestandteil der freien Marktwirtschaft. Wer ein legal erhältliches Produkt auf den Markt vertreiben will, kann es deshalb bewerben. Wird diese Werbefreiheit durch Verbote eingeschränkt oder gar vollständig verunmöglicht, ist das nichts anderes als Zensur und ein massiver Eingriff in die verfassungsmässigen Rechte.

Nachdem das Bundesgericht einen Rekurs diverser betroffener Verbände und der Industrie gegen ein Werbeverbot im Kanton Gengf abgewiesen hatte, war abzusehen, dass weitere Kantone Werbeverbote, insbesondere für Tabakprodukte- und alkoholische Getränke, einführen würden. Diese Entwicklung war das Signal für die Gründung einer «Allianz gegen Werbeverbote», welche inzwischen über zwanzig Institutionen umfasst. Ziel der Allianz ist es unter anderem, die kantonalen Politiker über die Nutzlosigkeit von Werbeverboten ins Bild zu setzen. Im März haben 3000 kantonale Parlamentarier in allen Landesteilen und drei Sprachen ein entsprechendes Argumentarium der Allianz erhalten.
 
Werbekampagne gegen Zensur
Mit einer Werbekampagne soll jetzt aber auch die Bevölkerung auf das Thema Werbeverbote sensibilisiert werden. Die von der Zürcher Werbeagentur Publicis konzipierte Serie stellt die Zensur in den Mittelpunkt. Mit schwarzen Balken werden bestehende Anzeigen und Plakate abgedeckt, um die verbotene Kommunikation zu versinnbildlichen. Denn letztlich sind Werbeverbote nichts anderes als staatliche Zensur. Die Kampagne, die am Tag der Werbung vorgestellt wird, ist ab Sommer in allen Mediengattungen zu sehen: So werden Inserate in Zeitungen und Zeitschriften, Plakate, aber auch TV- und Radiospots auf das Anliegen der Werbebranche aufmerksam machen.
Im Zentrum der Aktion steht eine Homepage der Allianz. Unter www.stopp-werbeverbote.ch sind alle Informationen zum Thema zu finden. Die Homepage wird am 9. Mai vorgestellt und ist demnächst auf dem Netz verfügbar.
 
Medien machen mit
Die Kampagne ist natürlich nur dann sinnvoll und erfolgreich, wenn sie von den Medien möglichst intensiv und weiträumig eingesetzt wird. Neben den Verlagen und den Plakatfirmen habe sich praktisch alle elektronischen Medien bereit erklärt, die Spots zu schalten. Es sind dies: - Publisuisse mit den Programmen der SRG
 - Goldbachmedia mit den Werbefenstern auf RTL, RTL2, ProSieben, Kabel 1, Vox und MTV sowie mit ihren Online-Werbeangeboten
 - Cinecom mit dem Werbe- und Programmfenster auf Sat.1 sowie (mit einem Bruttowert von Fr. 200’000.-) im Kino.
 - StarTV
 - Die Radiotele wird dafür sorgen, dass die Kampagne auf allen schweizerischen Privatradios sowie in den Regional-TV-Sendern und auf Viva-Swizz läuft.
 - Publimedia Webadvertising und Publimedia Webservices sowie die Adlink Internet Media werden entsprechende Online-Werbemittel auf den von ihnen vermarkteten Websites einsetzen. Die SevenOneMedia Schweiz bietet ausserdem an, die in den Werbefenstern von ProSieben und Sat.1 geschalteten Spots iText-fähig zu machen. Das heisst, die Spots können durch einen Laufbandtext ergänzt werden, der auf den Teletext hinweist, wo mehr Infos zum Thema zu finden sind. Durch Betätigen des Teletext-Knopfes an der Fernbedienung kommt der Zuschauer direkt auf die Seite mit den entsprechenden Erklärungen.

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09.05.2003


Jahresbericht über die Tätigkeit der Lauterkeit

Reger Kontakt zu den Medien

Nachdem die Lauterkeitskommission vor zwei Jahren mit Öffentlichkeitsarbeit begonnen hatte, manifestiert sich bei den Medien ein zunehmendes Interesse für Themen der Lauterkeit.

Die Öffentlichkeitsarbeit der Lauterkeitskommission hat bei den Medien generell ein verstärktes Bedürfnis nach Information hervorgerufen. Auf besonders reges Interesse stiess zu Beginn des Jahres 2002 bei Presse und Radios die gerichtliche Auseinandersetzung mit einem Zürcher Unternehmer, der sich von der Lauterkeitskommission in seiner Persönlichkeit verletzt gefühlt und deshalb Klage gegen dieselbe erhoben hatte. Ohne Erfolg freilich: Der Kläger zog sein Begehren sowohl vor dem Einzelrichter als auch vor dem EDI zurück, wo er eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht hatte.
 
Obschon sich die Pressestelle auf Grund dieses Gerichtsfalles publizistisch vorübergehend (bezüglich Veröffentlichung von Fällen aus der Praxis der LK) zurückgehalten hat, ist gleichwohl eine deutliche Zunahme an Medien-kontakten zu registrieren. Die Bericht-erstattung über einige konkrete Fälle im Jahr zuvor hat diverse Redaktionen zunehmend auf die Thematik der Lauterkeit aufmerksam gemacht. Vor allem Medien aus der Romandie aber auch Radios, private und DRS 1 sowie ausländische TV-Sender (z.B BBC) haben sich nach der Arbeit der LK und deren Vorgehen erkundigt. Bei der Berichterstattung stehen jeweils spezifische Anliegen wie etwa Mailings mit Gewinnversprechungen oder die Aufforderung zur Eintragung in obskure Register im Vordergrund. Die JournalistInnen verfassen Artikel zu solch konkreten Themen und lassen sich dann bei der Pressestelle über Fälle in der Praxis informieren, was gelegentlich allerdings zu schwierigen Situationen führen kann, da die LK erst dann über Entscheide berichten kann, wenn die Rekursfrist abgelaufen ist. Die aktivere Kommunikation der Lauterkeits-kommission bewirkt nicht nur eine Zunahme der Beschwerden, sondern auch des allgemeinen medialen Interesses. Im Durchschnitt wird die Pressestelle pro Woche ein bis zwei Mal kontaktiert.

Tätigkeitsbericht 2003 in Deutsch und Französisch (PDF, 100 KB)

 

07.05.2003

Was ist Werbung?

Was ist Werbung? Ausgabe 2003
Ein echter Bestseller: «Was ist Werbung»,
die SW-Broschüre über Berufe in der
kommerziellen Kommunikation.

Die Broschüre «Was ist Werbung?», welche die Schweizer Werbung SW erstmals vor drei Jahren zu ihrem 75-jährigen Bestehen herausgegeben hatte, ist soeben in ihrer dritten Auflage auf Deutsch und Französisch erschienen. Vor allem Schulen und andere Lehrinstitute verlangen das Kompendium, in welchem über 50 Berufsbilder der kommerziellen Kommunikation vorgestellt werden.
 
«Was ist Werbung?» kann per E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bestellt werden. (2012 vergriffen)

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06.05.2003

SW-Parlamentarier-Talk «Werbeverbote»

«Wehret den Anfängen»

Der traditionelle Parlamentarier-Talk der Schweizer Werbung SW vom 19. März war dem Thema Werbeverbote gewidmet. Auf dem Podium kreuzten zwei kantonale Parlamentarier, die je ein Postulat für Werbeverbote eingereicht haben, sowie ein Vertreter des Gewerbeverbandes und der CEO der Plakatgesellschaft APG die Klingen.

Der Abend vom 19. März war einem brisanten Thema gewidmet, welches die Werbewirtschaft zunehmend in Bedrängnis bringt: In diversen Kantonen sind Postulate eingereicht worden, die von der Regierung Werbeverbote für Tabakwaren und teilweise auch für Alkoholprodukte verlangen. Zwei dieser Politiker, Susanne Rihs-Lanz aus Zürich und Paul Weder aus St. Gallen, waren nach Bern gekommen, um ihre Thesen zu vertreten.

Um es vorweg zu nehmen: Die Meinungen sind gemacht. Die Befürworter von Werbeverboten sehen die Einschränkung der Kommunikationsfreiheit in erster Linie als Mosaikstein in einer ganzen Palette von Massnahmen im Kampf gegen den Missbrauch von Tabakprodukten. Auf der anderen Seite betrachten die Gegner von Werbeverboten den Abbau der Werbefreiheit als massiven Eingriff in die Meinungsäusserungsfreiheit. «Es ist nicht am Staat zu sagen, was für den Bürger gut ist», kritisierte Christian Kauter, CEO der Plakatgesellschaft APG, die politischen Vorstösse. Wichtig sei der Kampf gegen Werbeverbote auch deshalb, weil man hier am Anfang einer ganzen Reihe noch zu gewärtigender Einschränkungen stehe: «Heute ist es die Alkohol- und Tabakwerbung, morgen vielleicht schon die Schokoladen- oder die Hamburgerwerbung», meinte Kauter.
 
Susanne Rihs ist der Meinung, dass sich die Zigarettenwerbung in erster Linie an junge Menschen richtet und ihnen sugeriert, nicht «dazu zu gehören», wenn sie nicht rauchen. Diese Beeinflussung gelte es zu bekämpfen. Kauter widersprach dieser These und meinte, Tabak-werbung werde gemacht, um Marktanteile zu gewinnen und nicht, um das Verhalten zu beeinflussen. Die Zürcher Kantonsrätin bezweifelte diese Aussage und zeigte sich in erster Linie besorgt über die stete Zunahme der Raucher unter den Jugendlichen.

Paul Weder ist ebenfalls der Meinung, dass es bei Werbeverboten darum gehe, Jugendliche davor zu bewahren, mit dem Rauchen zu beginnen. Insofern seien Werbeverbote Bestandteil der Prävention. Die Werbung animiere die ganz Jungen, die gerne bereits erwachsen sein möchten, mit ihren Bildern einer coolen Erwachsenenwelt.
 
Jürg Zbinden, Kommunikations- verantwortlicher des Schweizerischen Gewerbeverbandes, sieht die Situation genereller: «Mich stört, dass man in diesem Land versucht, Probleme mit Verboten zu lösen. Dies ist die billigste und einfachste Lösung.» Das Problem liege in der Gesellschaft, in welcher die ganz Jungen bereits früh mit dem Rauchen beginnen. Die Therapie dieses Missstands liege aber nicht im Verbot der Werbung. Dies sei eine zu einfache, ja populistische Lösung. «Sie sind gegen das Rauchen und prügeln dann auf die Werbung ein», meinte Zbinden.
 
Dem stimmte Kauter zu, im Zeichen der Political Correctness sei es leider gang und gäbe, Werbeverbote zu verlangen und die Konsequenzen dann andere tragen zu lassen. Immerhin gefährden Werbeverbote in einem nicht unerheblichen Mass Arbeitsplätze.
 
Paul Weder sprach die kürzlich publizierte Studie der Weltbank an, die besagt, dass der Konsum in Ländern mit Werbeverboten um sieben Prozent zurückgegangen sei. Das sei doch ein Erfolg, meinte der St. Galler. Dem entgegnete Kauter, dass sogar die WHO nach vierjährigen Verhandlungen auf ein weltweites Tabakwerbeverbot verzichtet habe. Offensichtlich sei man bei der WHO zum Schluss gekommen, dass solche Verbote nichts brächten. Jürg Zbinden brachte als weiteren Vorwurf an die Werbeverbotsbefürworter die Frage der Meinungsäusserungsfreiheit, respektive der Zensur ein. Von einem liberalen Standpunkt aus seien Werbeverbote auch aus diesem Gund nicht zu tolerieren.
 
Den Schlusspunkt setzte Christian Kauter mit generellen Befürchtungen: In Brüssel lägen zahlreiche Dossiers in den Schubladen, welche weitere Werbeverbote vorsähen. «Da kommt eine Welle von Verboten auf uns zu», meinte der APG-CEO. Mit Blick auf die Ereignisse in den USA, wo bereits Klagen gegen McDonalds eingereicht worden sind, weil die Werbung scheinbar zum Konsum von Hamburgern animiere, meinte Kauter: «Es ist eine Frage der Zeit, bis das bei uns auch kommt. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Kommunikationsbranche jetzt und heute gegen solche Entwicklungen engagiert: Wehret den Anfängen.»

Piero Schäfer

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14.03.2003

Es lebe das Cliché

Johannes Matyassy (Präsenz Schweiz), Jürg Schmid (Schweiz Tourismus) und Balz Hösly (Osec) haben am Parlamentarier Talk der Schweizer Werbung SW über das Image der Schweiz diskutiert. Quintessenz: Es lässt sich ganz ordentlich mit den alten Clichés leben, solange man sie nicht als einzige Gradmesser konserviert.

Parlamentarier Talk

Moderator Matthias Lauterburg eröffnete die Gesprächsrunde mit der Frage, ob der Uno-Beitritt sich nun positiv auf das Image der Schweiz ausgewirkt habe. Johannes Matyassy ist vor allem überzeugt, dass es dem Image enorm geschadet hätte, wenn der Beitritt abgelehnt worden wäre: «Ein «Nein» hätte üble Kommentare verursacht. Das Abseitsstehen von der UNO konnte im Ausland niemand verstehen.»
 
Balz Hösly ist überzeugt, dass sich das Image eines Landes auch auf die wirtschaftliche Befindlichkeit auswirkt: «Für die wirtschaftliche Zusammenarbeit brauchen wir aussenpolitische Allianzen und wenn wir politisch abseits stehen, werden wir wirtschaftspolitisch erpressbar, weil wir keine Freunde haben.» Insofern ist der CEO des Osec glücklich über den Uno-Beitritt.
 
Einen direkten touristischen Nutzen hat der Uno-Beitritt kaum gebracht, immerhin ist Jürg Schmid sicher, dass sich eine Ablehnung zweifellos negativ ausgewirkt hätte. Generell meinte Schmid: «Man darf solche Fragen nicht überschätzen, die Schweiz wird von aussen ohnehin völlig anders wahrgenommen als intern.»
 
Die Befürchtung, das Image der Schweiz habe in der letzten Zeit durch mehrere negative Schlagzeilen gelitten, wurde von den Gesprächsteilnehmern nicht grundsätzlich geteilt: Die Schweiz habe möglicherweise schon an Vorsprung eingebüsst, aber sie gelte immer noch als sauber und zuverlässig.
 
Etwas differenzierter sieht das Matyassy. Studien hätten gezeigt, dass das Image im Ausland nicht unbedingt den vom Parlament definierten fünf Kernwerten (Vielfalt, humanitäre Tradition, Bürgernähe, Innovation und Qualität) entspricht. Bei der ausländischen Bevölkerung sei das Image zwar gut, bei anderen Zielgruppen sehe es aber durchaus anders aus: Positiv seien das Umweltbewusstsein, die politische Stabilität, Bildung und Forschung und die Lebensqualität. Die humanitäre Tradition hingegen wird wesentlich kritischer wahrgenommen, ausserdem hat man im Ausland den Eindruck, die Bürger seien nicht in den politischen Prozess eingebunden. «Die Schweiz gilt als wenig innovativ und zukunftsorientiert», stellte Matyassy fest, da bestehe durchaus eine Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdbild.
 
Balz Hösly erlebt in seiner Tätigkeit dasselbe: «Schweizer Unternehmen werden zwar als zuverlässig und qualitätsbewusst eingestuft, aber wir haben ein Innovationsproblem. Zudem wird die Produktivität als mittelmässig betrachtet. «Wir verlieren langsam den Anschluss» meinte Hösly, das hätten die Pisa-Studie, eine OEDC-Studie (Produktivität und Innovation) sowie der Wachstumsbericht des Seco (Produktivitätsproblem) gezeigt. «Der grosse Vorsprung ist zusammengeschrumpft. Allzu viele Unternehmer in diesem Land glauben immer noch, dass es reicht, einen roten Pass mit einem weissen Kreuz zu haben. Diese Zeiten sind jedoch vorbei.»
 
Jürg Schmid hat es da einfacher: Das Produkt Schweiz ist immer noch hervorragend. Die Hotelerie müsse freilich ihre Hausaufgaben machen. Strukturwandel sei nötig, denn es gibt auch Probleme: Die Schweiz ist rund 15 bis 18% teurer als Nachbarländer. Vor allem weil man die Kosten im Tourismus nicht einfach senken kann. Der starke Franken ist ein Wettbewerbsnachteil.
 
Das Hochpreisimage ist allerdings nicht immer nur negativ. Bei Produkten mit hoher Wertschöpfung ist man bereit, die höheren Preise zu bezahlen, ausserdem bedeute ein hoher Preis auch hohe Glaubwürdigkeit. Insofern hat Swiss Made durchaus noch seine Berechtigung.
 
Matyassy ist überzeugt, dass man unterscheiden müsse zwischen Lang- und Kurzfristigkeit des Images. Unglücksnachrichten wie Gotthard, Swissair-Grounding oder Zug hätten zwar sicher Einfluss auf das Image, der sei aber sehr kurzfristig, das langfristige Image sei dagegen äusserst stabil. «Wir leben auch heute noch von Clichés. Wenn wir davon wegkommen wollen, braucht das viele Jahre», meinte Matyassy.
 
Balz Hösly glaubt, dass es nicht sinnvoll wäre, die bestehenden Clichés mit Gewalt abschaffen zu wollen: «Was ist denn so schlecht daran, dass man uns für zuverlässig und das Land für sicher hält und es die schönsten Berge der Welt hat?» Unsere Clichés seien ja nicht zufällig entstanden. Doch er präzisierte: «Wichtig ist bloss, dass man Clichés ergänzt. Öffnung ist angesagt. Jedes Land braucht Mythen und Visionen. Visionen stehen für Perspektiven der Zukunft und die Mythen geben Selbstbewusstsein und Sicherheit aus einer erfolgreichen Vergangenheit.»
 
Und Schmid ergänzte dabei: «Unsere Clichés sind durchaus positiv belegt, wir müssen deshalb auch nicht möglichst schnell von ihnen wegkommen.» Es lebe das Cliché.

Piero Schäfer

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